Merkels langer Schatten

Nach 18 Jahren an der Spitze der CDU zeichnet sich nun ein Wechsel ab. Angela Merkel tritt nicht mehr zum Bundesvorsitz der Christdemokraten an und weicht so der sprichtwörtlichen Kugel aus, die sie womöglich intern sogar zum Rücktritt vom Kanzleramt hätte zwingen können. Ein Amt abgeben, Demut demonstrieren und dennoch weiterregieren. Womöglich schafft sie es ja noch Deutschlands den Global Compact for Migration unterzeichnen zu lassen. Immerhin scheint man abgesehen von der AfD im Bundestag sehr erpicht darauf zu sein, dass Deutschlands nationale Souveränität, was auch immer davon übrig ist, zum Wohl der Weltgemeinschaft und mehreren Dutzend Millionen wanderungswilligen Migranten geopfert wird. Österreich scherte überraschend aus, nachdem die FPÖ und der Widerstand im rechten Lager des Landes Druck auf Kanzler Kurz ausgeübt hatten. Das kleine Land in den Alpen wird sich nicht vor den Karren einer globalistischen Agenda spannen lassen, während Deutschland den bereits eingetretenen Pfad weiter beschreiten will. Angela Merkels Schatten ist lang und schwer tot zu kriegen. Ihre Politik der Alternativlosigkeit hat tiefe Kerben in die deutsche Gesellschaft geschlagen. Wer glaubt, dass mit einem möglichen Ende von Merkel automatisch alles besser wird, die CDU sich mit einem transatlantischen Merz wieder auf ein konservatives Profil besinnt, irrt. Merz vermochte er nicht einmal den Ludwig Erhard Preis entgegenzunehmen,  weil Roland Tichys Name auch unter der Ehrung stand. Roland Tichy! Das möge man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Der wahrscheinlich zahmste Regierungskritiker in der etablierten Presselandschaft, der mit dem Format «Tichys Einblick» eine nur selten für Aufregung oder Erregung sorgende Plattform hat, die wohl eher dem Lager der CDUler- zuzurechnen ist, die ihrer Partei aus den 90ern und davor nachtrauern und den Schmerz so verarbeiten wollen.

Dass Merz diesen Preis wegen Tichy abgelehnt hat, beweist nur wie wenig er im Grunde für das Profil einsteht, was er in den frühen 2000ern selber noch vertreten hat. Der Unternehmer bei Black Rock und Kopf bei der Atlantikbrücke ist das geworden, was Juncker für die EU ist – ein deutscher Eurokrat, der allerhöchstens als Feigenblatt in den Wind geworfen wird, um die leichtgläubigsten, naivsten und noch immer trauernden Wähler zurückzugewinnen, die die Union an die AfD verloren hat. Aber wie oft muss sich eine Ehefrau schlagen lassen, bevor sie mal die Scheidung einreicht?

Rot-rot-grüne CDU und die Hoffnung der Ertrinkenden

Annegret-Kramp-Karrenbauer ist da das wahrscheinlich wahre Gesicht der neuen CDU, die unter Merkel eine Metamorphose zum rot-rot-grünen Ungetüm vollzogen hat.  Sie ist zur CDU-Generalsekretärin gewählt worden, bekam sogar 99% der Stimmen und durfte sich freuen, als bei ihrer Ankündigung zur Kandidatur auf den Vorsitz in der Union der Saal großen Applaus spendete. Frau Karrenbauer ließ damit Jens Spahn als Konkurrenten auf dem Applaus-O-Meter hinter sich. Ein Indiz dafür, wie es intern um die CDU bestellt ist. Der Mythos von der konservativen Basis innerhalb der Christdemokraten ist genau das – ein Mythos. Wie Neuschwabenland eine Märchengeschichte, die sich Verlierer erzählen, um ihren Schmerz zu verarbeiten.

