Katholische Kirche und AfD: Ein zerrüttetes Verhältnis

Nachdem die Deutsche Bischofskonferenz die AfD schon für offiziell »mit dem christlichen Glauben unvereinbar« erklärt hatte, rufen nun die Kirchen in Köln ganz offiziell zur Teilnahme an Demonstrationen gegen die AfD auf. Das widerspricht zwar dem im März noch getätigten Aussage, dass man die Einordnung der AfD nicht als Wahlempfehlung oder Stigmatisierung verstanden sehen möchte  aber, was soll’s…

Warum ist das so:

Zum einen aus notwendiger politischen Opportunität (Die Kirche ist aufgrund der zunehmenden, eigenen Desorganisation von den »Landesherren« abhängig), aus Unsicherheit wegen der Eingebundenheit im Establishment (Man hat Angst aus den von radikal-linksliberalen dominierten, etablierten Gremien rauszufliegen, gemobt zu werden und so gepolte Gläubige zu verlieren), über drei Jahrzehnte  Teilnahme am »Kampf gegen Rechts« (Aus anfänglicher echter Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit ist längst eine Art Gehorsamkeit gegenüber entsprechenden »linken« Aktivisten geworden. Man spielt das gleiche Programm ab, wie bei der NPD u.a. gelernt). Dabei wird gerne vergessen, dass man bei solchen Demos Seit’ an Seit’ mit Leuten marschiert, die Gott verleugnen, die Kirche eigentlich wegen ihrer angeblichen Homosexuellenfeindlichkeit oder ihres Sexismusses hassen, denen die Menschenwürde ähnlich egal ist wie manchen der zu bekämpfenden »Rechtsextremisten« usw.

Zum anderen hat sich die AfD das selber eingebrockt, z.B. durch die dummen und unsinnigen Behauptungen über den Erzbischof Schick (»halal«), der unklaren Haltung gegenüber der Religionsfreiheit und einer zunehmenden vereinfachten Rhetorik und Ausrichtung gegen »die Flüchtlinge«. Das macht es für Akteure im christlichen/katholischen Spektrum nahezu unmöglich die AfD noch als normale Partei zu verteidigen, mit der man noch sachlichen Reden könnte. Viele Kirchenmitarbeiter erlebten und erleben AfD-Anhänger oder Mitglieder nur als Hassbotschaften, Obszönitäten und Beleidigungen ausstoßende Irre, bei Veranstaltungen, in den Kommentarspalten oder in Form von Briefen. Das viele bürgerliche Kirchenmitglieder dann noch hauptsächlich ihr Wissen über die Partei aus ZEIT, Süddeutsche Zeitung usw. hernehmen, statt aus Diskussionen (wenn denn mal eine vernünftige zustande kommt) mit den Menschen aus diesem Dunstkreis, tut sein übriges dazu. Das Feindbild wird geschlossen, man sucht sich eine Kampfgemeinschaft. (Ergänzung 17:03 Uhr) Diese erscheint auch bitter nötig: Stellenweise herrscht blanke Angst in den Köpfen. Es wird angenommen, dass nach der »Machtergreifung« der AfD willkürliche Morde auf offener Straße an Migranten oder politisch Andersdenkenden zunehmen,  die Konzentrationslager wiedereröffnet werden, dass die bekannte Frau Özgüz (voll integriert, geboren in Deutschland)  – aus der Interreligiösen Frauengruppe – in einer Nacht- und Nebelaktion von einem Polizei-Rollkommando mit PEGIDA-Hilfspolizei abgeholt wird oder sich allgemein ein »Faschismus«  ausbreiten wird.

Abschließend möchte ich sagen: Jesus brachte »das Schwert«, er meinte damit die Zwietracht, den Streit über seine Positionen. Was aber nicht in seinem Sinn ist, ist die Zwietracht der Zwietracht willen, der vielen »Kämpfern gegen Rechts« aber als sinnstiftendes Element unverzichtbar geworden ist. Ganz im Sinne »Ich bin etwas, weil ich gegen etwas bin« Im Gegenteil geht es eben gerade darum Einheit und auch die Ordnung für Frieden zu wahren oder herzustellen. In der immer stärker werdenden Polarisierung des Volkes fehlt die Rolle des souveränen Mittlers über (!) den Lagern. Diese Rolle fällt eigentlich genuin den Kirchen bzw. der katholischen Kirche zu. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dieser weg schwer und unendlich aufreibend sein kann. Aber wenn man dann Menschen dazu bringt, einen Kompromiss zu finden oder sich diese wenigstens wieder halbwegs konstruktiv miteinander austauschen können, ist schon ein großes Stück dieser satanischen Verworrenheit unserer Gesellschaft gerettet.

