Rinks und Lechts – Gegenüber-Miteinander?

Allgemein und auch in meinem Umfeld wird von einer großen gesellschaftlichen Polarisierung gesprochen. Man ist entweder »Volksverräter« oder »Menschenfeind«. So zumindest wird es von einigen Leuten – links wie rechts – kommuniziert. Wobei es ausgesprochen schwierig ist, noch klar von »rechts« und »links« zu sprechen. Nicht mal »progressiv« und »reaktionär« sind noch wirklich zielführend, da sich zum Beispiel selbsternannte »Feministinnen« an der Seite von kopftuchtragenden, strengreligiösen Mädels gegen den traditionellen Nationalstaat aussprechen, während Homosexuelle für den traditionellen Nationalstaat polemisieren und die Islamisierung ablehnen.

Obwohl es also sehr schwierig ist, eine genau Unterteilung vorzunehmen, möchte ich es doch versuchen, was die »Top 3« der gemeinsamen Themen dieser politischen Richtungen sind – auch in dem ich die Unterschiede ausmache. In Zeiten in denen absolute Feindlichkeiten (siehe oben) ausgesprochen werden, ist es im Sinne einer guten Demokratie, wenn man Felder bestellt, auf denen Kompromisse wachsen können, anstatt nur weiter und tiefer Gräben auszuheben.

Durch einen Vergleich der Schlagzeilen in den etablierten und alternativen Medien in Deutschland, habe ich die folgenden drei Punkte festgemacht, die von Belang sein könnten. Der Leser gestatte mir zu den jeweiligen Punkten eine persönliche Note:

    1. Europa und  die internationale Politik

2. Zustand des politischen Systems

3. Stand der Gesellschaft / der Nation

1. Europa

Gemeinsame Punkte: Es besteht ein enormes Gefühl der Dringlichkeit. Europa steht an einem Scheideweg. Die großpolitische Instabilität führt zu Zerwürfnissen im Inneren wie nach Außen.

Links: Europa – damit ist durch die Bank oft »die EU« gemeint – verbleibt nach der Wahl Trumps als US-Präsident neben Kanada als letzte Enklave progressiver Politik und utopischer Gesellschaftsentwürfe – trotz katastrophaler Wirtschaftszustände im europäischen Süden. Um diese Enklave entfaltet sich eine Welt der Ausbeutung, des Krieges und der autoritären Herrschaftsformen. Während noch die einen Linken von einem starken Versorgungsstaat träumen, der die Probleme konzentriert lösen soll, haben die anderen mit der »weltweiten Zivilgesellschaft« ein Konzept das JEDEN in die Verantwortung nimmt. Es gibt keine Nationen, allenfalls individuelle kulturelle Prägungen, die man berücksichtigen muss.

Rechts: Europas Völker und Nationen stehen unter enormen Druck von außen und innen. Die Gesellschaftstransformation (Zuwanderung, Dekonstruktion der Traditionen) der letzten 200 oder 50 Jahre kommt nun voll zu tragen (siehe Punkt 2. und 3.). Das Abendland sieht sich in seinem unmittelbaren Großraum mit den Ränken von Großmächten konfrontiert. Alte Machtgefüge (Transatlantische Verbindung) erweisen sich nur noch in Ausnahmefällen als funktional. Die Rechte kämpft dabei um neue Kooperationsformen für Europa in einem eher national-liberalen Umfeld, bis hin zum phantastischen »Endkampf der weißen Rasse« gegen die »orientalischen Horden« in Neonazi-Kreisen.

2. Zustand des politischen Systems

Gemeinsames: Das System scheint dysfunktional. Viele Wählergruppen werden nicht überzeugend angesprochen, oder sind hochgradig polarisiert.

Links: Obwohl vom »liberal-konservativen« bis zum »progressiv-linken« Milieu der Anspruch als Vollender des Grundgesetzes gelten zu dürfen (»Verfassungspatriotismus!«), in Form einer »bunten und weltoffenen Zivilgesellschaft« ausgesprochen wird und jede anders lautete Interpretation der Verfassung als »Menschenfeindlichkeit« leicht abgeblockt wird, herrscht ein großes Durcheinander und im Detail Einfallslosigkeit wie es denn weitergehen soll. Es gibt viele Vorwürfe: Die Linken seien nicht mehr links genug und die Konservativen nicht mehr konservativ genug. Obwohl es den Deutschen materiell so gut wie lange nicht geht, scheint sich eine allgemeine Unzufriedenheit ausgebreitet zu haben. »Populisten« kochen diese Unstimmigkeiten zu einer hässlichen Brühe auf und stehen damit einer »gerechten Lösung« mit ihrem »faschistischen Gedankengut« im Wege. »Große Koalitionen« sind für alle Beteiligten ein Übel und doch sind sie mehr darauf angewiesen wie zuvor, da die politische Bühne dynamischer geworden ist. Neue Fronten verhärten sich, alte lösen sich auf.

