Völlig losgelöst von den Bürgern

 

 

Ohne die CSU als Teil der Union wäre die CDU nur noch bei ca. 21 oder 22% der Stimmen. Damit befänden wir uns bei Zuständen, die wir aus den anderen EU-Ländern kennen, die in den letzten Jahren den Aufstieg der Rechtspopulisten durchlebt haben. Das alte Parteiensystem der Nachkriegszeit ist zerschlagen und neue Ufer erheben sich aus dem Chaos, das 70 Jahre Kungelei und Vetternwirtschaft hinterlassen haben. Die Süddeutsche und die ZEIT schreiben sich dieser Tage um Kopf und Kragen, wenn sie versuchen zu erklären, warum Brasilien jetzt auch ganz demokratisch die Rechten wählt und weshalb sich ganz Europa scheinbar wie durch Zauberhand von den Etablierten abwendet. Betriebsblindheit ist eine Krankheit, die amüsant zu beobachten ist, nicht auf die Linken beschränkt bleibt, aber doch mehrheitlich dort verortet scheint. Heribert Prantl und seine Kollegen können scheinbar nicht verstehen, dass die politische Linke durch ihr phänomenales Versagen und ihre Missachtung der eigenen Bürger sich ihr Grab selbst schaufelt.

Eigenlob für die Rohrkrepierer

Ähnlich ergeht es wohl der CDU, die sich im Eigenlob suhlt, weil sonst keiner willens ist mal ein nettes Wort über die Kanzlerin in der Öffentlichkeit zu sagen. Beim Wahlkampf in Bayern ist sie eher eine Last und ob sie wirklich der Publikumsmagnet ist, der sie mal war, darf angezweifelt werden. Es kommt so, wie wir vermutet haben: Die Ränder werden stärker! Die Grünen-Wähler, also neureiche Linke und wohlstandsverwöhnte Stadtbewohner, bleiben beim Original, wenngleich sie Merkel sicherlich ihre Flüchtlingspolitik danken. Da es die SPD in zwanzig Jahren geschafft hat ihre Stimmen zu halbieren, weil sie sich den Grünen angleichen wollte, obwohl es die Grünen bereits gibt, spielt die Partei der Sozialdemokraten verdienterweise nur noch die dritte Geige im Land, wenn überhaupt.



Bei CDU und SPD gilt, dass sie nur noch so stark sind, weil sie sich so lange in der Bundesrepublik mit Vereinen und Führungskräften an wichtigen Schaltstellen der Macht, beispielsweise den Medien, einnisten durften. Ohne diesen Heimvorteil hätte die AfD wahrscheinlich bereits die 20 % Hürde genommen. Dabei muss sie gar nicht viel machen, sondern kann den Altparteien jegliche Arbeit überlassen. Die schaffen es in ihrer unendlichen Verbohrtheit und Blindheit auch noch ihre letzten Wähler zu vergraulen, wenn für die CDU Gestalten wie Annegret Kramp-Karrenbauer und Armin Laschet sprechen dürfen, denen die CDU noch nicht grün und links genug ist. Auch eine Sarah Wagenknecht mit einer populistischen Bewegung ähnlich Macron kann der AfD derzeit nicht gefährlich werden, weil sie die nationale Frage nicht mit der sozialen Frage vermischen will. Dabei gehören beide zusammen wie Brot und Butter. Ohne sichere Grenzen und limitierte Einwanderung ist kein Sozialstaat zu machen. Wenn sie das nicht deutlicher betont und bei der AfD ein paar Scheibchen abschneidet, wird die Linksbewegung zum Rohrkrepierer.

Die AfD muss nur die Füße still halten und nicht ständig negative Schlagzeilen produzieren, also keine Vorlagen liefern. Vielleicht sollte man dem einen oder anderem Chef bei der Partei das Twittern verbieten oder das Handy wegnehmen, damit nicht jeder Gedanke sofort ausgesprochen wird und man den Dingen seinen Lauf lässt, ohne sinnfreie Kommentare abzuliefern. Twittern wie Trump mag den Amerikanern gefallen. Aber beim deutschen Wähler sorgen die Eskalationen so mancher Regionalgrößen der Blauen eher für Unbehagen und Kopfschütteln.

Völlig losgelöst von den Bürgern

Es gibt derzeit nur zwei Parteien, die wirklich nah an ihren Wählern dran sind und diese verstehen. Das sind zum einen die Grünen, die gut mit ihrer ökologisch-veganen Bourgeoisie aus Freiburg, Berlin und anderen Großstadtvierteln umgehen können, gleichzeitig den Naturschützer auf dem Land spielen und schwäbischen Konservativen erzählen können, dass sie eigentlich so eine humanere Version der CDU sind. Sie bleiben sich in der Migrationsfrage treu, hassen weiterhin die Polizei, lehnen Grenzkontrollen immer noch ab und wünschen sich vermutlich in letzter Konsequenz ein Eurabia. Obwohl sie es natürlich nicht so benennen würden, weil ihre Fantasie die demographische Auflösung Europas nicht als Katastrophe, sondern als Befreiung sehen. Befreiung von der Nation, der Ethnie und diesem Volk, mit dem sie ja nichts anfangen können.



