„Russische Neugeborene“ und Grundschulklassen mit 90% Migranten in Berlin

 

Berlin wächst und wächst. Eine Boomstadt, die mittlerweile laut offiziellen Zählungen 3,7 Millonen Menschen beherbergt. Jeder Dritte hat jetzt einen sogenannten Migrationshintergrund. Besonders aussagekräftig ist dieses Wort jedoch nicht, impliziert es schließlich nicht unbedingt etwas negatives für die Gesellschaft. Menschen mit Migrationshintergrund sind auch Österreicher, Belgier, Franzosen, die Kinder mit einem Elternteil aus einem fremden Land und dem anderen Elternteil aus Deutschland. Das kann auch bedeuten, dass ein weißer Südafrikaner mit deutsch-niederländischer Abstammung und seine Kinder hier unter dem Begriff «Migrationshintergrund» geführt werden. Ersichtlich ist das im Stadtbild nicht unbedingt. Auch sagt Migrationshintergrund nichts über persönliche Qualitäten wie Befähigung, Charakter und den Menschen an sich aus. Migrationshintergrund hat auch der kubanische Kellner mit dunkler Hautfarbe, der katholisch ist und in der deutschen Mehrheitsgesellschaft, dieser (rest)christlichen Gemeinschaft aus weißen Mitteleuropäern kaum auffällt.

Daher lassen Sie mich diesen Beitrag mit einer kleinen Anekdote beginnen. Vor einigen Jahren hatte ich noch eine Freundin in einem ostberliner Krankenhaus, die dort als Schwester arbeitete und auch mit den Neugeborenen auf der Station zu tun hatte. Eines Tages saßen wir beim Kaffee und sprachen ein wenig über ihre Arbeit. Zur Ex-Freundin sei gesagt, dass sie wenig politisch ist und auch kein Interesse daran hat. Aber in einem Nebensatz, der für sie nicht wichtig schien, mir aber eine Menge sagte, sprach sie von den seltsamen Kategorisierungen, die in Deutschland vorgenommen werden. So verzeichnet Ostberlin, genauer Lichtenberg, kaum Bewohner mit Migrationshintergrund, wenn man das mit dem Rest von Berlin vergleicht – vor allem dem Westen. Laut aktuellen Zahlen leben dort knapp 25% sogenannte Menschen mit Migrationshintergrund, die also selbst zugewandert sind oder von Zuwanderern abstammen (Türken mit deutscher Staatsbürgerschaft, die in der dritten Generation hier leben, zählen oftmals nicht mehr zum Migrationshintergrund.  Genauer heißt es laut Statistischen Bundesamt: „Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Im Einzelnen umfasst diese Definition zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländer, zugewanderte und nicht zugewanderte Eingebürgerte, (Spät-)Aussiedler sowie die als Deutsche geborenen Nachkommen dieser Gruppen.“

Ergo heißt dies, dass die Kinder von Aygün und Hakan (Beispielnamen), deren Eltern, die Gastarbeiter aus Anatolien, vielleicht schon in den späten 80er eingebürgert wurden, keinen Migrationshintergrund mehr haben. Denn Aygün und Hakan haben sind bereits mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren und ihre Kinder sind demnach auch nicht mehr mit dem Begriff «Migrationshintergrund» zu klassifizieren. Sie sind de jure Deutsche, selbst wenn sie sich voll und ganz zu Erdogan und zum Türkentum bekennen würden (was nicht alle tun).

Fahren wir fort mit der kleinen Geschichte, die ich weiter oben erwähnt hatte.  Meine Ex-Freundin erzählte in einem für sie belanglosen Nebensatz, dass neben der deutschen Nationalität sehr viele Kinder mit russischer Nationalität geboren werden würden, diese Kategorisierung aber für sie nicht verständlich sei, weil das ja «Muslime sind». Genauer sprach sie von Muslimen, die den eurasischen Turkvölkern und anderen Minderheiten innerhalb der russischen Förderation angehören, beispielsweise Tschetschenen. Obwohl diese für meine Ex-Freundin nicht als russisch wahrgenommen werden und sich vielleicht auch selber nicht so sehen, werden sie in die Statistik aufgrund ihres Herkunftslandes und ihrer Pässe als «Russisch» geführt. Ihre nationale Identität könnte aber eine ganz andere sein. Sie sind selbst vielleicht muslimische Tartaren, Inguschen oder Tschetschenen und fühlen sich der Umma(Gemeinschaft aller Muslime weltweit) mehr verbunden, als Russland oder der Bundesrepublik Deutschland.

