Airsoft – ein wenig verstandener und unterschätzter Spaß

Mal etwas zur Auflockerung neben all diesen allzu ernsten, aber notwendigen politischen und militärischen Themen.

Zur Vorübung auf ein größeres Spiel bzw. Operation (MilSim – Militärische Simulation) schnappe ich mir zwei Kameraden – an dieser Stelle Preiß und Karneval genannt – und fahre in aller Herrgottsfrühe mit ihnen auf ein 200km entferntes Spielfeld im Ausland.

Das Hobby

Airsoft (nur in Deutschland Softair genannt) hat einen eher schlechten Ruf – die meisten Nichtmilitäraffinen haben aufgrund von negativer, sachlich oft völlig falscher Berichtserstattung ein Bild von Airsoft als eine Art Wehrsport – Vorbereitung für Straftaten von rechtsextremen Spinnern und potenziellen Amokläufern. Klar zieht dieses Hobby einige wenige dieser Leute an, aber die allermeisten Airsoftler sind gesetzestreue, normale Leute! Viele Militäraffine hingegen halten Airsofter für kindisch – erwachsene Männer, die sich mit Plastik aus Plastikwaffen beschießen und sich dabei vorkommen wie große, böse Kriegshelden. Da ist sicherlich Einiges dran, aber es gibt viele Aspekte, die Airsoft dennoch zu einem spaßigen und lehrreichen Hobby machen. Diese Aspekte werde ich hier nicht explizit erläutern, sondern in den folgenden Absätzen herausarbeiten. Jedenfalls meiden die meisten Airsoftler die öffentliche Verbindung mit ihrem Hobby – die Erfahrung hat gezeigt, dass diese oft berufliche und/oder soziale Nachteile mit sich bringt!

Zur formellen Seite: Airsoft ist in Deutschland auf völlig legaler Ebene fast unmöglich, daher wird in Deutschland meist halb- oder illegal gespielt. Das birgt für Viele ein zu großes Risiko und Stress; sie spielen daher gerne im benachbarten Ausland (z.B. Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, Schweiz, Frankreich). Die am meisten vertreteten Waffen sind elektrisch betriebene Repliken von echten Waffen, die eine Energie zwischen 1 und 3 Joule (ein Bruchteil der Leistung eines Luftgewehrs) haben und Rundkugeln verschießen. Diese Technik ermöglicht es auf bis etwa 60 Meter Mitspieler effektiv zu bekämpfen ohne sie dauerhaft zu verletzen.


Der Ablauf

Das Schöne am Mikrokosmos Airsoft ist, dass man tatsächlich auch gesittete, fruchtbare politische Diskussionen führen kann. Auf diese Weise vertrieben wir uns einen Großteil der Zeit bei der zweistündigen Hinfahrt durch das schöne Fichtelgebirge und den Kaiserwald (CZ).

Nach der Ankunft folgt der übliche Organisationskram – Anmeldung, Auspacken (Airsoftwaffen unterliegen in DEU den gleichen Auflagen beim Transport wie Großkaliberwaffen – d.h. sie müssen in einem verschlossenen Behältnis ohne Magazine und Munition verpackt sein!), Leistungmessung (um Verletzungen beim Spiel zu vermeiden und Fairness sicherzustellen) und das Umziehen (es ist sein erstes Spiel – Preiß hatte beim Abholen auf dem Supermarktparkplatz keine Zivilklamotten an und sah mit seinen Bw-Stiefeln und hochgekrempelter Flecktarnhose aus wie ein Nazi, haha!).

Nach einer gewissen Zeit im gemütlichen, ofenbeheizten aber dennoch kühlen Aufenthaltsraum werden wir von den Organisatoren auf das Spielfeld geführt. Dies ist eine alte Möbelfabrik mit etwa 300 000m² Fläche – eine große Halle, einige kleinere Nebengebäude und halboffenes Gelände mit allerlei Dingen, an denen man sich prima dreckig oder blutig machen kann. Trotz seiner Gefahren ist es ein hervorragendes Gelände – insbesondere Orts- und Häuserkampf kann man hier bis zum Abkotzen üben, aber auch das Vorgehen in bewaldetem und offenen, welligen Gelände kann man hier trainieren.

Die Spieler

Bei der Besprechung finden sich etwa 60 Airsoftler ein und frieren gemeinsam. Sie sind ganz unterschiedliche Menschen, der einzige verbindende Faktor scheint eine gewisse Affinität zu Waffen zu sein. Auf diesem Bild sieht man beispielsweise einen Straßenpunk, einen Progammierer, einen Lehramtstudenten, einen Feldwebelanwärter und einen Logistiker. Die meisten Airsoftler sind junge Männer, aber auch Familienväter, Infanteriezugführer, Frauen und leitende Angestellte oder Firmenbesitzer frönen gern diesem Hobby!