Rechts: Das Establishment hat sich vollends vom Volk gelöst und hat einen politisch-medialen Komplex gebildet, dem »global governance« im Sinne einer »marktkonformen Demokratie« mehr bedeutet als das tatsächliche  Regieren für ihr Volk / dem ehrlichen Schreiben für ihre Leserschaft. Man hat merklich  die vermeintliche Mehrheit gegen, aber weiß die »schweigende Mehrheit« hinter sich. Diese hat sich in europäischen Nachbarländern bis an die Regierung vorgearbeitet. Daher müssen die etablierten Strukturen durch massive Proteste (PEGIDA!) aufgebrochen werden um… Ja, was eigentlich? In Polen und Ungarn werden die Systeme in autoritäre Strukturen umgearbeitet oder (Großbritannien z.B.) kämpft mit der neu gewonnen Unabhängigkeit bzw. drückt sich vor der Verantwortung nach dem Erreichen des Primärzieles (Fararge). Oft erscheinen die »rechten« europäischen Parteien deswegen als wählbare »Alternative«, weil die Etablierten einfach so gar nichts auf die Reihe kriegen (Frankreich!). Das überzeugte »So kann es nicht weitergehen!« hat noch kein sehr überzeugendes und vereinendes  »So muss es weitergehen!« gefunden.

3. Stand der Gesellschaft / der Nation

Gemeinsames: Die Gesellschaft war noch nie freier aber auch nie so unordentlich. Zahlreiche Konflikte und Änderungen stellen Selbstverständlichkeiten sowie Perspektiven in Frage. Verteilungsgerechtigkeit und Zukunftsentwürfe kommen auf den Tisch. Wahnsinnige drängen in das entstandene Vakuum. Die virtuelle Öffentlichkeit ist Fluch und Segen.

Links: Europa/Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten zum positiven gewandelt. Nun geht es um den Endkampf (»Was für ein rechter Begriff! Sagen wir lieber: Bewährungsprobe«), die entstandene Offenheit muss fruchtbar arrangiert werden und die materiellen Güter besser verteilt werden um einen Großteil der Konflikte einer kulturell-diversen Gesellschaft zu befrieden. Unverbesserliche Rassisten und »Rechte« – also »objektiv gesehen« Verlierer, Schwarzmaler und psychisch Kranke – stehen dieser positiven Entwicklung im Wege. Zudem erweist sich die globale Wirtschaftselite nicht als ganz so hilfreich und die Zerstörung der Umwelt, fremde Konflikte und die Ausbreitung ungerechter Produktionsverhältnisse schlägt negativ bis in das eigene Land zurück. Auch erscheinen neue Randphänomene, die stark Ressourcen beanspruchen: Gestandene Feministinnen sehen sich plötzlich von »Netz-Feministinnen« als Rassisten und Kollaborateure bezeichnet. Und während man sich gegenseitig wegen Kleinigkeiten beleidigt, hauen Gunter und Ahmed weiter munter ihre Frauen, wird Ann-Sophie vergewaltigt und Thomas »kann sich echt nicht erklären« wie die Nacktbilder seiner Ex öffentlich gemacht wurden.

Rechts: Nationale Identität und Souveränität waren in jüngerer Geschichte niemals so gefährdet wie heute! Die gesellschaftliche Pluralität hat einen Grad erreicht, an dem die Nation überflüssig geworden ist und selbst von den ihr eigentlich ursprünglich angehörigen Menschen als überflüssig – ja gefährlich! – angesehen wird. Während einige  zu »reinrassigen Stammesstrukturen« hin wollen, fliehen andere in historische Epochen zurück in der die »Nation noch schön und stark« war. Wieder andere arbeiten die Entdeckung der Nation für das neue Jahrtausend um. Rechte Milieus fließen dabei ineinander, Außenseiter sehen sich plötzlich in Parlamenten wieder und gefallene Etablierte erleben nun, wie Renegaten behandelt werden. Es wird viel gelesen, virtuell diskutiert, gepöbelt und sich der Öffentlichkeit gestellt: Nur während die einen sich in Entschlossenheit, alltäglicher Tatkraft, Selbstdisziplin und -reflexion üben/beweisen, preschen die anderen mit einer Mischung »aus emotionaler Erhitzung resultierenden Schaffenswahn«, »Die Echsenmenschen der Rothschild-Clique müssen verschwinden«  und »Moslems sind alles Terroristen! ALLE! AUUUUUßNAHMSLOS!!!111elf« vor. In den Medien und den Sälen geht es heftig zu Sache. Doch wirklich ernst wird man vom Establishment weiterhin nicht genommen, moniert man.

