Die »Schweigende Mehrheit« gibt es so nicht!

Sehr häufig begegnet mir das Argument, das hinter verschiedenen rechten Positionen eine »schweigende Mehrheit« stehen würde, die Aktionen, Forderungen und Entschlüsse eigentlich gerne sehen würde, aber nicht öffentlich aussprechen möchte oder kann. Als Beweis für diese Mehrheit werden dann Umfragen (»Der Islam gehört nicht zu Deutschland«), Verkaufstatistiken von Büchern (»Deutschland schafft sich ab«) oder einfach Mutmaßungen geäußert (»In meinem Umfeld überwiegt die Meinung XYZ«).

Die Wahlergebnisse (in den letzten Bundesländern), Demonstrationen und das gesellschaftliche Engagement (z.B. in den Flüchtlingsangelegenheiten), lassen allerdings ein massiv anderes Bild einer Mehrheit entstehen, welches nicht nur als virtuelles Erzeugnis eines politisch-medialen Komplexes gedeutet werden kann.

Dieser Widerspruch zwischen scheinbar tatsächlicher Mehrheit und der irgendwie auch existierenden »schweigenden Mehrheit« ist ein altes Motiv in der Menschheitsgeschichte: Das Über-Ich, dessen Agent man ist: Markt, Volk, Schicksal, Klasse oder Gott. Es begegnet uns immer wieder als Handlungsantrieb, Motiv, Ausrede und Begründung. Sehr oft wird dieser Ansatz Patrioten als Luftnummer vorgeworfen, dass sie sich für ein Volk einsetzen würden, das es gar nicht geben würde oder so nie gegeben hat. Hier muss ich einschieben: Gleiches kann der Patriot dem vermeintlichen Weltbürger zurückgeben: Wo denn die von ihm benannte Masse »Menschheit« auf diesem Planeten herumwandeln würde. Oder auch die vom Establishment beschworene Haltung zu Klimawandel und Europa gehen in die Richtung des »Über-Ichs«, dem man sich zu unterwerfen hätte.

Freilich geht es oft um Eigenpositionen und –interessen die auf das große Ganze projiziert werden. Im Fokus steht dann eher das Überwinden der anderen Position, denn deren Auf-Lösung. Damit einher kommt eine gewisse Konfliktvermeidung: Man hat ja seine Anhänger, seine Mehrheit hinter sich. Warum noch mit dem Andersdenkenden reden? Wir sehen an der etablierten Meinung, dass so etwas nicht gut gehen muss und einen Rückschlag erzeugen kann. Es fördert die Isolation in der eigenen Meinungsblase, radikalisiert die Handlungsansätze und verbaut Handlungsperspektiven, da Kontroversen lieber durch simples Überwinden ersetzt werden. Besonders demokratisch ist es auch nicht.

Was soll man also tun, wenn es dieses Über-Ich nicht gibt? Zunächst: Meine Ausführung oben soll keine totale Absage an diese Gruppenidentität sein. Natürlich kann hinter der eigenen Position, eine Menge Menschen stehen, die man nie in seinem Leben getroffen hat. Diese dürfen auch als Motivation herhalten – aber nicht als Ausrede für das Aufgeben und Isolieren der eigenen Position. Auch wenn gerade die Meinungshoheit und Entscheidungsvorherrschaft ganz anders waltet, ist Rückzug keine Option. Es kann also nicht angehen aus Kirchen, Bundeswehr, Medienbetrieb und Vereinen auszutreten und kampflos der Gegenseite das Feld zu überlassen. Die Debatte um Sieferles Finis Germania oder auch immer häufiger auftretende »Renegaten« des Establishment wie es sie mit dem Magazin Cicero, Matussek, Pirinicci usw. immer häufiger gibt, sind deutliche Anzeichen, dass die Grenzen sich verschieben – auch wenn die Repression höher wird.

Da das hysterische Bezeichnen von Andersdenkende als »Menschenfeinde« (Was ist das nicht anderes mehr (!), als der Staats- und Volksfeind aus der Vergangenheit?) Usus ist, wird den Prozess noch beschleunigen. Durch immer flacheres Ausgrenzen werden die »Menschenfreunde« schnell auf ihre eigenen »bunten« Grenzen stoßen. Es können noch so viele linksradikale Wissenschaftler und Juristen an unserer Verfassung rumdoktern, umstoßen werden sie diese nicht. Eher fällt ihnen ihr Gesellschaftsentwurf auf die Füße.

Entscheidend für diesen Prozess ist die eigene Authenzität und das die eigenen persönlichen und politischen Werte klar machen, dass man eben auch besser ist, als das was man kritisiert. Freilich kann man parallel an Alternativen arbeiten, aber überzeugend wird es auch nur, wenn man als Person konsequent und konstruktiv mitarbeitet und mittragen kann. Dann wirkt man in die Mehrheit hinein und wird sie, anstatt nur ein Sein-Wollen zu sein.

 

 


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Cundar wurde in Oberfranken geboren. Sein näheres Umfeld, Zivildienst, Pfadfindertum und ein sehr interdisziplinäres Studium präg(t)en seine Weltanschauung. Die bezeichnet er gerne als “katholisch, rechtsradikal und liberal” (Kuehnelt-Leddihn lässt grüßen). “Katholisch” in einem ziemlich traditionellen Sinn, “rechts” meint patriotisch, “radikal” im Sinne von “reaktionsfreudig” sowie “unabhängig” und “liberal” im Sinne persönlichen Freiheitsdenken. Früher bei die “Jungdeutschen”. Jetzt hauptsächlich als Privatperson ansonsten hin- und wieder schriftstellerisch bei YoungGerman tätig.

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