Reservistenverband: Zivilisten Sprung auf! Zu den Waffen!

 

In der sonst so antimilitaristischen Bundesrepublik Deutschland werden bald Zivilisten an der Waffe ausgebildet. Ja, Sie lesen richtig! Hierbei handelt es sich auch nicht um einen verfrühten Aprilscherz wie etwa die Groko-Verhandlungen bis Ostern, sondern wurde auf der Homepage des Reservistenverbandes der BW schneidig im Neujahrsgruss 2018 verpackt. Dort heisst es: [«In enger Abstimmung mit dem MINISTERIUM wird der Reservistenverband ab 2018 mit der Ausbildung Ungedienter beginnen».] Dies ist nicht nur ein neuer historischer Tiefpunkt, sondern hinsichtlich der Geschichte der Bundesrepublik absolut einmalig, zumal die Vereinbarkeit dieser Mobilmachung mit dem Grundgesetz fraglich sein dürfte.



Dabei hat sich der Reservistenverband der Bundeswehr für dieses Projekt eingesetzt – dennoch «begleitet» das Von der Leyen-Ministerium die Versuche. Die sogenannten «Behelfsreservisten» würde man aus der Bevölkerung direkt rekrutieren und dabei dann als Reserve, im Katastrophenfall oder für Wehrübungen zum Einsatz kommen. Es ginge dabei um eine «geeinte nationale Reserve im besten militärischen Sinn». Das heißt, Krisen sollten künftig wehrhafter bekämpft werden können. Auf dem ersten Blick ist dieses Vorhaben angesichts der Gefahrenlage und des Konfliktpotenzials in Europa und der Welt durchaus angemessen, wenn nicht sogar existenziell. Moment mal! Haben wir nicht bereits eine Reserve?

[Solch eine unkonventionelle Maßnahme beruht jedoch in erster Linie auf Versäumnisse und Fehlentscheidungen der Vergangenheit,] angefangen bei der Aussetzung der Wehrpflicht bis hin zu einer destruktiven Sparpolitik, an der man nach wie vor festhält. Und auch bei der Gewinnung von geeignetem Nachwuchs hat man sich [trotz einer Medienkampagne von gut 35 Millionen Euro jährlich] bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert. [Doch geht es letztendlich nicht um Vorbereitungen auf einen Bürgerkrieg (Zerfall der EU) oder gar einen größeren Krieg?  ] Beobachter rätseln. Zuvor wäre es jedoch interessant zu erfahren, wer da eigentlich zu den Waffen gerufen werden soll. Da «Zivilist» in diesem Fall ein recht dehnbarer Begriff ist, muss es sich dabei zwangsläufig nicht einmal um Bundesbürger handeln. Einige Mitglieder der rund 14.374 Schützenvereine in Deutschland wären sicherlich sehr am Angebot interessiert.

Sicherheitskräfte wären hingegen sinnvoll, da ihnen Befehlsstrukturen und Extremsituationen meist nicht fremd sind. Möglicherweise werden aber auch Papierkrieger wie Journalisten an der Waffe ausgebildet oder sogar Extremisten, wie der Schwarze Block? Nicht auszumalen, wer da nun unsere wehrhafte Demokratie zusätzlich verteidigen soll. Bleibt abzuwarten, ob für die Auserwählten überhaupt eine Mitwirkungspflicht besteht und falls doch, welche Konsequenzen kämen auf einen dann zu, wenn man dem nicht nachkommt? Diese Fragen werden baldige Antworten erhalten und wir können nur abwarten. Man wird anfangs wahrscheinlich auf Freiwillige setzen. wäre genau das Gegenteil der Fall, würde dann ein Aufschrei durch das Land gehen? Man lässt die Pressemitteilung rausgehen und wartet zunächst die Reaktionen ab.