Kindergärten und Schulklassen sind die Zukunft

Ein kaum beachteter Bericht aus der Zeitung klärt dahingehend etwas auf. Seit 2016, also kurz nach der sogenannten Flüchtlingskrise, ist die Geburtenrate in Deutschlands Hauptstadt angestiegen.

 

„Die Geburtenrate in Berlin ist 2016 deutlich angestiegen. Die Rate lag nach Angaben des Landesamtes für Statistik Berlin-Brandenburg vom Donnerstag bei 1,54 Kindern pro Frau. 2015 brachte jede Berlinerin statistisch gesehen im Schnitt 1,45 Kinder zur Welt. Das bedeutet einen Anstieg um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. […]

Je nach Herkunft der Frauen ergeben sich dabei große Unterschiede: Während der Wert deutscher Frauen 2016 bei 1,38 Kindern je Frau lag (Plus 3 Prozent zum Vorjahr), betrug der Wert für ausländische Frauen 2,04 Kinder je Frau, ein Anstieg um 10 Prozent. Noch deutlicher ist die Veränderung bei Frauen mit syrischer, afghanischer und irakischer Staatsangehörigkeit. Fast jede fünfte Frau dieser Staatsangehörigkeit brachte 2016 ein Kind zur Welt. Insgesamt wurden 1262 Kinder von syrischen, afghanischen und irakischen Frauen in Berlin geboren. Dies entspricht einer Geburtenziffer von 4,85 Kindern je Frau. Im Vorjahr lag die Geburtenziffer noch bei 2,68 Kindern pro Frau.“  – Berliner Morgenpost, 08.03.2018

Foto: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg ; https://www.morgenpost.de/berlin/article213661055/Geburtenrate-auf-hoechstem-Wert-seit-Wiedervereinigung.html

 

Wenn wir in die Krippen und Grundschulen der Bundesrepublik und von Berlin im Speziellen blicken, können wir die Zukunft Deutschlands vor uns sehen. Sei sie nun gut oder schlecht. Abstreiten lässt sich nicht, dass die Kinder, die jetzt in die Grundschulklassen gehen, in zehn oder zwanzig Jahren die dominante und wichtigste demographische Gruppe in Deutschland bilden werden. Die arbeitstätigen bzw. arbeitsfähigen Menschen im jungen bis mittleren Alter, die Posten in Ministerien, Polizei, Feuerwehr, Krankenhäusern, Hotels usw. besetzen werden MÜSSEN.  Sie sind die zukünftige deutsche Gesellschaft.

Dazu erneut ein Zitat aus der Berliner Morgenpost (19. 10. 2018)

„Den höchsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund gibt es in Gesundbrunnen im Bezirk Mitte. Von den rund 94.000 Einwohnern gehören knapp 60.000 (63,4 Prozent) zu dieser Gruppe. In Tiergarten-Süd sind es knapp 61 Prozent. Der Stadtteil Neukölln im Norden des gleichnamigen Bezirks kommt auf 55 Prozent. Wedding und Kreuzberg auf 53 Prozent, Charlottenburg-Nord auf 49 Prozent und die Ortsteile Reinickendorf und Siemensstadt (Spandau) auf 45 Prozent. Dass sich die Bevölkerungsanteile der Einwanderer in den nächsten Jahren weiter erhöhen werden, zeigt sich an den Zahlen zu Kindern und Jugendlichen. Sie liegen jeweils deutlich über dem Durchschnitt der Stadtteile.