 

Wie gesagt, Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder hundertprozentige Richtigkeit dieser Zusammenfassungen, hoffe aber durch diese Gegenüberstellung tatsächliche Ansatzpunkt für eine Lösungsfindung präsentieren zu können. Zugegeben, es ist bei all dieser Widersprüchlichkeit der verschiedenen Positionen ein Experiment. Ich denke es gibt Überschneidungen und Ergänzungen der unterschiedlichen Lager. Ein »Rechtsruck« – im Sinne eines »Wir machen es einfach nur extrem umgekehrt wie das linke Establishment« wird so viel bringen wie ein »Kampf gegen Rechts«: Nüscht. Natürlich wird sich die Lösung für diesen Stau an Problemen nicht in einer einfachen Idee auflösen. Mit »einfacher Idee« ist dabei der »Umsturz«, der »Tag der Abrechnung» oder »eine Revolution« gemeint. Vielmehr geht es um die Vereinigung dieser unterschiedlichen Interessen, dass sie dem ureigenen guten persönlichen Streben im Sinne des Gemeinwohls getan werden und die Gegenseite schlicht durch den Erfolg überzeugt wird. Wirkmächtigkeit ist das Schlüsselwort. Ich werde darauf zurückkommen…

»Die Vaterlandsliebe besteht nicht im Schreien und Scheiben darüber, sondern in tätiger Teilnahme an allem Öffentlichen, in Wärme für das Glück einer Stadt, Brüderschaft usw. usw. – Jeder Deutsche arbeite nur seinen Deutsch-Charakter recht aus unter den verschiedeneren Verhältnissen, es sei in Westfalen, Preußen, Bayern usw. usw. Ein Bund vereinigt dann die Völkerschaften, welche deutsche Regierung auseinander stellt.« – Jean Paul


Hat dir der Beitrag gefallen? Wir auf YOUNG GERMAN stecken viel Arbeit und Herzblut in unsere Artikel und wollen uns dauerhaft als alternatives Medium etablieren. Du kannst dich bei uns bedanken, indem du auf Facebook oder Minds.com dein “Like” hinterlässt, uns einen Kaffee spendierst oder ein monatlicher Unterstützer auf Patreon wirst. Mit deiner Hilfe wollen wir wachsen und ein unabhängiges alternatives Medium zu den Massenmedien anbieten!

 


Buy Me A Coffee at Ko-Fi.com

https://www.patreon.com/Younggerman

https://www.facebook.com/TheYoungGerman

https://www.minds.com/Younggerman



Cundar wurde in Oberfranken geboren. Sein näheres Umfeld, Zivildienst, Pfadfindertum und ein sehr interdisziplinäres Studium präg(t)en seine Weltanschauung. Die bezeichnet er gerne als “katholisch, rechtsradikal und liberal” (Kuehnelt-Leddihn lässt grüßen). “Katholisch” in einem ziemlich traditionellen Sinn, “rechts” meint patriotisch, “radikal” im Sinne von “reaktionsfreudig” sowie “unabhängig” und “liberal” im Sinne persönlichen Freiheitsdenken. Früher bei die “Jungdeutschen”. Jetzt hauptsächlich als Privatperson ansonsten hin- und wieder schriftstellerisch bei YoungGerman tätig.

One thought on “Rinks und Lechts – Gegenüber-Miteinander?

  1. Wie schnell sich die Dinge ändern. Vor einem Jahr konnte man noch (durchaus vertretbar!) schreiben, unsere Gesellschaft wäre nie freier gewesen. Inzwischen haben wir wieder Zensur.

Schreibe einen Kommentar

Kommentareingaben werden zwecks Anti-Spam-Prüfung an den Dienst Akismet gesendet. Gespeicherte IP-Adressen werden nach 7 Tagen gelöscht. Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Angaben und Hinweise zum Widerrufsrecht finden sich in der Datenschutzerklärung.