Die alten Märchen der Integration

Die alten Märchen der Integration

Bildung und Brot müssen da sein, sagen die austauschbaren «Experten» in Fernsehen, Kulturvereinen und Politik, wenn es um Integration geht. Geld und ein Grundgesetz sollen genügen, um die Millionen Neuankömmlinge in die Republik (von Deutschland reden sie im Grunde nicht mehr) zu integrieren. Schon vor zehn Jahren, als ich mich begann für Politik zu interessieren,  prügelten die Gesinnungsethiker aller Färbungen verbal im Fieberwahn auf jeden ein, der es wagte auch nur anzudeuten, dass Geld und Grundgesetz nicht ausreichen würden, um Menschen aus fremden Kulturen hier Teil einer deutschen Gesellschaft werden zu lassen. 2015 erlebten wir dann die ideologisch überhöhte, von hinten wieder aufgerollte Lüge, das Märchen von Bildung und ökonomischer Vitalität, welche alle Integrationsprobleme lösen und Skeptiker zum Schweigen bringen sollte. Daimlerchef Dietmaz Zetsche sagte damals, dass uns mit den Flüchtlingen aus den arabischen Ländern ein neuer Boom ins Haus stehen könnte: «Die meisten Flüchtlinge sind jung, gut ausgebildet und hoch motiviert. Genau solche Leute suchen wir doch», meinte er gegenüber der skeptischen deutschen Öffentlichkeit. «Boom» gab es schon, nur eben keinen in der Wirtschaft, wenn wir mal von der Asylindustrie und den Security-Sektor absehen und mitnichten Halal-Essen und Flüchtlingsvereine einbeziehen. Der große Knall, der die deutsche Wirtschaft über 2% Wachstum im Jahr hätte befördern sollen, bleibt aus. Vielmehr addieren sich Kosten auf die Rechnung des Steuerzahlers hinzu, die mal niedriger und mal höher angegeben werden. Es kommt darauf an, wen man fragt.

Geld und Arbeit helfen, lösen aber die kulturelle Fremdheit nicht auf

Es wäre falsch zu behaupten, dass alle Neuankömmlinge aus dem Orient hier dem Staat nur auf der Taschen liegen wollen. Viele wollen ja arbeiten, sich ihren Lebensunterhalt selbst finanzieren und etwas dem Staate zurückgeben, der sie so großzügig aufgenommen hat. Oftmals stehen da rechtliche Hürden im Wege, manchmal kulturelle Barrieren und oftmals eben die Flüchtlinge/Migranten selbst, wenn sie merken, dass die deutsche Industriegesellschaft im 21. Jahrhundert keinen Bedarf hat. «He ihr Hetzer! Er straft euch Lügen!» würden wohl die Befürworter dieses Menschenimports zur Revision des Holocausts gerne rufen, wenn sie auf einen oder den anderen erfolgreich hier arbeitenden Schwarzafrikaner oder Syrer zeigen.
Der junge Mann aus Ghana oder Somalia soll dann die deutschen Skeptiker Lügen strafen, wenn er einen Niedriglohnjob bei Vapiano anfängt, bei Mcdonalds an der Theke steht oder als Reinigungskraft im Villenviertel anheuert. Ein Aufstieg in höhere Dienste, wo das Geld fließt und der soziale Aufstieg garantiert ist, fällt bereits den meisten jungen Deutschen schwer, die ihr Leben lang hier zur Schule gingen und durch das immer mehr zerfallende Bildungssystem gequetscht werden, wo man mittlerweile nach «Gehör» schreiben darf und in Pisa-Studien mit dramatischer Geschwindigkeit Richtung Erdkern stürzt.



Die Bundesrepublik glaubt an keine transzendente Botschaft einer deutschen Identität,  an keine westlichen Werte, die über den Einkauf bei Primark hinausgehen und vermittelt auch nicht mehr den Zwang, dass all die Normen einer europäischen Zivilgesellschaft erworben, verstanden und gelebt werden müssen, um als deutscher Bürger in diesem Land anzukommen.

