Die Linken sind nicht (mehr) liberal und deshalb bin ich auch kein Linker mehr

von Ignatius, Student der Theologie und Geschichte, Rheinländer, früher Afghanistan-Urlauber in Flecktarn

 

Vor ein paar Tagen sollte Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, an der Frankfurter Goethe-Uni über den Polizeialltag in der Einwanderungsgesellschaft sprechen. Dazu kam es nicht. Die Uni sagte ihm ab, nachdem die deutschen Equivalente der amerikanischen Social Justice Warrior erfolgreich gegen seinen Auftritt Beschwerde eingelegt hatten. Eine Diskussion über Zusammenhang, Ursache und Wirkung, generell über Zuwanderung und Kriminalität, konnte gar nicht stattfinden. Nun ist der Herr Rainer Wendt kein AfD-Fan und hat es trotzdem geschafft von der modernen Linken in den sozialen Medien auf linkssolid und taz in den Kommentaren als so eine Art Mini-Björn Höcke dämonisiert zu werden.  Es erinnert mich an den Vorfall vor einigen Jahren, als der ehemalige Verteidigungsminister in Berlin an der Humboldt-Uni sprechen wollte und von selbsterklärten Neo-Marxisten und Friedensaktivisten niedergebrüllt wurde. In Magdeburg geschah es ja ähnlich mit der AfD, die mit den traditionell linken Hochschulen in den Diskurs treten wollte. Dazu kam es nicht. Geschrei, Gekreische und hysterisches Gesabbel auf der  Seite der Studenten, sogar tätliche Angriffe, während die Abgeordneten und Mitglieder der AfD vorne standen und grinsten. Warum grinsten sie? Weil sie vermutlich genau wussten, dass sich die linken Studenten und Agitatoren mit ihrem Verhalten selbst in den Fuß schießen.



Die Ereignisse auf der Frankfurter Buchmesse verlaufen wieder nach dem gleichen Schema. Als guter Kenner der US-amerikanischen Universitätenlandschaft konnte ich erkennen, dass hier in Deutschland mit einer Verzögerung von 3-5 Jahren gewisse Trends aus Übersee scheinbar von der Jugend hier übernommen werden. Auch in den USA war es seit 2008 schwer geworden, als Republikaner, Evangelikaler oder vermeintlich rechter oder rechtsliberaler Redner auf dem Uni-Campus aufzutreten.  Die vermeintlich rechten Personen wurden niedergebrüllt oder körperlich angegangen. Normalität in den USA, selbst heute noch. Die Degeneration der politischen «linksliberalen» Kultur der freien Rede, welche eigentlich seit den 60ern und 70ern das Steckenpferd war, ist offensichtlich.  Erst vor wenigen Jahren gab es einen sehr prominenten Fall, welcher zur Schau stellte, dass selbst die renomierte Universität von Yale nicht vor den Schreckgespenstern der Social Justice Warriors sicher ist.  Als ich noch zur Schule ging und mein Abitur machte, war die linke Einheitsmeinung, dass alle Menschen gleich seien, man keine Unterschiede bei Hautfarbe und Religion machen dürfe und Meinungsfreiheit und Redefreiheit die höchsten Güter einer Demokratie sind. Die Vorfälle auf der Frankfurter Buchmesse sprechen hier für sich. Ich bin mir relativ sicher, dass die rechten Verleger, welche dort von infantilen Sprechchören und Agitatoren verbal angegangen wurden, sich heute ins Fäustchen lachen, auch wenn sie vielleicht ein paar Bücher durch Zerstörungen verloren haben. Das ist verkraftbar. Denn sie haben gegenüber der Linken einen politischen  Sieg errungen. Sie haben die Heuchelei der Gegenseite offenbart.  Sicherlich sind viele junge Menschen mit «guten Absichten»(sie glauben sie verhindern einen neuen Nationalsozialismus)dort hingegangen und haben ihre Parolen abgesungen und die Vorstellung blockiert. «Sieg-Heil» wurde nicht gebrüllt von den Identitären, die sicherlich eine ungesunde Nähe zur NS-Ästhetik pflegen, aber sich so einen Faupax niemals leisten würden. Aber wer anderen eine Grube gräbt….