Seit Freitag wird davon in der Presse berichtet. Allerdings gibt es die Pläne schon länger, wie ein Blick auf ein Arbeitspapier des CDU-Bundestagsabgeordneten Oswin Veith aus dem Dezember 2016 zeigt. Darin heißt es das, dass Verteidigungsministerium erst davon nach einem Beitrag auf www.augengeradeaus.net im Oktober 2016 «erfahren» haben soll. [Die Verteidigungsministerin musste diesem Papier damals nicht zustimmen, weil es sich nicht um ein offizielles Projekt gehandelt habe.]
Wenn man sich diese Zustände anschaut – so muss man feststellen, dass der Tiefe Staat zu übermächtig wurde, womit man ihm weder auf politischen noch auf juristischen Wege wirkungsvoll entgegentreten kann. Ein Scharmützel gegen einen übermächtigen und undurchsichtigen Gegner wäre nicht nur dilettantisch, sondern in diesem Fall völlig unnötig – in der kühlen Winterluft liegt ein Hauch von «Winds of Change».



«Ich weiß, dass wir bei brisanten Großdemos verdeckt agierende Beamte, die als taktische Provokateure, als vermummte Steinewerfer fungieren, unter die Demonstranten schleusen. Sie werfen auf Befehl Steine oder Flaschen in Richtung der Polizei, damit die dann mit der Räumung beginnen kann. Ich jedenfalls bin nicht Polizist geworden, um Demonstranten von irgendwelchen Straßen zu räumen oder von Bäumen runterzuholen. Ich will Gangster hinter Gitter bringen. (…) Ich erkenne mit mehr als nur Magengrummeln, dass der Staat, dem ich diene und der mich damit beauftragt, Recht und Gesetz durchzusetzen, selbst in seinen inneren Strukturen immer weniger freiheitlich und demokratisch ist.» Polizeikommissar Thomas Mohr im Hamburger Abendblatt v. 17.10.2010

Ähnlich wie der verheizte Volkssturm könnte einmal der Einsatz dieser Paramilitärs, als letzte verzweifelte Defensivmaßnahme Merkellands gelten – gegen wen auch immer. Als ein wahrlich historisches Vorbild kommt man an die Kampfgruppen der Arbeiterklasse nicht vorbei. Es waren überwiegend männlich Beschäftigte der Volkseigenen Betriebe (VEB), die gut organisiert waren. [Das Mindestalter der Kämpfer betrug 25 Jahre, denn selbst in der DDR waren in solchen Kampfgruppen «Ungediente» nicht zugelassen.] Den Mitgliedern war es auch untersagt der Reserve der NVA anzugehören. Dass sich die Manöver und Übungen somit an den Wochenenden überschnitten hätten, mag diese Vorschrift erklären, [letztendlich fungierten die Kampfgruppen in gewisser Weise als Gegengewicht zur NVA – zu Gunsten der SED.]

Doch um auf die Gegenwart zurückzukommen: [Beabsichtigt man über den Dienstweg mit der verstärkten Reserve die Bundeswehr in Schach zu halten?] Die «Säuberungen» innerhalb der Bundeswehr, die von links als zu lasch verpönt wurden, legen die nackte Angst der Legislative frei, die die Fassaden der Macht nicht verdecken können. Am Tage der Festnahme von Franco Albrecht wurde eine ganze Berufsarmee über Nacht unter Generalverdacht gestellt, weil man offenbar Nonkonformität und Ungehorsam von Teilen der Bundeswehr befürchtet. Auch wenn sie den dabei entstandenen Schaden nicht an die große Glocke hängen – er ist irreparabel. Man scheint in Berlin vom Schlimmsten auszugehen und nach nunmehr 4 Monaten ist eine Regierungsbildung noch immer nicht in Sicht, statt den Weg für Neuwahlen frei zu machen.

Unbekannt ist hierzulande, dass der französische Staat Behelfsreservisten wohl schon seit längerer Zeit rekrutiert. Dort sind die sogenannten Ungedienten teils in «Knowledge Centern» untergebracht. Zudem gab es auch schon über Jahre einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Mitglieder des dortigen Reservistenverbandes. Allerdings ist die Mehrheit zur Unterstützung die «Gendarmerie» vorgesehen.

Wer kann schon Nein sagen, wenn Flinten-Uschi ruft und Merkel dies befürwortet? Auf in die Trümmertruppe!

