Du Heldenhaftes und wunderbares Ungarn

Da steht er ehern und mächtig, der Baum Gondors, möchte man fast meinen, wenn die Palastwachen vor dem ungarischen Präsidentenpalast vor ihm auf und ab schreiten und exerzieren. Touristen stehen vor den weißen Mauern der Fischerbastei und bestaunen die Bauwerke der Altvorderen Ungarns, die von hier einen großen Teil des alten Reiches überblicken konnten. Die Donau erstreckt sich unter uns in schillernden Farben, mal hellblau, mal fast silbern und mal kobaltgrün. Dröhnend und dampfend schiebt sich ein Schiffchen über die Donau unter uns vorbei und zieht zwei wehende ungarische Fahnen hinter sich her, die die großen Bannern auf dem Burgberg imitieren. Eisenbeschlagene Stiefel schallen über den Steinboden, als eine Abteilung Soldaten an uns vorbeikommt. Caféhäuser brummen im Fanal endlosen Umsatzes, während viele, aber nicht Unmengen an begeisterten Touristen aus aller Welt über den Burgberg ziehen. «Felix Hungaria» möchte man rufen, als man ganz oben auf der höchsten Spitze der Stadt steht und überschauen darf, was Hundert Generationen hier in mühseliger Arbeit und im Bewusstsein des Wahren, Schönen und Echten erbaut haben.

Es sind nur selten die Bauten der Postmoderne, Brutalismus und gläserne Kästen mit Metallstäben, die es auf die Postkarten großer Kulturstädte und der Weltkulturerben dieser Erde schaffen. Mexiko City und Brasilia sind dort jedenfalls nicht grundlos abwesend, während Budapest gleich eine ganze Reihe solcher Monumente für die Menschheit sein Eigen nennen darf.

 

Im Hofgarten des Schlosses von Buda, das man durch ein eisernes Tor mit Fallgatter erreicht, musizieren ungarische Volksmusikanten auf traditionellen Instrumenten, singen in ihrer Landessprache von Drachen und Monstern, von den Rittern der Vorzeit und den Königen. Möglicherweise nur Schauspiel für die Touristen, wenn da nicht der Eifer in den roten Gesichtern der jungen Frauen und Männer stehen würde, die auf der Veranda uns eine epische Geschichte vortragen wollen, die man nur erahnen kann. Die Musik mal schneller, der Gesang mal hektisch und panisch, dann wieder ruhig und klagend.  Efeu rangelt sich an den alten Mauerstücken nach oben, Insekten schwirren durch die Luft und hier und da huschen kleine Eichhörnchen und andere Tierchen über den Erdboden. Selbst die Gruft der Altvorderen Ungarns, wo die Noblen des Magyarenreiches liegen, wirken, als könnten die steinernen Totenmasken gleichsam sofort zum Leben erweckt werden. Wer hier an den Herrn der Ringe und die Stadt Minas Tirith erinnert wird, muss sich nicht für verrückt halten. Der Gedanke kam uns, mir und meiner Freundin, ebenfalls, als wir an der Gruft und der Fischerbastei vorbeikamen.

Einst Marktplatz für die Fischer, heute Sammelpunkt für Touristen aus Europa und Ostasien. Aber auf diesen weißen Stufen in Rüstung und Schwert einem Feind der Stadt gegenüber zu treten und ein ruhmreiches Ende zu finden, wäre nicht der schlechteste Tod. Ganz gewiss ein guter, der dem Siechtum im Alter vorzuziehen wäre, aber der heutigen Generation verwehrt bleibt. Dass Ungarn dennoch standhaft bleibt, zeigt sich am Stadtbild, das nicht nur frei von «kulturellerer Bereicherung» einer ganz bestimmten Sorte ist, sondern bis auf einige schmutzige Ecken (ähnlich Berlin) vor allem an den Hauptplätzen und kulturellen Begegnungsorten überaus sauber und geordnet wirkt.