Ein Götz Kubitschek reibt sich vielleicht gerade die Hände, weil er aus dieser Konfrontation als das vermeintliche Opfer hervorgangen ist. Die politische Linke hat sich total blamiert. Infantil, antiliberal und das  ist schon so seit vielen Jahren. Die Buchmesse war nur ein vorläufiger Höhepunkt. Nun heißt das nicht, dass die Neue Rechte in diesem Konflikt der Ideen die liberale Seite wäre. Das ist sie meiner Meinung nach nicht unbedingt, sorgt sich aber aus Eigeninteresse um die Redefreiheit als Gut, weil sie davon profitiert(wir alle würden davon profitieren). Wären die Umstände umgekehrt und die Rechten wären am längeren Hebel, würden seit 35 Jahren den politischen Diskurs anführen, dann würden sie vielleicht in gleicher Weise mit einer revolutionären Linken verfahren.

Aus eigener Erfahrung kann ich allerdings behaupten, dass an den heutigen Linken im Dunstkreis von Die LINKE und SPD rein gar nichts revolutionär ist, sondern eher konservativ. Konservativ in dem Sinne, dass man darauf abzielt den politischen Status Quo zu erhalten. Eine Evolution der Ideen der Aufklärung findet nicht mehr statt. Im Gegenteil:

Heute ist die linke Ideologie auch in Deutschland so dermaßen pervertiert, dass selbst einst von mir hochgeschätzte Zeitungen wie Zeit und Süddeutsche keine Woche vergehen lassen können, ohne dass über Genderidentität, Black-Identity, politische Vaginas und weiße Cis-Männer gesprochen werden kann. Das Denkkonzept der politischen Linken ist völlig in sich implodiert und hofiert heute Kleingeisterei und vulgäre Ideen der Neo-Feministinnen aus USA.  Die Diskurshygiene ist den deutschen Universitäten auch sehr wichtig geworden. Wie Rainer Wendt so treffend formuliert hat:

wenn an deutschen Universitäten nur noch darüber diskutieren darf, ob man links, halb links oder ganz links ist, dann gibt es keinen Dialog mehr.

Dies trifft aber nicht nur auf die Universitäten zu, sondern betrifft auch den öffentlichen Diskurs im Fernsehen und vor allem im Radio.  Positionen, die auf Bezirks- und Landesebene noch akzeptiert sind und allgemeiner Konsens seit fünfzig Jahren sind, werden auf Bundeseben als extremistische Positionen des rechten Randes angesehen. In meinem Umfeld wirken einige meiner Bekannten an den Bildungsheftchen der Landeszentralen für politische Bildung mit. Was dort mittlerweile als demokratische Konsensmeinung in Publikationen vertreten wird, kann ich meinem Vater (alt CDUler) gar nicht mehr vorlesen. Die vielfältige und multikulturelle Gesellschaft wird als Schicksal Deutschlands propagandiert und die Deutschen, in guter Schicksalsergebenheit, müssen sich dem fügen. Kritik daran käme NUR von Extremisten, Nationalsozialisten und den radikalen Kräften des Randes. Wer auch nur Vorsicht mahnt und versucht die Geschwindigkeit zu drosseln, mit der wir Deutschland in einen Schmelztiegel der Kulturen und Völker verwandeln, ist ein Faschist oder zumindest nah dran. Wer an der traditionellen Familie und christlichen Werten festhält,  ist ein Hinterwäldler, der sich vor der bunten Welt verschließt und gegen andere Geschlechtsidentitäten oder Familienkonzepte diskriminiert.  Nachträglich wird hier die gesamte Bundesrepublik von 1950-2010 zu einem rasisstischen Konstrukt gemacht und jeder unter Generalverdacht gestellt, der älter als 40 ist und nicht Mitglied in einer Gewerkschaft oder einer vermeintlich progressiven Partei ist.

