PC- und Videospiele die uns prägten – Autoren blicken zurück

 

Heute gibt es mal einen deutlich lockeren Artikel von uns Autoren. Der imminente Kollaps Europas ist dann doch etwas, womit wir uns nicht jede Minute unseres Lebens befassen wollen. Younggerman.com trägt den Namen nicht grundlos. Wir sind zumeist und mehrheitlich junge deutschsprachige Autoren, die noch jung genug sind, um die große Ära der PC- und Videospiele voll miterlebt zu haben und mittlerweile alt genug sind, um in Nostalgie und Distanz über sie zu reden. Wir wollen abwechselnd über vergangene Spiele mit euch reden, ob PC- oder Konsole, die in uns mehr weckten als nur bloßes Spielvergnügen. Das Videospiel als Kunstprojekt, welches Botschaften transportiert, die eine Resonanz erzeugen und den Spieler prägen. Sie lösen in uns Menschen Gefühle aus, wecken Interessen und machen nachdenklich. Philosophie, Geschichte, Kunst und Politik – die Bandbreite ist groß.

 

 

 

Young German: Ich erinnere mich noch an das erste PC-Spiel, welches ich zusammen mit meinem Vater spielen durfte. Er drückte mir am Windows 95 Kasten einen Joystick in die Hand und kurz darauf flog ich einen X-Wing der Rebellenallianz gegen irgendwelche Schrottkisten im Weltraum und später gegen imperiale Sternenzerstörer.  «X-Wing vs. TIE-Fighter» war das allererste Spiel und Star Wars hat mich danach auch nie wieder losgelassen. Damals war diese Weltraumkampfsimulation ziemlich revolutionär und ich weiß noch, dass es viele weitere Nachfolger darauf gab. Die Faszination für das All, die Möglichkeiten des Universums und ein generelles Interesse an Sci-Fi lässt sich bestimmt auch auf den Einfluss dieses Spiels zurückführen. Aber natürlich blieb es nicht dabei und schnell kamen «Age of Empires I und II» dazu, die das sowieso schon vorhandene Interesse an Geschichte bei mir noch zusätzlich befeuert haben. Die Intro-Musik des ersten Spiels klingt mir immer noch in den Ohren und die Antike bzw. das Mittelalter lassen mich bis heute nicht los. Was Age of Empires uns über Geschichte zeigen konnte, schafften drei Lehrer in 10 Jahren unterricht nicht bei mir. Wie schlecht der Geschichtsunterricht in Deutschland ist, wurde mir dadurch immer wieder bewusst. Er blieb meist oberflächlich und gefühllos.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich glaube es war so um die Jahrtausendwende, als dann endlich «Warcraft III» herauskam. Die Wochen an Lebenszeit, die ich dort verbracht habe, werde ich nicht vergessen und nicht zurückbekommen. Obwohl ich zu den Kindern gehörte, die auch viel draußen spielten, ließ mich die Spielwelt von Azeroth nicht los. Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom gefallenen Prinzen Arthas, der Lordaeron verrät und zum Lich-König aufsteigt? Die Horde, die Allianz – das alles sollte später mit «World of Warcraft» zurückkehren und mich noch einige Jahre weiter bannen. Die schönen Spielstunden, die wir gemeinsam in WoW verbracht haben, also Freunde und ich, vermisse ich heute noch. Über wowfaces.de und Teamspeak kam man dann auch vielen Spielern privat auch näher und ich wurde mir in jungen Jahren auch erstmals wirklich klar, wie groß und vielfältig unser eigenes Land ist. Ich spielte irgendwelche stundenlangen Instanzen in WoW-Classic, wo ich mich mit zwei Mädels und einem Typen im TS unterhielt. Wir diskutierten ewig lang über Gott und die Welt, während wir die Mobs verprügelten und uns so durch den Dungeon zockten. Mit einem Mädel war ich dann noch lange Jahre danach über ICQ in Kontakt. Ich glaube, dass die meisten eine ähnliche Geschichte erzählen können. Vor allem in der Frühphase von WoW erlebte ich recht engen Kontakt mit der Spielgemeinschaft dort und einige Kontakte davon hielten sich sogar bis ins Erwachsenenalter. So lernte ich Leute kennen, die in Aachen oder Essen wohnten, in Belgien studiert hatten oder in Österreich lebten. Deutschland und der deutschsprachige Raum als Gebiet mit über 100 Millionen Menschen.

