Sei dankbar! Freu dich über die kleinen Dinge

Jeder erreicht in seinem Leben manchmal Punkte, wo man glaubt, dass es nicht mehr weitergeht. End of line! Sackgasse! Bis hierhin und nicht weiter geht die Reise. Der Motivationstiefpunkt ist erreicht und man sinkt tiefer und tiefer in etwas hinein, woraus man nur sehr schwer wieder herauskommen kann. Das ging mir so, das ging euch so, das geht jedem Menschen mal so!

Als ich vor einigen Wochen einen dieser Tiefpunkte im Leben erreicht hatte, brauchte es eine ganze Menge Zuspruch, Zeit und Kampf mit mir selbst, ehe ich wieder langsame Ameisenschritte aus dieser dunklen Kammer der Selbstzweifel und Negativität heraus getätigt habe. Heute, Wochen später, stehe ich  wieder jeden Morgen mit einem Lächeln im Gesicht auf und erfreue mich meiner kleinen Existenz und ich bedanke mich dafür, dass das Leben immer noch und wieder schön ist. Diese spezielle Geisteshaltung wieder zurückzugewinnen verändert so viel im Leben und bringt einen Menschen wieder auf Kurs, wenn man weiß, dass es so viel gibt wofür es sich lohnt jeden Morgen aufzustehen. Ich gestehe, dass mir das Gespräch mit weiseren Männern und die Konsultation klügerer Köpfe geholfen hat wieder auf Kurs zu kommen. Vor einer Weile ging ich noch auf Krücken und humpelte so durch die Gegend. Eine ziemlich ärgerliche Angelegenheit, wie man sich bestimmt vorstellen kann. Ich strahlte während dieser Zeit, in der ich ja keinen Sport machen konnte und größtenteils an das Haus gefesselt war, eine unglaublich negative Aura aus. Das ist mir in der Nachbetrachtung bewusst geworden, wie sehr ich mich in Ärger und Selbstmitleid gesuhlt hatte.

Heute erinnere ich mich an einen Kameraden, der nach dem Auslandseinsatz an den Rollstuhl gefesselt war und nach Rückkehr im eigenen Heim keine Frau mehr vorfand, sondern nur noch einen gepackten Koffer für ihn selbst. Er solle «sobald wie möglich ausziehen».



Wenn man das ins Verhältnis mit meinem Schicksal setzt, kann ich nicht anders als unendliche Dankbarkeit dafür zu empfinden, dass ich noch Beine habe die wieder funktionieren und mit denen ich laufen kann. Dankbar bin ich auch dafür, dass ich nicht nach acht Jahren Ehe aus meiner eigenen Wohnung geworfen werde, während ich irgendwo in einem fernen Land Staub fresse und danach im Rollstuhl nach Hause fahren darf.

Insofern erfüllt es mich ebenso mit Dankbarkeit und Glück, dass ich am frühen Morgen jeden Tag aufstehen darf, statt in der Nacht durch ein Unglück zu sterben, vom Auto überfahren oder vom Terroristen am Bahnhof weggesprengt zu werden. Dankbarkeit dafür, dass ich noch lebe, obwohl ich in meinem eigenen Leben schon mehrmals in Situation war, die durchaus lebensgefährlich waren und mit meinem Tod hätten enden können.

Mit Zeit kommt Distanz und mit der Distanz erst kommt Verstehen und Abschließen. Die Meditation, die ich mir jetzt in den letzten Wochen angeignet habe und früh konsequent durchziehe, hat mir hier ungemein geholfen. Ein alter Ausbilder von mir beschrieb meine Körperhaltung mal mit folgenden Worten: «Sie [Name] sitzen immer wie eine gespannte Feder.» Ich vermute, dass er damit meine im Innern zurückgehaltene und unterdrückte Wut meinte, eine unter Verschluss gehaltene Aggression, die auf Knopfdruck von mir entfesselt werden kann. Eine Wesensart von mir, die ich mir in den Jahren meines Lebens angeignet hatte. Äußerlich Gelassenheit gezeigt, während innerlich ein Orkan tobt. In mancher Hinsicht sage ich auch heute noch, dass diese Grundhaltung mir nicht immer nur geschadet hat. Sie hat mir genutzt Kraft und Schlagfertigkeit im Leben zu entfalten, die mir in bestimmten Situation sehr nützlich war. Andererseits nagt diese im Innern genährte Wut jedoch auch an der eigenen Stimmung und sobald ich mich mit einem Menschen wohl gefühlt hatte, fiel die Maske und ich entließ viel von meinen negativen Emotionen in den Dialog mit dieser vertrauteren Person. Das schadet zwischenmenschlichen Beziehungen auf Dauer.

