Alles besser und doch wird nichts gut in Afghanistan

In der afghanischen Provinz Balch kam es zu einem Angriff der Taliban, der wohl einer der verlustreichsten für die ANA/ANP sein dürfte. Es ist eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass nach all den Versprechungen und Verheißungen des Glücks, des Nation-Buildings und Friedens, der mit Geldkleister zusammengehaltene Staat im Chaos versinkt. 140 Soldaten getötet, mehrere Hundert weitere wurden verletzt. Balch gehörte zum sogenannten sicheren Norden Afghanistans, welches in frühmittelalterlicher Zeit noch für seinen Buddhismus bekannt war.  Über die Handelswege fand das Sanskrit, die indische Schriftsprache, sowie frühe Formen des Buddhismus Einzug in das heute rein muslimischen Land. Was nicht von den arabischen Invasionen des Islams überlagert wurde, fand sein Ende mit der Zerstörung der gigantischen Buddha-Statuen durch die Taliban. Schwedische Truppen waren lange Zeit in der Region stationiert, erpicht darauf den ISAF-Auftrag zu erfüllen.  Neun tote Polizisten hier, ein «Insider»-Angriff dort. Afghanistan kommt nicht zur Ruhe und das obwohl die Mission der NATO dort im Grunde für beendet erklärt wurde. Zumindest wurde sie umgedichtet, um mit Resolute-Support auch der Bundeswehr die notwendige Legitimation zu geben, um den verblutenden Staatskörper Afghanistans am Leben zu halten. Im März starben noch über 50 Menschen, als Islamisten ein Krankenhaus stürmten und mit ihrem Massaker begannen.


Ich denke wir sehen die heimliche Rückabwicklung aller Fortschritte, die wir in Afghanistan gemacht haben. Schlagzeilen von zerbombten Schulen, abgerissenen Polizeistationen, ermordeten Beamten, Lehrern, korrupten Politikern und Militärs – all dies sind keine Nachrichten, die viel bei uns Verbreitung finden. Die stille Degeneration Afghanistans ist eine Tatsache, die man lieber nicht beleuchten will. Denn das würde ja bedeuten, das all die Todesopfer, die gefallenen Soldaten und das viele Geld, umsonst geopfert wurden.

Die Schlagzeile, dass sich Tausende Migranten/Flüchtlinge hier als Taliban bzw. Ex Taliban bezeichnen, geistert momentan durch unsere Medien. Dabei sollte man erwähnen, dass es starke Fluktuationen bei der Taliban-Rekrutierungspolitik gibt. Heute Taliban, morgen wieder Schafhirte und Straßenhändler. Da handelt es sich nicht zwangsläufig um einen Vollzeitberuf, sondern oftmals werden auch quasi «Zeitsoldaten» von den Taliban mit Geldsummen geworben und dann nach kurzer Zeit, zum Beispiel nach dem Ende einer Kampagne, wieder entlassen. Also ist es durchaus wahrscheinlich, dass wir uns ein paar Tausend von diesen Ex-Kämpfern ins Land geholt haben, von denen die meisten behelfsmäßig gut mit Waffen umgehen können und mehr Bereitschaft zum Töten mitbringen, als der Durchschnittsdeutsche. Fähigkeiten, die viele dieser Männer sicherlich nicht vergessen haben und ambivalent einsetzen könnten. In diesem Zusammenhang ist es beunruhigend für mich, wenn ich vernehme, dass Salafisten gezielt in Flüchtlingslagern nach Anhängern suchen. Sicherlich nicht grundlos. Die Zahl der Rückkehrer aus Syrien steigt wieder, nachdem der IS dort militärisch in die Verteidigung gedrängt wurde, weicht er nach Europa und Nordamerika aus. Diese potenzielle Entwicklung wurde bereits, ich erinnere mich recht gut, in Talkshows und Diskussionsrunden von gewissen verstorbenen «Unkenrufern» an die Wand gemalt. Nur hören wollte niemand. Die Implosion Afghanistans ist ja genau der Grund, warum so viele Afghanen hier nach Deutschland ziehen wollen. Wir sollten nicht vergessen, dass die Verantwortlichkeit zumindest teilweise dafür auch bei der deutschen Politik zu suchen ist. Der Einsatz am Hindukusch ist gescheitert und war es schon, als etliche Verteidigungsminister und Parlamentarier sich noch in Lobhudelei über den Erfolg der Mission verloren.
 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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