Die Neokonservativen befinden sich im Niedergang

Wenn Trump morgen den Krebs heilen würde, dann würden Demokraten und Never Trumpers (Republikaner, die Trump feindlich gegenüberstehen) sagen, dass Krebs gut und gesund ist. Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man sich das fast schon bestialische Geschrei der John McCain-Fraktion ansieht, die im Verbund mit dem Never Trumper Glenn Beck im Vorfeld von Trumps Wahl alles versuchte, um ihn zu verhindern und sogar direkt oder indirekt Hillary Clinton stützte. Sie nannten sich die «Niemals Trump-Fraktion», weil sie den klassischen, im Deep State fest verankerten Neokonservativen bevorzugen. Natürlich ist Neokonservativer nicht gleich Neokonservativer und auch hier gibt es unterschiedliche Ausprägungen. Aber auf der Liste der Never Trumper fanden sich solch bekannte  Namen wie Bush, Mccain, Powell und Rice. Die Irakkriegs-Fraktion, die auch eine Intervention in Lybien und Syrien unterstützte und sich von der Außenpolitik nur minimal von den Demokraten unterscheidet.



CIA-Chef John Brennan feuerte nach dem Treffen zwischen Wladimir Putin und Donald Trump heftig gegen Trump. Auch innerhalb der eigenen Partei gab es massiven Widerstand und manch einer nannte ihn sogar einen Verräter.  Die Never Trumpers, prominent vertreten durch John McCain, der damals syrische Rebellen aktiv unterstützte, von denen sich viele später als IS-Kämpfer entpuppten, werfen Trump vor, dass er die USA durch seine Annäherungspolitik an Russland schwächen würde. Eine Meinung, die auch von den Demokraten vertreten wird, die über CNN und MSNBC alles versuchen, um die außenpolitischen Handlungen des Präsidenten in einem schlechten Licht darzustellen. Ich vermute, dass wenn Obama eine solche Politik gegenüber Russland gefahren hätte, die Rollen verkehrt herum gewesen wären und die Republikaner und Tea-Party-Fraktion die gleichen Vorwürfe gegenüber Obama ausspucken würde.  Und die Demokraten würden Obama als den großen Friedensmacher feiern.

Deutlich scheint aber, dass Trump derzeit genug Erfolg bei den eigenen Wählern hat, um sich gegenüber den Feinden der alten Bush-Fraktion durchzusetzen, die eine deutlich aggressivere Außenpolitik im Nahen Osten bzw. der ganzen Welt verfolgten. Die Partei von Bush, Bush Senior, Powell und Rice, die Neokonservativen der 90er und  2000er Jahre, ist Geschichte. Ihre Außenpolitik war ein internationales Desaster und führte zu den Krisen, mit denen wir jetzt auch hier in Europa indirekt zu tun haben. Der «Kreuzzug für die Demokratie» der Bush-Ära hat über seine Zeit hinaus mit Obama weitergelebt, findet aber mit Trump und der Unterstützung für seine Politik innerhalb eines wachsenden libertären und populistischen Lagers, sein Ende.  John McCain und seine Freunde waren die größten Advokaten für eine Ausdehnung bzw. Überdehnung der NATO in Richtung Ukraine und Georgien, sprachen sich für deren Aufnahme in das Bündnis aus. Dass dies Reaktionen der Russen provozieren musste, die eine Einkesselung fürchteten, musste eigentlich klar sein.



George Kennan, ehemaliger US-Diplomat und Historiker, dem man sicherlich keinen mangelnden Patriotismus vorwerfen kann, warnte vor einigen Jahren schon vor einer zu starken Ausdehnung der NATO, die den USA nicht helfen, sondern letztendlich schaden würde.  Eine solche Ausdehnung bis zu den Türen Chinas und Russlands würde die USA in eine zweite Runde des Kalten Krieges stürzen, der durchaus heiß werden könnte. Dass die Republikaner und Demokraten mit ihren jeweiligen Befürwortern dieser Expansionspolitik genau diesen Fehler begangen haben, wird ihnen jetzt durch die unglaublichen Unkosten  dieser imperialen Politik heimgezahlt.

Die Politik der Neokons ist gescheitert und ihre Legitimation erodiert. Amüsant daran ist eigentlich vor allem, dass es sich bei den Neokons um Neu-Linke handelt, die beginnend der 70er Jahre aus der Studentenbewegung in die Republikanische Partei strömten und sich als neue, bessere Konservative verkauften. Ihre Denkschulen sind jedoch geprägt von Trotsky (Trotzkismus), bei gleichzeitiger Ablehnung von John Locke und vielen Ideen der amerikanischen Gründungsphilosophen.  Dass Thomas Jefferson sich für eine internationale Interventionspolitik stark gemacht hätte, ist nahezu unmöglich. Mit Trump kommt die Rückkehr zu diesen Prinzipien von non interventionism und die Rückabwicklung der neokonservativen Politik der letzten zwei Jahrzehnte. Wenn Trump seine Wahlversprechen bezüglich der Grenzsicherung einhalten kann, steht seiner zweiten Präsidentschaft wohl nichts mehr im Weg.

 

Foto: White House Photo by Eric Draper

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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

One thought on “Die Neokonservativen befinden sich im Niedergang

  1. Finds eh lustig, dass die Welt trotz oder vllt sogar wegen Trump noch nicht in Feuer und Chaos untergegangen ist, wie die Linken (nur leicht überspitzt) prophezeit haben 😀

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