Reicht mir einen Eimer für meine Tränen, die ich ob des harten Schicksals von Antonia Baum vergießen muß!

Wo ist der schlimmste Ort der Welt? Ist es der Osten Aleppos, ist’s die pulsierende Mordmetrompole Ciudad Juárez an der mexikanischen Grenze? Ist es Duisburg-Marxloh oder das beschauliche Bamako? Weit gefehlt! Es ist das Weschnitztal im Odenwald, zwischen den Orten Birkenaus und Rimbach, um genau zu sein. Antonia Baum, eine deutsche Journalistin, die unter anderem für die »Zeit« schreiben darf und schon den einen oder anderen mäßig erfolgreichen Roman verfaßt hat, ist dort aufgewachsen und wurde für ihr Leben gezeichnet.

So jedenfalls hat sie es in einem Text für die FAZ dargestellt, und ihre Jugend im Weschnitztal muß eine so schlimme gewesen sein, daß sie sich selbst wundert, wie sie das nur hat überleben können. Was hatte Fräulein Baum auszustehen? Das, woran wohl die meisten Mädchen in der Pubertät leiden: daß sie nicht in New York oder wenigstens Berlin leben, daß nächstens »nichts los« ist und daß sie vom Mangel an Metropolencharakter ihrer Umgebung und ob der sich daraus ergebenden Langeweile zum Rauchen, Kiffen und Klauen quasi im Rahmen eines Notstands gezwungen zu sein. Das ist nun etwa so ungewöhnlich wie Uringestank im Bahnhofsklo, daß ein Mädchen in den Zehnerjahren, das in seinem Kopf noch nicht zu Hause ist, sich in arroganter Art himmelhoch über die vermeintliche Gewöhnlichkeit, Ödnis und Spießigkeit ihres Umfeldes erhaben wähnt. Antonia Baum jedoch leidet noch im Alter von über dreißig Jahren daran, und daß ihr Zustand ihrem damaligen Entwicklungsstand und ihrem Mangel an Reife geschuldet ist, auf den an sich naheliegenden Gedanken ist sie allerdings anscheinend noch nicht gekommen. Daß die Nachkriegsbauten im Odenwald wie überall in der deutschen Provinz häßlich sind, ist ja wahr. Die Autorin aber lastet es dem armen Odenwald und seinen Bewohnern an, ohne sich einen Kopf zu machen, warum das wohl so ist.



Nein, wenn man mit seinem Leben nicht zurechtkommt, muß jemand anderes schuld sein, und was wäre da wohlfeiler als der Ort, an dem man aufwuchs? Wie billig, wie pubertär! Also drischt sie nun in der Zeitung auf den Ort ihrer Herkunft ein und nicht nur das, sie offenbart auch, daß sie mit dem Gedanken der Heimat an sich Kriegsfuß steht. Heimat, bei dem Gedanken denke sie »an Trachtenlederhosen, den NSU« (also den »Nationalsozialistischen Untergrund«, nicht an das Auto), »Bier und Dummheit«. Nun, wer da seine Dummheit preisgibt, möge der Leser selbst entscheiden. Doch natürlich ist die dümmliche Diffamierung des Heimatbegriffs nicht auf Antonia Baums eigenem Mist gewachsen. Menschen wie sie sind nur ein Speichermedium für den obwaltenden Zeitgeist. Als Schwamm nehmen sie ihn auf, und wenn man draufdrückt, quillt er unverändert wieder heraus.

Nichts von alledem wäre erwähnenswerter als ein Haufen Laub vom letzten Jahr im Wald des Odenwaldes ‒ schließlich ist die Odenwaldbeschimpfung nun auch schon ein paar Jährchen her ‒ hätte nicht besagte Antonia Baum einen Roman geschrieben, der ebenso symptomatisch ist für die Verwüstungen, die Vorstellungen, mit denen sich junge Frauen heutzutage den Kopf füllen, in demselben anrichten. Antonia Baum lebt heute ‒ wo sonst? ‒ in Berlin, ist Mitte dreißig und hat sich trotz Odenwald-Gymnasium zu einer »urbanen Medienfrau« gemausert, deren neuestes Werk »Stilleben« der »Spiegel« wohlwollend bespricht. In ihm schildert Baum das Kinderkriegen aus der Perspektive der Ich-Erzählerin als größtmöglichen Unglücksfall, es breche, so der »Spiegel«, »alles zusammen, was sich die urbane Medienfrau an Anerkennung, Gleichberechtigung, Unabhängigkeit und maximaler Selbstverwirklichung aufgebaut hat.« Und es zeigt sich darin die mentale Verheerung, die ein ganzes Milieu junger Frauen (»akademisch, urban, feministisch, medienaffin«) mittlerweile ergriffen hat. Denn hier begreift man das Kinderkriegen nicht als, wie Akif Pirinçci es in seiner derben Art recht treffend ausdrückte, als »eine natürliche Folgeerscheinung ihres Geschlechts, als den Rhythmus der Natur, sondern als Katastrophe ungeahnten Ausmaßes, die sie von ihren schalen Vergnügen der bis zu ihrem 40ten andauernden Postpubertät und ihren dümmlichen, von irgendwelchen Femi-Freaks eingeredeten „Karrieren“ in einem Scheißjob mit Scheißgehalt abhält. Oder aber als das letzte passende Puzzle-Stück und als Event, nachdem irgendwann am Sankt-Nimmerleins-Tag alle Urlaube an allen Ärschen der Welt abgegrast und der Kreditvertrag für das Traumhaus unterschrieben worden ist.« Man kann sagen: in diese Illusion bricht mit brutaler Wucht die Macht der Biologie herein.