 

 

 

Ethnisch ziemlich homogen und doch vielfältig. Bauten im Jugendstil wechseln sicht mit mittelalterlichen Fassaden ab. Schmale Gassen erinnern an die Zeit, als Autos und Kutschen noch keine Selbstverständlichkeit waren. Im jüdischen Viertel trifft man überaus viele Juden mit Kippa, darunter auch viele Orthodoxe, die natürlich sofort ins Auge fallen und sich abheben. Muslime hingegen gibt es bis auf Kebabverkäufer keine. Auf dem Weg zur Synagoge, die während des Zweiten Weltkrieges auch hier natürlich nicht unberührt blieb, fällt uns ein kleiner Gift-Shop ins Auge, den wir betreten. Dort gibt es allerlei ungarische Lektüre zum Judentum und natürlich die Geschichten, die mit dem Zweiten Weltkrieg zusammenhängen. Ein kurzes Gespräch mit dem Inhaber gibt uns einen Eindruck von der Situation, wie sie sich in Ungarn darstellt. Wenngleich der Inhaber keine gute Meinung von Viktor Orban selbst hat und die Rechten nicht mag, zeigt er sich zumindest zufrieden mit der Situation an sich. Mit den Juden in Paris oder Berlin will er nicht tauschen und erzählt, dass sich viele Pariser und Londoner Juden aus seinem Umfeld nach Israel begeben, um der Multikulturalisierung und Islamisierung zu entfliehen, die von Herrn Yascha Mounk und Soros als so erstrebenswert angesehen wird.

Das Viertel ist ansehnlich und wir essen kurz dort bei einem Deutschungarn Südstaaten-Essen.  Überhaupt gibt es recht viele Ungarn, die rudimentär Deutsch sprechen, meist aber Englisch bevorzugen. Die EU und viele Medien möchten gerne den Ungarn als Fremdenfeind darstellen. Trotz meines Aussehens und dem offensichtlich deutschsprachigen Hintergrund muss ich jedoch anmerken, dass die Ungarn keinesfalls nur gegenüber Fremden unfreundlich sind. Sie sind generell eher reserviert und auch gegenüber ihren Landsleuten nicht unbedingt super freundlich, wie man das vielleicht aus anderen Ländern kennt, die einen mit ihrer Heiterkeit ersticken wollen und gar nicht mehr aufhören zu reden und zu lachen. Der Ungar ist eher kühl,einigermaßen höflich und manchmal nett, wenn auch nicht überfreundlich.

 

 

An einem Abend stehen wir vor dem zentralen Platz vor der Sankt Stephans Basilika, wo sich ein großes Orchester versammelt hat. Viele Tausend Menschen sind anwesend und stehen dicht gedrängt, teilweise auf Sitzplätzen  verortet, um dieser öffentlichen Veranstaltung beizuwohnen. Polizei gibt es bis auf einen Streifenwagen am Rand mit zwei gelangweilten Polizisten nicht und auch die Security-Mitarbeiter sehen anders aus, als die bei einer deutschen Großveranstaltung post 2015. Es gibt keine Merkelpoller, keine Barrieren, keine Maschinenpistolen und Mannschaftswagen mit Polizisten, die aussehen, als wollten sie gleich in den Krieg ziehen. Dafür, dass die Ungarn angeblich laut unseren Medien alle so auf dem Holzweg sind, erscheinen sie an diesem Abend ziemlich zufrieden und sehr glücklich mit sich selbst. Die Veranstaltung verläuft ohne Probleme und auch nach drei Tagen in der Stadt und in den Verkehrsstraßen ist uns nichts aufgefallen, was nach Ärger aussehen könnte. Keine Schlägereien, keine aufdringlichen Straßenhändler, keine Rotationseuropäer mit Kindern, die Zuckungen in den Händen haben und deshalb ständig die Finger in die Tasche der Freundin versenken müssen. Selbst Polizeisirenen sind am Budapester Hauptbahnhof eher selten zu hören, während das in Berlin und Wien nach meiner Erfahrung mit deutlich höherer Frequenz vernehmbar ist. Aber ich habe dazu tatsächlich keine Studien angefertigt, sondern berichte nur subjektiv.