„Ich bin enttäuscht und erschüttert vom Ergebnis der Sondierungen“, sagt der Bundesvorsitzende Oberstleutnant André Wüstner. „Wenn das tatsächlich so beschlossen wird, dann ist es eine Einigung auf Kosten der Bundeswehr, auf Kosten unserer Verlässlichkeit und Bündnisfähigkeit – und damit auf Kosten der Sicherheit Deutschlands. Das ist unverantwortlich!

 

Foto: http://www.ramstein.af.mil/News/Article-Display/Article/726488/4th-asog-rucks-with-german-reservists/

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Um die 30, preußisch protestantisch, geboren in Berlin als Sohn einer Köchin und eines Berufsmusikers. Diente nach dem Abitur freiwillig bei den Panzeraufklärern.

6 thoughts on “Reservistenverband: Zivilisten Sprung auf! Zu den Waffen!

  1. Nun ja, so sehr ich ein wehrhaftes Volk begrüsse, dass wird damit keinesfalls angestrebt.
    Damit will sich die Politik absichern, denn sie hat erkannt das die Bundeswehr nur noch ein Schatten ihrer selbst ist.
    Und, woher kommt den allenfalls die Ausrüstung dieser “Reservisten” ?
    Ich für mich halte das, weil es von der herrschenden Politik aufgegleist wird, für etwas sehr gefährliches.
    Gefährlich für den Bürger und die Demokratie.
    In der Schweiz begrüsse ich das, hier ist das faktisch bereits vorhanden, wenn auch noch nicht wirklich organisiert.
    Aber hier werden sich die in der Krise allenfalls mobilisierten, nur für die Eidgenossenschaft einsetzen, kaum je für die Politiker und deren überleben.
    Um das zu erkennen, muss man aber Schweizer sein und den Geist in der Truppe und vor allem bei den “Gedienten” zu kennen.
    Zudem sind in der Schweiz derart viele Waffen vorhanden, das sich jede Regierung hüten wird etwas zu veranstalten was dem Volkswillen weiter Kreise widerspricht, selbst wenn diese “weiten” Kreise eine Minderheit sein sollten.
    Aber in Deutschland, also da nehme wich an werden sich bei diesen Reservisten auch viele “Möchtegerne” versammeln, Charaktere die an Uniform und Macht interessiert sind und der Regierung folgen erden, denn sie ermöglicht solchen Typen das rechtlich abgesicherte agieren.
    Nein, was ich in der Schweiz als gut und gegeben erachte, da wäre ich im Falle Deutschlands sehr skeptisch.
    In der Truppe werden sich wohl auch sehr viele sogenannte “Secondos” und Neubürger einreihen, sofern man ihnen das ermöglicht. Ja, Deutschland in seiner politischen Krankheit wird es ermöglichen.
    Wer kann in Deutschland bei den Reservistenvereinen Mitglied werden, jeder oder nur Reservisten und Gediente…..?

    Von dieser Regierung Merkel und Schulz, die Deutschland wohl noch einige Zeit zu führen versucht, von der kommt nichts gutes und niemals etwas Demokratisches.

    1. Sali, Herr Roth,
      Um zunächst ihre Frage zu beantworten: Reservist hierzulande konnte nur ein Gedienter werden, was sich bald jedoch ändern soll (auch wenn nur zunächst Versuchshalber). Zudem gibt es noch Alarmreservisten, die sich im Verteidigungsfall binnen 24h bei ihrem alten Standort zu melden haben. Mein alter Standort z.B. existiert nicht mehr.
      Man kann dieses schweizerische Selbstverständnis auf Deutschland wahrlich unter keinen Umständen übertragen, wo eine Psychose rumgeht.

      “Die Schweiz hat keine Armee, sie ist eine Armee.” Der unbeugsame Freiheitssinn und die Beziehung der Schweizer zu ihren Kantonen und ihrem Land, trotz der sprachlichen Unterschiede ist Bemerkenswert und weltbekannt. Ich bin zuversichtlich, dass die Schweiz das Undenkbare siegreich abwehren wird.

      Ganz herzliche Grüße in die Schweiz!

  2. Ich hab den Artikel mit ner gewissen freundlichen Belustigung gelesen. Die einhellige Meinung unter Reservisten ist, dass der VdRBw damit einfach nur Stellen für Verbandsfürsten generieren möchte. Damit mein ich irgendwelche fetten alten Kerle, die als KVK-Fw/Offze StFw/OStFw/StOffze geworden sind. Die Landesregimenter kann man genauso wenig auffüllen wie die RSU-Kp. Papiertiger, allesamt.

