Frankreich verlassen, oder wenn Pogrome wieder normal werden

Frankreich verlassen. Bloß weg von hier, weg. Woanders hin! Die jungen Burschen jüdischen Glaubens in der säkularen Republik Frankreich sprechen fast verheult in die Kamera. Sie werden schikaniert, geprügelt, gemobbt und auch ungebracht. 2006 der junge Mann namens Halimi, der gefoltert und ermordet wurde. Dann die Tötung einer Jüdin vor einigen Wochen in der eigenen Wohnung, die vom einem arabischen Nachbarn regelrecht  geschlachtet wurde. In der kürzlich von Arte zurückgehaltenen Dokumentation über Antisemitismus geht es explizit um diese in Frankreich und Europa bzw. Restwelt aufkommenden Pogromstimmung



Es gibt ihn wieder oder noch, und er ist real, kein Relikt der Vergangenheit, über das man in der Schule lesen und mit empörten Fingern drauf zeigen kann.

Lassen wir mal die Morde weg, von denen ich nur die Spitze des Eisbergs freigekratzt habe. Es gibt einen brodelnden rassistischen Hass in Europa. Dieser trifft vor allem Juden, aber erweitert sich auch längst auf Christen. Wer ermordete denn den französischen Pfarrer mit einem Messer und trennte ihm die Kehle durch? Kein Einzelfall.

Jüngst berichtete CNN darüber, dass die Juden Europa, das sinkende Schiff einer guten Idee, verlassen. Nach Amerika und Israel hauptsächlich. Man flieht vor Verfolgung, während ein alternder Sozialist die Juden seiner Stadt bittet zu bleiben, denn so sei ja die säkulare Republik tot. Aber er hat sie vermutlich mitgetötet.

Dieser Hass gärt nicht erst seit gestern, sondern bereits seit Jahrzehnten. Wer davor warnte, galt als Unkenrufer, Pessimist und im schlimmsten Fall als populistisch. Dabei geht es uns an, auch als nicht Juden, wenn vor Synagogen in Frankreich und Deutschland immer Polizei steht. Vor Moscheen übrigens selten. Obwohl es dort auch die ein oder anderen Übergriffe gab. Aber noch nicht in den Dimensionen, wie sie die jüdische Gemeinschaft erlebt.

Dabei glaube ich, dass der wieder aufkommende Antisemitismus ein Indikator für tieferliegende Spannungen ist. Sind die Juden dann wirklich eines Tages fort oder Vertriebene, dann werden ihre Verfolger neue Sündenböcke finden. Für die Anhänger des politischen Islams sind es dann Christen, Heiden oder Atheisten. Für Rechtsextremisten und linksextremistische Gruppen finden sich bestimmt auch neue Feindbilder. Oder es werden andere stärker fokussiert.

Das heißt nun nicht, dass jedes Feindbild ein unbegründetes ist. Manche Leute wollen einem halt Schäden zufügen, um sich selbst zu helfen. Auf Kosten des einen Geschädigten selbst reicher und mächtiger zu werden.

Wer will schon gerne eine Minderheit sein, wenn das immer so viele Nachteile zu haben scheint?

Europa kämpft um seine Identität. Das säkulare Modell der modernen Staaten basiert auf geteilten Werten, einem gemeinsamen Kanon der Gesetze, den man anerkennt. Dazu auch die Achtung des anderen Lebens und Denkens. Dieser Kanon wird gerade angezündet.

Die Gräuel des Dreißigjährigen Krieges sind wohl schon vergessen. Wehe, wenn ein solcher Wiederkehr erlebt. In Magdeburg lebten nach der Zerstörung noch eine Handvoll Menschen an drei Feuerstellen. Der Rest war zu Asche geworden.

 

Qeullen:

http://m.swp.de/ulm/nachrichten/politik/in-frankreich-entbrennt-der-judenhass-9848782.html

http://edition.cnn.com/2016/01/22/middleeast/france-israel-jews-immigration/index.html

http://www.jewishpress.com/news/global/europe/france/french-jewish-woman-murdered-by-radical-islamic-terrorist-in-paris/2017/04/06/


https://m.youtube.com/watch?v=rRLSnDkNm74&feature=share

 

 

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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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