Aber es ist auch die Geschichte von Warcraft, die mir immer wieder mit einigen sehr nuancierten Grauzonen anfänglich noch imponiert hat. Denken wir doch mal zurück an den Scharlachroten Kreuzzug, der sein von der Seuche des Untodes heimgesuchtes Land um jeden Preis verteidigen will. Die Kreuzzügler kämpfen mit teils brutalen Methoden gegen einen übermächtigen Gegner, endlose Zombiehorden, um ihr Vaterland zurückzugewinnen. Sie geben nicht auf! Das hat mir imponiert. In den Foren entwickelten sich dann auch Diskussionen, die mich sehr an die heutige Situation erinnern. Aussprüche wie «Nicht alle Hordler sind böse» oder «Die Orcs und Untoten sind nur missverstanden» amüsieren mich bis heute. An der vielschichtigen Spielwelt ließ sich gut herunterdiskutieren. Waren die Gräultaten der Kreuzzügler in Warcraft rechtens, wenn ihre Ziele denn gut waren? Rechtfertigt das Ergebnis die Mittel? Inwiefern ist man einer Sache schuldig, wenn man Teil einer Gruppe ist, welche ein Verbrechen begeht? Der klassische Gutmensch spielte gefühlt damals häufig einen Druiden auf Hordenseite oder eine Nachtelfe. Wir haben damals wirklich stundenlang diskutiert und manche Threads waren viele Hundert Seiten lang.

 

Überhaupt Rollenspiele halte ich doch am für am prägensten von allen Genres. Bioware ließ damals mit «Star Wars Knights of the Old Republic I» bei mir die Bombe platzen. Das Spiel hat mich einfach umgehauen und wirkt bis heute danach. Die phänomenalen Dialoge des Spiels, die moralischen Fragen, die Spannung, Dramatik und das Heldentum! Spiele sind eine Form der Kunst, Teil einer Medienkultur, die von vielen Menschen noch nicht so recht verstanden wird. So manch eine Unterhaltung zwischen zwei fiktiven Polygonhaufen hatte mehr Substanz als alles, was wir im Berliner Landtag in einem Jahr  an Geschwafel zu hören kriegen(und ich gucke mir die auch immer mal wieder an).

Wann ziehen wir in den Krieg? Wofür? Was legitimiert uns und wo ziehen wir die Grenzen? Was ist ein Kriegsverbrechen? Knights of the Old Republic II trieb diese moralischen Grautöne und Schicksalsfragen noch weiter. Die kryptische Figur von Kreia bleibt mir unvergessen. Ihre Worte regen zum Grübeln an und viele Entscheidungen, die man im Verlaufe des Spiels treffen muss, verursachten bei mir regelrecht physische Bauchschmerzen.

Gleiches dann mit dem Titel «Dragon Age: Origins», wo Entscheidungsfindung schwieriger denn je gestaltet war. Was ist richtig und was falsch? Das Wohl von Vielen überwiegt die Bedürfnisse der Wenigen, oder?  Die großen Fragen der Moral stellten sich nicht nur im Kampf gegen das Böse, sondern auch im Dialog mit den vielschichtigen Charakteren. So viel Tiefe findet man in keinem Film. Abwechslung vom Rollenspielalltag brachte dann das gute RTS «Dawn of War» mit seinen dystopischen Sci-Fi Elementen und dem Heldenepos galaktischer Schlachten in unvorstellbaren Größenordnungen. Die Schwäche für Warhammer besteht bis heute.

