Der Verlust der “Schule der Nation” – Plädoyer für den Dienst am Land

Im deutschen Kaiserreich wurden jährlich bis zu 300.000 junge Männer zum Wehrdienst herangezogen und die meisten von ihnen stammten aus Kleinstädten und vom Lande, während man die Städte mied. Der Grund? Vermeintlich linkes Territorium, von wo aus zu viele Sozialdemokraten den Geist der Truppe verwässern würden. Damals rekrutierte die Armee noch aus eigenen Ersatzbezirken und dem Umland, während heute die Bundeswehr in der ganzen Republik das Personal verschieben muss und kann. Die soziale Hierachie des Reiches blieb auch im Militär fortbestehen und es dauerte bis zum Anbruch des Ersten Weltkrieges, ehe auch Soldaten niederer Schichten sich durch Verschleiß und Hingabe nach oben dienen konnten.

«Leutnantdienst tun heißt, dass man seinen Leuten vorstirbt.»

Aber 300.000 neue Rekruten jedes Jahr? Zahlen von denen die heutigen Militärs in Westeuropa und Nordamerika nur träumen können. Sie wirken regelrecht absurd, wenn man nach Deutschland schaut, das mit einer Bevölkerung von ca 81. Millionen Menschen eine Armee unterhält, die nur knapp zwei Drittel der oben genannten Zahl als Gesamtstärke aufweisen kann. Sicherlich kann man argumentieren, dass die Epoche der Volksheere und Massenschlachten vorbei ist. Aber der Hauptgrund ist eher, dass die Alterspyramide in Deutschland und Westeuropa heutzutage auf den Kopf gestellt wurde, sodass die Alten überwiegen und die jungen Jahrgänge weiter schrumpfen. Deutschland hat die Wehrpflicht auch ausgesetzt, was die neu aufgelegte Werbekampagne für Freiwillige befeuerte. Die Truppe sucht Soldaten und ärgert sich dann, wenn sich junge Leute entweder aus monetären oder aus idealistischen Gründen für die Armee melden. Im Zweifelsfall ist es der heutigen Bundeswehr auch lieber, wenn sich die neuen Rekruten nur wegen ersten Grund einfinden. Mit Idealisten und Patrioten ist heute nicht mehr viel anzufangen in der klinisch und chemisch gereinigten Armee unserer Zeit. Und dabei war das Militär einst die sog. «Schule der Nation» und ein Dienst an der Gesellschaft galt als ehrenhaft, tugendhaft und männlich. Heutzutage im Gespräch mit dem Einplaner zu sagen, dass man dem Vaterland dienen will, könnte aber schon für Stirnrunzeln sorgen. Auf einer Kreuzberger Studentparty fallen zu lassen, dass man Soldat ist oder war, führt meist zu Ausbrüchen von Wut oder Ekel. Dienen, und Dienst am Land, das sind keine Ideen mehr, welche bei der Jugend von heute zünden und immer weniger Menschen aus den heranwachsenden und herangewachsenen Generationen haben überhaupt noch Kontakt mit dem Militär. Die Aussetzung der Wehrpflicht liegt schon mehrere Jahre zurück und selbst 2011 waren die Jahrgänge schon maßgeblich geschrumpft, sodass sich die Zahl derer reduziert hat, welche noch Bindungen und Vorstellungen davon haben, was Wehrdienst überhaupt ist.



Dass man den Wehrdienst als charakterbildend, staatstragend und bürgerlich verstehen kann, wird heute in der Gesellschaft nicht mehr akzeptiert oder gewünscht. Dazu reicht es, wenn man sich die Meinungsmacher in BR, Spiegel-TV oder anderen Medien anschaut, welche maßgeblich zum Meinungsbild über die Bundeswehr beitragen dürfen. Tendenziöse Dokumentationen und Kommentare sind an der Tagesordnung, wenn der Salongutmensch mit gut bezahlter Position im Medienapparat über die stumpfen Ossi-Mädels und Jungs herziehen kann, die sich aus Chemnitz und Brandenburg-Stadt für den Dienst bei der Bundeswehr melden und dann irgendwo in westdeutschen Kasernen Landen. «Absteiger, Aussteiger, Außenseiter» – Bundeswehr als Resteposten, statt Schmelztiegel der Nation.