Die Linken sind nicht mehr liberal in dem Sinne, dass sie die Freiheit der Andersdenkenden schützen. Ich frage mich, ob sie das jemals waren. Ich erwarte das auch nicht von den Rechten, sehe aber, dass sich viele liberale Kräfte um die heutigen Rechten sortieren. Eine Art Zweckallianz, weil beide Lager sich von den völlig radikalisierten Linken bedroht sehen. Heute lese ich mehr Achse des Guten, als Süddeutsche. Statt sich jedoch Vernunft und Einsicht auf linker Seite breitmacht, wird genau das Gegenteil getan. Man radikalisiert sich noch mehr und erkennt vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Als sich die JUSOS vor einigen Wochen damit rühmten, Ralf Stegner bei sich empfangen zu haben, der die Jugend meiner alten SPD auf einen neuen Linkskurs einschwörte, musste ich herzlich grinsen.  Wann haben die JUSOS das letzte mal mit einem durchschnittlichen Wähler der SPD gesprochen? In unserem Wahlkreis sind das ältere Damen und einige Herren, die aus Treue zu Helmut Schmidt ihr Kreuz machen und nach fünf Minuten Gespräch mit diesen Wählern sollte einem auffallen, dass diese Leute ihr Kreuz wohl eher bei der AfD machen sollten, wenn sie ihre Meinungen umgesetzt haben wollen.

In meiner Gemeinde ist selbst der katholischen Kirche langsam ein Licht aufgegangen und man realisiert, dass die Annäherung der Kirche hier im Ort an die lokalen Linken nichts gebracht hat. Während aus dem Kirchentopf für Veranstaltungen der politischen Linken spendiert wird, agitieren selbige Linke eine Woche später gegen «christliche Weltbilder» und feiern FEMEN-Aktionen, wo Aktivistinnen auf einen Altar urinieren und dabei lauthals Gott verleugnen. Gleichzeitig wird der Islam hofiert, beschönigt und glorifiziert. Also entweder ist die Westkirche rückständig und dumm und zurückgeblieben, wie die Linken es sagen, und dann ist es der Islam ebenfalls, oder aber Religion hat doch einen positiven Beitrag in der Gesellschaft zu leisten. Die Linken sind voller innerer Widersprüche.

Kürzlich erschien im Spiegel der Kommentar von Sibylle Berg, wo sie ihr im Grunde undemokratisches Weltbild offenlegte und sagte, dass «die Zeit des Redens vorbei ist». Sollten wir also jedem, der nicht Spiegel-Leser ist und links der Mitte wählt, mit Stein und Schlagstock begegnen? Meinen Sie das, Frau Berg?  Hätte ein AfD-Mann dergleichen gesagt, wäre die Schlagzeile für Wochen vorherbestimmt gewesen. Man erinnere sich an die Jagdvorlieben von Herrn Gauland, der vielleicht den unglückslichten Namen für einen Politiker rechts der Mitte trägt.
Der Spiegel schreibt, genau wie die TAZ, Zeit und Süddeutsche, nicht mehr für den Bürger, sondern für eine kleine und gut eingemauerte intelektuelle Oberschicht hier im Westen der Republik(ich zähle Berlin dazu).   In meinem Wahlkreis gibt es vielleicht knapp 1000 Personen, die Meldungen über den menstrualen Ausstoß einer Queerfeministin und seine Bedeutung für den Geschlechter- und Antirassismus ernst nehmen und lesen.
Also bin ich kein Linker mehr in dem Sinne, dass ich mich mit den anderen Linken in Verbindung bringen will. Aber Freiheitlicher will ich sein.