 

Und unerwähnt möchte ich hier den «Witcher» nicht lassen, der mich vor allem in den letzten fünf Jahren so sehr begeisterte, dass zu diesem Spiel noch ein eigener Artikel folgen wird. Die fantastische Verwebung europäischer Mythen und Sagen, entstanden im Hinterhofbüro polnischer Amateurentwickler, verdient eine eigene Abhandlung.

 

 

CUNDAR:

Wenn ich auf die PC-Spiele zurückblicke, die mich geprägt haben, so kommen mir nach den den ersten Bildern, Szenen und Momenten die Publisher oder Studios in den Sinn. Am markantesten mag hier der verschwundene Verleger und Entwickler »Sierra« sein. Dieser hat am Anfang stark meinen Geschmack gefärbt. Es war noch im Frühling der PC-Spiele, als ich bei den Bekannten und Freunden, die schon einen PC besaßen, selber Spielen konnte. Kein Vergleich mit den Weiten und den Details eines Witcher 3 heutiger Machart. Damals mussten Spiele mit Herz und Inhalt glänzen.

Neben einigen ersten – mittlerweile verschwommenen – Konsolen- und PC-Spiele-Erlebnissen stieß ich zufällig auf mein erstes Spiel.

Eine Demo fiel mir dabei in die Hände und – Dank höchstelterlicher Erlaubnis – , durfte ich in meiner späteren Kindheit Caesar 3 spielen. Ein Aufbauspiel, das zu Zeit des römischen Imperiums spielt. Die Wirtschaftskreisläufe war tief gestaltet, die Gebäude liebevoll gestaltet und die Stadtbewohner gaben zu ihrer Situation Rückmeldung. Die eigene Stadt fühlte sich lebendig an und machte sich richtig Sorgen um seine Bewohner. Daneben musste man auch das religiöse Leben, seine Berater und den Kaiser im Blick behalten. Verärgerte man diese drei Typen standen Naturkatastrophen, rote Zahlen oder Exekutionen wegen Versagen an. Eine traumhafte Komposition, die einen schwelgerischen Sog entwickelte. [Beispiel] Kämpfe waren zwar möglich aber eher sperrig. Hier stieß ich auf ein anderes Spiel…

Ich war damals als Bub mit Klassenkameraden an einer Talsperre Zelten. So eingerahmt in der Natur, ist eine PC-Spiele-Zeitschrift für einen gerade 11-Jährigen etwas faszinierendes. Dort sah ich die Vorschau für »Command&Conquer: Tiberian Sun«. In dem Strategiespiel der berühmten C&C-Reihe aus dem Hause Westwood, schlug mich gleich in ihren Bann, obwohl die Handlung ziemlich flach daher kam: Gute Global Defensive Initiative (Eine Art NATO mit Russland) streitet sich mit der Bruderschaft von NOD (Einer religiös-wirschaftlichen Terror-Organisation), die um das schädlich-nützliche Alien-Material Tiberium kämpft. Basis bauen, Ressourcen sammeln und Gegner vernichten. Dazwischen Videos mit echten Darstellern, einige aus verschiedenen Klassikern bekannt. Einfaches wie packendes Prinzip. Spielen konnte ich es allerdings zunächst bei Freunden, erst Jahre später gelang es mir an eine eigene Fassung zu kommen.

