Ein Trumpf kommt selten allein

 

Die Augen der Welt sind im Moment auf den Koreakonflikt gerichtet, in dem das Pokerspiel zwischen der KP und dem Weißen Haus ungebremst weiter geht. Doch eine andere Konfliktlinie tritt immer stärker hervor, und damit hat auch das Ende einer Ära  begonnen.

Das mit dem Ende des Kalten Krieg verkündete Ende der Geschichte konnte nicht eintreten. Stattdessen ist seit den 2005ern eine immer stärkere Müdigkeit, vor allem in der (außen-) Politik der europäischen Staaten zu beobachten. Diese Müdigkeit wird zum einen in Deutschland aus der frenetisch gepriesenen Erbschuld, der größten Sünde unseres Landes gespeist, sowie in den Nachbarländern von der Idee, durch den eigenen Kolonialismus (der wohl gemerkt zumeist weit über 100 Jahre her ist) irgendwie an der Schlechtigkeit und dem Elend der Welt Schuld zu sein. Auch wenn dies in den Bevölkerungen eine Minderheitenmeinung sein dürfte, und insbesondere die deutschen einen gesunden Umgang mit dem Holocaust gefunden haben, wird diese Weltsicht von Medien und dem sogenannten «juste Milieu» mit aller Lautstärke in die Welt geplärrt. In einer Medienwelt, in der Skandal und Moral mehr Wert ist als Ausgewogenheit, stoßen solche Parolen dann auf offene Ohren. Es ist wie mit dem Mindestlohn: wer sich gegen solche Vorstöße stellt ist doch direkt ein kaltherziger Kapitalist – und welcher Politiker wünscht sich diesen Stempel? Die Moralkeule erschlägt so jedes logische Denken und wird zum Totengräber der Aufklärung. Doch nicht nur die Aufklärung wird begraben, sondern jedes (staatliche) Interesse wird zum austauchbaren Standpunkt degradiert. Die oben genannten Gründe haben zum europäischen Appeasement der letzten Jahre geführt. Auch die Befeuerung der globalen Migration durch die fatalen Entscheidungen in 2015 lassen sich so zumindest teilweise erklären: Wer will schon diese unschönen Bilder?



Aber das Leben ist unschön, Leben ist Schmerz, Leben ist Anstrengung und Leben ist vor allen Dingen Leid. Wie ein guter Freund und Priester einmal lakonisch feststellte: Wir sind hier eben nicht im Himmelreich. All das wird von der Politik im Moment verdrängt, und man schwingt sich selbst dazu auf, die Heilslehre von mehr Staat, mehr kümmern, mehr Kontrolle zu verkünden. Nicht die Eigenverantwortlichkeit der Menschen soll sie vor den Härten des Lebens stählen, sondern der Staat sie in Watte packen. Was diese safe-space Schneeflöckchen machen, wenn die Hitze steigt ist denkbar einfach: sie kapitulieren. Und diese mentale Kapitulation hat bereits die höheren Ebenen erreicht, beschwert man sich doch an Karfreitag gerne über das Tanzverbot, gibt sich dann aber den Fasteninteressen der Muslime tolerant – wahrscheinlich weil man von Katholiken nicht erwarten muss, dass sie einem in die Fresse schlagen, wenn man ihre Religion kritisiert.

Realpolitik statt Traumtänzerei

Von Amerika ausgehend begann diese Tendenz, und von Amerika aus beginnt nun anscheinend das Ende dieser Ära. Mit Trump kommt einer um die Ecke, der das Spiel von wiederstreitenden Interessen wieder verstanden hat, und die richtigen Berater für diese Politik hat. Auch wenn die Jurnalisten der Times oder von CCN im Strahl kotzen, wird das Männer wie Außenminister Pompeo, den Sicherheitsberater Bolton oder Verteidigungsminister Mattis nicht von ihrem Kurs abbringen. Denn sie alle wissen, dass Drohungen und Power bei gleichzeitiger Verhandlungsbereitschaft der Königsweg zur Durchsetzung der eigenen Interessen ist. Und das Zeigt sich, im Iran, in China, in Korea. Selbst im Umgang mit Deutschland, wo unser neuer Außenminister Heiko Mittelmaß sich auf der Ministerialebene herumsiechen durfte, und in San Franzisco stolz zeigen wollte, dass es noch ein anderes Amerika als das des Präsidenten gäbe. Wie das funktionieren soll, diese Erklärung bleibt er schuldig. Mich wundert eigentlich nur noch, dass er sich nicht mit Hillary getroffen hat – aber vielleicht war die auch gerade wieder erkrankt.

Doch zurück zu Amerikas Rolle in der Welt. Eines nämlich zeigt sich deutlich: Europa wird seine Probleme selbst lösen müssen, und das wird nicht mit Konferenzen passieren, auf denen Ergebnisse durch schöne Gruppenbilder simuliert werden. Der Bilateralismus ist zurück und er ist besser als je zuvor. Und noch ein Wort zum Sonntag: am Ende seiner 8(!) jährigen Präsidentschaft wird sich das Iran-Problem gelöst haben, eine Stabilisierung der koreanischen Halbinsel eingestellt haben und Europas Außen- und Sicherheitspolitik stärker in Scherben liegen als jetzt bereits. Doch eines ist auch sicher: Die in dieser Zeit angestoßenen Veränderungen der Welt wird der Nachfolger, egal ob Republikaner oder Demokrat, auch nicht zurückmerkeln können. Europa steht vor der Entscheidung einem Kleinkinde gleich trotzig aufzustampfen, oder seine Müdigkeit abzulegen und zu einem starken Partner zurück zu finden. Aber das Leben ist unschön, Leben ist Schmerz, Leben ist Anstrengung und Leben ist vor allen Dingen Leid. Zu diesem Mantra müssen wir zurück finden. Und nebenbei bemerkt: Umsonst gibt es im Leben auch nichts.

Foto: Public Domain, US Armed Forces


 

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Libertär-konservativ – schreibt hier vor allem über internationale Politik.
Schuftet nebenbei in den Goldminen als Aushilfsarbeiter.

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