Danke Maria, Häschtäg #ichBinhier

Einige von uns werden sie in ihrem Freundeskreis haben. Ihr Name ist Maria, Hanna oder Luise. Spielt auch keine Rolle wie sie heißt. Sie besticht als Person dadurch, dass sie meist ansehnlich, liebenswürdig und freundlich ist. Eigentlich ein Mensch, den man gerne um sich haben will und den man als Mensch schätzt. Ein nettes Mädchen eben, dass Regenbogen auskotzen kann und der Ansicht ist, dass die allergrößte Gefahr von den Hassern dieser Welt ausgeht, die die ganze gute Laune mit ihrer Miesepetrigkeit verderben. Die kleine Maria ist gut in der Schule gewesen, entstammt sicheren Verhältnissen und wohnte bis vor kurzem in einer Gegend, wo der Quadratmeter nicht für Normalsterbliche ehrlich zu erwerben ist.

Kaum ist sie der Schule entkommen, stürzt sie sich ins Berufsleben oder wahlweise ins Studentenleben. Eigentlich ist sie auch nicht wirklich politisch und war es vor 2015 definitiv nicht. Aber beim Lesen der Süddeutschen Zeitung und beim Sichten ihres Buzzfeed Newsfeed kam sie auf die seltsame Idee, dass sie sich jetzt politisch engagieren muss. Nun, da sie ja gebildet ist und ein drei Minuten langes Video auf Youtube geschaut hat, wo eine lockige, alte und kinderlose Emanze die Welt, die AfD und die Migrationspolitik erklärt, hält sich Maria für hochgebildet und im besonderen Maße befähigt es mit ihren Freunden und Facebook-Bekannten aufzunehmen. Nur mit denen natürlich, die den dunklen Pfad gegangen sind und sich Voldemort angeschlossen haben. Denn ihr politisches und moralisches Koordinatensystem speist sich aus Harry Potter Büchern und den fünf ersten Seiten des kommunistischen Manifests, das mit dem grünen oder linken Parteiprogramm  angereichert wurde.



Maria hält sich für die Widerstandskämpferin gegen die Patriarchen und den rassistischen Staat, wenn sie kostenlos mit dem Flixbus auf ein vom Bundespräsidenten empfohlenes Konzert geht, das ihr von ihrem Lieblingsmedium, der Zeit oder wahlweise Taz, vorgeschlagen wurde.

Sie findet sich edgy und brave, wenn sie ihr Twittergebrabbel mit dem Hashtag #ReconquistaInternet oder #wirsindmehr verziert. Am liebsten würde sie zum nächsten Maximalpigmentierten sagen, den sie auf der Straße trifft, dass sie keine Vorurteile hat und es furchtbar findet, wie er hier behandelt wird.

Am Nachmittag sitzt sie im Kiezcafé und diskutiert auf Facebook mit alten Bekannten aus ihrem Heimatort  oder von ihrer alten Schule. Diskutieren meint hier, dass sie einen mehrseitigen Text im Messenger verfasst, der sich in etwa so anhört :

«Lieber X, als deine Freundin muss ich dir sagen, dass du dich auf einem finsteren Weg befindest. Bestimmt trägst du viel Wut und Hass in dir, die du nach außen trägst…

bla bla über mehrere Zeilen.

Wenn du weiterhin so blind und naiv bist, kann ich mich nicht länger mit dir abgeben . Du kannst aber gerne auf mich zurückkommen, wenn du da wieder raus willst und Hilfe brauchst. »

Wenn man Maria antwortet und sie mit Fakten bombardiert, die man in den letzten 10 Jahren politischer Aktivität angesammelt hat und versucht zu erklären, warum man so denkt wie man denkt, neigt Maria dazu einen einfach zu blockieren oder das Gespräch abzubrechen. Manchmal mit Sätzen, die Wortreihen wie «Ihr wollt nur spalten» beinhalten. Sie hört sich dabei manchmal an, als würde man den Tagesschau-Kommentator auf Dauerschleife laufen lassen. Ein Repititio ohne Ende.

Auf Instagram überprüft sie, wie viele Leute ihr Essensfoto gesehen und einen Daumen gegeben haben. Und damit auch kein Zweifel an ihrer Haltung aufkommen kann, postet sie danach auf Facebook einen Satz, der betont, dass sie es hasst wie dumm die Leute sind und das ja alle nur mit dem Strom schwimmen und nicht selber denken können  #ichbinhier

Danke Maria, dass du hier bist.


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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