 

Während ich für dieses Spiel also lange nur Schwärmen durfte, konnte ich mich einem anderen voll hingeben: Homeworld. Dieses von relic entwickelte und bei Sierra veröffentlichte Spiel war das erste vollständig in 3D nutzbare Spiel. Dafür hatte man auch das richtige Szenario ausgewählt: Das Weltall. In einer anderen Galaxie verfolgt man die Geschichte eines Alien Volkes, das auf einem desolaten Wüstenplanet haust, bis es erfährt, dass von dort gar nicht stammt. Es macht sich auf dem Heimweg und tritt dadurch die Galaxis umstürzende Ereignisse aus, die von der Qualität der Sci-Fi-Genre-Größen wie Battlestar Galactica, Star Wars usw. voll mithalten kann. Was habe ich nach dem Intro für Pippi in den Augen gehabt! Während die Kampagne fesselte, verbrachte man Stunden im Gefechtsmodus ums seine Traumflotte zu bauen. Die Schlachten waren dabei sehr „immersiv“ wie man heute sagen würde. Vereinnahmend, packend! Klitzekleine Jäger jagten zwischen den Ionen-Strahlen und gewaltigen Geschützsalven riesiger Kreuzer und Fregatten hindurch. Dazu gab es hervorragende Sprecher, die die gegenwärtige Gefechtslage passend kommentierten. Mit „Cataclysm“ folgte ein ähnlich packender Ableger, der leider vom authentischen Einheiten-Design des Erstlings abwich. Dies mag wohl an dem verantwortlichen, anderen Studio gelegen haben. Trotzdem war es eine gute Weiterentwicklung. Der Entwickler relic brachte danach noch Schätze wie Dawn of War und Company of Heroes heraus, die weiterhin vollkommen neue Aspekte in die Strategiewelt brachten… Leider jedoch ist seit dieser Zeit relic auf dem absteigenden Ast: Handfeste, authentische Spiele wichen bonbon-bunter Kurzweil-Apparate. Homeworld 2 enttäuschte. Die Rechte liegen jetzt bei dem Studio Gearbox, die eine Neufassung herausgebracht haben.  Eine Fortsetzung wandert weiterhin durch die Wunschlisten einiger Spiele-Veteranen.

Ich weiß nicht, was zu Recht als goldene Zeit der Spiele bezeichnet werden kann.  Rechner waren gerade am Kommen, die Rechenleistung begrenzt, die Zielgruppe noch nicht so breit und insgesamt war es auch noch nicht so etabliert wie heute. Im Gegenteil: Spiele standen im Verruf. Gerade sog. »Killerspiele« sorgten für besorgte Eltern, wenn der Sohnemann auch nur das Kürzel »CS« in den Mund nahm. Zu diesem Zeitpunkt fand auch der erste Amoklauf Deutschlands in Erfurt statt. Danach gingen die öffentlichen-rechtlichen Sender voll auf Konfrontationskurs und viele »Lügenpresse«-Mechaniken damaliger Zeit trafen mich als betroffenen Heranwachsenden umfassend. Das hemmungslose Lügen und Verfälschen von damals kommt mir, wenn auch in anderer Form und anderen Themen, heutzutage immer wieder unter.

Ich habe oben das Kürzel „CS“ verwendet. Dieses steht natürlich für CounterStrike, einer Spiel-Modifikation zu dem hervorragenden Spiel »HalfLife«von Valve. Hier kämpfen Terroristen gegen Anti-Terror-Einheiten. Das Spiel war auf einen Wettstreit angelegt und entwickelte eine unglaubliche Dynamik: Die Beherrschung der Waffen und Szenarios standen im Mittelpunkt. Nach dem ich die Horror-Beiträge aus dem Fernsehen gesehen hatte, bekam ich schwitzige Hände als ich zum ersten Mal auf »cs_italy« – so der Name der Karte – herumwandern durfte. Um es kurz zu machen: Die Nächte waren lang, die in den Gefechten gewonnen und auf LAN-Parties verfestigten Freundschaften hielten noch länger. An diesem Spiel merkte man auch den Wandel der Spiele-Landschaft von einer Nischenexistenz zum Massenmarkt: Mit der Etablierung des Spiels wurden die Server von konkurenzgeilen Assis und ignoranten Kindern geflutet, die Kommunikation kam zum erliegen. Heute werden mit dem Spiel Millionen von Euro gemacht. Auf den Servern kann man jetzt Russisch und Bulgarisch lernen, es wird nur noch dust2 sowie mit AK47 und M4 gezockt, das Spielprinzip wurde damit langweilig, spontane Verbrüderung mit den »Teammates« finden kaum mehr statt usw.

