Entlarven, stellen, widerlegen – die Hilflosigkeit der etablierten Medien oder „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!”

Gastbeitrag von “Tango”

 

Freitagnachmittag. Feierabend. Eigentlich ist man da guter Dinge, freut sich über zwei freie Tage. Doch wenn man nicht aufpasst, ist innerhalb von Sekunden alles kaputt. Mir ist dies passiert, nur ein kleiner Fehler und die gute Stimmung ist hin. Ich hatte bei der Autofahrt achtlos einen Radiosender eingestellt. NDR Kultur. Bevor ich mir des Fehlers bewusst wurde, hatte ich dem Beitrag des «Freitagsforums» gelauscht – und der Puls schoss in die Höhe. Diesmal durfte sich Canan Topçu in ihrem Wort zum Freitag auslassen. Titel ihres Beitrages: Sarrazin-Buch: «Gefragt sind jetzt echte Experten!»[1]

Sarrazin? Der hatte doch mal ein Buch geschrieben, kam «bei denen da oben nicht gut an». Aber das ist doch schon acht Jahre her? Ja. Aber; Er hat es schon wieder getan.

Thilo Sarrazin hat nach seinem bösen Werk «Deutschland schafft sich ab» nachgelegt und sich jenes Themas angenommen, welches das mit Abstand heißeste Eisen sein dürfte, was heute und in Zukunft die Deutschen beschäftigen wird: Der Islam. «Feindliche Übernahme – Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht» heißt das Bucht. Schon der Titel lässt vermuten, dass es bei den etablierten Parteien und Medien wenig Anklang finden wird. Denn es widerspricht dem herrschenden Narrativ der erfolgreichen Integration.



Das alles ist der Inbegriff des Feindbildes der «etablierten Medien», welche sich in ihrer Diskursherrschaft bedroht fühlen. So kommt es zumindest mir zunehmend vor. Die politischen Eliten und die mit ihnen sympathisierenden Gate-Keeper der veröffentlichten Meinung, kurzum die etablierten Medien, werden zunehmend nervöser. Schließlich zeigt sich immer stärker, dass die 2015 widerrechtlich ins Land gelassenen Flüchtlinge und andere muslimische Bevölkerungsgruppen, welche schon länger hier sind, nicht den versprochenen Erwartungen entsprechen, mit denen man den deutschen Michel beruhigen wollte. Vielmehr will das Thema Integration und Islam einfach nicht verschwinden will. Man bekommt keinen Deckel drauf, die Probleme schwelen weiter und werden nur noch schlimmer.

Ich habe Sarrazins Buch selbst nicht gelesen und um den Inhalt des Buches an sich soll es hier auch gar nicht gehen. Ein kurzes Querlesen durch Deutschland publizistischen Blätterwald lässt erahnen, wie es aufgenommen werden wird:

Auf knapp 500 Seiten unterstellt Sarrazin dem Islam Rückständigkeit, Wissensfeindlichkeit, Dialogunfähigkeit sowie Reform- und Integrationsunwilligkeit.

Das Ziel der Mehrheit der Muslime in Deutschland sei es, sich so schnell wie möglich zu vermehren, um am Ende auch hier islamische Werte durchzusetzen. Der Islam sei fundamental vom Hass auf Nicht-Muslime geprägt. […]Positives über die zweitgrößte Weltreligion mit rund 1,8 Milliarden Gläubigen sucht man vergebens.[2]

Der Narrativ ist klar. Sarrazin hat unrecht. Er spaltet. Der an sich Islam trägt keine Gefahr in sich, welche unsere erfolgreiche Multi-Kulti-Lebensart bedrohen könnte. Probleme mit dem Islam sind punktuell und definit nicht systemisch. Gehen sie weiter – hier gibt es nichts zu sehen. Die Reaktionen des politischen und medialen Betriebes fallen erwartbar aus – und mehrgleisig. Wie zu erwarten, fordern die SPD-Granden den Ausschluss Sarrazins aus der SPD (Stimmt ja – fast vergessen. Sarrazin ist SPD-Mitglied und man ist ihm immer noch nicht losgeworden…).

«Die Jusos sind klar für einen neuen Versuch, Sarrazin rauszuwerfen»[3] verkündet der JuSo-Vorsitzende Kevin Kühnert, denn «Thilo Sarrazin ist ein verbitterter Mann, der nur noch in der SPD ist, um seine absurden Thesen zu vermarkten», (SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil). Das Problem ist, dass Rauswurf, Marginalisierung und Todschweigen Sarrazins Buch und seine Thesen nicht aus der Welt schaffen.

Seit der AfD hat man schmerzlich lernen müssen, dass so etwas nicht mehr reicht. Die Devise ist nun: In der Debatte stellen, argumentativ begegnen. Entlarven, entlarven, entlarven. Der Plan scheint jedoch bei der AfD nicht wirklich aufgegangen zu sein, die AfD ist immer noch da und erlebt weiteren Zuspruch bei den Wählern.[4] Die Siegesgewissheit der «Etablierten» scheint Schaden genommen zu haben.

