Bierchen mit einem alten Freund: “Warum bist du eigentlich noch in der CDU?”

Berlin Mitte März, ganz in der Nähe von Schöneweide.  Ich treffe mich mit einem Freund, den ich seit 2013 kenne und in guter Erinnerung hielt.

Wir kennen uns über die Bundeswehr und haben festgestellt, dass wir zum Zeitpunkt unseres Dienstantritts beide Mitglieder der Berliner CDU waren. Im Gegensatz zu ihm war ich jedoch bereits schon mit einem Fuß aus der Tür hinaus und orientierte mich um, während er aus Treue zum Biertrinker-Verein in seinem Bezirk verankert blieb. Jetzt steht der Kontakt wieder – der Bibliothek des Konservatismus sei Dank, wo wir uns wiedergetroffen hatten. Witzig ist, dass ich dort den einen oder anderen CDUler getroffen habe, der durchaus noch bei Verstand ist. Genau wie Buggi (nennen wir ihn mal so), der ein kluger Kopf ist und sich schon damals wie ein Mond des Jupiter um den konservativen Berliner Kreis bewegte.

Es ist ein windiger Tag, den wir spazierend am Wasser verbringen, und wir trinken einen Kaffee zusammen. Fast wie ein Date. Nur reden wir nicht über Hobbys, sondern über Politik und unser Land – oder was davon übrig ist. So ganz hundertprozentig kriege ich den Inhalt und Wortlaut der Unterredung nicht zusammen, die gut und gerne zwei Stunden dauerte. Aber es war schön mit jemandem zu sprechen, der nicht ganz in unserer Filterblase lebt, aber doch noch genug Tassen im Schrank hat, um zu verstehen, was hier in Europa passiert. Am Wasser auf einer Bank setzen wir uns, ich schreibe hin und wieder mit und verspreche ihm, dass ich kein Spitzel der Neo-Stasi bin. Er lacht.

Buggi fragt mich wie es ist in der AfD so ist, und ob ich es bereue, damals gewechselt zu sein. Ich verneine natürlich und erkläre, dass die Intentionen der meisten AfDler gut sind, wenngleich es an der Professionalität und Ausführung noch mangelt. Er, so sage ich ihm, würde sich bei uns wohler fühlen als in der vergrünten CDU. Da schüttelt Buggi energisch den Kopf und spricht natürlich Personen wie Höcke oder Poggenburg an, die ihm nicht passen. Alice, so sagt er, gefalle ihm hingegen sehr gut.

«Und, wie läuft es im Berliner Kreis und dem Freiheitlich-konservativen Aufbruch?» frage ich mit einem Grinsen, das ich zurückhalten muss.

«Gibt es mehrheitlich nur im Internet und im Mailverteiler», antwortet Buggi und führt weiter aus, dass sich die Partei versteinert hat. Alles sei auf Angela Merkel ausgerichtet, die Tempo und Kurs vorgibt. Obwohl es noch konservative Stimmen in der Partei gibt, sind die meisten von ihnen nahe dem Rentenalter oder so jung, dass sie ihre Aufstiegschancen in der Partei nicht versauen wollen. Ganz unverblümt erklärt er, was ich damals schon gespürt habe. In der CDU herrscht ein Altherrensystem, angeführt von der Kanzlerin. Wer widerspricht, wird kaltgestellt und hat kaum Chancen in der Zukunft auf einen Posten zu kommen. Widerspruch wird nicht geduldet. Wer etwas werden will, muss schon jemand sein oder die Klappe halten.

«Und Spahn?»

«Furchtbarer Kerl, aber wird für seinen Lobbyismus auch noch gefeiert. Vor allem von den Potsdamern und anderen, die sich eine Koalition mit der FDP gewünscht haben. Spahn ist kein Konservativer. Konservieren will er nur den Wohlstand einiger Weniger.» Ich grinse wirklich, klingt Buggi doch beinahe wie ein Sozialdemokrat oder Linker. Aber er gehört auch nicht zur Zehlendorfer oder Charlottenburger CDU, sondern entstammt der Unterschicht und kommt aus einer Arbeiterfamilie. Ein Hertha-Fan. Genau wie ein anderer sehr guter Freund von mir, der ebenfalls noch in der CDU die Stellung hält.  Das Gespräch dreht sich um die Asylkatastrophe, die Buggi als solche erkannt hat und mit seinen Mitteln bekämpft. Durch Spenden und das Abonnieren von konservativen Zeitungen.