 

 

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3 thoughts on “Die Linken sind nicht (mehr) liberal und deshalb bin ich auch kein Linker mehr

  1. Dein Artikel liest sich sehr ähnlich wie meine persönliche Entwicklung im Rahmen meines Studiums. Dachte die Uni sei ein Hort der freien Meinung und des Diskurses.. Pustekuchen, die meisten Kommilitonen sind stockkonservativ in deinem Sinne und windelweiche Kuscheltierwerfer. Die Meisten haben keine eigene Meinung.. für mich ist sind so intellektuell wie die Klappfallscheiben beim Bund.. ich kriege jedes Mal nen Cringe wenn ich in die Bibliothek muss.. ich sehe da Apparatschiks, Einheitsmenschen. DDR 2.0. Musste beim Lesen an eine Podiumsdiskussion der Hochschulpolitik denken.. die Jusos haben veganes Essen gefordert – interessiert mich nen Scheiß. Die Liberalen haben eine bessere Prüfungsorganisation gefordert – laut einhelliger Meinung die Hauptgeißel der hiesigen Studenten. Währenddessen hat die LISTE (Hochschulableger der PARTEI) – offensichtlich weil die Liberalen ihnen nicht links genug waren. Wäre fast geplatzt und wollte diese Lauchs mit meiner Sprudelflasche abschlachten! Hab mich aber für mein persönliches Wohl entschieden und bin rausgegangen. Diese Kasper hab ich dann mal beim Weggehen zur Rede gestellt – nachdem ich ihnen erzählte, dass ich sie damals abschlachten wollte meinten sie sehr defensiv, dass die Hochschulpolitik eh nicht ernst zu nehmen sei. Arschlöcher.

    Ich vermute auch, dass der Deutsche in Wirklichkeit nie ein echter Demokrat war. Im Grunde genommen ist der Deutsche doch ein Sozialist – will Alles verbieten was ihm nicht passt. Spießbürger, elendige. Ich frag mich, obs langfristig nicht gut wäre, in Tschechien zu leben..

  2. Als guter Kenner der US-amerikanischen Universitätenlandschaft konnte ich erkennen, dass hier in Deutschland mit einer Verzögerung von 3-5 Jahren gewisse Trends aus Übersee scheinbar von der Jugend hier übernommen werden. Auch in den USA war es seit 2008 schwer geworden, als Republikaner, Evangelikaler oder vermeintlich rechter oder rechtsliberaler Redner auf dem Uni-Campus aufzutreten.

    Hmm, mit ein bischen Hintergrundwissen könnte man eigentlich wissen, daß dies hier, in der real existierenden BRD schon seit den 70ér Jahren üblich ist, man also keineswegs von einem Trend aus Übersee sprechen kann. Umgekehrt wird wohl eher ein Schuh daraus, das antifa Gebilde ist in den letzten Jahren, von Europa in die USA herüber geschwappt und hat sich dort an den Unis ausgebreitet, wobei das ZK in Berkley noch lernen muß, seine Komintern Truppen richtig einzusetzen.

    Ein Götz Kubitschek reibt sich vielleicht gerade die Hände, weil er aus dieser Konfrontation als das vermeintliche Opfer hervorgegangen ist.
    Was für ein Blödsinn, jeder der dabei war weiß, daß es hier gerade keine Opferinszenierung gab. Man hat sich im Rahmen der Möglichkeiten gewehrt und hat den Linken angesehen, wie verdattert sie von dem Gegenwind waren.
    Abgesehen davon, SEIN Stand wurde nachts angegriffen und seine Bücher zerstört. Was genau muß passieren, damit mein ein echtes Opfer und kein “vermeintliches” ist?

    den Identitären, die sicherlich eine ungesunde Nähe zur NS-Ästhetik pflegen,
    Gibt es für diese diffamierende Unterstellung auch belastbare Fakten, oder ist das nur mal wieder eine “persönliche Meinung”?

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