Vom Proletariat zu Migranten und LBGT: Wie sich das revolutionäre Subjekt der Linken verändert hat

«Da eine Gesellschaft ebenso wie jeder einzelne Mensch nur in begrenztem Umfang helfen kann, kommt auch die Linke an einer Begrenzung und Steuerung der Zuwanderung nicht vorbei»

Das waren die Worte von Oskar Lafontaine an seine Partei im November 2017. Warum stehen er und Sahra Wagenknecht mit dieser vernünftigen Position in der politischen Linken so alleine auf weiter Flur da?

Linke Parteien wie die SPD und seinerzeit die KPD hatten lange Zeit einen Übergang hin zu einer sozialistischen bzw. kommunistischen Gesellschaft durch Reformen bzw. eine Revolution im Sinn. Dabei ging es natürlich darum, dass die Proletarier das Joch der Unterdrückung durch die Kapitalisten abschütteln und selbst zu herrschenden Klasse werden bzw. die klassen- und damit unterdrückungslose Gesellschaft erreicht werden sollte. Man hatte im ersten Schritt das Wohl der Proletarier des eigenen Landes im Sinne, d.h. die Arbeiter und einfachen Angestellten, dann kam das Wohl des Proletariats anderer Länder. Gemäß der internationalen Solidarität, deren Konzept sich die Sowjetunion mit ihrer Kommunistischen Internationalen zu Nutze machte, um auch in anderen Ländern Einfluss durch die jeweiligen kommunistischen Parteien auszuüben, galten die Klassengrenzen in der Theorie mehr als die Staatsgrenzen, getreu dem Motto: «Proletarier aller Länder, vereinigt euch!» Das eigentliche Endziel war die Weltrevolution, also die Schaffung eines weltweiten Kommunismus. In der Praxis war es mit der Überwindung des Staats auf diesem Weg jedoch nicht weit her, denn in vielen Ländern, wie in der Sowjetunion, in China und in der DDR, wurde sozialistische Ideologie mit Patriotismus verbunden. Man kann durchaus sagen, dass dies den geschichtlichen Entwicklungen geschuldet war, denn die Weltrevolution wollte sich nicht einstellen und war mit Gewalt nicht zu erreichen. Also igelte man sich ein. Das revolutionäre Subjekt blieb zuallererst der Proletarier im eigenen Land. In staatssozialistischen Ländern blieb das so und in den wenigen, die es heute noch gibt, ist es auch jetzt noch so.



Der Kalte Krieg brachte eine ideologische Spaltung der sozialistischen/kommunistischen Strömungen mit sich, d.h. es gab einerseits staatssozialistische Länder und andererseits kapitalistische Länder, in denen intellektuelle Gruppen ein ähnliches Gedankengut vertraten, wobei sich beide Strömungen aber immer weiter von einander entfernten. Die 68-er Bewegung zeigte das sehr deutlich. Im Gefolge des stark zunehmenden Wohlstandes in westlichen Ländern in den 50-er und 60-er Jahren schien das Leiden der einheimischen Proletarier nicht mehr so frappierend und viele Linke waren dadurch abgestoßen, wie der Proletarier, der nun mehr Geld in der Tasche hatte, ein gesetztes, bürgerliches Leben anstrebte und nicht viel auf die umstürzenden Pläne der Sozialisten und Kommunisten gab. Außerdem erschien es westdeutschen Linken unerträglich, dass ihre Elterngeneration den Nationalsozialismus erduldet bzw. mitgetragen hatte. Damit war das alte revolutionäre Subjekt in ihren Augen verbrannt.

Das war der entscheidende Wendepunkt, an dem die Linksintellektuellen des Westens sich ein neues revolutionäres Subjekt suchten. Sie blickten über den Tellerrand ihrer Gesellschaften hinaus und problematisierten Armut und Kriege in der Dritten Welt. Die so genannte Frankfurter Schule mit den prominenten Vertretern Adorno und Marcuse hatte eine kulturmarxistische Ideologie entwickelt, die sich kritisch mit dem Nationalsozialismus, dem Antisemitismus, dem Patriarchat, dem Fremdenhass und dem Militarismus sowie ihren vermuteten gesellschaftlichen Grundlagen auseinander setzte. So seien diese Phänomene dadurch bedingt, dass Machtstrukturen und Tabus in der bürgerlichen Gesellschaft menschliche Triebe der Freiheit und der Sexualität unterdrückten. Das Unterbewusstsein der Menschen regiere auf diese massenhaft vorhandenen psychischen Traumata mit Gewalt nach unten und außen. In der Konsequenz gelte es alle diese unterdrückenden Kräfte zu überwinden und den Menschen zu befreien, d.h. nun waren nicht mehr die Klassengegensätze von Übel, sondern sämtliche staatliche und hierarchische soziale Strukturen, Verhaltensnormen, Rollen in Familien, Geschlechterrollen und natürlich alles Militärische. Außerdem vereinnahmten die Linksintellektuellen den Umweltschutzgedanken, der an sich nicht politisch ist, sondern unter anderen politischen Vorzeichen natürlich auch als ein Aspekt des Heimatschutzes gelten kann. Durch diese Verbindung von Kulturmarxismus und Umweltschutz entstanden die Grünen in den 80-er Jahren.

