Wieder ein Wochenende überlebt – Leben in Gostanbul, Nürnberg

Gastautor: Tülay, Auszubildene Assistentin für Ernährung und Versorgung, mit pomakischen Wurzeln

 

Wieder ein Wochenende überlebt – Leben in Gostanbul, Nürnberg

Als 2015 die Asylflut erst tröpfchenweise begonnen hat wie ein harmloser Nieselregen, hat mein Vater mich schon ermahnt. Ich soll wenn es dunkel ist, besser nicht alleine draußen rumlaufen, am Bahnhof soll ich vorsichtig sein, denn da lungern «die» gern rum. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch: «Der übertreibt ja voll.“ Außerdem war die Republik in einem Wilkommensrausch. Ich muss zu meiner Schande gestehen das sogar ich dachte: «Das wird bestimmt interessant, vielleicht finde ich auch eine neue Freundin aus Syrien mit der man sich kulturell austauscht und reden kann.» Diese naive rosa Wolke in meinem Kopf wurde aber bald vom sintflutartigen Regen und der gnadenlosen Gewitterfront, die über Deutschland hereinbrachen zerstört. Zuerst habe ich mich nur gewundert warum nur junge männliche Asylbewerber bei uns auf dem Dorf sind. Das kam mir irgendwie komisch vor. In den Medien wurde doch das Bild von armen Frauen und Kindern gezeigt.



Mein Vater sollte recht behalten. 2015 war ich noch in meiner Ausbildung zur Augenoptikerin und musste mit dem Zug zur Berufsschule nach Nürnberg fahren. An Bahnhöfen und allgemein in der Großstadt hab ich mich sowieso nie sonderlich wohl gefühlt, aber dieses laue Gefühl,  das nur ein wenig im Hinterkopf vor sich hin waberte,  breitete sich mit der Zeit im ganzen Kopf aus und wurde zu einem Gefühl von Bedrohung, das mich auf Schritt und Tritt verfolgt. Die Art wie ich durch die Welt wandere änderte sich, ich fing an die Umgebung aufmerksamer zu beobachten. Allmählich fand ich es auch absolut nicht mehr paranoid von meinem Vater, dass er mich so eindringlich gewarnt hatte.

Wenn man als «lonely little girl in such a cold cold world» einfach nur auf dem Heimweg von der «Schule ohne Rassismus Schule mit Courage» ist und eine Gehwegsperre in Form einer Zusammenrottung junger Kulturbereicherer umgehen muss hofft man einfach, dass die Verhaltenstipps aus der Reisebroschüre auch auf deutschen Straßen funktionieren. Der Augenkontakt kommt in muslimischen Ländern einer Aufforderung gleich. Beispiel Marokko, hier gilt ein Blickkontakt zwischen Mann und Frau bereits als sexuelle Kontaktaufnahme. Ich senke also meinen Blick, und gehe zügig mit mehr als einer Armlänge Abstand vorbei. Überlebt. Jetzt nur noch am Hauptbahnhof angespannt auf den Zug warten, etwa eine Stunde Zugfahrt überstehen und dann vom Heimatbahnhof aus entspannt nachhause schlendern. Und wie sich das Jahr so zu Ende neigt brauen sich über einer Stadt besonders dunkle Wolken zusammen, die Rede ist natürlich von Köln. In der Silvesternacht schlugen dort eine nie da gewesene Menge Blitze in Form von Diebstahl, Raub, sexueller Nötigung und Vergewaltigung ein. Stichwort: Taharrusch dschama’i.

Mein Vater hat sich richtig aufgeregt, hat mir gesagt wie froh er ist, dass ich an Silvester nicht fort gegangen bin, und ich am besten immer Pfefferspray dabei haben soll. Er hat in seinem Zorn über die flüchtlingspolitische Lage noch ein paar türkische Flüche ausgesprochen und mich nachdenklich zurückgelassen. Ich frage mich warum die selbsternannten Feministinnen und Vorzeige-Demokraten anstatt die Probleme beim Namen zu nennen lieber eine Lichterkette gegen rechts veranstalten. Veranstaltet eure Lichterketten doch bitte in einer Gummizelle.