Und zu diesem Thema darf sich nun die Journalistin Canan Topçu stellvertretend für alle anständigen Menschen auf NDR Kultur die Frage stellen, wie man mit diesem Werk umgehen soll.

«Wäre es daher nicht sinnvoll, das Buch des allzu besorgten deutschen Bildungsbürgers zu ignorieren? Keine Zeile zu verlieren über die 450 Seiten, weil ja auch Verrisse die Aufmerksamkeit auf Bücher und Autoren lenken. Überließe man dann aber nicht das Feld denen, die Sarrazin und seine Ansichten bejubeln? Das ist ein Dilemma. Und dieses Dilemma lässt sich eigentlich nur so auflösen: besonnen reagieren und das Buch sachlich und mit fachlicher Expertise auseinandernehmen.»

Immerhin, dachte ich mir. Der Denkprozess scheint soweit eingesetzt zu haben, dass man erkennt, dass es am besten ist, sich den Thesen zu stellen. Wenn sie derart grober Unfug sind, muss es ja ein leichtes sein sie in der Luft zu zerreißen. Aber kaum war dieser Gedanke zu Ende gedacht, setzte Frau Topçu hinzu:

«Gefragt sind daher jetzt echte Experten! Die Betonung liegt auf echte. Es sollten sich Theologen, Islamwissenschaftler, Soziologen und Sozialpsychologen zu Wort melden. Ich wünsche mir, dass sie nicht darauf warten, gefragt zu werden, sondern selbst die Initiative ergreifen und ihre Expertise anbieten. Sie sollten uns Laien erörtern, was an Sarrazins Koraninterpretation problematisch ist und was sonst so alles falsch ist in diesem Buch.»

Alarm! Es ist zu handeln. Sarrazin hat Unrecht, das wissen wir doch alle. Darum auf, zu den (geistigen) Waffen! Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat an der Menschlichkeit. Aber damit klar ist, was am Ende dabei herauskommen soll:

«Kolleginnen und Kollegen lege ich ans Herz, genau zu prüfen, wen sie zu Wort kommen lassen. Die üblichen Islamkritiker werden nur Öl ins Feuer gießen und selbsternannte Experten mit ihrem Halbwissen die Diskussion nicht substantiell weiterbringen.»

Hier also die Einschränkung. Die Debatte ist nicht für jeden, nur die richtigen dürfen zu Wort kommen. Das Ziel ist klar, jetzt sollen die «richtigen Experten» ran und die passenden Ergebnisse liefern, damit am Ende herauskommt, was gewünscht wird. Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass! Untersucht das Problem wissenschaftlich, aber achtet penibel darauf, dass die richtigen Ergebnisse herauskommen. Denn es darf nun mal nicht sein, was nicht sein kann. Könnte Herr Sarrazin eventuell (in Teilen) recht haben?

Dieses Thema ist Frau Topçu zu wichtig, als dass man es darauf ankommen lassen könnte. Denn:

«Nur über besonnen geführte Debatten sind positive Entwicklungen möglich – und nicht durch Anstacheln zum Streit, was, wie jetzt in Chemnitz, sogar zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führen kann.»

Schlussendlich verblödet sich Frau Topçu tatsächlich noch die Ereignisse in Chemnitz vor ihren eiernden Meinungskarren zu spannen. Warum auch immer Kritik am Islam daran mitschuld ist, dass ein abgelehnter Asylbewerber einen Deutschen absticht. Herr Sarrazin hat mitgestochen, zumindest im Geiste.

Nachklapp oder «Was regst du dich so auf, das war doch nur eine Meinung!»

Das alles, der ganze Radio-Beitrag, hat gerade einmal 3 Minuten und 42 Sekunden gedauert. Doch es hat ausgereicht die Wochenendstimmung erheblich zu dämpfen und meine kritische Einstellung dem öffentlichen Rundfunk gegenüber zu erhöhen.

Jetzt kann man sich fragen: Was hat das alles mit dem öffentlichen Rundfunk zu tun? Alles doof, nur weil einem die Meinung nicht passt? Ist das nicht genau so engstirnig wie die Geisteshaltung, die man gerade kritisiert hat? Nein, denn Zuhause angekommen, lies mich dieser Radio-Beitrag nicht los. Er fühlte sich einfach zu «schief» an, mich beschlich das Gefühl, dass ich als Hörer nicht wirklich informiert worden war. Es handelte sich um einen Kommentar, das war mir klar. Und ein Kommentar braucht nicht neutral sein.

