Die Endlösung der Döner-Frage

Genug! Es reicht! Die Angriffe auf türkische Einrichtungen, die Streitereien um die Inhaftierung des «Heimatdichters» Deniz Yücel und das aggressive bzw. militärische Vorgehen des türkischen Staates wurden  wieder zum wichtigen Indikator für den Stand der Integration in Deutschland. Passend dazu kam mal wieder die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört und ein AfD-Politiker schimpfte über die Kameltreiber, die nach Anatolien verschwinden sollten.

Nichts bewegt jeden aufrechten und überzeugten Deutschen mehr, als die sich in unser Stadtbild, in unsere Landschaft und fast jeden deutschen Körper hineinfressende, ausländisch anmutende Essgewohnheit. Nichts spaltet die patriotische Szene mehr und raubt ihr die Kraft für ein entschlossenes Eintreten für unser geliebtes Vaterland!

Die den deutschen Volkskörper auf schwerste belastende Belastung ist nichts weiter, als dieses widerliche und vollends zu verachtende, vor fett triefende, knusprig gebratene Fleisch vom Spieß. Fleisch, das meist in passgenauen Stücken in ein (bestenfalls!)  knuspriges Brot mit frischen – Ha! Niemals! –  Salat gestopft und mit einem großen Klecks, der teutschen Zunge widerstrebend wohlfeil gewürzten Soße übergossen wird.

Fettes Fleisch! Soße! Salat! Am besten wohl noch Kümmel! So etwas haben wir in jeder echten,  deutschen Küche nicht!

Können Patrioten Döner essen? Diese Frage wird von ganz rechts bis ganz links mit einem klaren «Nein» beantwortet. Von links daher, da «Patrioten» doch damit einen Akt des Vaterlandsverrats begehen würden und von rechts, weil man damit ja tatsächlich das Vaterland verrät! Was mich  immer amüsiert an die Erzählung meines alten Klassenkameraden erinnert, der als Polizist den lokalen Vorstand der Partei «Die Rechte» beim «China-Mann» erwischt hatte.

Mit dieser Döner-Frage werden eine ganze Reihe von Themenkomplexen berührt, die auch rechte Echo-Kammern verlassen und den Alltag von eher unpolitischen Menschen berühren: Ab wann ist etwas «deutsch»? Wer gehört denn dazu? Ist ein Straßenstrich islamisiert, wenn dort mehr als zwei Döner-Läden aufzufinden sind?  Was sind eigentlich die Alternativen zum Döner?

Eine der größten und mächtigsten Angstszenarien, mit der seit über 20 Jahren Stimmung gegen Patriotismus gemacht wird, ist dass nach einer «Machtergreifung» einsetzende Artensterben innerhalb der kulinarischen Vielfalt Deutschlands: Dann gebe es nur noch Würste und mehr nicht! Welch Hohn, denn tatsächlich verschwinden die traditionellen lokalen Spezialitäten öfters und es zieht multikulturelle Einfalt ein: Döner, Asia und Pizza rauf und runter. An dieser Änderung ist der Deutsche aber auch selber schuld: Ähnlich wie bei den großen Industriebrauereien hat der deutsche Massenkonsument sowie -produzent mehr auf Preis und Masse geachtet, denn auf die Qualität.

Ein lieblos zusammengestopftes Wurstbrötchen schlägt eben keine vollwertige Mahlzeit, die ein Döner darstellt. Auch die Verfügbarkeit der Ware machte den Unterschied: Oft sind Wurstelbräter zu später Stunde schon dicht, während bei den Döner-Buden der Laden erst zur Dunkelheit anfängt zu brummen. Da ich aber die Bierindustrie angesprochen habe: Hier findet ein Wechsel statt. Die örtlichen Brauspezialitäten geraten wieder in den Fokus und die vermeintliche, ramschige «Vielfalt»weicht einer tatsächlichen. Die riesigen Bäckereiketten in Teilen Deutschlands und das Absterben des Fleischer-/Metzger-Berufes sind nur weitere Erscheinungen, die man bei der Lösung der Döner-Frage berücksichtigen muss. Denn wenn es Alternativen zum Döner geben soll, braucht es eben das entsprechende Vorfeld dazu.

Hier will ich mich an die endgültige Lösung der Döner-Frage machen: Selbstverständlich kann ein Patriot Döner essen! Denn er hat im Blick, nicht immer bei dem Besitzer zu kaufen, bei dem  der Eindruck entsteht, dass eigene Land verlassen zu haben und die Großmannssucht des Heimatlandes des Ladenbesitzers zelebriert wird.