    Grundsätzlich ist der Schritt natürlich verwerflich und die Ressourcen wären in die bestehende Reserve besser investiert. Leider funktioniert die seit dem Streichen der Heimatschutzregimenter nicht mehr.. selbst ich als Teil der Eingreifreserve habe nicht mal eine persönliche Waffe! Vom Rest ganz zu schweigen. Das was wir machen ist Ausbildung auf der Stufe des einzelnen Soldaten, wir sind ein Pool an Einzelsoldaten, keine Einheit.

    @Walter Prinzipiell kann Jeder in den VdRBw e.V. eintreten. Haben auch eine Reihe Fördermitglieder – zu unseren Veranstaltungen kommen auch öfters mal Angehörige mit, die teilweise auch im VdRBw sind. Wie es genau mit den RSU-Kp und Landesregimentern ausschaut weiß ich nicht.

  3. Sehe das ehrlich gesagt nicht so kritisch wie du. Ich verstehe, dass Gedienten der Gedanke eines “Gedienten-light” nicht gefällt. Aber es ist letztendlich eine gute Möglichkeit, junge Männer zügig in einen wehrhaften Zustand zu versetzen, die nicht die Zeit oder Motivation aufbringen konnte, ein halbes Jahr oder länger in der Kaserne zu verbringen. Das trifft vor allem auf die post-Wehrdienst-Generation zu, zu welcher auch ich gehöre. Für mich und viele andere wäre das eine gute Möglichkeit, grundlegende militärische Fähigkeiten zu erwerben und einen Teil zur Gesellschaft beizutragen, ohne eben ein ganzes Jahr zu opfern. Die Besorgnis, dass Linksextreme oder Islamisten diese Möglichkeit ausnutzen könnten teile ich eher weniger. Da müsste selbstverständlich die selbe Prüfung vom MAD her, wie bei der regulären Truppe. Ich wäre auf jeden Fall dabei, sollte das umgesetzt werden.

  4. Solange Islamisten bereit sind ihr Leben zu Opfern, wieso sollten dann wehrfähige Männer nicht ein Jahr ihres Lebens opfern können?
    Die Dienstzeit verlangte nicht nur einiges von uns ab, sondern war auch eine nachhaltige Bereicherung. Sie hat uns geformt und geprägt, manche zerbrachen …

  5. Reservistenverbände hat es schon immer gegeben,seit es Soldaten gibt. Dabei handelt es sich , wie der Name schon sagt, um Reservisten, also ehemalige Soldaten die entweder, Wehrdienst geleistet, Zeit – oder Berufssoldaten waren. Sie alle haben eines gemeinsam : Die Ausbildung an der Waffe. Die Aufmachung in der Kopfzeile: „Zivilisten Sprung auf! Zu den Waffen!“ ist demnach irreführend , weil Reservistenverbände ihre Mitglieder ständig an den Waffen üben, sich diesbezüglich weiterbilden und weiter entwickeln. Dass die Bundeswehr derzeit ein klägliches Bild abgibt und der desolate Zustand es kaum ermöglicht, die wichtigen Aufgaben die eine Armee erbringen sollte, nicht mehr zu erfüllen kann, liegt m.E. an der politischen Führung. Die derzeitige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, hat es geschafft den ruinösen Weg eines zu Guttenberg konsequent weiter zu gehen. Ich war selbst Soldat und habe meinem Vaterland mit Überzeugung gedient. Aus der einstigen Armee, die ausschließlich zur Verteidigung der Bundesrepublik gegen äußere Aggressoren ins Leben gerufen wurde und diese Aufgabe noch vor drei Jahrzehnten hervorragend leisten konnte, ist zu einem Schatten ihrer selbst verkommen. Heut ist die Bundeswehr , entgegen ihrer Bestimmung, in vielen Länder „eingesetzt“. Die Umwandlung von einer Friedensarmee in eine kämpfende Truppe hat Deutschland dem grün roten Lager des Bundestages mit dem damaligen Außenminister Joschka Fischer zu verdanken.

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