Wikipedia sagt dazu:

Ein Kommentar im Journalismus ist ein Meinungsbeitrag zu einem Thema, der den Autor namentlich nennt. Bei Printmedien wird der Verfasser oft abgebildet, in Hörfunk und Fernsehen spricht der Autor den Kommentar meistens selbst.[5]

Doch wen hatte sich der NDR an dieser Stelle eingeladen seine Meinung zu vertreten? Der Vorstellung des NDR nach, folgende Person:

Die Journalistin und Autorin Canan Topçu, 1965 in der Türkei geboren, lebt seit ihrem achten Lebensjahr in Deutschland. Nach ihrem Studium absolvierte sie ein Volontariat bei der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung”. Danach war sie Redakteurin bei der “Frankfurter Rundschau”. Sie arbeitet nun freiberuflich für Hörfunk, Print- und Online- Medien. Spezialisiert hat sie sich auf die Themen Integration, Migration, Islam und muslimisches Leben in Deutschland. Außerdem ist sie Dozentin – u.a. an der Hochschule Darmstadt.“

Frankfurter Rundschau, Themenschwerpunkt Integration, Migration, Islam und muslimisches Leben in Deutschland. Spätestens hier, schrillen beim kritischen Leser die Alarmglocken.

Wie sich nach kurzem Suchen im Internet herausstellte (Wikipedia sei Dank), auch vollkommen zu recht. Frau Topçu vertritt unter anderem die Position, dass sich Einwanderer, welche die Schreibweise ihres Namens an die landestypische Phonetik anpassen, zu sehr integrieren. Diesem Schritt unterliege ein falsches Verständnis von Integration und sei eine Anbiederung an Einheimische. Stattdessen plädierte sie für Hilfe bei der richtigen Aussprache der ursprünglichen Namen.[6]

Auch fordert sie, in der Berichterstattung die ethnische Herkunft von Straftätern nicht zu nennen, […] sofern diese Information «keine Erklärung für die Tat» liefere: «unachtsame Berichterstattung» könne «zur Stigmatisierung von bestimmten Gruppen führen»[7]

Frau Topçu hat eine Agenda. Und diese Agenda beabsichtigt ein Sarrazin mit seinem Buch anzugreifen. Dass sie in ihrem Kommentar eine neutrale Position einnimmt ist nicht zu erwarten. Und auch legitim. Dem Hörer wird mit der Kurzvorstellung jedoch das Gefühl gegeben, dass es sich hier um eine neutrale Journalistin handle.

Es äußert sich jedoch eine «Journalistin», welche ausgesuchte Experten dazu aufruft selbst «die Initiative zu ergreifen und ihre Expertise [anzu]anbieten» um für die anständigen Menschen die Beweise zu erbringen, dass Sarrazin nicht recht haben kann.

Ich kann dazu nur sagen: Lieber NDR. Wenn ihr schon Menschen ins Radio lasst, welche den Anspruch haben für uns zu denken, seid doch wenigstens so offen und sagt uns, wer für uns denkt. Das wäre nur fair. Ihr wollt doch Vertrauen zurückgewinnen.[8]

Quellen:

[1] https://www.ndr.de/ndrkultur/sendungen/freitagsforum/Sarrazin-Buch-Gefragt-sind-jetzt-echte-Experten,topcusarrazin100.html

[2] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_84362202/thilo-sarrazins-buch-feindlicheuebernahme-eine-abrechnung-mit-dem-islam.html

[3] https://www.merkur.de/politik/thilo-sarrazins-neues-islam-buch-spd-laesst-es-pruefen-zr-10183489.html

[4] https://www.wahlrecht.de/umfragen/

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Kommentar_(Journalismus)

[2] https://www.deutschlandfunkkultur.de/zu-viel-der-integration.1005.de.html?dram:article_id=263958

[3]  https://www.zeit.de/2013/44/berichterstattung-straftaeter-herkunft

[4]https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Medien-in-der-Vertrauenskrise-Was-zu-tun-ist,zapp9326.html


 

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3 thoughts on “Entlarven, stellen, widerlegen – die Hilflosigkeit der etablierten Medien oder „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!”

  1. Krieg jedes Mal Plaque wenn im Auto Radio läuft.. Kackpropaganda. Vorletztes WE erst.. “die Flüchtlinge, die Lampedusa erreichten,” aha? Ist es also schon jetzt geklärt, ob diese Migranten überhaupt Flüchtlinge sind? Bullshit!

  2. Die Frage ist wohl was sich der Funk denkt wenn man Menschen wie Topçu eine Plattform für ihre kruden Ansichten gibt. Es stimmt nämlich überhaupt nicht, dass die politische Rechte eine schweigende Mehrheit hinter sich weiß. Ich sehe die Deutschen eher ziemlich gleichmäßig zwischen den Lagern aufgeteilt. Und da der Rundfunk und andere Medien in den Händen der Linken sind, wird sich da auch keine Besserung einstellen und Deutschland in den nächsten Jahren erstmal massiven Schaden erleiden. Frau Topçu wird ihr farbenfrohes Deutschland bekommen und wir werden den Salat haben.

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