Knapp 3 Jahre später und Deutschland um 300 % Messerangriffe reicher, verschlägt es mich beinahe jedes Wochenende ausgerechnet in die Großstadt. Nürnberg um genau zu sein. Zum Feiern. Naja besser gesagt um als Fluchtwagenfahrerin bereit zu stehen. Zwei deutsche Freundinnen von mir gehen gerne feiern und innerhalb von ein paar Monaten hat es sich so eingebürgert, dass ich so eine Art Chauffeur und Möchtegern-Leibwächterin geworden bin. Im Film Taxi Driver hofft der Fahrer ja auf einen Regen der den ganzen Abschaum von der Straße spült, aber «Shit… ich warte auf den Sonnenschein.» Die Disko eignet sich übrigens wunderbar für Feldstudien. Mir ist aufgefallen, dass Kulturbereicherer am aufdringlichsten sind. Wie ich Moslems von mir fernhalte weiß ich ja. Aber bei Afrikanern stehe ich noch vor einem Rätsel, ich hab keinen Augenkontakt aufgenommen, sage drei Mal nein wenn ich angetanzt werde und hab dann immer noch keine Ruhe. Es nervt einfach, also gehe ich weg. Und zur Not gibt es ja die Security. Unsicherer fühle ich mich, wenn wir dann auf dem Weg zum Auto sind. Ich versuche ja immer möglichst nah an der Disko zu parken, aber immer klappt das nicht. Wenn wir dann endlich im Auto sitzen ist das wie ein Aufatmen, eine richtige Erleichterung.

 

Wenn ich dann in der Früh Zuhause ankomme und noch nicht einschlafen kann, setze ich mich manchmal vor den Laptop und lese die neuesten Horrormeldungen über Vergewaltigungen, Ehrenmorde und all die anderen «Einzelfälle». Ich frage mich ja auch oft was meine Party-Girls machen würden,  wenn Deutschland irgendwann komplett islamisiert ist. Was, die Vorstellung ist paranoid? So etwas kann hier nicht passieren? Das dachten die Frauen im Iran vor der islamischen Revolution bestimmt auch. Naja was solls, Hauptsache wieder ein Wochenende überlebt. Uns hat mal jemand gefragt warum wir nicht mit dem Zug fahren, ein Bayern-Ticket-Nacht wäre sicherlich billiger als die Autofahrerei. Meine Freundin, die ich bis dahin für ziemlich sorglos hielt antwortete: «Ins Auto kann man schnell einsteigen und sofort Heim fahren wenn es Probleme gibt.»

Letzten Freitag verschlug es mich, ich bin offensichtlich lebensmüde, wieder in den mittelfränkischen Großstadtdschungel. Aber alleine und mit dem Zug und nicht in die Disko. In der Hektik habe ich auch noch eine andere Tasche mitgenommen als sonst und habe meine Beruhigungspillen in Form von Pfefferspray und Taschenmesser zuhause vergessen. Ich war also ziemlich angespannt. Ich hab eine alte Freundin am Hauptbahnhof getroffen, die mich dann in die Parallelwelt Gostanbul begleitet hat. Ich war gut gelaunt und wollte ihr erzählen was in letzter Zeit so los war. Nachdem sie sich eine Zigarette angezündet hat,  schnauzt sie mich an, dass ich hier ja nicht auf dem Dorf sei und ich nicht allein rumlaufen soll und nicht zu laut sein soll. Das kotzte mich schon total an.  Wo sind wir hier eigentlich? Ist das das Land in dem wir gut und gerne leben? Wir liefen so nebeneinander her, ihr Blick blieb kurz an einem Ladenfenster mit arabischen Schriftzeichen hängen, da zog sie an ihrer Zigarette, blies den Rauch langsam aus und sagte nachdenklich: «Das ist keine gute Gegend.»