.

Bin ich vielleicht zu »alt für den Scheiß«?  Das Abo der GameStar ist zwar gekündigt aber die Leidenschaft besteht weiter. Schwelgt man in den alten Klassikern – von denen hier wirklich nur die markanten Exemplare erwähnt wurden – oder sabbert man vor den neuen Höhepunkten wie beim dritten Teil des Witchers, steht man im Gefecht mit wildfremden Leuten bei »Squad« oder durchbricht die eigene Reiterei die feindlichen Formationen in einem Spiel der „Total War“-Reihe, dann ist wieder ein Zauber am Werk, den kein Theater, keine Serie, kein Film oder auch kein Buch produzieren kann: Spiele können die Vollendung dieser Arten sein.

   

Holger:

Ich bin seit ich 14 bin Gamer, damals auf dem C64 haben mich viele Spiele beeindruckt, die wirklich extrem simpel waren. Auch in der Zeit der ersten PCs, mein erster war ein 386er, waren denkwürdig, auch wenn ich mich heute kaum man an die Namen erinnern kann. Denkwürdig waren für mich aber auch drei Spiele-Serien, die einen bleibenden Eindruck auf mich hinterließen.

 

Da wäre zuerst die Ultima Rollenspiel-Serie. Ultima war in der fiktiven Welt Britannia angesiedelt, und ein Clou war, dass man als Held von Britannia im Spiel immer wieder in seiner Wohnung auf der Erde gezeigt wurde. Man war also quasi tatsächlich der Gamer zuhause auf der Erde, und ging immer wieder nach Britannia. Das fand ich an sich schon eine coole Sache. Ich habe Serien immer besonders gemocht, weil erst in Serien Spiele die Zeit haben, eine Welt wirklich in der Tiefe auszuloten. Man lernt mehr und mehr über die Jahre. In Ultima rettete man zwar ziemlich klassisch immer wieder die Welt, aber es hatte einen besonderen Schwerpunkt, das System der Acht Britannischen Tugenden. Hier lernte man, es kommt nicht darauf an um jeden Preis zu siegen, man durfte nicht einfach alles killen und stehlen, sondern man sollte ein moralisches Vorbild sein, sich Fragen stellen. Das ist heute in Story-RPGs normal, war damals aber ein totales Novum. Damals waren RPGs und Actionspiele einfach: töte alles was sich bewegt und klaue alles, was geht. Folgen gab es keine. Das änderte Ultima und führte das moralische Dilemma ein. Oft gab es kein gut vs böse, sondern nur zwei Entscheidungen, die beide gut sein können, aber eben anders. Ich fand das eine sehr interessante Perspektive, und das System der Acht Tugenden hat mich nachhaltig beeindruckt. Auch die Tatsache, «alte Freunde» in Britannia immer wieder zu treffen, und so über fast 15 Jahre eine Welt und die gleichen Charaktere zu erleben, hat eine sehr reiche Story gesponnen, die ich sicher nie vergessen werde.

Die zweite Spiele-Serie, von der es leider nur zwei Spiele gab, war Knights of the Old Republic, die im Star Wars Universum angesiedelt war; hier war Knights II für mich das beeindruckendere, vor allem der Charakter von Kreia, einer mysteriösen Frau, mit der Fähigkeit der Macht, aber irgendwie grau, also zwischen licht und dunkel. Ich fand die Erlebnisse in Knights II und die Kommentare und Belehrungen von Kreia damals sehr bewegend. Ich kann mich kaum erinnern über moralische Perspektiven jemals auch so im «real life» nachgedacht zu haben, basierend nur auf einer fiktiven Figur wie Kreia. Ich mag es, wenn Spiele mich zum Nachdenken bringen, wenn Perspektiven nicht simpel gut gegen böse sind, sondern eben nuanciert. Die ganzen Ereignisse sind hier sehr lehrreich gewesen, da hier die klassische Vorstellung von Jedi als die immer weisen und guten und Sith als die rein bösen, durchbrochen wird. Die ganze Idee der Macht wird hier facettenreicher. Das hat mich auch tatsächlich im Denken heute noch beeinflusst, wenn ich Themen und Ideen versuche nuanciert zu sehen, und eben nicht schwarz-weiß.