 

 

Negativ zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang noch die Schönheit der ungarischen Frauen. Diese sind zwar durchaus oft ansehnlich, mischen sich doch mitteleuropäische Züge mit denen der östlichen Balkanbewohner und Italiener. Aber die Schönheit der ungarischen Erotikmodels und Pornodarstellerinnen täuscht wohl ein wenig über die Realität hinweg. Die meisten sind jedoch schlank und ansehnlich, achten auf ihre Weiblichkeit und kurzhaarige Punks mit grünen oder roten Haaren, fette Feministinnen bzw. deutsche Prollweiber ( ISCH UND DER HAKAN ALTA – Dieser Typ) sind mir nicht aufgefallen.

 

In Ungarns Hauptstadt fühlt man noch den Atem der Jahrtausende und darf sich vorstellen, wie Europa sein sollte, nicht wie es ist. Beim Gang durch die Straßen habe ich mich nie bedroht gefühlt, nie beengt oder belästigt. Während das bei drei Tagen in Berlin schon passieren kann. Da reicht es, wenn man 17 Uhr am Zoologischen Garten aussteigt und von schier endlosen Menschenmassen in überfüllten Gängen beinahe zertrampelt wird, während draußen Bettelkinder mit Becher einen ansprechen und in den Augenwinkeln deren kleinere oder größer Geschwister um einen selbst herum kreisen. Selbst der Besuch eines Musikkonzerts in Deutschlands ist ein anderes Lebensgefühl. Während wir uns in Ungarn völlig sicher gefühlt haben, denke ich an meinen letzten Besuch bei einer deutschen Großveranstaltung in Berlin zurück, wo kleine Polizistinnen mit müden Augen und dem Finger lang an der MP5 über den Vorplatz schlendern. Betonklötze, Absperrband, Kameras an jeder Ecke und Security-Mitarbeiter, die ins Funk brüllen, während sie das xte Pfefferspray im Beutel einer Frau finden, die durch den Sicherheitscheck muss.

Gab es in Ungarn einfach nicht. Dafür viel Kultur, eine Menge gutes Essen und eine gehörige Portion Patriotismus, der sich wie ein Schutzfilm über alles legt, was man dort sehen konnte. Den Ungarn merkt man schon an, dass ihnen ihr Land noch heilig ist. Dass Ungarn noch einen Wert für sie hat und Ungarn bleiben soll.

 



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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

2 thoughts on “Du Heldenhaftes und wunderbares Ungarn

  1. Keine Frage, dein Urteil zur architektonischen Schönheit der Stadt teile ich. Allerdings hab ich die Ungarn als freundliches Volk kennengelernt, aber ich bin ja auch ein reservierter Typ und kein Berliner. Ich hatte allerdings an der M1 und am Bahnhof mehrere Zwischenfälle mit Zigeunern, die mich um Fahrkarten gebracht (körperlich bedrängt) haben und mir (gestohlene?) Handy andrehen wollten.

  2. Der Artikel erinnert mich ein bisschen an Silvester in Krakau. Auch eine sehr huebsche Stadt, auch in einem ach so rueckstaendigen Visegrad-Staat. Wir hatten da genau das gleiche “Hier wollen offenssichtlich alle, dass ihre Stadt schoen ist und das merkt man.”-Gefuehl. Berlin liegt ja eher am anderen Ende des Spektrums, irgendwo zwischen “ist mir alles Scheissegal”-und “macht kaputt, was Euch kaputtmacht”.

    Schluesselerlebnis war dann die Silvesternacht auf dem Rynek (Hauptmarkt). Dort waren tausende von Menschen am Feiern, so wie es das frueher in dem Land, in dem wir gut und gerne Leben auch gab. Um dort fuer Sicherheit zu sorgen reichte allerdings ein Polizeisprinter mit sechs Polizisten aus. Ohne Maschinenpistolen, wohlgemerkt. Und die haben hauptsaechlich Betrunkene aufgeweckt, die auf dem Platz eingeschlafen waren, damit die nicht erfrieren. Am Brandenburger Tor war zum gleichen Zeitpunkt die eine oder andere Hundertschaft unterwegs und es gab ein dediziertes Zufluchtszelt fuer Frauen…

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