Die CDU tickt mit wenigen Ausnahmen (Werteunion und einige Kreisverbände) links und tendiert ins grüne Lager hinein. Sie ist endlos technokratisch, neoliberal, wechselt manchmal das Farbenkleid ins Rote hinein und schickt sich an den Platz einzunehmen, den die Sozialdemokraten geräumt haben.  Angela Merkels Einfluss und die kulturelle Dominanz der Linken seit den 90er Jahren haben aus der CDU eine Partei der linken Mitte gemacht. Sie ist beliebig geworden und eilt einem Zeitgeist hinterher, speckte am rechten Rand ab und überließ das Feld damit der AfD. Dass ihre Politik der Alternativlosigkeit, egal ob Eurorettung oder Flüchtlingskrise, jetzt eine ernsthafte Alternative am rechten Ende der Republik hat entstehen lassen, hätte sie wohl nicht gedacht.

Merkels langer Schatten wird auch in den nächsten Jahren noch über der CDU hängen und dafür sorgen, dass die generelle Entwicklung der Partei nicht zurück zu alten Werten, sondern hin zu neuen Ufer geht. Und warum auch nicht? Wer der SPD gerne beim Sterben zusieht, wird sicherlich an Leichenfledderei denken. Dort fallen Wähler ab und den jeweiligen Parteien zu. Die Grünen haben gezeigt, dass man entmutigte Sozis leicht überzeugen kann sich für ein Boot voller Löcher zu entscheiden, solange man es nur grün anpinselt.

Das Lager der Bürgerlichen ist groß und wird sich unter Grünen, CDU, FDP und AfD aufteilen. Obwohl die AfD es mit Hakenkreuz-Whatsapp Nachrichten und prügelnden Abgeordenten immer wieder schafft auf den Tisch zu koten und sich dann darüber beschwert, warum sich keiner von den schick angezogenen Leuten zu ihr setzen will. Da scheint man noch nicht verstanden zu haben, dass man die entwürdigten Wutbürger, die zu Recht wütend sind, doch sowieso schon hat.

Viele in der CDU werden sich jetzt wie die Ertrinkenden an Merz oder andere Figuren klammern. Die Endsiegpropaganda und die Wahnfantasien über vermeintlich konservative Wunderwaffen im Heerlager der Union sind überall im Netz zu sehen. Plötzlich herrscht Aufbruchsstimmung bei einigen CDUlern, die einfach nicht erkennen wollen, dass ihre Partei auch problemlos ohne sie weitermachen kann und wahrscheinlich wird.

Aber wer weiß? Vielleicht werden die Ertrinkenden ja doch noch gerettet.

 


 

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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

5 thoughts on “Merkels langer Schatten

  1. Also in einem Punkt widerspreche ich dir ganz und gar YG:

    „Tichys Einblick“ ist alles andere als ein „zahmes“ Regierungskritisches Monatsmagazin.
    Schon seit Jahren kritisieren sie die Politik von Merkel, ließ doch mal diesen Artikel:
    https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/lichtblicke-kolumnen/die-arroganz-der-ahnungslosen/
    oder den hier
    https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/der-un-migrationspakt-voller-unklarheiten-und-widersprueche/
    oder
    https://www.tichyseinblick.de/meinungen/das-migrationsabkommen-als-letzter-sargnagel-fuer-die-linken-parteien/
    Tichys Einblick mag zwar kein reisserisches Blatt sein, aber ihre Artikel sind logisch. gut aufgebaut und eine wahrscheinlich einer der letzten Inseln wo noch sachlich Recherche durchgeführt wird.

    1. Ich mag tichy. Aber ist wenig biss. Bitte link mir nicht Artikel, die ich schon gelesen hab. Meine persönliche Meinung ist nicht unfundiert. Merkel kritisch zu sein ist aber noch kein automatisches Stein im Brett bei mir. So einfach

          1. Keine ahnung. Ich lese womöglich 50 Artikel pro Tag auf unterschiedlichen Seiten. Autoren, nicht Artikel, könntest mich fragen

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