Das ewige Deutschland

Die Frage, was Deutschland sei, wirft zahlreiche Assoziationen auf, die sich nach politischer Gesinnung unterscheiden. Da sind kulturelle Eigenheiten, Sprache und Bräuche, da ist gemeinsame Geschichte, da ist geteiltes Schicksal. Da sind heute auch der Verfassungspatriotismus und da sind Vorstellungen von Werten wie Humanität und Menschenrechten. Um diese Diskussion wollen wir hier aber diesmal nicht kreisen. Stattdessen wollen wir tiefer gehen. Über all der Form Deutschlands und all den Eigenschaften, die ihm diese und jene zumessen, ob sie sich ernsthaft zu Deutschland bekennen oder in ihm vornehmlich eine Verwaltungseinheit sehen, gibt es eine erhabene Ebene. Auf dieser Ebene ist das ewige Deutschland, das heilige Deutschland. Nicht zuletzt von Stauffenberg berief sich darauf. Auch wir wollen uns darauf berufen.

Das ewige, das heilige Deutschland existiert unabhängig vom jeweiligen auf deutschem Boden herrschenden politischen System. Es ist unabhängig von der Fähigkeit oder Unfähigkeit und der Hingabe oder der Niedertracht der Politiker. Mögen die Bürger noch so einfältig, noch so manipulierbar sein – das ewige Deutschland verliert kein bisschen Glanz, wenn die Deutschen seiner vergessen. Es blüht nicht auf und es leidet nicht unter blutigen Griffen nach militärischer Vorherrschaft, unter der Exportweltmeisterschaft, der europäischen Integration oder der Willkommenskultur. Das ewige, heilige Deutschland schwebt über unseren Köpfen, es ist geradezu von religiöser Qualität. Es braucht keine Verherrlichung und nichts kann ihm Schaden zufügen.

Umgekehrt spüren aber einige von uns Deutschen, dass wir das heilige Deutschland brauchen. Wir, die wir in einem bestimmten politischen System leben, regiert von bestimmten Politikern, umgeben und geprägt von und ringend mit bestimmten gesellschaftlichen Zuständen. Und viele andere spüren auch, dass sie etwas brauchen, aber sie haben keinen Begriff dafür, was es sei. Sie gehen zur Arbeit, verdienen Geld, gehen ihren Hobbys nach und ziehen vielleicht auch Kinder groß. Aber etwas Höheres fehlt ihnen, etwas das ihnen hohen Sinn und geborgene Einbettung gibt. Dieser Mangel ist der Tyrannei des Wirtschaftlichen zu verdanken. Wir erleben die Tyrannei des Wirtschaftlichen jeden Tag: wenn Politiker dem goldenen Kalb des Wachstums huldigen; wenn sie das Volk mit Steuererleichterungen umwerben; wenn uns suggeriert wird, der Export sei unsere edelste Eigenschaft; wenn wir den Fernseher einschalten oder auf die Straße gehen und angewidert Werbeplakate und Leuchtschriften lesen, wo überall nur Konsum, Erleichterung der täglichen kleinen Bedürfnisse und der Traum von persönlichem Status gepredigt werden. Das kann nicht alles sein, und gottlob ist es nicht alles. Doch wir können es nur dann spüren, wenn wir die Stärke, Entschlossenheit und Unabhängigkeit aufbringen, durch den Tand und Trubel hindurch zu sehen und uns für Höheres zu öffnen. Wir müssen auch ertragen können, dass wir uns damit von der empfundenen Lebenswirklichkeit der meisten Menschen entfernen und sie uns etwas fremder werden, da sie den Werbeplakaten und Versprechungen der Politiker glauben.

Gleich heidnischen Göttern, die keine universelle Gültigkeit für eine weltumspannende Religion besitzen, sondern einen ihrem Stamme eigenen Charakter haben, strahlt das heilige Deutschland in unsere Herzen. Ebenso glänzen das heilige Frankreich, das heilige Russland und zahllose andere dieser transzendenten Kräfte in den Herzen ihrer Völker. So spürt der Mensch die geistige Essenz hinter seiner Gemeinschaft. Das ewige Polen existierte auch, als es keinen polnischen Staat gab. Auch dann gab es Menschen polnischer Volkszugehörigkeit, die den Blick an den Himmel warfen und das heilige Polen erblickten.