So beträgt der Migrationsanteil bei den 6- bis 14-jährigen Schulkindern in Gesundbrunnen 88 Prozent. Bei allen Kindern und Jugendlichen vom Säugling bis zum 17-Jährigen sind es dort 85 Prozent. Ähnliches gilt für die 6- bis 14-jährigen Schulkinder im Stadtteil Neukölln (82 Prozent), Wedding (80 Prozent) und Kreuzberg (71 Prozent). Die größten Gruppen unter den Einwanderern sind türkischer Herkunft, es folgen Menschen mit arabischen Wurzeln, Bewohner aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Polen und mit einer Herkunft aus den früheren jugoslawischen Staaten.“

“  – Berliner Morgenpost (19. 10. 2018)

Fakt für Zwischendurch: Ich bin im Wedding, Bezirk Mitte, aufgewachsen. Gesundbrunnen gehörte zu meiner unmittelbaren Wohnumgebung für mehr als 15 Jahre.   Erinnern wir uns beim Betrachten dieser Daten an die Aussage meiner Ex-Freundin aus dem Krankenhaus. Das Herkunftsland (ehemalige Sowjetunion) oder jugoslawische Länder auf dem Balkan sagt hier nichts über die Religion oder die Einstellung zur Bundesrepublik Deutschland aus.  Dass es sich hier nicht um ein Berliner Problem handelt, sondern weit verbreitet ist und sogar die Provinz erreicht hat, weiß die kleine Schule in Neu-Ulm zu bestätigen, wo 90% der Kinder einen sogenannten Migrationshintergrund haben (Augsburger Allgemeine). In diesem Fall handelt es sich fast ausschließlich um Muslime. Integrationsprobleme sind groß, die Schule überfordert (mehr Beispiele lassen sich leicht finden).

Derweil gibt eine andere Statistik, genauer die über die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft, hier Gelegenheit zum Nachdenken. In Berlin leben laut offizieller Zählung nur noch ca. 15% Protestanten (Mitglieder in einer Kirche) und etwa 9% Katholiken (Mitglieder in einer Kirche). Laut Berliner Morgenpost ist «die Zahl der Muslime in Berlin […] schwieriger festzustellen, weil es im Islam keine klassische Kirchenmitgliedschaft gibt, die über die Registrierung beim Finanzamt und das Zahlen von Kirchensteuern erfasst wird. Geschätzt wird, dass etwa neun Prozent Muslime in der Hauptstadt leben – mit wachsender Tendenz. »

Das heißt mit anderen Worten, dass man in Berlin nicht weiß wie viele Muslime eigentlich hier leben und eine «Moslemzählung», wenn sie denn von beispielsweise der AfD gefordert werden würde, nur für Bauchweh und Unwohlsein bei Medien und Co. sorgen würde.   Fakt ist aber, dass Muslime die am stärksten wachsende Gruppe auch innerhalb derer sind, die einen Migrationshintergrund haben oder einen aufgesetzt kriegen. Fakt ist auch, dass Deutschland sich in rasender Geschwindigkeit entchristianisiert. Bis zur Jahrhundertmitte werden die traditionellen Kirchen laut eigenen Zahlen in Deutschland quasi verschwunden sein, der Islam könnte eine verhältnismäßige Mehrheit der Gläubigen in der Bundesrepublik stellen, während sich Judentum, Christentum und Nichtgläubige als kleinere oder ähnlich große Minderheiten neben ihm arrangieren müssten.

 

Zum Abschluss noch eine Anekdote aus meinem Leben. 2012 besuchte ich eine meiner alten Lehrerinnen in Reinickendorf am Gymnasium. Das Gymnasium selbst war optisch noch genauso, wie ich es in Erinnerung hatte. Mein Abitur war ja noch nicht lang her. Nur der Schulhof und der Raum vor dem Stundenplanzettel war wie ausgewechselt. Kopftuchmädchen mit schwarzen Schleiern waren neben dunkelhäutigen und dunkelhaarigen Jungs die dominierende demographische Kraft. Als ich meine Lehrerin darauf ansprach, dass ihr Leistungskurs jetzt wohl nicht mehr der selbe ist, wie noch vor zwei Jahren, seufzte sie nur und gab mir einen Blick, der deutlich machte, dass sie sich sehr auf ihren Ruhestand freute. Ein Glück, so entnahm ich das ihren Worten und ihrer Miene, war sie schon alt und würde hier nicht mehr lange zu leiden haben.

Foto: Pixabay


 

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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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