«Wir müssen diesen Medienkrieg gewinnen », sagt er und zeigt mir das Cato Magazin, das er sich wohl am Bahnhofskiosk gekauft hat. Ich, sehr angetan, erzähle ihm von meinem Blog und meiner Arbeit für den Sieg in genau diesem Kampf um die öffentliche Meinung. Deswegen schreibe ich hier mit, erkläre ich ihm.  Denn die öffentliche Meinung, so stimmen wir überein, sei definitiv in den letzten zehn Jahren massiv nach links gerückt. Heute wird Buggi für Positionen in der eigenen CDU gescholten, die im Wahlkampf  2009 völlig angemessen, wenn auch konservativ waren. Schon für das laute Anstimmen der Nationalhymne erntet man schiefe Blick in der Partei der Christdemokraten und Tauber-Patrioten. «Altmaier, Peter Tauber, Klöckner, Jens Spahn, Flintenuschi und Merkel – nicht gerade eine Partytruppe.»

«Machst du Witze? Dieses Clownsarmee – und Merkels Kabinett, man will im Strahl kotzen. Altmaier für Wirtschaft und Energie! Uschi bleibt bei der Truppe und Heiko als Außenminister.  Ich fass es einfach nicht, wie dumm die Leute sind, dass sie das einfach schlucken wollen.» – seine Worte.

 

«Und – gibt es Hoffnung auf eine Wende bei euch?»

Buggi schüttelt den Kopf.

Die CDU liegt vielleicht im Sterben, erzählt Buggi und zuckt mit den Schultern. Oder sie befindet sich im Aufschwung, weil sie die linken Wähler für sich gewinnen wird. So genau könne er das nicht einschätzen, sagt er. Aber er ist sicher zumindest sicher, dass die Konservativen keine Wende innerhalb der Partei vollziehen können und einen langsamen Tod sterben werden.

«Ich gebe es auf. Merkel wird durchhalten und weitere vier Jahre machen, und das ist das Ende der Bundesrepublik, wie sie mal war. Danach gehts abwärts.» Ich lache und erkläre, dass ich mit einem Freund um einen Kasten Bier gewettet habe. Dieser andere Freund wettete darauf, dass Merkel früher abtreten würde und ich war auch der Meinung wie Buggi, dass Merkel die jetzt noch ca. drei Jahre durchhält. «Sie hat den Willen zur Macht, wie Nietzsche sagt.»

«Wer Nietzsche liest, ist ein Natsi!» – über den Kommentar von mir lachen wir beide noch kurz. Danach reden wir über seine Arbeit, die mehr oder minder gut läuft. Die Beziehung mit der damaligen Freundin von vor 5 Jahren ist schon lange vorbei, und seither gab es wohl auch keine nennenswerte Neue mehr. Hier und da ein Mädchen, aber nichts Handfestes. Eine Geschichte, die ich sehr gut von mir selber kenne. «Das ist diese elendige Stadt, Berlin ist ein Dreckloch. Die sind alle kaputt im Kopf.» Den Satz habe ich so schon zu oft gesagt, weil ich ihn für richtig halte. Die Stadtmenschen haben meistens ein ziemliches Rad ab, sind extrem unsozial und hetzen von einer apokalytischen Lebenssituation zur nächsten.

Buggi fragt mich, ob ich noch aktiv bin in Uniform bin oder was ich gerade überhaupt so mache. Ich verneine und erkläre, dass die Truppe und ich so eine kleine Meinungsverschiedenheit hatten und wir seither getrennte Wege gehen. Zivil, studieren, arbeiten – irgendwie müsse man ja in Lohn und Brot kommen und sparen für das Haus in Brandenburg.

«Jo, das Haus muss richtig nah an der Grenze zu Polen stehen», fügt Buggi noch hinzu, bevor wir am Treptower Park langsam zum Stehen kommen. Als ich das letzte Mal hier war, ging ich noch mit meiner letzten festen Freundin im Sommer am Wasser spazieren. Vor dem Sowjetischen Ehrenmal halten wir und trinken noch ein Bierchen.