So wie heute Köpfe, die sich nicht scheuen, selbst zu denken, wie Sahra Wagenknecht, die ideologischen Scheuklappen ihrer politischen Zirkel durch ketzerische Erkenntnisse in Aufruhr versetzen, waren auch Rudi Dutschke in der Außerparlamentarischen Opposition und Petra Kelly in den frühen Tagen der Grünen durchaus eigenwillig und alles andere als stromlinienförmig. Leider hat sich auf die Dauer aber die Auffassung durchgesetzt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Damit ist die Welt wieder ganz einfach und Gut und Böse klar verteilt.

Wenn heute von den Machtzirkeln in der CDU, in der SPD und Grünen bis zur Linken die Migranten und die LBGT-Gruppe als das neue revolutionäre Subjekt gefeiert werden, hat das seine Grundlagen in der Enttäuschung der Linksintellektuellen von der anscheinend nicht zur Revolution zu gebrauchenden trägen und saturierten Masse und im Kulturmarxismus. Der Anteil an Homosexuellen und erst recht an exotischen Gruppen wie Transsexuellen an der Menschheit ist so gering, dass er natürlich nicht ausreicht, eine Revolution zu tragen. Dennoch sind diese Randgruppen Galionsfiguren der Linken, da sich so viel auf sie projizieren lässt. Somit sind nicht nur die LBGT-Gruppe die Träger der Revolution, sondern auch alle, die mit ihnen sympathisieren und als ihre Stellvertreter und Mulitplikatoren ihre Gleichstellung in der Gesellschaft fordern. Das umfasst die so genannten Social Justice Warriors, aber auch im Grunde alle, die außerhalb der explizit Rechten in Politik und Verwaltung, Medien und Bildung Karriere machen wollen. Die Stellvertreterrolle für die Benachteiligten dient auch dem eigenen Gewissen, nachdem man durch propagandistische Beeinflussung von realen und eingebildeten Ungerechtigkeiten überzeugt wurde. Und dieses psychische Motiv betrifft noch größere Teile der Bevölkerung als das der Karriere.
Im Fall der Migranten gilt das Wort von Henryk Broder, wonach die Deutschen an den Muslimen wiedergutmachen wollen, was sie an den Juden verbrochen haben. Die flächendeckende Duldung der Bevölkerung der gegenwärtigen Migrationspolitik und der ausbleibende Aufschrei der Massen ist aufgrund dieses unbewussten psychischen Mechanismus in Verbindung mit der Angst, aufzufallen, und der Angst, seinen Wohlstand aufs Spiel zu setzen, zu verstehen. Wir sehen also, dass sowohl im Fall der LBGT-Gruppe als auch der Migranten mit dem schlechten Gewissen der Mehrheitsbevölkerung und einem gesunden grundsätzlichen Wunsch nach Gerechtigkeit gearbeitet wird. Die Verehrung der Migranten und ihre Verklärung zu besseren Menschen durch die Linksintellektuellen unserer Tage zeigen ganz deutlich, dass sie und ihre Stellvertreter neben der LBGT-Gruppe und deren Stellvertretern das zahlenmäßig noch wichtigere neue revolutionäre Subjet sind, wobei sich freilich beide Gruppen stark überlappen. Auch das Wahlverhalten der Migranten kommt den Linken zu Gute, denn diese wählen nicht konservative oder rechtsliberale Parteien, die ihnen gegenüber skeptisch eingestellt sind und christliche bzw. säkulare Werte vertreten, sondern diejenigen, die ihnen gefüllte Taschen, Kost und Logis bis zum Sankt-Nimmerleinstag, Familiennachzug und so viele Moscheen, Minarette und omnipräsente Kopftücher verheißen, wie das Herz begehrt. Und das kann man ihnen nicht mal ernsthaft vorwerfen, da sie ja nur ihren Vorteil suchen in einer Gesellschaft, die sich in ihren Augen in ihrer verachtenswerten Schwäche selbst aufgegeben hat und ihnen keine Grenzen setzt.



Die Ironie der Geschichte wirft ihren Schatten voraus, doch die Linksintellektuellen wollen die Anzeichen dafür, die in Schweden und Frankreich, in Köln und Cottbus klar zu Tage treten, nicht sehen. Hoffen wir aber, dass die Befreier der Transgender und die Heranzüchter der Parallelgesellschaften und der Scharia-Anarchie auf deutschem und europäischem Boden bereuen mögen, dass sie dem deutschen Proletarier nicht die Treue gehalten haben, bevor sie von den islamischen Sittenwächtern zum Richtplatz geführt werden.

Quellen:

https://www.contra-magazin.com/2017/11/zuwanderung-lafontaine-und-wagenknecht-stellen-sich-gegen-linie-der-linken/

Was wir von Rudi Dutschke lernen können


 

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Reisig erblickte in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst studierte er eine Naturwissenschaft. Währenddessen engagierte er sich vorübergehend in der politischen Linken. Dabei galten ihm stets das Wohl des deutschen Volkes und die Begegnung der Völker auf Augenhöhe als höchstes Ziel. Später nahm er vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand. Er hat nach seiner Promotion ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland. Er schreibt auf Reisigs Blog, die Jungdeutschen und Young German.

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