Für mich war das wie eine Filmszene, nur noch Regen und Schwarz-weiß-Filter hätten gefehlt. Es ist schon unterhaltsam für mich meine politisch desinteressierten Freundinnen, vor allem die, die so richtig Anti-AfD sind zu beobachten, wie ihnen langsam DÄMMERT, dass hier etwas nicht stimmt, das dieses Land für Frauen gefährlicher wird. Am Samstag Abend hab ich das wieder zu spüren bekommen, als meine alte Freundin bei der Verabschiedung gefühlte hundert mal gesagt hat ich solle auf mich aufpassen. Die ist ja fast schon besorgter als mein Vater. Der Witz an der Sache ist, sie jammert herum dass es für Frauen gefährlich ist und man aufpassen muss. Aber politisch aktiv etwas dafür tun,  dass die Normalität wieder zurückkehrt,  tut sie auch nicht. In der U-Bahn Station prangt ein Plakat «Gostenhof ist bunt und das ist gut so.»

Nach diesem Wochenende kamen mir auf einmal Kindheitserinnerungen an München Hasenbergl hoch, Besuch bei Verwandten, türkischen Tee trinken. Graue kalte Plattenbauten. Ein rostiger Spielplatz. Meine Mutter fand es dort unheimlich. Mein Vater hat gehofft dass unser Auto noch an Ort und Stelle steht, im besten Falle sogar mit Reifen. Wenn uns das Auto geklaut worden wäre, wäre aus irgendeinem Gebüsch bestimmt ein verbrauchter liberaler Hippiepenner gekrochen und hätte ihn mit den Worten getröstet: «Hasenbergl ist bunt und das ist gut so!»

Merkel und Co. führen weiterhin ihre Regentänze auf.

Es gibt die Theorie, dass drastische Klimaveränderung den Untergang einer Hochkultur einleiten können. Im Falle der Induskultur, eine der frühesten Hochkulturen der Erde, hat wohl der schwache Monsun, der die Landwirtschaft austrocknete und so die Lebensgrundlage der Harappa zerstörte, zum Niedergang dieser Bronzezeit-Zivilisation geführt.

Ich gehe davon aus, dass der Untergang unserer Zivilisation von dem gesellschaftlichen Klimawandel, den die Asylflut auslöste, eingeleitet wird.

 


 

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Tülay – passionierte Pfandflaschensammlerin mit pomakischen Wurzeln. Absolviert eine Ausbildung zur Assistentin für Ernährung und Versorgung. Aufgewachsen im Altmühltal. Verbringt in Tarnfarben gekleidet gerne Zeit im Wald und Steinbruch. Immer auf der Suche nach Tigerschnecken und neuem Lesestoff. Am Wochenende spielt sie gerne Taxi Driver für ihre Freundinnen.

4 thoughts on “Wieder ein Wochenende überlebt – Leben in Gostanbul, Nürnberg

  1. Schöne Beschreibung der Zustände.
    Ich saß in den 90ern selbst mal mit den Punks am KOMM beim Nürnberger Bahnhof zusammen (Oi!, nicht links!!) und hab teilweise interessante Leute kennengelernt. Die haben auch gepöbelt, aber verglichen mit den Zuständen am Hbf heute ist das eine komplett andere Welt. Gerade mal 20 Jahre später.
    Aber der Mainstream der Gesellschaft ist so in seiner Traum-/ Wunschwelt gefangen, dass er die Wahrheit nicht sehen WILL. Erkannt wird es von den meisten schon, aber dann bewusst VERDRÄNGT. Gewollt überlagert von Konsum und Egozentrik. Und so wirds weitergehen. In diesem Fall will ich eigentlich mal nicht Recht haben, aber leider werden wir (die Leser dieses Blogs) irgendwann sagen: “Ich habs Euch ja gesagt. Jetzt isses aber zu spät.”

