Funksprüche aus dem Kalifat von Rotterdam

von Ignatius:

Arztbesuch in Rotterdam

Eine üble Erkältung zwingt mich während der Geschäftsreise zum Arzt zu gehen. In Rotterdam weht ein rauer Wind von der Küste her und der Herbst war zwar sonnig, aber des nachts nicht ohne Temperaturen, die einen Mann frieren lassen. Vor allem wenn er abends ein Bier mit Kollegen trinkt und dünn bekleidet nach Hause ins Hotelzimmer torkelt.

Am Montag in der Herrgottsfrühe sitze ich also beim Arzt. Die Schwester am Tresen ist Niederländerin mit roten Haaren. Sie ist dick, wenn nicht gar fett. Als sie mich in den Warteraum schickt, setze ich mich zu ca. 20 anderen Personen, die alle Husten oder andere Seuchen haben. Alle paar Minuten kommt eine Schwester herein und ruft die Patienten auf – aus meiner Erinnerung in etwa so:

Mombeke
Mohammed
Rivali
Özkan
Bese
Ranwali

Die Schwester spricht die Namen gut aus, vor allem die türkischen und arabischen. Sie trägt kein Kopftuch, dafür Schminke und roten Lippenstift. Allem Anschein nach eine integrierte Türkin oder Kurdin, die kaum von den Niederländern zu unterscheiden ist.  Als ich dem Doktor die Hand gebe und mich setze, fällt mir das große Portrait von Muhammad Ali Jinnah hinter seinem Sessel auf. Der Gründer von Pakistan, der islamischen Abspaltung von Großindien, blickt ernst auf uns herab. In gutem Oxford-Englisch unterhalten wir uns über meine Leiden, bevor er mir ein Medikament verschreibt und mich freundlich verabschiedet. Sogar einen Bonbon gab es zum Abschied, der mir nicht schwer fällt.

«Es gibt keinen Grund sich zu beschweren», sage ich mir innerlich mehrmals und versuche zu verstehen, warum mich die Praxis trotzdem so verstört hat. Alle haben sich doch friedlich verhalten, sprachen Niederländisch oder Englisch und wirkten zumindest oberflächlich integriert. Die Straßen von Rotterdam sind verhältnismäßig sauber, ein paar Niederländer fahren auf Fahrrädern an mir vorbei und arabische Touristen, junge Männer mit dunklen Stoppelbärten lassen sich mit erhobenem Zeigefinger vor einer Brücke und einem rot bedachten Häusschen ablichten. Kein Grund zur Beunruhigung – es könnten auch Neonazis sein, die einen Hitlergruß machen! Also warum sich gerade an diesen Leuten hier stören? Idioten gibt es doch überall! Oder nicht?

Am nächsten Tag sitze ich im Konferenzsaal mit ein paar belgischen, französischen und niederländischen Kollegen. Wir sitzen abgeschirmt im Großraumbüro, trinken Kaffee aus blauweißen Tassen und unterhalten uns über Zahlen und Datensätze, die für das Geschäftliche von Bedeutung sind. Bei offenem Fenster kann man die Kinder auf der Straße hören, die zur öffentlichen Schule gehören. Ein Betonklotz, der neben dem Büro hingesetzt wurde und von den Kindern der hier arbeitenden natürlich nicht besucht wird. Aber andere Eltern schicken ihre Kinder dorthin.

Beim Blick aus dem Fenster in der Mittagspause kann ich sie beobachten, die kleinen Jungs mit schwarzen Haaren und die Mädchen mit bunten Kopftüchern. An einem Zaun haben sich vielleicht fünf oder sechs arabische Kinder versammelt, allesamt junge Krieger, die mit erhobenem Zeigefinger für ein Selfie posieren. Der scheinbar älteste Vertreter der Gruppe ruft dabei immer wieder: «Takbīr, Takbīr!» und die anderen Kinder antworten entsprechend mit dem Kampfruf «Allahu Ackbar.»

Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich die Kinder vermutlich nicht Bugs Bunny und den Kinderkanal im Fernsehen anschauen.


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Geboren im katholischen Rheinland – verpflichtet nur Gott, Volk und Vaterland.
Früher Afghanistan-Urlauber in Flecktarn, heute Student der Theologie und Geschichte.
War jahrelang bei der SPD und den JUSOS und trat nach 2015 aus.
Meidet Smartphones, Computer und Technik soweit es geht und übt sich ansonsten in Judo.

„Lasst uns streiten für das Königreich von Jesus Christus“

3 thoughts on “Funksprüche aus dem Kalifat von Rotterdam

  1. Ein lieber Freund, Raffinerie-Monteur, wurde schon vor ca. 10 Jahren in Rotterdam von 4 Ausländern mit Messern überfallen, als er unvorsichtigerweise außerhalb der Raffinerie
    einkaufen wollte.
    Sein Leben hat er vermutlich einem überdimensionierten Montage-Schraubendreher zu verdanken,
    den er in der Arbeitshose eingesteckt hatte und die Bande beim Flüchten Richtung Werkstor in Schach hielt !

    1. Die Problematik ist schon alt, nur damals davon zu sprechen glich an Ketzerei. Heute wirkt die Realität wie ein wahr gewordener Alptraum der Warner von Gestern.

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