Das Aufwärmspiel ist ein Teamdeathmatch – es werden zwei Teams mittels gelber bzw. roter Klebebandstreifen um die Ärmel eingeteilt. Diese sollen stumpf entlang der großen Halle gegeneinander antreten – es gibt kein direktes Spielziel; Getroffene gehen zu ihrem Ende zurück und steigen neu in das Spiel ein. Ich nutze die Gelegenheit, um meine Befehlsgebung im Orts- und Häuserkampf zu üben und den Preißn in die Abläufe und Dynamik des Spiels einzuführen. Ich bringe ihm bei, dass er um seine Kräfte zu sparen und Verletzungen zu vermeiden erst im Gefahrenbereich (den ich als alten Hasen kenne) in sein Schießgestell (gefechtsmäßige, schussbereite Körperhaltung im Nahbereichschießen) zu gehen. Das lernt er auch durch Schmerzen – beim gefechtsmäßigen Betreten eines Hausdurchgangs legt er sich erstmal wegen einer Eisplatte hin, hehe. Dennoch verläuft das Spiel für uns lehrreich und spaßig, allerdings wird das durch Highlander getrübt. Diese Fraktion trägt meistens Helm und Plattenträger – sie fühlen sich unbesiegbar, bemerken teilweise die Treffer wegen ihrer Ausrüstung wirklich nicht, ignorieren sie allerdings auch. Man sieht die Kugeln an ihnen abprallen, setzt noch 30 hinterher – nichts. Sie schießen zurück, treffen mich – ich schreie laut HIT, ziehe mein Deathrag (Fetzen einer Warnweste), beleidige die Typen und gehe unseren Spawn zurück.


Im weiteren Verlauf das Vormittags treffen wir wieder auf Karneval, der beim ersten Spiel später einstieg und daher versehentlich im Gegnerteam war. Wir üben weiterhin Befehlsgebung, Vorgehen als Trupp im urbanen, halboffenen und offenen Gelände, werden oft von der Spieldynamik überrumpelt, teilen etwas aus und entwickeln langsam eine gemeinsame, aggressive Dynamik. Airsoftwaffen und LiPo-Akkus wurden in Asien entwickelt und produziert – dies merkt man anhand der Ausfälle, oft durch leere Akkus oder zerbrochenes Material bedingt. Der zweite Ausfall in Punkto Hauptwaffen bewegt uns zu einem etwas verfrühten Mittag – bis zum Mittagessen richte ich beide Waffen (wir haben uns auf Repliken des G36 spezialisiert, da sie auch als Repliken zuverlässig und gut wartbar sind). Mittags kehren wir bei Josef, dem Spielfeldbesitzer ein. Für ein kleines Geld erhalten wir ein erstklassiges Gulasch, dessen Fleisch er selbst geschossen hat. Hier dient Airsoft als Völkerverständigung – Josef hat in Österreich gearbeitet und spricht daher fließend Deutsch. Egal ob in Frankreich oder in Tschechien – Spielfeldbesitzer und lokale Mitspieler sind meist feine Typen und beim Feierabendbier sind sie willkommene Gäste!



Der weitere Nachmittag ist schnell erzählt – wir haben weiterhin unseren Spaß, unsere Abschussquote bessert sich, der Akku von Karneval geht beinahe in Flammen auf und eins meiner uralten Magazine zerbricht.

Als sich die Sonne langsam zum Horizont bewegt gehen wir zurück zum Aufenthaltsraum und bereiten die Heimreise vor. Auf der Heimreise gehen wir noch in den Supermarkt – Bier und Snacks machen den Hauptteil unserer “Beute” aus. Ich konnte der Versuchung widerstehen, die lustige Crackpfeife als Geschenk für meine Freundin im Tabakladen zu erwerben. Dank des hochintellenten Navigationssystem nehmen wir auf dem Rückweg die “Abkürzung” durch Hochfranken, die 55km Umweg bedeutet.

Warum spielt ihr als erwachsene Männer also Krieg?

Wir lieben den Eindruck von vorbeifliegenden Kugeln – diesen Eindruck kann man mit Manövermunition und in Videospielen bei weitem nicht so gut erzeugen!

Airsoft ist gewissermaßen das Freilandpendant zu Schach – am interessantesten wird es, wenn mehrere Züge auf den großen MilSims um und in befestigten Stützpunkten kämpfen. Die taktischen Abläufe sind hochinteressant, da man gleichermaßen selbst das Pendant zur Schachfigur ist.

Naturverbundenheit ist auch eine Sache – aber nicht die spießbürgerliche, pseudomäßige beim gemütlichen Sonntagsspaziergang mit Jack Wolfskin Jacke. Es ist etwas ganz Anderes, wenn man sich bei der Annäherung auf einem gefroreren Wassergraben die Backen durch das Gestrüpp ausreißt, am Abgrund einer alten französischen Festung balanciert oder in alten Ostblockliegenschaften den rustikalen Charme der Ruinen genießt.

Den höchsten Grad an Kameradschaft erlebe ich auch im Airsoft – in der aktiven Truppe kann man nicht mal seinen Spind in Anwesenheit der Stubenkameraden für fünf Minuten offen lassen. Beim Airsoft verschwindet selten was und wildfremde Spieler helfen Einem oft bei Störungen an der Waffe!


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Triarius – der junge Geschichtsstudent diente mehrere Jahre in infanteristischen Verwendungen bei der Bundeswehr. Seine Freizeit verbringt er bevorzugt in der Natur, betreibt aber auch leidenschaftlich gerne Motorsport.

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