    An Gastautorin Tülay: danke, dass Du diesen Artikel AUS SICHT EINER FRAU MIT MIGRATIONSHINTERGRUND (ich hoffe ich habe den korrekten “Neusprech” gefunden?) geschrieben hast! Vielleicht sind wir uns ja sogar schon mal über den Weg gelaufen. Gostenhof war vor 20 Jahren schon “negativ belegt” 😉
    Witzig ist auch: neuerdings fällt mir auf, dass man mittlerweile – als Mann – sogar tagsüber in den bayerischen Städten, in denen ich mich bewege, provokativ von den neuen “Mitbürgern” angeglotzt wird. Mal sehen, wann die anfangen nicht mehr nur zu schauen…

  2. Auch in der Schweiz findet man das.
    Meine Frau arbeitet manchmal bis Abends um 20°°.
    Ich hole sie immer ab.
    Bis auf vielleicht 1 mal pro Jahr wo das nicht geht.
    Dann ist sie erfinderisch um alle “Hotspots” hier in der kleinen Provinzstadt zu umgehen.
    Das sowas nötig ist ärgert mich extrem.

    Die Schweiz gilt als Land in dem die Integration gelungen ist…………… Blödsinn…….

    …………In Wahrheit decken wir die Probleme nur einfach mit noch mehr Geld wie Deutschland zu.

    Integration, nein die ist hier so Rar wie bei euch.
    Nur etwas ist bei uns ein wenig besser, wir haben wir eine dünne Schicht Ausländer die die anderen noch ein wenig erziehen.
    Ausländer die heute alt sind und nach dem Krieg in die Schweiz kamen.
    Es sind oft Italiener, Männer wie Frauen die man damals oft verlachte, welche aber Heute zur guten alten “Garde” gehören. Es waren oft Stuckateure und andere Bauharbeiter mit erstaunlichen handwerklichen Kunstfertigkeiten.¨
    Mein Vater hatte eine sehr grosses Bauernhaus und vermietete Zimmer.
    Diese jungen Italiener hatten oft Heimweh, sie arbeiteten 10-12 Stunden und halfen Vater am Abend noch mit dem Heu einbringen.
    Sie hüteten meine viel älteren Geschwister und lebten dadurch faktisch in unserer Familie mit.
    Meine Mutter wurde zum Ersatz für deren Familie zu Hause ……und lernte nebenbei noch Italienisch, später Spanisch.
    Ja, die haben den Wechsel von der Not ……….in die Schweiz noch in dankbarer Erinnerung.
    Aber bald werden die vollständig verschwunden sein, von illegalen Migranten verdrängt.
    Einer Klasse von Migranten die hier seit 30 Jahren genauso fordern wie bei euch……. die wir nur einfach besser finanzieren können weil unser Land “noch” wohlhabend ist.
    Nach den Italienern kamen übrigens Portugiesen, dann Spanier, Yugoslaven.
    Zuerst fluchte man oft über die Italiener weil sie beim Kartenspiel schnell mal streit bekamen und das Messer zogen. Von jenem Kartenspiel kam auch deren Übernahmen, “Tschinggä”….. von Tschinque = 5.
    Was es aber genau damit auf sich hatte habe ich vergessen.

  3. Gostanbul? Da hab ich mich schon früher ungern aufgehalten. Das war vor etwas 10 Jahren, ich war damals eher links, Spiegelabonnent. “Alternatives Künstlerviertel”.. ha! Ja, wenn man laute Halbstarke als Künstler bezeichnet, dann ja..
    Kumpel lebt dort seit einer Weile, mehr so der Opfertyp. Frag mich, wie er dort überlebt..

    Nürnberg geht rapide bergab. Merkt man vor allem am Bahnhof.. seit ein paar Jahren kann man da nicht mal mehr sein Handy auspacken, ohne dass man drum fürchten muss. Kumpel ist hat 20 Jahre in der Bärenschanze gelebt.. ist dort weggezogen, weil sich dort zu viele Checker, Zigeuner und Zecken eingenistet haben. Ich fahr da nur noch rein wenns sein muss..

    @Walter Habe einen Schweizer Kumpel mit serbischem MiHiGru. Grillt seiner Aussage nach gern provokativ Schweinefleisch und genießt die bösen Blicke der muslimischen Nachbarn.

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