Die dritte Spielserie, die mich bewegt hat und noch immer fesselt, sind die Elder Scrolls Rollenspiele. Arena, das erste, war damals noch kein so besonderes Spiel, aber der zweite Teil, Daggerfall, war ein echter Durchbruch! Niemals zuvor hatte man eine fast realistisch große Welt gesehen. Davor waren Spiele eher von «symbolischer Größe», Städte und Regionen waren in RPGs stark geschrumpft, im Vergleich zur größer realer Städte und Landschaften. Das war mit Daggerfall anders. Hier waren hunderte Städte, hunderte Dungeons, riesige Gebiete dazwischen, es gab einen Jahreswechsel mit Sommer, Herbst, Winter, Frühling, es regnete oder schneite, in den Städten liefen zahllose Leute herum. Man hatte das erste mal den Eindruck, eine echte Welt zu besuchen. Auch im Falle der Elder Scrolls Welt «Tamriel» hat man eine klasse Arbeit geleistet. Es gibt eine so unglaublich reiche und komplexe Hintergrund-Geschichte der Welt, die ich seither immer wieder aufsauge. Ich mag es, wenn Welten so reiche und realistische Hintergrund-Geschichten besitzen, man kann zahllose Bücher lesen, die Geschichte reicht tausende von Jahren zurück, so dass Tamriel einem viel realer erscheint, als Welten ohne solche Komplexität. Tamriel wäre sicher eine Welt, die ich gerne mal in real besucht hätte.

Daggerfall hatte ich damals aus den USA direkt importiert, da viele Spiele nicht in deutsch erschienen, und es damals weder Amazon noch Ebay gab. Ich fand es so cool, dass mir nach dem Kauf von Arena, damals Bethesda eine Postkarte aus den USA schickte, die mich nach Daggerfall einlud. Das war damals, vor dem heutigen Internet, eine echt extrem coole Sache!

Auch Dungeon Crawler haben mich immer sehr begeistert, wie die Ableger Ultima Underworld oder Stonekeep. Leider gibt es solche Dungeon Crawler heute nur noch selten. Sich durch zahllose Ebenen einer Unterwelt zu kämpfen, fand ich immer sehr spannend. In Spielen zählen für mich vor allem spannende Welten, große Welten, und Stories die über eine lange Zeit gehen, Welten, in die man immer wieder zurück kehrt, und vielleicht auch immer wieder die gleichen alten Freunde wieder trifft. Das finde ich besonders reizvoll.

Ansonsten hat mich als Genre aber auch das Aufbau-Strategie-Genre immer sehr gefesselt. Ich habe die frühen Sim City und Sims Spiele sehr genossen, fast alle Ausgaben und Varianten von Civilization, und in letzter Zeit viel in Europa Universalis und Crusader Kings investiert.

 


 

Buy Me A Coffee at Ko-Fi.com

https://www.patreon.com/Younggerman

https://www.facebook.com/TheYoungGerman

https://www.minds.com/Younggerman



Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

One thought on “PC- und Videospiele die uns prägten – Autoren blicken zurück

  1. Es begann bei mir mit Duke Nukem3D und endete mit Far Cry1. Doch Zeiten ändern sich und wenn man mal selbst mit dem G36 durch den Dreck gerutscht ist, dann reicht das einem nicht mehr. Heute geh ich lieber mit dem AR15 ins Schießkino, als mich mit der Tastatur, durch mein virtuelles Arsenal zu klicken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.