All diese Dinge werden von den Grünen-Wählern auch befürwortet und unterstützt. Eine Distanzierung von der Antifa oder von Hausbesetzern ist daher auch nicht zu erwarten, weil der mitteleuropäische Bobo eine politische Schimäre aus linker Kultur und neoliberaler Konsumhaltung ist, gleichzeitig aber all das fördert, was seine Existenz bedroht. Er sägt auf dem Ast, auf dem er sich ein Nest gebaut hat. Er will die Abschaffung der nationalen Identität und die Auferstehung aus der totalen Vernichtung des alten Europas. Die Grünen verdienen ihren Platz in der Politik, weil sie der wahre Gegner der politischen Rechten und Konservativen sind. Ihre Agenda ist auch die Agenda der Union geworden, wird weitesgehend von SPD und Linken geteilt – wenigstens was die Auslöschung der eigenen Wurzeln angeht. Die Grünen sind also wirklich volksnah, wenngleich sie nicht an ein Volk glauben. Aber so sind sie zumindest dicht bei ihren Wählern und verstehen sie auch, was man von CDU und SPD nicht sagen kann.

Die andere Partei, die wirklich ihre Wähler versteht, ist die AfD. Diese mausert sich mehr und mehr zur Volkspartei und spricht in Mitteldeutschland (und immer weiteren Teilen Westdeutschlands) zu den Herzen der von Politik und Medien gescholtenen Bürger des bösen Dunkeldeutschlands. Umfragen sehen die Partei mittlerweile bei 17-18,5% und man kann davon ausgehen, dass die Hälfte davon schon zum Stammwählerpool gehört. Da können sich Merkel und Schulz noch so winden und jaulen – die Alternative für Deutschland kriegen sie nicht mehr weg. Nicht ohne ihre Politik der letzten 3-15 Jahre komplett zu revidieren. Ein Ding der Unmöglichkeit, von dem aber in regelmäßigen Abständen irgendwelche mäßig qualifizierten Schreiberlinge in der Presse träumen, wenn sie den Tod der Rechtspopulisten beschwören. Seit 2018 sind diese Untergangspropheten aber deutlich stiller geworden. Die AfD vereint einen großen Teil der deutschen Arbeiter, Mittelschicht und eine Spitze der konservativen Oberschicht in einer Partei. Gemeinsamer Nenner ist der Patriotismus, der mittlerweile sogar Brücken zwischen den Konfessionen schlägt und jüdische Deutsche überzeugen kann. Trotz aller Widerstände gedeiht sie, vielleicht gerade deswegen. Nietzsche wäre stolz ob dieser bestandenen Prüfungen.

Die Taubstummen und Blinden

Amüsanterweise muss man hier zum Abschluss festhalten, dass keiner die eigenen Leser, Zuschauer und Bürger schlechter versteht, als der Rundfunk und die etablierte Presse. Sie können es nicht sein lassen ständig zu bevormunden, die AfD-Wähler zu beleidigen, schlechter zu machen als sie sind und vom hohen Ross aus auf die Leute verbal zu spucken, die sich von ihnen abgewendet haben. Damit beteiligen sich ARD und ZDF im Grunde aktiv an der Politik und sind Teil einer vierten Macht im Lande. Der bloße Aufklärungsauftrag, den die Medien einst hatten, ist Geschichte. Sie sind längst voreingenommener Teil der Politik geworden, wenn sie es nicht schon immer waren. Nur ist es heute eben offensichtlicher geworden, weil Internet und die Häme in den Gesichtern der Redakteure keinen Zweifel mehr zulassen, woher der Wind weht.

In einigen Jahren wird man noch stärker die Spaltung dieses Landes betrauern. Vor allem in den Massenmedien, wo man allerdings einen erheblichen Anteil an genau dieser Spaltung hatte, als man das Land in gute und schlechte Bürger, in Helldeutsche und Dunkeldeutsche unterteilte. Jedes mal wenn ein tendenziöser Bericht ausgestrahlt wird, ein SPD, CDU oder Linkspolitiker verbal gegen die AfD-Wählerschaft entgleist, verliert er damit nachhaltig Wähler. Wer glaubt denn, dass die Chemnitzer vergessen werden, wie man sie und ihre Stadt dargestellt hat?

Es lässt sich nicht anders sagen: Die politische Elite der Etablierten in Parteien und Medien hat jeden Bezug zur Bevölkerung verloren und ist völlig losgelöst von den Bürgern.  Dass die Wut- und Hutbürger dann entsprechend reagieren, ist verständlich, wird aber wahrscheinlich auch nicht zur Heilung beitragen, sondern die Kluft nur vertiefen.

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein beginnender «scheiternder Staat».

 

Foto: e:Benutzer: Viet2001 (Viet-Hoang Nguyen) / CC BY-SA 3.0 DE


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

2 thoughts on “Völlig losgelöst von den Bürgern

  1. die Medien tragen nicht nur einen großen Anteil an der Spaltung der Bevölkerung, sie tragen die Hauptschuld an der Spaltung in der Bevölkerung, indem sie die einen empören weil sie etwas von Nazis erzählen und die anderen empören, weil sie sie als Nazis bezeichnen. Eine Studie der Uni Leipzig und Hamburg über die Berichterstattung während der Flüchtlingskrise in 15/16 zeigt nicht nur die einseitige Berichterstattung (damals noch Fachkräfte und Familien) sondern spricht den Medien die Schuld für die Spaltung des Landes zu.

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