Broken Berlin

Die meisten hier in unserem Leserkreis werden mit der Broken Window Theorie vertraut sein. Wer nicht, möge bitte diesem Link folgen und sich erklären lassen, worum es dabei geht. Das ist von Bedeutung für den folgenden Text, weil ich der Meinung bin, dass man in Berlin die Wirkungsmechanismen der Theorie live und in Farbe miterleben darf. Es ist nicht nur der statistische Anstieg an Gewaltkriminalität in der Hauptstadt, vor allem die Messerangriffe, die hier von Bedeutung sind. Es fängt bei kleinen Dingen an, die vorher Selbstverständlichkeiten waren und jetzt scheinbar langsam wie von den Gezeiten davon getragen werden.

Vor etwa sieben Jahren, kurz nachdem der Berliner Hauptbahnhof gebaut wurde, war der Eingangsbereich noch frei von Obdachlosen, bettelnden Rotationseuropäern und auch Junkies trieben sich eher selten dort herum. Die Polizei, was auch immer man von ihr halten mag, griff hier und dort in meiner Erinnerung auch noch diese Vagabunden auf. Die meisten von ihnen konzentrierten sich zu dieser Zeit am Alexanderplatz und am Zoologischen Garten. Mittlerweile scheint es mir doch so, ohne dass ich groß Studien dazu angefertigt hätte, dass das Vagabundieren vor dem Hauptbahnhof die neue Normalität geworden ist. Sogar so sehr, dass schon seit ca. zwei Jahren Bettler, Zigeuner (darf man das noch sagen, ohne verhaftet zu werden?) und Drogenabhängige ganz offen und ungeniert vor dem Eingangsbereich Europaplatz campieren.




Dem Ganzen wurde kürzlich der Hut aufgesetzt, als ich oben nahe der Bundespolizeiwache die Treppe runtergehen wollte und vor dem Berliner Bären ein Obdachloser seine Decke ausgebreitet hatte und in Sichtweite der Polizei die Leute um Almosen anflehte. Zwei junge Polizisten gingen sogar an ihm vorbei und taten so, als würden sie ihn überhaupt nicht sehen. Das war das eigentlich Schockierende. Und natürlich die Tatsache, dass Obdachlose in Berlin eine scheinbar höhere soziale Wertigkeit als zugezogene Somalier besitzen, die alle ein Dach über ihren Köpfen haben und nicht betteln, sondern sich wenn dann mit der Faust oder dem Messer holen, was sie möchten.

Broken Window, das ist der Verfall der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, beginnend im Kleinen. Vorgestern (zum Zeitpunkt des Schreibens) am 21. Juni 2018, lief ich wieder am Hauptbahnhof an den Gleisen entlang und sah, wie eine Frau, offensichtlich eine Einheimische, eine Zigarette mitten unter dem Rauchverbotsschild rauchte. Gleich daneben, keine fünf Meter weiter, schmiss eine andere Frau einen Coffee-To-Go Becher auf die Gleise, statt in den Mülleimer, der wirklich nicht weit entfernt war. Ein Teil von mir will diese Menschen an den Schultern packen und schütteln, ein anderer, der siegreiche, sagte mir, dass ich weder die Zeit noch die Geduld habe und nur meine Energie verschwenden würde. Eine hitzige und endlose Diskussion würde folgen und keiner würde bereichert aus diesem Streit nach Hause gehen.

An der Minna Cauer Straße, Ecke Invalidenstraße, gibt es einen kleinen Park, wo seit einigen Jahren die Rotationseuropäer häufig morgens und abends zu Dutzenden ihr Lager aufschlagen, ihr Geschäft im Gras verrichten und dann die benutzen Papiere in den großen, braunen Häufchen für alle Welt sichtbar liegen lassen. All das keine 200 Meter von der nächsten Landespolizeistation am Supermarkt entfernt, wo permanent Polizisten an diesem Park vorbeifahren, diese Gruppen dort sehen und nicht handeln. Zumindest nicht so, dass deren Lager verschwunden wäre. Eine ehemalige Kollegin von mir, die durch den Park früher zur Arbeit und zurück ging, sagte mir, dass sie jetzt diese Route eben aus diesen Gründen meiden würde. Sie fühle sich nicht sicher, wenn die “Wegelagerer” dort herumlungern.

Broken Berlin – viele kaputte Fenster, viele übervolle Mülleimer und ganz viele Ecken, die man nachts lieber nicht alleine begehen will. Ist die Mauer einmal eingerissen, fällt die Erweiterung des Lochs umso leichter. Ist die Stadt einmal ruiniert, dreckig und kriminell, was schert den Rest dann noch der Erhalt eines Biotops, das sowieso schon nicht mehr schön ist. Eine Abwärtsspirale, wenn nicht endlich eingegriffen wird.


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

3 thoughts on “Broken Berlin

  1. Berlin ist durch den rot-rot-grünen Sumpf eh verloren und nicht mehr zu retten. Ich mochte Berlin nie,war 91 zum letzten mal da….da war’s noch pikobello sauber, Rotationsbettler und Koksverkäufer gab’s auch keine,und erst recht keine Parkscheisser…zu Westberlin kann ich nix sagen… war ich nie,aber die schlimmen Ecken haben sich weit in den Ostteil ausgebreitet…wenn ich manche Berichte höre/lese, wird mir übel…ich würd’s glatt zuschieben und Wald anpflanzen.

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