Dabei fehlt seit Aussetzung von Wehrpflicht und Zivildienst überall Personal, welches vor allem in Krisenzeiten enorm wichtig für einen funktionerenden Staat wäre. Das Technische Hilfswerk beispielsweise kann mancherorts kaum noch den Regelbetrieb gewährleisten, noch im Notfällen effektiv handeln. Es fehlt an Personal, an Menschen, die bereit sind Gesellschaftsdienst zu tun und in ihrer Region und ihrem Bundesland zu helfen und damit in letzter Konsequenz auch ihrem Heimatland zu dienen. Militär und Zivildienst hatten eine Funktion in der alten Bundesrepublik. Sie trugen zur Wertebildung bei, zum Verständnis für das republikanische Prinzip und den Sinn hinter der Idee des Nation als Gesellschaft von solidarischen Menschen, die ein Schicksal teilen und gemeinsam in einem Land zusammenleben wollen. In unserer entsolidarisierten und national entkernten post-heroischen Gesellschaft fehlt den jungen Menschen das Verständnis dafür größtenteils.  Der Verlust des Militärischen in unserem Wertesystem heißt auch, dass wir wie Martin van Creveld es beschreibt, verweichlichen.

Juristen, Journalisten, Sozialarbeiter, Ärzte und Instagram-Models(scheint ein gut bezahlter Job zu sein mittlerweile): von den zivilen Berufen gibt es heute mehr als früher. Der Soldat, selbst der ehemalige Wehrdienstleistende, ist größtenteils aus der Öffentlichkeit verschwunden und stirbt bei der Generation 75+ der alten Bundesrepublik  langsam weg. Und so löst sich die Beziehung von Volk zu Vaterland und von Mensch zu Staat, und letztendlich auch Nation. Ideologischer und physischer Abstand zwischen der Zivilgesellschaft und dem Militär wächst, was nur noch mehr Unverständnis, Ablehnung und Kopfschütteln hervorruft. Da werden die normalsten Ereignisse und kleinsten Skandale plötzlich zu großen Fauxpax der Armee, während das Bewusstsein um die Notwendigkeit von Verteidigung bei jenen abhanden kommt, die sich noch nie tödlichen und gefährlichen Dingen ausgesetzt sahen, bei denen Argumente nicht ziehen. Mit islamistischen Kriegern ist nicht gut über Gender-Toiletten diskutieren oder darüber, warum man lieber doch nicht enthauptet werden will.

Die Abschaffung der Armee an sich zu fordern, wie das die Linke beispielsweise tut, ist hochgradig dumm und auch im 21. Jahrhundert ziemlich naiv. Eine Naivität, die man sich nur hier im wohlstandsverblödeten Westen leisten kann, wo (noch) keine Islamisten mit dem Pickup Toyota durch das Dorf fahren und die Menschen mit Kalaschnikows massakrieren.

Und zuletzt führe ich noch einen sehr wichtigen Punkt an: nämlich die Armee als großen Gleichmacher in der Gesellschaft. In der Grundausbildungskompanie sitzen Jungs und heute auch Mädels aus allen sozialen Schichten, aller Religionen und mittlerweile auch Ethnien zusammen im selben Boot und da gibt es am Ende der Grundausbildung auch den türkischstämmigen Rekruten, der beim Gelöbnis plötzlich Tränen in den Augen kriegt und sagt: «ich bin so stolz deutscher Soldat zu sein.» Obwohl er eigentlich ursprünglich nur zum Bund ging, um Zeit totzuschlagen und Geld zu kassieren, verließ er die Armee als veränderte Persönlichkeit und besserer Bürger. Ein Einzelschicksal, welches sicherlich keine Seltenheit ist, aber dessen Grundlagen heute nicht mehr gefördert werden.

Alle halten den Marsch durch, alle strengen sich an, keiner wird zurückgelassen und die Gruppe ist immer nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. Diese kleine Weisheit aus der Armee kann auch für Staat und Volk Gültigkeit haben.

 

Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1969-022-39 / CC-BY-SA 3.0

Weitere Lektüre zum Thema:

Kinder des Vaterlandes


 

Hat dir der Beitrag gefallen? Wir auf YOUNG GERMAN stecken viel Arbeit und Herzblut in unsere Artikel und wollen uns dauerhaft als alternatives Medium etablieren. Du kannst dich bei uns bedanken, indem du auf Facebook oder Minds.com dein “Like” hinterlässt, uns einen Kaffee spendierst oder ein monatlicher Unterstützer auf Patreon wirst. Mit deiner Hilfe wollen wir wachsen und ein unabhängiges alternatives Medium zu den Massenmedien anbieten!