«Warum bist du eigentlich noch in der CDU?» frage ich ihn am Ende und bekomme erst ein Schulterzucken und dann langes Schweigen.

«Und wohin? In die AfD? Niemals! Scheiss Amateure und Stammtischpatrioten, dazwischen ein paar Verirrte. So rechts war die CDU nie! Aber so grün und links war die CDU auch noch nie. Bringt jetzt auch nichts mehr. Wenn ich jetzt gehe, kann ich auch nicht mehr ehrenvoll in die AfD – dann wirke ich wie ein Opportunist, wie eine Ratte, die das sinkende Schiff verlässt. Und ich kann von Innen vielleicht besser helfen und die Weichen für einen Machtwechsel stellen. Den konservativen Kräften helfen – egal, woher sie kommen. Meinetwegen auch von euch. Hauptsache, wir stoppen diesen Wahnsinn, bevor es zu spät ist.»

 

«Okay, damit kann ich leben.» Wir stoßen an mit dem Späti-Bier und prosten uns zu. «Auf Deutschland – oder was davon übrig ist», raune ich zum Ende.


 

Hat dir der Beitrag gefallen? Wir auf YOUNG GERMAN stecken viel Arbeit und Herzblut in unsere Artikel und wollen uns dauerhaft als alternatives Medium etablieren. Du kannst dich bei uns bedanken, indem du auf Facebook, Twitter oder Minds.com dein “Like” hinterlässt, uns einen Kaffee spendierst oder ein monatlicher Unterstützer auf Patreon wirst. Mit deiner Hilfe wollen wir wachsen und ein unabhängiges alternatives Medium zu den Massenmedien anbieten!


Buy Me A Coffee at Ko-Fi.com

https://www.patreon.com/Younggerman https://www.facebook.com/TheYoungGerman https://www.minds.com/Younggerman

 



Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

3 thoughts on “Bierchen mit einem alten Freund: “Warum bist du eigentlich noch in der CDU?”

  1. Eine interessante Frage wäre gewesen, was er denn nun wählt. Er hat ja wohl erkannt, dass eine Stimme für die CDU eine Stimme für Merkel und damit für eine Fortsetzung des von ihm als schädlich erkannten Kurses ist.

    Seine Mitgliedschaft in der CDU ist weniger bedeutend, da Merkel seinen Mitgliedsbeitrag nicht braucht – sonst tut er ja scheint’s nix mehr für die CDU.

  2. Ich persönlich denke, die interviewte Person betrieb “therapeutisches Auskotzen” gegen die AfD. Fakt ist: Er stützt Merkel. Er ist ein weiterhin Mitglied und wenn er nicht AfD wählt, wählt er ob er wählt oder nicht immer Merkel mit. Der Kerl steht nicht vor der Verrentung, er hat für mich keine “Ich bin man ganzes Leben dabei gewesen…”-Entschuldigung weiterhin in der CDU zu verbleiben. Dass er die AfD ankotzt hat für mich weit mehr psychologische Gründe. Poggenburg ist nicht einmal mehr Landesvorsitzender und Höcke offenbar weiterhin von der Machtergreifung in der AfD sehr weit entfernt. Ich persönlich könnte kotzen, wenn die Leute die AfD deswegen nicht unterstützen und lieber Phantomoppositionen hinterherrennen: “Nicht-Merkel, Nicht-AfD”. Wo soll die sein? FDP? Lachhaft! Seehofer? Der bellt nur. Eine konservative Revolution aus Innen heraus? Sagt er selbst ab. Kurzum: Es gibt keine Alternative zur Alternative für Deutschland. Es ist haargenau dieser Kadavergehorsam, der Merkel erst möglich gemacht hat! Ach was, die Konservativen, wen sollen die denn wählen? Nö, ich mach Politik der SPD, dann kriege ich deren Wähler und die Presse jubelt. Die sterben ja eh alle weg. Das ist das System Merkel und dagegen hilft nur die AfD.

Schreibe einen Kommentar

Kommentareingaben werden zwecks Anti-Spam-Prüfung an den Dienst Akismet gesendet. Gespeicherte IP-Adressen werden nach 7 Tagen gelöscht. Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Angaben und Hinweise zum Widerrufsrecht finden sich in der Datenschutzerklärung.