Chinas Katholiken – Gleichgeschaltet

Seit Anfang des Jahres geht das Kommunistische Regime von Xi Jinping in China verstärkt gegen Katholiken vor. Kreuze und Bibeln werden verbrannt, das Verbreiten von Gebetstexten im chinesischen Social-Media steht unter Strafe. (1) Die Christenverfolgung in China ist real und verschärft sich zunehmend. Minderjährigen ist der Kirchbesuch verboten, und Erwachsene werden von »Informationsbeamten« beschattet. (2) Mit dem Ausbau des »Social Scoring« Systems drohen den Katholiken weitere empfindliche gesellschaftliche Ächtungen. Dennoch gibt es im Land ungefähr 12 Millionen tapfere Gläubige.

Doch diese sind gespalten in eine offizielle sowie eine Untergrundkirche. Die Bischöfe der offiziellen Kirche werden von den chinesischen Autoritäten eingesetzt, jene der Untergrundkirche wurden in der Vergangenheit vom Vatikan ernannt und bestätigt. Jene offiziellen Bischöfe predigen selbstredend weniger das Evangelium als die Ideale der Kommunisten. Einzig in den Untergrundkirchen ist es den Katholiken daher möglich, ungehindert von staatlicher Repression Exegese zu betreiben und die Heilige Messe zu feiern.

Im Rahmen des Abkommens akzeptiert der Vatikan nun sieben Bischöfe (3), welche von der KPCh eingesetzt wurden und zuvor vom Vatikan nicht nur abgelehnt wurden, sondern damit auch exkommuniziert worden sind. Diese Exkommunikation bedeutet, entgegen der landläufigen Meinung, nicht den totalen Ausschluss aus der katholischen Kirche. Stattdessen ist sie eine Tatstrafe, welche in diesem Fall mit der Weihe eines Bischofs ohne päpstlichen Auftrag für den Weihenden und den Geweihten von selbst eintritt. Der Exkommunizierte ist dann nach dem Codex Iuris Canonici (dem Kirchenrecht) nicht mehr berechtigt, die Sakramente oder Sakramentalien zu spenden oder zu empfangen. Außerdem darf er kein kirchliches Amt oder kirchliche Dienste und Aufgaben ausüben. Diese Exkommunikation kann ausdrücklich nur durch den Papst aufgehoben werden.

Damit wirft Franziskus nicht das Kirchenrecht über den Haufen – die Tatsache, dass besagte Bischöfe weiterhin praktizieren rechtfertigt zwar die Tatstrafe, da sie ja ohne päpstliche Genehmigung geweiht worden sind. Indem der Pontifex nun diese fehlende Genehmigung seiner Vorgänger rückwirkend erteilt, stellt er sich aber über deren (sicherlich begründetes) Urteil – ein Schritt der wohl abgewogen sein will.  Des Weiteren gibt der dem atheistischen Regime der KPCh Legitimation vor den Katholiken. So warnte Kardinal Zen, ehemaliger Erzbischof von Hong Kong, nun vor einem Appeasement vor Peking (4):

»Mit der Vereinbarung kann die Regierung nun den Katholiken sagen: Gehorcht uns! Wir sind uns mit Deinem Papst einig!«
Kardinal Zen Ze-kuin, ehemaliger Erzbischof Hong Kong

In einer Erklärung, welche auf die durch das Abkommen gestiftete Unruhe folgte, bestätigte der Pontifex dann genau diese Sorgen, indem er laut »Vatican News« erklärte (5):

»Auf ziviler und politischer Ebene sollten chinesische Katholiken gute Bürger sein, ihre Heimat voll lieben und ihrem Land mit Engagement und Ehrlichkeit dienen, je nach ihren Fähigkeiten«
Papst Franziskus zu Vatican News

Die Veröffentlichung des Abkommens steht noch aus, doch die Tatsache, dass die Nachricht gleichzeitig mit der Reise des Papstes durch die Baltischen Staaten anlässlich deren 100-jähriger Unabhängigkeit veröffentlicht wird gibt Spekulationen Raum. Es wirkt, auch durch die Kommentare der offiziellen Vatikanmedien, als solle das Abkommen durch andere Meldungen überlagert werden. Und so in den medialen Hintergrund treten. Besonders bigott ist, dass während der Papst dort vor dem Totalitarismus und dem Auslöschen anderer Kulturen warnt, während sein Vizeaußenminister das Abkommen in Peking unterzeichnet – mit einem totalitären Regime, dem Menschenleben nichts bedeuten und das gleichzeitig alles daran setzt, andere Kulturen auszulöschen (Buddhisten, Muslime, nicht-Han Chinesen etc. pp.)

Auch früher habe der Papst nicht allein über die Bischöfe entschieden, so der Pontifex auf dem Rückflug aus dem Baltikum. Dabei verwies er auf die Krone in Spanien, Portugal oder Österreich-Ungarn unter Maria Theresia. Doch dieser Vergleich hinkt. Es handelt sich bei den chinesischen Kommunisten eben nicht um ein kirchentreues Königshaus, welches der Weltkirche wohlgesonnen ist, sondern um eiskalte Atheisten, denen nur der eigene Machterhalt wichtig ist – koste es was es wolle, auch Menschenleben. Mit solchen darf die Kirche nicht Verhandeln, weil es keine gemeinsame Verhandlungsgrundlage geben kann. Da helfen auch Franziskus‘ Beschönigungen über »die Zeichen der Zeit« nicht.

Wie verkommen diese Teile der Kirche sind, zeigt sich besonders am Leiter der päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften in Wien. Er meinte Anfang des Jahres in einem Interview, dass das chinesische Regime die Lehren der Kirche in sozialen Fragen heute wahrscheinlich am besten umsetze – vor allem, was den Umweltschutz und die Menschenwürde anbelange (6). Wer so spricht, scheint den individuellen, auf Freiwilligkeit basierenden Ansatz der katholischen Soziallehre nicht verstanden zu haben. Den Chinesen dann noch beste Umsetzung der Menschenwürde zu attestieren, schlägt dem Fass den Boden aus.

Am schwersten wiegt für mich aber, dass der Papst all dies duldet und so diese Gleichschaltung der Hl. Mutter Kirche mit den Kommunisten ermöglicht. Er kommt so seinem Auftrag, die Kirche zu einen, nicht nach, sondern säht Zweifel, Verwirrung und Disput.

Ich hoffe, dass das gemeinsame Gebet für die Weltkirche diesen Verirrungen den Wind aus den Segeln nehmen kann und rufe alle treuen Katholiken unter meinen Lesern dazu auf. Da ich mir darüber jedoch nicht sicher sein kann, habe ich zusätzlich diesen Kommentar geschrieben.

Bild: Pixabay


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Libertär-konservativ – schreibt hier vor allem über internationale Politik.
Schuftet nebenbei in den Goldminen als Aushilfsarbeiter.

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