Beheben lässt sich dieser Charakterfehler sicherlich nicht so ohne weiteres. Meditation, das hat unser Autor Reisig schon gut zusammengefasst, hilft dabei jedoch.  Mir fiel erstmals nach Jahren auf, dass ich mir im Grunde seit 2012 keine stille halbe Stunde nur für mich selbst und meine Gedanken genommen hatte. Nicht so, wie man es bei der Meditation tut. Ich war IMMER beschäftigt, immer am tun und handeln und am machen! Deshalb gibt es diesen Blog und er ist da, wo er heute steht und das ist ja an und für sich auch nicht schlecht. Weil ich so viel getan habe, bin ich heute der, der ich bin und stehe dort, wo ich stehe. Aber wirklich Zeit für mich und für die wahre, tief erlebte Selbstreflektion hatte ich mir nie genommen.

Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

Gegenüber einer alten Ex-Ex-Freundin hatte ich über die Jahre hindurch einen Groll gepflegt, weil wir im schlechten Auseinandergegangen sind. Das war noch 2013 und ich habe heute erst im August 2017 diesen Kloß so wirklich verdaut. Heute kann ich sagen, dass ich dankbar dafür bin, dass diese Frau Teil meines Lebens war und wir zusammen viel gelacht haben. Genauso empfinde ich jetzt auch für meine kürzlich verflossene Beziehung, auch wenn sie in die Brüche ging. Ich empfinde Dankbarkeit dafür, dass diese ganz besondere Person und ich einige Zeit unseres Lebens gemeinsam verbringen konnten. Und Dankbarkeit für jeden Freund, jede Liebschaft und jeden geteilten und schönen Moment des Lebens bis hierhin.

Und so überträgt sich das auch auf das berufliche, als ich vor einigen Wochen feststellen musste, dass ich auch mal etwas nicht kriege, obwohl ich es mir vorgenommen hatte. Für mich ein ziemliches Novum und auch für diese Erfahrung bin ich dankbar. Allein dafür, dass ich auf dem Weg dorthin viele anständige Menschen kennengelernt habe und Erfahrungen gesammelt habe, die mir mein Leben lang noch nützen werden.

Ich bin sogar, das klingt fast schon absurd, für meine Jugend und Kindheit im Wedding unendlich dankbar. Denn sie hat mich zu dem gemacht, der ich bin und auch sein will. Sie hat mich immunisiert gegen linke Lebenslügen, aber auch gegen Rassismus, Drogen und hat mir klar gemacht, dass dies nicht die Welt sein würde, in der ich meine Kinder aufziehen will. Dankbar bin ich dafür, dass mir die Eltern so viel Liebe und Glück geschenkt haben. Dankbar bin ich dafür, dass früh in mir das Interesse an anderen Zeiten, Kulturen und Welten geweckt wurde und ich die Möglichkeit habe noch viele Nationen und Kontinente zu besuchen, ehe meine Uhr abläuft. Dankbar bin ich dafür, dass ich all die geilen Sommernächte als Jugendlicher am See in glücklicheren Zeiten verbringen durfte.

Dankbarkeit dafür, dass ich in Deutschland, meiner Heimat, leben, lieben und am Ende hoffentlich auch hier vergehen darf.

Ich dachte echt nicht, dass dieser Psychoscheiss funktioniert, den mir weisere Typen eingeredet haben. Aber mir hat es echt geholfen.

 

Dankbar bin ich auch für dieses Erlebnis. An einem heißen Sommernachmittag im Zimmer meiner Wittenberger Ferienwohnung zu stehen und dem sakralen Gesang zu lauschen, der aus der Kirche dringt. Die Luft riecht nach warmer Straße, nach Bäumen und ich konnte die Augen schließen und die Seele mal baumeln lassen. Ich hab es jetzt vor meinem geistigen Auge, als wäre es gestern gewesen.

 

Grüße aus Wittenberg Lutherstadt.

Posted by Young-German on Saturday, July 29, 2017

 


Hat dir der Beitrag gefallen? Wir auf YOUNG GERMAN stecken viel Arbeit und Herzblut in unsere Artikel und wollen uns dauerhaft als alternatives Medium etablieren. Du kannst dich bei uns bedanken, indem du auf Facebook oder Minds.com dein “Like” hinterlässt, uns einen Kaffee spendierst oder ein monatlicher Unterstützer auf Patreon wirst. Mit deiner Hilfe wollen wir wachsen und ein unabhängiges alternatives Medium zu den Massenmedien anbieten!


Buy Me A Coffee at Ko-Fi.com

https://www.patreon.com/Younggerman

https://www.facebook.com/TheYoungGerman

https://www.minds.com/Younggerman

Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

One thought on “Sei dankbar! Freu dich über die kleinen Dinge

Schreibe einen Kommentar

Kommentareingaben werden zwecks Anti-Spam-Prüfung an den Dienst Akismet gesendet. Gespeicherte IP-Adressen werden nach 7 Tagen gelöscht. Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Angaben und Hinweise zum Widerrufsrecht finden sich in der Datenschutzerklärung.