Die Deutschritter im Zeichen des Kreuzes: Helfen, Wehren, Heilen

Aus den Kämpfen im Heiligen Land, in dem die christlichen Kreuzritter die Pilger auf dem Weg zu den Heiligen Stätten beschützten, kehrten einige von ihnen nach Europa zurück. Unter ihnen auch jene Krieger im «Weißen Mantel», die von ihrem deutschen Kaiser Friedrich II. mit dem Recht ausgestattet wurden, Besitztümer in Europa als Ordenslehen zu beanspruchen.

Die Ritter des Mittelalters sind in Europa eine ideologische Union aus Kriegerkodex frühchristlicher Zeiten, verbunden mit den Werten und Pflichten eines gläubigen Christen mit dem Ziel diese Kämpfer höheren Standes an einen neuen Wertekanon zu binden. Ein Reich unterworfen nur Gott, dem Papst, dem Kaiser und den lokalen Königen und Fürsten. Die Ritter wirkten im heiligen Land und stellten jedoch die geistlichen Instanzen an vorderste Stelle, da sie sich nicht den weltlichen Herrschern primär verpflichtet sahen.

Schon vor dem Auszug des sogenannten «Deutschen Ordens» gab es im «Osten», also damals fast alles östlich der Mark Brandenburg, deutsche Siedlungen. Diese waren allerdings wild im Land verteilt und nur durch Handelswege miteinander verbunden. Die germanischen Stämme siedelten kreuz und quer in Europa umher und gründeten auch in mehrheitlich von Slawen bewohnten Gebieten ihre eigenen Siedlungen und umgekehrt. Im Zuge von Völkerwanderung und Konflikten wurden Siedlungen von den Stämmen auch wieder aufgegeben oder neu gegründet, was den Eindruck des deutschen Flickenteppichs in dieser Region Europas verstärkte.

Schon seit Otto und seinem Sieg auf dem Lechfeld gab es Bestrebungen deutscher Expansion in den als «Osten wahrgenommenen Raum. Unter den Askaniern von Brandenburg, den Wettinern in Meißen und den Babenbergern in der Ostmark wurden Siedlungsprojekte und militärische Expeditionen Richtung Osten umgesetzt. Als der Deutsche Orden als schlagkräftige und kampferprobte militärische und religiöse Organisation ebenfalls nach Osten vordrang, begrüßten die Markgrafen im Reich diesen Vorstoß, der von missionierenden Mönchsorden wie den Zisterziensern begleitet wurde.

Die Entwicklung dieser deutschen Expansion nach Osten gestaltete sich unterschiedlich: Am Anfang jedoch vor allem durch Siedlungsgründung und meist friedliche, durch zum Christentum bekehrte Slawenfürsten begünstigte Missionierungen. Aber schon die Askanier von Brandenburg lieferten sich mit den slawischen Stämmen und Fürsten erbitterte Kämpfe. So kam es natürlich, dass auch der Deutsche Orden immer wieder militärisch gegen Widerstand vorgehen musste, der sich hier und dort gegen die neuen Herren erhob. Diese bauten an den gewünschten Ansiedlungsgebieten des Deutschorden:  Sie gründeten neue Städte, gründeten Gemeinden, bauten Kirchen und hoben Handelsstraßen und Kanäle aus, um im Inland liegende Siedlungen mit den Flüssen und der Ostsee zu verbinden. Die Ostexpansion war ein einziges großes Unternehmen: Teilweise Kreuzzug, teilweise Geschäft und teilweise Landnahme. Noch heute deuten viele deutsche, aber auch slawische Namen auf die Funktionen der Städte hin, die vom Orden gegründet wurden. Vor allem der Bergbau erwies sich in den neu eroberten Landen als besonders lukrativ; dies begünstigte die Entwicklung der deutschen Hanse extrem! Ein florierendes Handelsnetzwerk erhob sich so binnen weniger Jahrzehnte zwischen Westeuropa und dem weiten und fernen Osten. Über Städte wie Danzig und Königsberg verkehrten Waren, die von Frankreich bis nach Kazan im tiefen Russland gingen. Oder aber Güter, die aus dem Nahen Osten ihren Weg in deutsche Städte an der Weser oder der Elbe fanden. Die deutsche Hansegeschichte ist eine, die untrennbar mit der des Deutschen Ordens verwoben ist.

Der Einfluss auf die Entwicklung Deutschlands, bis dato noch kein einheitlicher Staat, kann kaum übertrieben werden. Schließlich standen zwei deutsche Großmächte, nämlich Preußen und Österreich, auf den Gebieten östlich der Elbe. Aus den neu gewonnen Gebieten flossen Rohstoffe und neue Ideen zurück ins Altreich, welches die Expansion durch Bewerbung der Kampagne und moralische Unterstützung vorantrieb. Hamburg, Danzig, Riga, Wismar, Stralsund, Stettin und Reval wären nie zu jener Bedeutung gekommen oder überhaupt entstanden, wenn der Deutsche Orden nicht nach Osten gegangen wäre!

Eine Episode der Geschichte, welche im modernen Deutschland entweder total vergessen ist oder aber häufig negativ konnotiert wird. Dabei war diese belebte Zeit auch eine Periode slawischer Selbstbestimmung und Selbstfindung, die sich durch das Erstarken eines dominanten Gegners beschleunigte, wenn nicht sogar durch diesen angestoßen wurde. Es gäbe vermutlich keinen Alexander Newski als Gründer von Russland in dieser Form, wenn es keinen deutschen Gegner gegeben hätte. Auch die polnischen Fürstenhäuser und Adelsgeschlechter sind eng mit den Deutschen durch Heirat verbunden, was ebenfalls ein fast vergessener Fakt der Geschichte ist und und Anschub sein soll, die gemeinsamen europäischen Bande neu zu beleben!

Europa sacrum est!

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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