 

 

Nachtrag, 25.04.2017;

  1. Ich bin doch etwas amüsiert, dass so einige »Rechte, Traditionalisten und sonstige Abendland-Retter« meinen die Kirche sei ein »Verein«, aus dem man mal so austreten könnte. Natürlich hat man die Freiheit auszutreten aber “die Kirche” ist eben kein bürgerlicher Verein.  Ist man getauft, bleibt man in einer Reihe mit allen Christen und Heiligen. Sorry.
  2. Nicht unerwähnt lassen sollte man die Stimmen, die die eigentlich differenzierte Rolle der Kirche betonen, auch wenn sie die AfD ablehnen. »Das gilt aber auch für die AfD-Gegner in der Kirche. Die Kirche ist kein Club von Gleichgesinnten. Die Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen; wer sie nur als politische Akteurin sieht, der macht sie sehr klein, viel zu klein. In jedem Menschen das Angesicht Gottes erkennen – das gilt eben nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für politische Gegner.« – Volker Resing auf katholisch.de
    »Zugleich forderte er Öffentlichkeit und Medien zu einer kritischeren Auseinandersetzung mit den Sachthemen der AfD auf. Der auch über die Grenzen Kölns hinaus bekannte katholische »Sozialpfarrer« Franz Meurer warb darum, das Gespräch auch mit AfD-Anhängern zu suchen. »Wenn man nicht miteinander redet, ist Demokratie für die Katz«, so Meurer im Kölner domradio.« – Quelle hier (katholisch.de)
  3. Da wären wir beim Stichwort Flüchtlinge: »Hurdur, die Kirche verdient an den Flüchtlingen und macht mit beim Großen Austausch.« Klar gibt es eine Menge Menschen, die bei den Kirchen arbeiten oder aktiv sind, die dieser vermeintlichen Endlösungs-Idee des »Großen Austausches / Jeder Mensch ist irgendwo Ausländer / o.ä.« anhängen. Aus ihrem »Glauben heraus« wie sie sagen, meistens ist es aber unreflektiertes Eingebundensein usw. Das sich aber »die Kirche« und »die Caritas« eine goldene Nase verdient und jetzt irgendwelche Wasserhähne mit Steuergeldern – das über Flüchtlinge gewonnen wird – vergolden lassen (auf diesem “Nivea” bewegen sich die Vorwürfe ja gerne), ist nicht minder irrig. Falls es dem ein oder anderen nicht aufgefallen ist: Im letzten Jahr kamen fast eine Millionen Menschen nach Deutschland. “Die Kirche” macht jetzt ihren Job – den sie sich mit dem Staat im sozialen Bereich teilt – und kümmert sich entsprechend darum. Deswegen wird mehr Geld vom Staat angefordert. Insgesamt ist daraus ein riesiges Konjunktur-Programm geworden, das Privatleute, Privatunternehmen und Bauunternehmer zu Gute kommt. Es ist mehr als ärgerlich und auch heuchlerisch, warum jetzt plötzlich Geld da ist, wo vorher oft auf’s Sparen verwiesen wurde. Das wäre der richtige Ansatz für Kritik. Denkanregungen hier (Bayerischer Rundfunk). In vielen Teilen der »Rechten« gibt es aber ein grundsätzliches Ressentiment gegen soziale Einrichtungen und Institutionen, die oft nur als Beschäftigungsprogramm für »linksgrünversifften Nichtstuer« angesehen werden. Da die politische Großwetterlage gerade so »links« ist, mag das in so einigen Fällen stimmen oder besonders abschreckende Auswüchse hervorbringen (Diverse Anti-Sexismus-Vereine). Im Großen und Ganzen ist aber ein starker Sozialstaat ein positives Alleinstellungsmerkmal der Bundesrepublik, auf das wir zurecht stolz sein können. Hätten wir diese nicht, könnte jegliche Integration noch schwerer werden.

 

 


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Cundar wurde in Oberfranken geboren. Sein näheres Umfeld, Zivildienst, Pfadfindertum und ein sehr interdisziplinäres Studium präg(t)en seine Weltanschauung. Die bezeichnet er gerne als “katholisch, rechtsradikal und liberal” (Kuehnelt-Leddihn lässt grüßen). “Katholisch” in einem ziemlich traditionellen Sinn, “rechts” meint patriotisch, “radikal” im Sinne von “reaktionsfreudig” sowie “unabhängig” und “liberal” im Sinne persönlichen Freiheitsdenken. Früher bei die “Jungdeutschen”. Jetzt hauptsächlich als Privatperson ansonsten hin- und wieder schriftstellerisch bei YoungGerman tätig.

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