Das alles ist, wie gesagt, nicht Antonia Baums Schuld; sie hat sich das nicht ausgedacht. Es ist vielmehr der ganze Kosmos an feministischem Gedankenmüll, der auch ihr Tun und Trachten bis in den letzten Winkel der Gehirnwindungen bestimmt. Daß die Rolle als Mutter eine »Reduzierung« der Frau darstellt. Daß die »Selbstverwirklichung« nur in Form der Berufstätigkeit gelingt und Erfolg und Anerkennung nur dort zu erlangen ist. Daß es für eine Frau erstrebenswert ist, alles zu tun, was Männer tun, am besten, ein Mann zu sein, denn nur so ist Prestige und Ansehen zu erreichen. Daß Geschlecht nur ein vernachlässigbares »Konstrukt« sei, ein lästiges Anhängsel, auf keinen Fall aber etwas, das unhintergehbare Grundlage verschiedenartiger Bedürfnisse und Lebensentwürfe ist. Daß eine Schwangerschaft quasi ein überholtes Erbe der Biologie sei und am besten in eine Retorte auszulagern wäre.

Was allerdings gerne übersehen wird: weder für die meisten Männer noch für die Mehrzahl der Frauen bedeutet die Berufstätigkeit so etwas wie »Selbstverwirklichung«. Denn auch die meisten Männer sind weder Naturforscher noch Künstler noch Vorstandsvorsitzende, sondern schleppen sich tagtäglich zur Maloche, weil sie es müssen, nicht, weil sie Lust dazu haben. Auch die vermutlich meisten Männer sonnen sich an ihrem Arbeitsplatz nicht in Erfolg und Anerkennung, sondern müssen Druck und hohen Anforderungen genügen. Konsequenterweise drehen sich Diskussionen um Frauenquoten auch nie um Berufe wie Waldarbeiter, Müllwerker oder Betonbauer, sondern um Posten wie Aufsichtsratsmitglied, Genderprofessorin oder Staatssekretär, also allzumal solche, die hohes Einkommen, Macht und Karriere verheißen ‒ was zeigt, daß es nicht um Gleichstellung, sondern um Rosinenpickerei geht. Wo der schöne Traum von der Selbstverwirklichung nicht das gewünschte Ergebnis zeitigt, ist das Geheule dann groß. Wo die Konkurrenz mit dem Mann nicht zugunsten der Frau ausgeht, da sollen dann Geschlechterquoten die Sache regeln. Es soll eine Freiheit ohne Verantwortung sein, ein Recht ohne Pflicht, ein Gewinn ohne Risiko, ein Privileg ohne Opfer. Es ist kein Zufall, daß von dieser vermeintlichen Gleichstellung Frauen vor allem in Bereichen reüssieren, die ein geschütztes Biotop vor Konkurrenz bilden, die aus öffentlichen Mitteln alimentiert werden und die für niemanden außer den direkt Profitierenden lebensnotwendig sind. Das heißt selbstverständlich nicht, daß eine Frau nicht berufstätig sein soll, wenn sie es denn will ‒ denn daß die Möglichkeit dazu gegeben sein sollte, steht außer Frage. Aber man sollte doch aufhören, so zu tun, als wäre die Teilnahme am Arbeitsmarkt die Eintrittskarte zur Selbstverwirklichung. Man sollte aufhören, so zu tun, als wäre die Unabhängigkeit von Kindern und Partner das höchste Gut. Man sollte vor allem aufhören, so zu tun, als wäre die Rolle als Mutter etwas Minderwertiges und Unwürdiges ‒ sondern erkennen, daß dies ein hohes Ideal sowie eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe ist, weit wichtiger jedenfalls, als in irgendeinem Büro rumzusitzen. Es gibt selbstverständlich Frauen, die in ihrem Beruf Außergewöhnliches leisten und darin Erfüllung finden. Die jedoch brauchen keinen Feminismus.

So hat die feministische Ideologie den letzten Winkel der Gesellschaft wie ein schleichendes Gift durchsetzt und hindert Männer wie Frauen daran, das zu tun und sein zu wollen, was ihnen und ihrem Wesen am besten entspricht und das überhaupt zu erkennen. Sie zerstört das komplementäre Verhältnis zwischen den Geschlechtern, so wie sie das Spannungsverhältnis zwischen Mann und Frau, entlang dessen sich bislang jede Gesellschaftsordnung organisiert hat, beseitigen will und durch ein Konglomerat geschlechtsloser, sich selbst definierender Wesen ersetzen will. Doch jede Illusion, die die Natur leugnen will, kann nur eine begrenze Zeit aufrecht erhalten werden. Im Falle der »urbanen Medienfrau« Antonia Baum brach sie ebenfalls zusammen, als sich die Imperative der Biologie zu Wort meldeten und den Glauben an die Bedeutungslosigkeit des Geschlechts in Trümmer legte. Die Freude darüber, daß ihr Leben einen Sinn erhält, der über die Befriedigung eigener Bedürfnisse hinausweist, bleibt ihr so versagt. Die »Befreiung« und »Emanzipation«, die der Feminismus anzubieten hat, besteht lediglich darin, Männer und Frauen ihrer Natur zu entfremden und sie unfähig zu machen, zu können, weil sie nicht mehr wollen, was sie eigentlich müssen. Ob er auf lange Sicht schon mal jemanden glücklicher gemacht hat? Schwer zu sagen. Antonia Baum, nach ihren Texten zu urteilen, offenkundig nicht.


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“Weserlotse” lebt als Niedersachse mit niederschlesischem Migrationshintergrund in Thüringen und ist alt genug, um noch zu wissen, wie das Leben ohne Internet funktioniert, ist trotzdem so etwas wie das, was heute “Netzaktivist” heißt, würde sich selbst aber nie so nennen.

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