Roseanne – ein Abgesang auf eine Erfolgsserie

Gastbeitrag von «Grim Kitten»

Ich glaube ich muss nicht näher darauf eingehen, dass die 90er und die 2000er Jahre das goldene Zeitalter der Sitcom-Serien gewesen sind; man denke nur an Alf, Eine schreckliche nette Familie, Full House oder an Golden Girls. Es gab jedoch auch Serien, die in heutigen Sinne einzigartig gewesen sind, weil sie zu Themen Bezug hatten, die heute undenkbar wären: Nehmen wir z.B. die Serie Die Nanny mit Fran Drescher, die eindeutig einen antifeministischen Ton besessen hat.
Die Kernstory in der Serie war ja die gewesen, dass Fran Frines (Fran Drescher) einziges Ziel gewesen war, einen Mann (wenn es geht einen wohlhabenden) zu finden,  zu heiraten und Kinder mit ihm zu haben. Eine andere Serie wäre Der Prinz von Bel-Air mit Will Smith, die, und das wäre in der heutigen Zeit völlig unmöglich, in erster Linie Kritik an der Black Community übte, die Ghetto-Gangster- und Rapkultur ins Kreuzfeuer nahm und sogar, wenn auch nur ganz leicht, den Rassismus der Schwarzen gegenüber Weißen ansprach.

Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, nicht wahr?

Nun die Serie, die mir am meisten in Gedächtnis geblieben ist, heißt Roseanne, benannt nach der Hauptdarstellerin Roseanne Barr, die die Geschichte der einfachen weißen Arbeiterfamilie Conner erzählt, die irgendwo in Illinois lebt, und sich durch den Alltag kämpfen muss.
Dabei werden Themen wie Arbeitslosigkeit, Armut, Gewaltverbrechen, wenn die Töchter durchbrennen und «viel zu früh» (schon mit 16!!!) heiraten, Schikanen, unfaire Behandlung am Arbeitsplatz, Unfälle, Rassismus usw. zur Sprache gebracht. Mit anderen Worten: In Roseanne bekommen wir nicht das «heile Welt»-Amerika, sondern das «dreckige» und «dunkle» Amerika zu Gesicht, wo sich jeder Einzelne aus der Unter- und Mittelschicht wiederfinden kann. Besonders der Realismus hat mir in der Serie gefallen, da sich die Probleme nicht wie sonst durch Zauberhand lösen und die Macher der Serie diesem eher realistischen Ton treu geblieben sind und der Familie Connor kein Happy End beschert haben.

In diesem Jahr hat man, wie man es bei vielen der alten Serien getan hat, ein Remake bzw. eine neue Staffel von Roseanne produziert und –mein Got t- ging die an den Start. Mit 25 Millionen Zuschauer pro Folge! Die erfolgsreichste Serie in der Geschichte des Senders AMC, wo sie ausgestrahlt worden ist.

Kein Wunder, denn schon in der ersten Folge der neuen Staffel ließ die Hauptdarstellerin eine Bombe platzen, indem sie sich selber, in der Serie wie auch im echten Leben, als Trump-Fan «outet», während ihre (fiktive)Schwester Jackie die Rolle der hyperemanzipierten Superfeministin einnahm und damit das radikale Lager der Hillary-Unterstützer aufs Korn repräsentierte.

Aber das ist nicht das einzig Geniale an der Serie, in der Roseanne und ihr Mann Dan (John Goodman) als konservatives, weißes Arbeiterehepaar sich mit den vor allem seit der Jahrtausendwende in Erscheinung tretenden kulturellen Verwerfungen rumplagen müssen.  Zum Beispiel wäre da ihre zweite Tochter Darlenne (Sarah Gilbert), Mutter von zwei Kindern, die sich genauso anzieht wie mit 16 Jahren, eine überzeugte Millennial, die jeden modernen Trend hinterherrennt, ihre Tochter jeden Blödsinn durchgehen lässt (Unter den Motto: Ich vertraue meiner Tochter), zulässt, dass sich ihr Sohn wie die letzte Tunte anzieht (womit besonders Dan ein Problem hat) und ihre modernen, altklugen Weltansichten jedem unter die Nase reibt (wobei sie selber nichts auf die Reihe bekommt). Roseannes älteste Tochter Becky (Alicia Goranson) wiederrum, die nach den Tod ihres Mannes Mark (Glenn Quinn: verstorben 2002) als Kellnerin arbeitet, beschließt für 50.000 Dollar sich als Leihmutter zur Verfügung zu stellen, was bei niemanden in der Familie auf Gegenliebe stößt, abgesehen von Jackie (Ihr Körper, ihre Entscheidung).