Bestes Beispiel dürfte Mesut Özil sein, der mit Unsummen an Geld überschüttet wird, als Fußballstar Ruhm, Anerkennung und Wohlstand genießt und trotzdem sich nicht einmal zu einem Lippenbekenntnis zu Deutschland überwinden kann. «Mit Geld könnt ihr uns mieten, aber nicht besitzen», sagen die Afghanen den imperialen Mächten am Hindukusch gerne und treffen damit wohl den Nagel auf den Kopf. Echte Loyalität ist nicht käuflich!
Die Sichtweise, dass die Menschheit lediglich aus Milliarden partikularen Individuen besteht, die keinerlei kulturelle Unterschiede haben, die sie in ihrem Handeln und Denken prägen und dementsprechend es auch keine deutsche Kultur gibt, in die man sich integrieren müsse, ist falsch. Schließlich stellen wir oft fest, dass der Urlaub in Fernost oder Afrika, meinetwegen auch Amerika, immer mit einer vitalen Unterschiedlichkeit der Mentalität bei der dortigen Bevölkerung verbunden ist.  Man geht nach Südostasien, weil man eine fremde Kultur kennenlernen will. Der Trip nach Indien würde keinen Sinn machen, wenn es dort keine hinduistischen Tempel und südasiatische Esoterik gäbe.

Gäbe es keine Kulturen, würden wir nicht über Integration debattieren. Denn dann gäbe es ja kein Korsett, dass die Gesellschaften zusammenhält, dann wäre das Leben in Deutschland vom Lebensgefühl her genauso wie das Leben in Angola oder Aserbaidschan. Und dann würde die kulturelle Praxis des Ehrenmordes, die ins Europa des 21. Jahrhunderts eingeschleppt wurde, kein Grund zur Irritation sein.

Neue Klamotten kaufen zu können, Nike, Adidas und Apple zu haben, reicht als Wertekanon im Westen simpel nicht aus, um Menschen aus archaischen Gesellschaften zu integrieren, die sehr wohl ein kulturelles Bewusstsein haben, selbst wenn dieses natürlich konstruiert bzw. gewachsen ist. Das Argument, dass Kulturen nicht existieren, weil sie konstruiert sind, entbehrt für mich jedweder Logik, weil nur weil etwas durch Menschengeist erschaffen wurde, es nicht automatisch wertlos ist. Auch Staaten, Institutionen, Bücher und unser Verständnis von Menschenrechten, ja die westliche Aufklärung, sind Konstrukte. Es sind gedankliche Grundstücke, auf denen dann reelle oder fiktive Bauwerke aus Stein oder Worten aufgebaut wurden. Kulturelle Eigenarten entspringen nicht aus dem Nichts, sondern sind die Folge jahrhundertelanger Entwicklungen, die mal von Menschenhand bewusst forciert, mal durch Reihung verschiedener zufälliger Entwicklungsstränge zusammengeführt wurden. Alles Menschliche ist am Ende von diesen erschaffen worden. Wenn die Kulturrelativisten die Relevanz dieser Schöpfungen abstreiten, weil sie Menschengemacht sind, müssten sie dieser Logik folgend in den Naturzustand zurückkehren und wie die Höhlenmenschen jagen, hausen und sich über Sippe und Stamm definieren. Letzteres werden sie natürlich niemals tun, weil es biologisch wäre.

Abschließend sei Bassam Tibi hier noch erwähnt, der diese Problematik des postmodernen und nihilistischen Westens früh erkannte und heute als Querschläger ein eigenbrötlerisches Leben führt, meistens aus der Schweizer Presse heraus Deutschland beobachtet und den Kopf schüttelt, weil sich seine Prophezeiungen bewahrheitet haben. Ohne Bekenntnis zum Eigenen, also zu einer gemeinsamen Gesellschaftsform, die aus kulturellen Normen besteht, gibt es keine Integration. Geld und Arbeit reichen nicht, sondern können höchstens eine Einstiegshilfe sein.

 

Foto: Screenshot Youtube (AKP Rally)


Hat dir der Beitrag gefallen? Wir auf YOUNG GERMAN stecken viel Arbeit und Herzblut in unsere Artikel und wollen uns dauerhaft als alternatives Medium etablieren. Du kannst dich bei uns bedanken, indem du auf Facebook, Twitter oder Minds.com dein “Like” hinterlässt, uns einen Kaffee spendierst oder ein monatlicher Unterstützer auf Patreon wirst. Mit deiner Hilfe wollen wir wachsen und ein unabhängiges alternatives Medium zu den Massenmedien anbieten!


Buy Me A Coffee at Ko-Fi.com

https://www.patreon.com/Younggerman https://www.facebook.com/TheYoungGerman https://www.minds.com/Younggerman

Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

Schreibe einen Kommentar

Kommentareingaben werden zwecks Anti-Spam-Prüfung an den Dienst Akismet gesendet. Gespeicherte IP-Adressen werden nach 7 Tagen gelöscht. Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Angaben und Hinweise zum Widerrufsrecht finden sich in der Datenschutzerklärung.