Buy Me A Coffee at Ko-Fi.com

https://www.patreon.com/Younggerman

https://www.facebook.com/TheYoungGerman

https://www.minds.com/Younggerman

Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

One thought on “Der Verlust der “Schule der Nation” – Plädoyer für den Dienst am Land

  1. Richtig………

    Ich habe meine Patenkinder zu Soldaten …..mit-erzogen.
    Sie wurden darum auch sehr gute.

    Jedoch ist es heute in der Schweiz so, das wir Muslime in die Rekrutenschule einziehen, sie an der Waffe ausbilden, ihnen bei Sprengkursen sogar den Umgang mit Sprengmitteln beibringen, usw. usf.
    Es sind meist junge Männer die aus einem Elternhaus kommen die zeit ihres Lebens davon erzählen wie gut es doch bei ihnen zu Hause ist, sie arbeiten ein Leben lang um dort ein Haus zu bauen wo sie nach der Pensionierung leben wollen……. mit der rente aus der Schweiz natürlich.

    Auch wenn sie den Schweizer Pass haben, solche Leute sollten wir niemals in die Armee aufnehmen.
    Deren Loyalität gehört nicht bei unserem Land…..
    Es besteht immer die Gefahr das sie sich radikalisieren, ja das erlebte man in den letzten Jahren doch sehr oft schon.

    Kommt hingegen der Verdacht auf, dass der junge Mann Rechtsradikal sein könnte, so wird er sofort aus der Armee ausgeschlossen.
    Vergessen wir nicht, diese “Rechten” wollen unser Land verteidigen, sie würden zur Waffe greifen und ihr Leben riskieren.
    Zudem gibt es laut Nachrichtendienst Bund ….dem NDB, in der Schweiz 8,5 mal mehr Gewalttaten von Linksextremen wie von der Gegenseite.
    Ja klar, Linke gegen eh nie in die Armee………… darum muss man die auch nicht ausschliessen.

    Linksextremismus würde es aber durchaus vertragen, ….wetten ?

    Nun, früher wusste man das die gemeinsame Pflicht der kaum ein Schweizer entrinnen konnte, eben Gemeinsamkeit stiftete. Trifft man sich 30 Jahre später, kommen immer wieder die alten Geschichten zum Vorschein.
    Ja, stand man früher in der RS oder dem WK nachts um 12 an einer Kreuzung, es ging nicht lange und man bekam einen “Kaffi-Schnaps” gereicht.
    Lag man im Unterholz und es regnete ständig, es kam ein Bauer mit Brot und “Schüblig”. ( = grosse rote Wurst )
    Konnte man sich des Morgens ins Restaurant verdrücken, wurde einem da 3 Spiegeleier mit 1 cm Schinken gebraten….. für den Preis von einem.

    Tja, der Geist ist beinahe verschwunden, wird nun nur noch von uns älteren gepflegt, ……so wir den bei 100-tausend Mann noch die Gelegenheit dazu bekommen.

    Früher was die RS wirklich eine Schule der Nation und es war selbstverständlich das man den Besuchstag der RS besuchte.
    Ich zum Beispiel, ich lernte die Schweiz als Motorfahrer in der Armee erst st so richtig kennen. Ein wahrer Schatz, brauche ich doch heute kaum mal das Navi, denn ich kann mich überall orientieren.

    Tja, früher verband das auch den “Nazi” mit dem Rest, den Querulanten mit dem Fleissigen, den Drückeberger mit dem “Freiwilligen”.
    Wer aus der RS kam und seine Armeewaffe mit nach Hause nahm, der wusste, nun ist er Erwachsen, man vertraut ihm, er hat seinen Teil zum Wohle des Lands beigetragen.

    Das alles verbindet mit der Heimat.

    Aber es ist eben auch der Grund warum Links die Armee abschaffen möchte. Denn die stiftet Identität und Identität verhindert das man anfällig für linke Ideologien ist.
    ——————————–
    Und eben das ist es was Links an unserer Armee so stört.
    ——————————–

Schreibe einen Kommentar

Kommentareingaben werden zwecks Anti-Spam-Prüfung an den Dienst Akismet gesendet. Gespeicherte IP-Adressen werden nach 7 Tagen gelöscht. Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Angaben und Hinweise zum Widerrufsrecht finden sich in der Datenschutzerklärung.