Einzig und allein DJ, den jüngsten und einzigen Sohn in der Familie, kann man als normal bezeichnen. Dieser hat geheiratet, eine Tochter mit seiner Frau bekommen und in der Armee gedient. In seinem Handlungsstrang wird besonders kritisiert, wie die USA-amerikanische Gesellschaft mit ihren Veteran umgeht.

Aber auch andere Themen wurden in der neuen Staffel zur Sprache gebracht, wie zum Beispiel der ganze Gender-Irrsinn, Fremdenfeindlichkeit, die Millennial-Kindererziehung (wo sich Jackie, die ein Lebensberatung-Diplom besitzt, gerne einmischt und wo man denkt: eine alleinstehende, kinderlose Lesbe hat mit Sicherheit mehr Ahnung von Kindererziehung, als eine Mutter, die drei Kinder großgezogen hat), Tablettensucht, illegale Einwanderer, die den Einheimischen die Jobs wegnehmen (Ja, tun sie wirklich) usw.

Mit anderen Worten: Es werden genau die Themen zur Sprache gebracht, die den durchschnittlichen Amerikaner bewegen und von Interesse sind. Ich persönlich habe jede einzelne Folge der 10. Staffel genossen und konnte gar nicht abwarten, dass es weiterging. Dann kam die Nachricht, dass man Roseanne absetzen würde. Und als man erfuhr, was der Anlass für diese Entscheidung gewesen ist, habe ich mir nur an den Kopf gefasst und gerufen: «Das kann doch nicht euer Ernst sein!»

Der Anlass war ein Tweet, den Roseanne Barr zwischen zwei und drei Uhr morgens von sich gab, in dem sie eine ehemalige Beraterin von Obama beleidigte und dabei auch die Worte «Planet der Affen» fielen, was sofort als Rassismus gegenüber Schwarzen aufgefasst wurde (was gar nicht zutreffen kann, da es sich um besagte Beraterin um eine Iranerin, zumindest Halb-Iranerin, handelte). Jedenfalls hat diese Wortwahl vollkommen ausgereicht, um die Karriere und den Ruf von Barr zu vernichten, und das noch am selben Tag, an dem sie den Tweet veröffentlicht hat; und noch heute wird diese Entscheidung in den deutschen Feuilletons gefeiert. Obwohl eine Menge afroamerikanische Prominente und Freunde von Roseanne sich für sie eingesetzt haben und sie sogar verteidigten. (Die mediale Hinrichtung kann man unter anderem hier nachlesen)
Und einmal davon abgesehen fasst man sich noch zusätzlich an den Kopf, weil man sich fragt, wie blöd kann man sein kann eine dermaßen erfolgreiche Serie abzusetzen und dann noch aus so einem nichtigen Grund? Dahinter kann nur Ideologie stecken, wenn irgendwelchen hypermoralische Gutmenschen in hohen Positionen die Serie einfach nicht gepasst hat und diese nur auf den erstbesten Grund gewartet haben, um sie abzusetzen.

Jedenfalls wurde die Serie jetzt  unter den neuen Seriennamen «The Connors fortgesetzt ». Ohne Roseanne und dass diesmal Sarah Gilbert die Hauptrolle bekommen soll, die übrigens nicht nur die erste war, die Roseanne Barr für ihren Tweet kritisiert hat, sondern auch die Entscheidung des Senders, Roseanne rauszuschmeißen, auch noch begrüßte und zusätzlich von Eskapaden am Dreh erzählte, setzt dem ganzen wirklich noch die Krone auf. Und da fragt man sich als ganz normaler Mensch, wie hinterfotzig muss man sein, um eine langjährige Kollegin, mit der man praktisch aufgewachsen ist, so in den Rücken zu fallen und das nur um der eigenen Karriere willen?

Ich sag’s ganz klar: Ich werde mir diese neue Serie nicht anschauen und ich hab schon gehört ,dass sie ein ziemlicher Rohrkrepierer sein soll,
Und ich hoffe dass Gilbert für dieses schäbige Verhalten eines Tages die Quittung dafür bekommt.

 


 

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