Robert Blum und als die Linken noch ihr Vaterland liebten

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, den Zeitgeist einer Generation für jene, die nicht dabei waren, wahrhaftig wiederzugeben. 1848 und 1849 ergossen sich nationale Erhebungen über den ganzen deutschsprachigen Raum und erfassten die kleinen und großen Fürstentümer in einem Sturm patriotrischer Auflehnung. Schüsse und Kanonensalven schwärzten die Luft, während Studenten, Arbeiter, Pfarrerssöhne und auch junge Fräulein auf den selbst gefertigten Barrikaden in Berlin, Wien oder Dresden ihr Leben für ein geeintes Deutsches Vaterland gaben. Es handelt sich um den Opfertod für eine Sache, die bereits während der deutschen Befreiungskriege von der Obrigkeit versprochen und angedeutet, aber niemals verwirklicht wurde. Damals gaben junge Dichter wie Theodor Körner ihr Leben für die, wie Blücher einst sagte: «die heilige Sache Deutscher Unabhängigkeit».

Hier nähern wir uns dem größten Irrtum der jüngeren Generationen der deutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg, die in dem Glauben erzogen wurde bzw. sich selbst erzogen hat, dass die Liebe zum Vaterland, der nationale Gedanke und der Einsatz des Patrioten, eine grundlegend konservative oder gar «rechte» Idee sei. Dem ist nicht so. In der verkrusteten Obrigkeitsordnung der europäischen Staaten herrschte ein ancien regime, das wir nicht mit dem aufgeklärten Absolutismus von Friedrich dem Großen vergleichen können. Preußen, Sachsen und die anderen deutschen Staaten waren keine Nationalstaaten, sondern Fürstentümer, Königreiche oder wie Österreich Kaisertümer. Der Gedanke und die Idee, dass es ein deutsches Volk gibt, welches das Recht besitzt, in Selbstbestimmung über sich demokratisch und frei zu bestimmen, war ihnen zuwider. Jeder regionale Herrscher verwaltete seinen eigenen Kuchen, seinen Anteil am deutschen Territorium und Volk und war nicht gewillt, diesen zu Gunsten eines geeinten Vaterlandes abzutreten. Revolutionär waren zu jener Zeit all jene, die sich gegen diese Monarchien und ihre Begünstigten stemmten und das einforderten, was bereits auf dem Hambacher Fest und dem Wartburgfest verlangt wurde. Ein einiges Deutschland. Ein Nationalstaat der Deutschen. Konservativismus war in diesen Zusammenhängen dementsprechend der Wunsch die alte Ordnung, das ancien regime, zu erhalten. Dem gegenüber standen zur damaligen Zeit die Nationaliberalen, die sich aus unterschiedlichsten Strömungen zusammensetzten und keinesfalls ein einheitliches Bild abgaben. Es ist absolut nicht von der Hand zu weisen, dass die europäische bzw. deutsche Gesellschaft Mitteleuropas von tiefen sozialen Krisen heimgesucht worden war, welche die Ideen der Revolutionäre zutiefst prägen sollten.

Wir weben emsig Tag und Nacht, Altdeutschland wir weben dein Leichentuch! Wir weben hinein den dreifachen Fluch!

Die Weberaufstände und die Kartoffelrevolution, also Hunger- und Armutsrevolten, brachten die soziale Komponente in die Nationalbewegung. Männer wie Robert Blum, selbst ein Nationalliberaler von der linken Seite der damaligen Politik, vertrat einen katholisch-christlichen und sozialen Kurs, welchen er in seinen Dresdner Vaterlandsblättern vertrieb, welche durch die staatlichen Behörden in Sachsen zensiert und verboten wurden. Und das zu einer Zeit, als Hunderttausende Deutsche nach Nordamerika emigrierten, um sozialer Not und politischer Repression zu entfliehen. Deutschland als Auswanderungsland bzw. Auswanderungsländer. Die Besiedlung des Wilden Westens in den USA wurde zu einem nicht unerheblichen Teil von diesen Auswanderern getragen. Einen solchen Weg wollten soziale und patriotische Revolutionäre wie Blum jedoch nicht gehen und entschieden sich, wie etliche andere Patrioten, fürs Bleiben.

Nun ist die Geschichte der Märzrevolution und der ersten parlamentarischen Versammlung aller Deutschen in der Paulskirche hinlänglich bekannt. Weniger sind es die pathetischen Worte und vaterländischen Ideale, welche bei den heutigen Linksliberalen, die sich in der Tradition der Linken sehen, diese aber nur unzureichend verstehen, für Ausschlag sorgen dürfte und unmittelbar Brechreiz provozieren könnte. Genauso verhält es sich wohl umgekehrt, wenn die Märzkämpfer und Märtyrer eines freien und demokratischen Deutschlands von einst einen Blick auf ihre Erben werfen dürften, die sich schamlos als Links oder Liberale bezeichnen, jedoch weder das soziale, noch das liberale Element in sich vereinen. Ganz und gar gestrichen haben sie das Nationale aus ihren Ansichten, wenn sie «I love Volkstod», «Bomber Harris do it again» und «Deutschland abschaffen» als zentral erachten. So gilt heute als liberaler Freigeist und Patriot (Sigmar Gabriel), wenn er sich wie Deniz Yücel nicht schämt, seine Vernichtungsfantasien gegenüber Deutschland öffentlich kundzutun. Liberal? Vielleicht. Aber sicherlich kein Patriot, und größere Figuren der Geschichte wie Blum würden sich im Grabe herumdrehen, wenn sie von ihren vermeintlichen Erben wissen würden.  Selbst die deutsche Flagge, die Farben der Revolution, ekeln die JUSOS, die sozialdemokratische Jugend, scheinbar an. Dabei unterliegen heutige Linke/Linksliberale und ironischerweise eben auch viele ihrer ideologischen Feinde, beispielsweise Rechtsextremisten, dem Trugschluss, dass Deutschland seine Verwirklichung im NS-Reich fand. Die deutsche Sache und Idee sei eine nationalsozialistische und daher untrennbar mit Rassenwahn und Völkermord verbunden.

Dem ist nicht so und heutige Linke hätten gut daran getan, sich dieser Wahrheit zu erinnern. Robert Blum und andere sind dafür gestorben. Für Deutschland, einig, demokratisch, freiheitlich. Aber eben für Deutschland, nicht für einen Internationalismus und eine werte- und würdelose identitätslose rotgrüne Wunschfantasie.

Ich sterbe für die Freiheit, möge das Vaterland meiner eingedenk sein!

 

Robert Blum

 

 


Quellen:

http://www.personenlexikon.net/d/robert-blum/robert-blum.htm

http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/B/Seiten/RobertBlum.aspx

http://www1.karlsruhe.de/Kultur/Projekte/Kaiser-Wilhelm/freiheit1.htm

https://www.morgenpost.de/berlin/article207676709/Auch-Berlins-Jusos-kritisieren-Nationalgefuehl-deutscher-Fans.html


Weiterführende Literatur:

Das linke Paradox


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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