In der Finsternis der fernen Zukunft, gibt es…nur Warhammer!

Abgehackte Funksprüche surren durch die Lautsprecher, Kanonendonner und verzweifeltes Geschrei von Sterbenden. Das Imperium der Menschheit, Billionen von Seelen auf Millionen von Planeten, steht am Rande seiner Vernichtung. Es hat den Zenit seiner Existenz bereits überschritten und nach über 10.000 Jahren an der Spitze der galaktischen Zivilisation kann man nur feststellen, dass die Menschheit nicht siegreich erobert hat, sondern sich derzeit nur noch mit zwei Fingern an der Klippe festhält. Die menschliche Zivilisation hält aus, gerade noch so, während alles um sie herum zusammenstürzt. Ganze Planetensysteme verschwinden derzeit im Strudel gewaltiger Chaos-Warpstürme, während Milliarden von Soldaten mit nichts weiter als dem Mut der Verzweiflung versuchen, das scheinbar unvermeidliche Ende doch noch aufzuhalten.

Es ist schon über zehn Jahre her, seit ich das letzte Mal einen Fuß in einen «Games Workshop» gesetzt habe. Überhaupt hielt die Phase, wo ich mich für das Tabletop-Spielen begeisterte, nur sehr kurz an. Aber die Erinnerungen an das exorbitant teure Hobby ist geblieben. Kürzlich waren ein Freund und ich nach dem gemeinsamen Jogginglauf noch einen Kaffee trinken. Wir kamen an einem Hobbyladen für Tabletop(hier in Ostberlin) vorbei, wo gerade die neue Edition von Warhammer40k von «Games Workshop» vorgestellt wurde.

Anders als unser Autor Holger bin ich kein großer Stark-Trek Fan und kann diesem Humanitätsgeschwurbel und dem drögen Pazifismus der Serie nicht viel abgewinnen(ich weiß, da gibt es auch viele Ausnahmen, Trek hat viele tolle politische Kommentare drin), wenngleich auch Captain Picard so seine goldenen Momente hatte. Wenn es um Sci-Fi geht, kommt jedoch für mich nur wenig an Star Wars oder Warhammer heran. Im Rahmen der Präsentation der neuen Edition durch die enthusiatischen Hobbyisten kamen wir auch ins Gespräch über die Ideengeschichte in Warhammer. Die kantische Vorstellung vom ewigen Frieden, die Vision von einer demokratischen Welt-Gemeinschaft (galatikschen Gemeinschaft), wie sie in Star Trek oder teils auch durch die Republik in Star Wars aufgegriffen wird, existiert in Warhammer nicht. Ich würde die Theorie, wenn es denn eine politische dort gibt, eher mit der Theorie des politischen Realismus vergleichen. Die Staaten, also die Alien-Völker der Eldar, Tau, Orks und so weiter, haben Interessen und Ziele, die sie versuchen gegen Widerstände durchzusetzen. Jeder ist nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht und kämpft um die Vorherrschaft oder um das nackte Überleben. Jede Fraktion die Gewinne erzielt, erhält diese nur auf Kosten einer anderen Fraktion. In Warhammer geht es sehr unplüschig zu, wenn ganze Kontinente durch Atomwaffen verglast werden und Orkhorden Sternensysteme in Schutt und Asche legen. Kühles kalkulieren imperialer Militärs, die einige Millionen von Soldaten täglich in den Opfertod schicken, um Milliarden anderen das Leben zu retten, während individueller Heroismus das Schlachtenglück auch wenden kann.

Natürlich ist Warhammer absolut überzeichnet, verrückt und sehr überdreht. Aber die nüchtern betrachtete politische Situation ist doch eine, die sehr an das sterbende römische Imperium erinnert. Innerlich zerfressen von Korruption und Verrat, muss das Imperium der Menschheit sich gegen unzählige Feinde verteidigen, die alle ihr eigenes Reich auf den Ruinen der Menschenwelten aufbauen wollen. Es herrscht galaxisweite politische Anarchie zwischen den Streitparteien, die alle ohne jegliche regelnde Instanz wie eine UNO im Weltall auskommen müssen. Menschenrechte reichen im Imperium nur so weit, wie ein galaktischer Floh husten kann. Es gilt das Recht des Stärksten in einer brutalen Welt, die so überhaupt keinen Platz für Nichtigkeiten lässt. Der Preis aller politischen Aktion ist stets hoch. Es geht um das nackte Überleben.

Und das Imperium, die Menschen also, sind in arger Bedrängnis. Mittlerweile ist die neue Edition soweit, dass die Menschheit am Rande der totalen Vernichtung steht. Auch die brutale Propaganda dieses Imperiums kann darüber kaum hinwegtäuschen, dass es nun wirklich ans Eingemachte geht. Ein jeder ist aufgerufen alles zu geben, alles zu leisten und in einem kollektiven Anstrengungsakt für die Gemeinschaft einzustehen. Warhammer ist dahingehend auch kriegerisch in einer Art und Weise, die uns Westeuropäern großteils längst abtrainiert wurde. Das ändert jedoch wenig daran, dass man für den Archetypus des Kämpfers, sei er auch fiktiv, keinen Respekt und keine Verehrung empfinden kann. Nicht anders ist es doch mit Figuren wie Eragon oder meinetwegen auch Harry Potter, wenngleich wesentlich kinderfreundlicher. Ohne Töten und Kampf war das Böse dort nicht zu besiegen. Überhaupt böse ist etwas, welches in Warhammer viele Abstufungen kennt. Ist das Imperium der Menschheit gut? Wenn Billionen Menschen in einer brutalen Militärdiktatur  geknechtet werden, ohne jemals die Sonne sehen und auf Industrieplaneten ein ignorantes und kurzes Leben genießen dürfen? Wohl kaum. Aber zwischen fleischungrigen Tyraniden, die ganze Sternensysteme ihrer Biomasse berauben und den Schergen des Chaos, die quasi überall wo sie wirken kleine Höllen auf Erden hinterlassen, ist das Imperium wohl die einzige Institution, die man als Humanoid noch unterstützen kann.
In Warhammer hilft ein Zauberstab nicht viel, wenn hochhaushohe Kampfmaschinen ganze Städte anzünden. Diese Welt trudelt unaufhaltsam in eine totale Eskalation und eine beständige Apokalypse.
Und nur ein Gott kann das Imperium noch retten. Dystopie? Ja. Aber wenigstens eine, die Spaß macht. Wenn auch nur auf dem Spielbrett.

 

Link: https://www.warhammer-community.com/2017/05/23/warhammer-40000-launch-date-announced-may22gw-homepage-post-1/

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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