Woher kommt das ewige Deutschland? Es kommt aus numinosen Tiefen des Geistes, die der Verstand nicht zu fassen vermag und von denen unsere so sehr verstandesbestimmte Zeit deshalb behauptet, dass es sie gar nicht gebe. Es wuchs in der Geschichte, als deutsches Volk, deutsches Wesen und deutsches Schicksal Gestalt annahmen, so wie auf der Stufe des Geistigen immer die geistigen Essenzen menschlicher Gemeinschaften erstanden sind und weiter erstehen.

Freilich sind heute viele Menschen nicht in der Lage, das ewige Deutschland zu spüren. Nach der nationalsozialistischen Epoche ist der herrschenden Politik das Pathos verhasst, und diese Haltung wurde uns über viele Jahrzehnte in den Medien und Bildungseinrichtungen vermittelt. Durch Nüchternheit und Rückzug ins Kleinbürgerliche, in die Privatheit, aber geht vielen der Kontakt zum Heiligen verloren. Manche entdecken es selbst nach langer Suche, manchen erscheint es ungerufen. Andere lechzen nach etwas und wissen nicht, dass es das ist, was sie suchen. Wieder andere können dazu aufgrund ihres Wesen und ihres Wollens niemals Kontakt herstellen. Das liegt entweder daran, dass jene so vernunftsverhaftet sind, dass sie gar keinen Glauben anerkennen wollen, oder dass sie andere tiefe, energiegeladene Überzeugungen haben wie den Glauben an ihr narzisstisches Selbst, das heilige Europa, den Gottesstaat, die Eine Welt, die Weltrevolution oder die Befreiung von Mensch und Tier von aller Ausbeutung.

Ich kann das heilige Deutschland spüren und ich weiß, dass viele andere da draußen es auch spüren können. Es ist kein Phantom, an das wir glauben. Und doch ist es ein Glaube. Und wie jeder Glaube gibt er uns Kraft und Zuversicht, das Richtige zu tun und heilige, ewige Kräfte durch uns wirken zu lassen. Das Wissen um das ewige Deutschland, das lebendige Spüren seiner Kraft, kann uns einen Eifer schenken, uns inmitten der Welt der Oberflächlichkeit, der Beliebigkeit und der Lauheit, der Nivellierung des Gewachsenen, der verblendeten Gutmenschen und der kleinkarierten Besitzstandswahrer für die ideelle und materielle Sache Deutschlands einzusetzen und somit dem ewigen Deutschland auch in dieser gegenständlichen Welt Ausdruck zu verleihen.


Foto: Oliver Haub @ www.visibi.de


 

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Reisig erblickte in der Pfalz das Licht der Welt. Nach dem Abitur und dem Wehrdienst studierte er eine Naturwissenschaft. Währenddessen engagierte er sich vorübergehend in der politischen Linken. Dabei galten ihm stets das Wohl des deutschen Volkes und die Begegnung der Völker auf Augenhöhe als höchstes Ziel. Später nahm er vom gesamten etablierten Parteienwesen Abstand. Er hat nach seiner Promotion ein Jahr in den Vereinigten Staaten verbracht und lebt heute in Süddeutschland. Er schreibt auf Reisigs Blog, die Jungdeutschen und Young German.

One thought on “Das ewige Deutschland

  1. Aus meiner Sicht ganz einfach: Deutschland ist das Land der Deutschen.

    Ein Deutscher ist ein Mensch, der genau dafür erschlagen werden könnte.

    Womit sich auch die Verrenkungen vermeiden lassen bei der Frage, ob jemand bereits durch einen deutschen Pass ein Deutscher ist: Wenn er dafür erschlagen werden würde, dann ja. Wenn man ihn nicht schon deswegen erschlagen würde, dann nicht. Erstaunlicherweise ginge das dann oft mit dem Abstammungsprinzip einher, denn kaum ein grenzenloser antideutscher Deutscher würde deswegen verschont, während kaum ein mit dem Islam familiär verbundener mit diesem einen seiner Pässe ein ernsthaftes Problem bekäme.

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