„Hallo Wien?!“ „Halloween!“ – Ist das Tradition oder kann das weg?

Zwischen Sommer- und Weihnachtsgeschäft hat »der Markt« einen neuen Feiertag geschaffen: Halloween. Anders wie bei den in europäischen Ländern auch gesetzlich geschützten Feiertagen um Allerheiligen bzw. 2017 sogar den »Reformationstag« , die zur gleichen Zeit stattfinden, hat dieser Termin keinen direkten historisch-kulturellen Hintergrund, sondern hat in der aktuellen Form (!) primär einen pop-kulturellen, säkularen und vor allem kommerziellen Charakter. Daher ein kurzer Blick auf dieses – selbst wenn es jetzt schon regelrecht exzessiv zelebriert wird – neue Phänomen. Bemerkenswert ist auch, dass zu einer Zeit, in dem die Tage deutlich kürzer werden und der Herbst endgültig das Grün der Umwelt raubt, die Volksscharen sich dem kontrollierten und ausufernden Grusel versüßen. Sei es mit Alkohol als Erwachsener oder Naschzeug als Kind.

Etablierung und Charakter

Wenn ich mit meinen Eltern spreche, wann ich als Kind mit dieser Feierei erstmals Kontakt hatte, so kommt allenfalls der Beginn der 2000er Jahre zur Sprache. Grob kann man sagen, dass die Etablierung in Europa bereits in den 90ern starten konnte. Wie bei vielen anderen, aus den USA stammenden Marktgespenstern wie z.B. dem Weihnachtsmann, gibt es ehemals traditionelle, religiöse Bräuche unterschiedlicher Herkunft, an die angedockt und die zur optimalen Vermarktung so durchsäkularisiert wird, bis sie jedem schmecken.

Ursprünge

Wie bereits angesprochen handelt sich dabei um ein Sammelsurium. Am markantesten ist die Erklärung, dass Halloween primär von irischen Einwanderern in den Vereinigten Staaten gefeiert und damit interessant für den ein oder anderen Krämer und entwurzelten Siedler wurden. Beim »All Hallows’ Eve« ging es um den Abend vor Allerheiligen. An diesem gedenken die Katholiken ihren vielen Heiligen, auch weil nicht jeder dieser heiligen Damen und Herren einen Namenstag bekommen kann. Am darauf folgendem Tag wird dann allen Seelen gedacht, die noch im Fegefeuer verweilen. Dieser Bezug zur Unterwelt findet sich auch bei den vorhergehenden heidnischen Festen.

 

So gab es auch schon bei den Kelten Tage, an denen die »Unterwelt« offen stand. Auch bei den Römern fanden sich Anfang November Zugänge zu den beiden Welten ein. Dabei schließen sie sich an andere «unruhige» Nächte an, wie z.B. die Walpurgisnacht im Mai oder den Rauhnächten zwischen Weihnachten und Neujahr. Hier schnappt sich die Wilde Jagd unaufmerksame Personen. Auch bei den Mexikanern finden sich die Verschmelzungen vom ehemals aztekischen und christlichen Motiven am »Tag der Toten«. Dieses Motiv findet sich bei fast allen Völkern.

Konkurrenz oder wichtiger Impuls für Europa?

Im Zuge der Säkularisierung und des Kulturrelativismus haben die tradierten Bräuche ihren Zauber eingebüßt. Ähnlich wie beim Karneval gibt es im Zuge der Etablierung von Halloween immer extremere Ausformungen (Porno Halloween, usw.), was automatisch mit dem als »stillen Feiertag« versehen Hochfest Allerheiligen zusammenstößt. So wird der heilige Tag vom hitzigen Party-Getreibe überdeckt, der Fasching bekommt durch die Obsession mit Verkleidungen schwere Konkurrenz, das ähnlich verlaufene, protestantische Martinssingen (zu Ehren des Reformartors) oder auch die katholischen Martins-Umzüge  (ja auch deswegen und nicht wegen der phösen Mohammedaner11!!elf 😉 ) bekommen einen gefährlichen Terminnachbarn, die charakteristische Rübengeister oder die – wenn auch zeitlich etwas abgelegenen – Krampus- und Klausentreibenbräuche erhalten für einige Milieus eine Delegitimation. Delegitimation daher, da in unserer zersplitterten und immer mehr individualisierten Gesellschaft der künstliche Kommerz die tradierte Kultur ersetzt. So werden einige lokal verbundenen Milieus die alten Bräuche noch ausüben, während die Mehrheit ein grelles Halloween feiert. Einen traurigen Eindruck einer solchen Situation kann man bei den ein oder anderen Ureinwohnern in den ehemaligen Kolonien gewinnen.

Gerade die regionale Vielfalt in Deutschland bietet genug Gelegenheiten für einen «gepflegten Grusel» oder Umgang mit den Verblichenen – der als solcher auch weiter gepflegt werden sollte. Wenn die Hintergründe bekannt sind! Mit Blick auf die Einwanderung und weiter Säkularisierung (wozu ich auch die Enttraditionalisierung zähle) wird hier in Zukunft sehr viel Aufklärungsarbeit und Reflexion nötig sein. Auch wenn Halloween dabei als Konkurrenz auftritt, kann es auch als Schablone genutzt werden, um durch seinen niedrigschwelligen Charakter (jeder kann sich verkleiden und mitmachen) Interessenten der Tradition zuzuführen.

 




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Cundar wurde in Oberfranken geboren. Sein näheres Umfeld, Zivildienst, Pfadfindertum und ein sehr interdisziplinäres Studium präg(t)en seine Weltanschauung. Die bezeichnet er gerne als “katholisch, rechtsradikal und liberal” (Kuehnelt-Leddihn lässt grüßen). “Katholisch” in einem ziemlich traditionellen Sinn, “rechts” meint patriotisch, “radikal” im Sinne von “reaktionsfreudig” sowie “unabhängig” und “liberal” im Sinne persönlichen Freiheitsdenken. Früher bei die “Jungdeutschen”. Jetzt hauptsächlich als Privatperson ansonsten hin- und wieder schriftstellerisch bei YoungGerman tätig.

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