Alexis De Tocqueville über die Demokratie

Alexis de Tocqueville, ein französischer Philosoph und Weltreisender, hat in seinem Buch «über die Demokratie in Amerika» eine Menge negatives über die Demokratie zu sagen. Beispielsweise ist er einer der ersten meines Wissens, der ein totalitäres Element in einer modernen Massendemokratie erkannte, welche sehr auf dem Gedanken der Konformität beruht und der Herrschaft/Tyrannei der Masse, die auch fundamental irren kann. Und das sagt er alles, während er zu den großen Verteidigern der amerikanischen Demokratie gehörte. Aber man kann eben eine Sache als Idee schätzen und sie kritisieren, damit man sie verbessern kann. Er erkannte früh wo die Demokratie ihre Stärken und Schwächen hat. Die Natur des Totalitären ist nicht an einen Diktatoren gebunden, sondern kann viele Formen annehmen.  Auch Hannah Arendt verstand dies, auch wenn das von den meisten Studenten ihrer Werke nicht wirklich aufgenommen wird. Der Totalitarismus brauch keinen Hitler oder Stalin, um sich entfalten zu können, sondern kann auch mit scheinbar demokratischen Methoden seine Wirkung entfalten: Massenmobilisierung, Hysterie, gesellschaftlicher Wahn und globaler Allmachtsanspruch. Totalitär ist ein System auch dann, wenn es glaubt die Heilslehre für Alle zu besitzen und im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, welche man der Welt zu ihrem Wohle aufzwingen müsse. Totalitäre Kontrolle des Menschen in all seinen Lebensbereichen innerhalb der eigenen Gesellschaft mit dem Ziel ihn für eine Ideologie zu mobilisieren und mithilfe dieser Ideologie nach außen zu wirken.

Auch Tocqueville befürchtete, dass sich eine totalitäre Herrschaft durch absolute Kontrolle aller Lebensbereiche des Bürgers selbst erschaffen könnte – auch in einer Demokratie. Er nutzte zwar noch nicht das Wort totalitär, beschrieb es aber sehr treffend als einen quasi sanften Despotismus, der scheinbar nur gute Absichten verfolgt und seinen Bürgern aus vermeintlicher Wohltätigkeit alles abnehmen will, was sie belastet und sie dadurch entmündigt, abhängig macht und letztendlich totalitär kontrollieren kann.

 

Mir scheint, dass wenn ein neuer Depostismus in den Demokratien unserer Nationen dieser Zeit etabliert wird, dann würden sie einen gänzlich anderen Charakter haben als früher: sie würden viel umfangreicher und milder sein und den Menschen erniedrigen, ohne ihn zu foltern.

― Alexis de Tocqueville, Democracy in America

Tocqueville spricht von einem Wohlfühlstaat, der seinen Bürgern ganz langsam unter dem Vorwand in ihrem Interesse und zu ihrem Wohl zu handeln, Stück für Stück alle Freiheitsrechte abknüpft bzw. die Bürger dazu überredet, dass sie sich in seiner Obhut wohl fühlen können. Er versorgt sie mit Arbeit und Bildung, er versorgt sie mit Essen, mit Wohnung, mit Krankenversorgung, mit Renten und so weiter. Geld wird nicht benötigt und eine Chipkarte genügt. Warum Hartgeld und Scheine, wenn alles von der Regierung übernommen wird?

Von der Wiege bis zum Grab in Begleitung von Vater Staat, der sich um alles kümmert und den Menschen so erniedrigt, ohne ihm Schmerzen zuzufügen. Wie Rindvieh, das man als Nutztier auf dem Felde hält und dann zur Wahl treiben kann. Solche Worte hier kommen natürlich von den echten Liberalen, die heute eher als Libertär bezeichnet werden. In diesem Staate der «Zukunft» ist dem Menschen alles Denken, Planen und eigenständige Handeln vom Staat abgenommen wurden. Er befindet sich in einem einseitigen Abhängigkeitsverhältnis und ist so im freiheitlichen Gedankengang ein Sklave.  Auch mit der Meinungsfreiheit sei es in den Demokratien nicht so weit her, wie man allgemein annehme. Da vor allem die amerikanische Gesellschaft von marktwirtschaftlichen Ideen geprägt war, welche eine Nation schufen, in der jeder Mensch ein potenzieller Kunde oder Geschäftspartner war, ist der Anreiz nicht durch unpopuläre Meinungen diese potenziellen Geldquellen zu verjagen besonders hoch. Keiner würde bei einem Mann Ware kaufen oder ein Leistung erwerben wollen, der in der Nachbarschaft als wirrer Schwätzer und Störenfried gilt. Der Anpassungsdruck sei daher extrem hoch und die «Tyrannei der Mehrheit» eine potenzielle Realität, wenn Konformität eine höhere Gewichtung bekommt, als offener Diskurs. Hier erwähnt Tocqueville noch eine weitere Komponente in der amerikanischen Demokratie: nämlich die Bewertung des Geldes. Es sei in Amerika wichtiger, dass ein Buch gut verkauft wird und viel Geld macht, völlig unabhängig von seinem Inhalt. Die Amerikaner würden das Buch nicht nach seinem Inhalt, sondern nur nach dem Profit bewerten, den man damit erwirtschaften könne. Eine Gesellschaft die so lebe würde wohl technologisch fortschreiten und sich entwickeln, jedoch geistig verarmen.

 

Das Übelste in einem Staate liegt in seiner knechtischen Gesinnung, die zum Gehorsam erzieht.

– Alexis de Tocqueville, Democracy in America

Die Freiheitsextremisten(ich meine das nicht negativ) wie Tocqueville, John Stuart Mill und John Locke wären ziemlich entsetzt darüber, was heute als freiheitlich oder liberal bezeichnet wird. Es ist in den meisten Fällen das genaue Gegenteil von Liberalismus, was uns als «freiheitlich» verkauft wird. Tocqueville zog sogar eine Verbindung zwischen der Religiosität der christlichen Amerikaner und ihrem Wunsch, die eigene Freiheit zu erhalten. Daher hielt es auch für sehr unwahrscheinlich, dass sich in den USA jemals ein Despotismus nach Muster der europäischen Staaten erheben könnte. Die einzige Ausnahme sah er in jener langsamen Summierung staatlicher Macht, die eben nicht als böser Diktator, sondern als liebenswerter Despot auftritt, welcher mit helfender Hand den Bürgern dabei hilft ihre Rechte und Pflichten abzutreten und so ein Volk ewigier Sklaven zu erschaffen, die sich selbst in die Sklaverei wählen, ohne es zu merken.

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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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