Schicksal und Hybris – Die westliche Gesellschaft ist ihr eigener Ödipus

Im Film «Kung Fu Panda», sagt der weise Meister Oogway: «Manch einer begegnet seinem Schicksal auf dem Weg ihm zu entkommen.» Will heißen, wir erschaffen manchmal selbst das Unheil in unserem krampfhaften Bemühung, ihm auszuweichen. Es ist auch eine typische Geschichte des klassischen Griechenlands. Die Sage von Ödipus ist leider durch Freuds sexuelle Deutung ziemlich verhunzt worden, darin geht die Tragik der Geschichte unter.

Laios, dem König von Theben, wird geweissagt, sein Sohn würde ihn ermorden, und dieser dann seine eigenen Mutter ehelichen; auch damals eine Ungeheuerlichkeit. In dem Bemühen, diesem Spruch zu entfliehen, ließ er seinen einzigen Sohn ermorden. Wie so oft aber, bringt es der gedungene Mörder nichts übers Herz, und Ödipus überlebt in der Fremde. Dort wird ihm selbst, als er erwachsen wird, die gleiche Prophezeiung gesagt: er werde seinen Vater töten, und seine Mutter heiraten. Entsetzt und willens diesem Schicksal zu entgehen, flieht er von seinen vermeintlichen Eltern eben nach Theben, nicht wissend, dass seine Zieheltern eben nicht seine leiblichen sind. Er trifft seinen leiblichen Vater zufällig, tötet diesen, wird später der neue König von Theben und zeugt mit seiner Mutter drei Kinder. Erst als es durch einen Seher ans Licht kommt, tötet sich Iokaste, die Mutter, und Ödipus blendet sich und lebt fortan als Bettler.

Die Vorstellung es gäbe ein Fatum, ein Schicksal, war in der Antike weit verbreitet, auch wenn man nicht so schicksalsgläubig war, dass man dachte, jedes Detail sei vorherbestimmt. Aber doch grobe Züge und einige wichtige Wendepunkte der Geschichte seien es. Der Begriff der Schicksalshaftigkeit, das merkte schon Oswald Spengler an, ist der modernen bzw. liberalen Kultur verloren; sie versteht ihn nicht mehr, und so sie ihn versteht, begehrt sie dagegen auf. Eben wie Ödipus und Laios.

Dinge stehen in unserem Naturell fest, rein biologisch, ob wir Mann oder Frau sind, aber auch welche genetischen Anlagen wir erben. Intelligenz ist, das ist reichlich eindeutig erwiesen, in starkem Maße eine Frage der Vererbung. Gegen diese Vorgaben der Biologie wehren sich die Social Justice Warrior mit Klauen und Zähnen. Man will in keiner Weise eingeschränkt sein, der Wahn der All-Machbarkeit, die in der Antike «Hybris»“ genannt wurde. Daedalus und sein Sohn Ikarus wollen ihrer Gefangenschaft entfliehen, indem sie fliegen. Der Vater Daedalus warnt den Sohn: fliege nicht zu hoch, dort verbrennt dir die Sonne die Flügel.

Ikarus aber entschlägt dem erfahrenen Rat des Älteren, und fällt in den Tod. Hybris, das sich überheben am Unmöglichen, das Scheitern am Widerspruch zu den Tatsachen der Natur. Der Mensch, der seine Grenzen nicht kennt, glaubt, gegen die Naturgesetze handeln zu können.

Der Mensch heute leidet an der Unfähigkeit sich einzufügen, ein Element des Schicksal zu ertragen: er rebelliert, blind und anmaßend, und schafft sich so nicht mehr Freiheit, sondern weniger. Freiheit ist was der Mensch wünscht, Freiheit von Bedingungen, Freiheit von Verantwortung und Pflicht, Freiheit selbst von den Folgen des eigenen Tuns. So ist der moderne Mensch in die Welt aufgebrochen, alle Grenzen und Schranken, alle Notwendigkeit, alle Schicksalshaftigkeit abzustreifen, ja gewaltsam niederzureißen. Er will nicht geschlechtlich durch die Natur beherrscht werden, er will keine sozialen oder politische Notwendigkeiten anerkennen, er glaubt, die Zivilisation bestehe ganz von alleine, ganz ohne Disziplin und Pflicht, ohne Arbeit und Einfügung in das Gemeinwohl. Und so zerstört er die Zivilisation, die eigentlich seine Freiheiten erst ermöglicht, er reißt die Wirtschaft ein, weil er, statt die Ungerechtigkeiten in Detail mit Mühe zu reformieren, lieber alles niederbrennt und seinen marxistisches Utopia erträumt.

