Massensterben in der Champagne

 

Der französische Oberbefehlshaber Joseph Joffre meint es ernst im Winter 1915. Kurz nach Weihnachten im Januar lässt er seine Truppen die deutschen Stellungen in der Champagne angreifen. Erstmals setzt er Trommelfeuer in Verbindung mit folgendem Infanterieangriff ein, um die 16. Division des deutschen Kaiserreiches aus den Gräben zu treiben, die sie östlich von Perthes bemannt hatte. Hunderttausende Franzosen stürmen unter der Fanfare ihrer Trompeten und dem Heulen der über ihnen fallenden Granaten auf die deutschen Stellungen zu und bleiben liegen. Es ist ein Massensterben im Winter 1915 und unzählige steif gefrorene Leichen liegen binnen weniger Tage in der einst so blühenden Champagne.

Joseph Joffre erhoffte sich einen Durchbruch der Entente in der Champagne, nachdem der Erste Weltkrieg binnen weniger Monate zum Stellungskrieg verkommen war. Bereits im Dezember hatte er bei Arras  erfolglos versucht die deutschen Truppen aus ihren Bunkern und Gräben zu treiben. Auf Seiten der Franzosen und Briten standen über zwei Millionen Mann einer ähnlichen Anzahl deutscher Soldaten gegenüber. Die leichte numerische Überlegenheit der Franzosen verpuffte jedoch schnell im Maschinengewehrfeuer des Grabenkrieges, als der von Joffre erhoffte Durchbruch nicht vollbracht werden konnte.



Aus Hunderten Geschützen eröffneten die Franzosen am 16. Februar den Hauptangriff ihrer 4. Armee bereits am frühen Morgen. Regen und Wind verwandelten an diesem Tag die Landschaft in ein trostloses, apokalyptisches Feld der Traurigkeit, in welchem Feuer und Stahl niedergingen, bevor die französischen Männer unter dem Ruf: «Für das Vaterland!» zum Sturmangriff übergingen und auf jene Männer deutscher Sprache trafen, die ihnen ganz ähnliche Rufe entgegen schleuderten.

Die preußisch-kaiserlichen Truppen antworteten auf den Sturmangriff der Franzosen mit Maschinengewehrfeuer und Schützenkampf, nachdem sie das Bombardement in den Bunkern überstanden hatten. Im schlammigen und unebenem Boden rückten die Franzosen, Belgier und Briten nur sehr langsam vor, blieben im Pfützen liegen, wurden vom Wind weggedrückt oder von Salven niedergemäht. Die 19. und 16. Reserve-Division der Deutschen hielt den Feind wenige Meter vor den eigenen Gräben auf, metzelte die Männer nieder, die unter anderen Zeichen wohl gute Trinkkameraden geworden wären. Beim ersten Angriff bleiben bereits Tausende liegen.

Im kalten Regen und Schlamm stechen, schlagen und schießen sich Deutsche und Franzosen gegenseitig tot. Auch die 1. Garde-Division des Reiches tritt den Kämpfen am 20. Februar bei, stürmt im Artilleriefeuer vor und bleibt nach einigen genommenen Gräben des Feindes in der blutigen Erde liegen.  Die Kämpfe, wie fast überall im Ersten Weltkrieg, bleiben ohne große Landgewinne. Es geht hin und her, vor und zurück, bis die Deutschen den Franzmann endgültig abwehren und zurückschlagen.

Am Ende sind ca. 45.000 Franzosen tot oder verwundet und auch die Deutschen beklagen mindestens 15.000 Gefallene oder Verwundete. Die gut ausgebauten und befestigten Stellungen der preußischen Armee haben die Soldaten des Kaisers vor schlimmeren Verlusten bewahrt. Aber die Winterschlacht in der Champagne sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich der Morast der einst so schönen Landschaft mit Leichen füllt.

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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