Der Patriot geht dort hin und wo das Essen gut ist, isst er  es auch, setzt sich dafür ein und achtet viel mehr darauf, dass die Alternativen und die tatsächliche Vielfalt bewahrt bzw. wieder geschaffen wird. Die  von multikulturellen Speiseangeboten gefüllte Straße, die gerne zum linken Resonanzraum als Weltdorf stilisiert wird, wird Schritt für Schritt zurückerobert und in der Stadt «verwurzelt». Ohne die kulturelle Herkunft zu verleugnen, wird die fremde Speise teil der eigenen Gewohnheit. Plötzlich tauchen ehrlich gemeinte Deutschlandfahnen in den Läden auf. Dabei bleibt es nicht nur in den Straßen: Dem ein oder anderen Urlauber ist der «German Döner» vielleicht schon über den Weg gelaufen – das kulinarische Angebot wird angeeignet. Wie auch die Kartoffel mal ein «Ausländer» war, bis sie zum «Schimpfwort» für sog. «Bio-Deutsche wurde» (diesen Begriff lehne ich ab). Die Döner-Frage, wie auch der öffentliche Streit über die Integration, haben in den letzten Jahren unter einer fehlenden Definitionshoheit und Dynamik von Patrioten gelitten. Das Eigene betont anpreisen, ausführen und das Fremde gewinnbringend aneignen.  Warum nicht mal Braten-Brötchen? Kraut geht auch in’s Brötchen hinein und schmeckt nicht nur im Suff und im Suff gar köstlich oder gar besser. Ein guter Döner bleibt dann die feine Ergänzung und eben nicht der «Große Austausch». Der kulinarische Horizont bleibt dadurch weltoffen, das Vaterland bleibt aber das gleiche.

 


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Cundar wurde in Oberfranken geboren. Sein näheres Umfeld, Zivildienst, Pfadfindertum und ein sehr interdisziplinäres Studium präg(t)en seine Weltanschauung. Die bezeichnet er gerne als “katholisch, rechtsradikal und liberal” (Kuehnelt-Leddihn lässt grüßen). “Katholisch” in einem ziemlich traditionellen Sinn, “rechts” meint patriotisch, “radikal” im Sinne von “reaktionsfreudig” sowie “unabhängig” und “liberal” im Sinne persönlichen Freiheitsdenken. Früher bei die “Jungdeutschen”. Jetzt hauptsächlich als Privatperson ansonsten hin- und wieder schriftstellerisch bei YoungGerman tätig.

3 thoughts on “Die Endlösung der Döner-Frage

  1. Übrigens………….

    …..gerade hat die Sparegelzeit angefangen.

    Ich weiss, ne gute Sauce Hollandaise ist selten, aber wenn sie es ist, so eine mit feinem Buttergschmack …….und die heiss ist wenn sie serviert wird, ist es ne wunderbare Sache.
    Aber bitte, nur mit weissem Spargel, alles andere ist Beilage und nichts für echte Spargelesser.
    Seit gute Restaurants mit Steamer kochen gibts zähe faserige Spargeln schon gar nicht mehr.
    Aber man sollte in ein sehr gutes Restaurant gehen um diese Köstlichkeit zu geniessen.
    Ein Restaurant welches die Hollandaise frisch zubereitet und zum Gericht einen guten Rohschinken beilegt, einen Spanischen Serano-Schinken beispielsweise. Die sind einfach noch ne Spur besser wie die berühmten Parmas.

    Saisonale Deutsche Esskultur und gesund ist das ganz auch noch, was will man mehr.

  2. Zwei Anmerkungen zu Deinem Artikel:
    1. Kümmel gehört sehr wohl in die deutsche und insbesondere die bayerische Küche. Was wäre ein Schweinebraten ohne Kümmel. Und erst mit etwas (!) Kümmel schmeckt der bayrische Krautsalat mit Speck oder Grieben.
    2. Döner wird aus Kostengründen in Deutschland inzwischen oft aus Geflügel-, vorzugsweise Putenfleisch hergestellt, obwohl dafür Rinderbauchlappen (Flank Steaks) verwendet werden sollten! Es hat dann nicht immer etwas mit der politischen Verortung zu tun, wenn man auf dieses Billigfastfood gerne verzichtet.
    Also Vorsicht auch bei der Wahl der Dönerbude und danke für diesen schönen Artikel!
    Herzliche Grüße!

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