Bis an die Spitzen unserer westlichen Gesellschaft, vor allem hier in Europa, ist diese Hybris gelangt. Man will mit Gewalt erzwingen, was man sich in den Kopf gesetzt hat. Man hat auch keine Geduld das Gewünschte natürlich wachsen zu sehen und man will es gleich oder am besten schon gestern haben. Die Politiker sind wie Kinder, die an den Ästen der Bäume zerren, in dem Wunsche, der Baum möge so schneller wachsen. So kann man von einer multikulturellen Gesellschaft oder den Vereinigten Staaten von Europa halten was man will, man kann dergleichen nicht mit Gewalt erzwingen, weil man sonst zerstört, was man erschaffen wollte. So wie panische Kinder reagieren die Politiker nun auch. Sie schlagen wild um sich und versuchen alle auch noch so maßvolle Kritik mundtot zu machen. Ja kein Dialog, ja keine Kritik soll aufkommen, am großen Wahn, am gigantischen Utopia des kulturmarxistischen Europäischen Reiches aller Kulturen und Ethnien. Es ist ein Wahn, ein schierer Größenwahn, und während an allen Ecken und Enden die Säume aufreißen, stopft man noch immer mehr ins Gewand, überfrachtet und überfordert eine ohnehin bis zur Grenze angespannte Lage durch immer neue Forderungen, immer aberwitzigere Pläne, so als herrschte eine geheime Sehnsucht zur Apokalypse, als wolle man die Gesellschaft einfach sprengen.

So schafft Maas mit seinem neuen Gesetz zur Kontrolle des Internets sich tausend neue Feinde, wo vorher keine waren. Nun erst werden auch Menschen aufmerksam, die vorher sich mit derlei Themen gar nicht befassten. Und so schafft der radikale Neo-Feminismus Feinde, wo vorher keine waren; Männer die es irgendwann satt haben überall als Sexisten bezeichnet zu werden. Und so haben die Nazikeulen des Rassismus-Vorwurfs ebenso nur dazu geführt, dass immer mehr Menschen nach rechts driften. Die ganzen überdrehten Progressiven, von den politisch Korrekten, den Social Justice Warriors bis zu den Neo-Feministen oder «Black Lives Matters- Aktivsten» in den USA(und nun auch in Deutschland), überall schaffen die Extremisten sich Feinde, untergraben jeden Konsens, und schaffen so erst Anfeindung und Spaltung, wo vorher keine oder viel weniger da war. Die ganzen Kontroll-Gesetze in den westlichen Staaten, das C16 in Kanada, das es unter Strafe stellt, nicht moderne Gender – Pronomen zu verwenden, Gesetzte gegen sog. «Manspreading» in Marseille, Heiko Maas sein Gesetz gegen sogenanntes «Hass-Posting»: all das verschlimmert die Lage mehr, spaltet die Gesellschaft, wird mehr und mehr Leute in Gegnerschaft zur linksgrünen, wie auch immer gearteten Vorstellung einer «Neuen Weltordnung» treiben. Sie fürchten nichts mehr als das Auseinanderbrechen der Gesellschaft, und erschaffen es doch mit ihrem Tun gerade erst.


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Holger, geboren im schwäbischen Ostalbkreis, aufgewachsen in der Havelstadt Spandau. Magister für Soziologie und Geschichtswissenschaft. Er schreibt Artikel über politische, historische und philosophische Themen. In seiner Freizeit malt er Bilder und spielt Zither. Lieblingsfilm:V for Vendetta

3 thoughts on “Schicksal und Hybris – Die westliche Gesellschaft ist ihr eigener Ödipus

  1. Die ganzen überdrehten Progressiven, von den politisch Korrekten, den Social Justice Warriors bis zu den Neo-Feministen oder «Black Lifes Matters- Aktivsten» in den USA(und nun auch in Deutschland), überall schaffen die Extremisten sich Feinde,

    Ja Feinde, mit denen sie irgendwie nicht gerechnet haben! :-)))
    https://www.youtube.com/watch?v=mgMFWje38nU
    https://www.youtube.com/watch?v=BZxBOmYSa10
    https://www.youtube.com/watch?v=N5bpeIDNVEA

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