“Unser Leiden ist ein Vorgeschmack darauf, was ihr erleiden werdet”

Das Leben in Europa und Deutschland geht um Grunde weiter wie bisher. Die Konsequenz, die wir aus dem Erstarken des IS gezogen haben, ist nur diese, dass er etwa 3000 km weit weg ist und uns daher nicht interessieren muss. Berlin, Nizza, Belgien? Die Gewöhnung an die Terroranschläge setzt doch bei vielen schneller ein, als mir lieb wäre. Auch als ich einigen Arbeitskollegen die Videos über die brennenden Vorstädte in Frankreich und Schweden zeigte, entlockte ich ihnen damit nur ratloses Achselzucken und gemütliche Gleichgültigkeit. Das sind übrigens die gleichen Menschen, die bei jedem Anflug von «rechten» Ideen in glühende Raserei oder zittriges Stammeln verfallen. Da kochen dann die Emotionen hoch, wenn sich Leute erdreisten, aus den sich ihnen bietenden Umständen und Zuständen der Weltpolitik tatsächlich irgendwelche Konsequenzen ableiten zu wollen.



Hier wird nicht verstanden, dass nicht in Syrien, sondern in Frankreich ein Mensch von einem Islamisten enthauptet wurde. Es ist nicht weit weg, sondern nebenan und nah dran. Die Einschläge kommen also näher und jeder Mann, der mit der Sicherheit dieses Landes dienstlich zu tun hat, weiß auch, dass die Schrauben angezogen wurden und die Maschinerie des Staates auf Eskalation vorbereitet wird. In einigen deutschen Bundesländern steht längst die Hilfspolizei in den Stiefeln, während von der Leyen, nachdem die Bundeswehr über Jahre kaputtgespart und reduziert wurde, nun auf Pump 30.000 Soldaten möglichst schnell in den Dienst holen möchte. Diese Reaktionen sind späte Einsichten auf die verschärfte Sicherheitslage Europas, die auf gar keinen Fall in einen Zusammenhang mit Migration, Islam oder dem Fehlen jeglicher staatsschützender Grenzen gesetzt werden soll. Als die Schweizer vor einigen Jahren die Übung Conex abhielten, wo 5000 Soldaten übten, kursierte das als kleine Kuriosität damals in den Nachrichten. Ich dachte mir sofort:«Verdammt. Die Schweizer werden den ganzen Tumult wieder überstehen. Dann zum dritten Mal in Folge, weil sie sich meistens sehr klug verhalten.»

In diesem schweizerischem Übungsszenario heißt es : Europa zerfällt, Bürgerkrieg, ethnische Unruhen und illegale Grenzübertritte. Zum Schutz der Willensnation muss die Außengrenze gesichert werden.

Die Finnen üben übrigens in ganz ähnlichen Szenarien, die mit Russen und dem Nachbarland Schweden zu tun haben.  Die finnischen Behörden haben Probleme mit dem Influx von in Schweden ankommenden Migranten aus Afrika und Nahost, die sich nicht auf Schweden beschränken, und ihr Glück auch in Finnland suchen. Meist zum Nachteil der in den Grenzstädten lebenden Finnen. Im Osten fürchten die Finnen die imminente Invasion der Russen (die fürchten sie seit 1917, seit sie vom Großrussischen Reich freigekommen sind) und im Westen die Überschwemmung mit Asylbewerbern, des völlig übelasteten Schwedens, dessen halbsozialistische Multikulti-Gesellschaft vor dem Kollaps steht.  Bald könnten die Schwedendemokraten, ähnlich wie Geert Wilders Partei in den Niederlanden, als stärkste Kraft ins Parlament einziehen. Möglicherweise direkt zusammen mit dem Front National in Frankreich! Und alle Medien tun so überrascht, schockiert und entrüstet, als hätten nicht triftige Gründe zum Erstarken dieser politischen Gruppen geführt. Und solange die Altparteien Europas die von ihnen geschaffenen Probleme nicht einmal artikulieren wollen, geschweige denn sie angehen, solange wird es auch mit dem Aufstieg dieser Parteien weiter gehen. Während die AfD den Bürgerkrieg gerade schon in den eigenen Reihen probt und schon für später übt,  bluten die Einsatzkräfte der Police Nationale auf dem Platz der Republik und diese Szenen sind den deutschen Hauptmedien keine Minute Sendezeit wert. Über Trumps Kommentar über Schweden echauffierten sie sich jedoch tagelang, während brennende Autos in Stockholm ganze Hundertschaften der eher harmlosen schwedischen Polizei binden.

Im historischen Vorfeld dieser bald schon globalen Krise (denn nicht nur Europa, sondern auch Afrika, Asien und im speziellen der Nahe Osten sind betroffen) gab es immer wieder viele mahnende Stimmen. Starke und kluge Köpfe, die auch in den Reihen der CDU/CSU, SPD, FDP und sogar bei den Linken ehrlich mahnten, warnten und mit dem Finger auf mögliche Unglücksszenarien zeigten. Ich empfinde es als amüsant und traurig zugleich, dass die klassischen Liberalen und eher gemäßigten Köpfe keinen Erfolg mit ihren Botschaften hatten, sondern die Extremisten von Links, die Bejaher der Grenzenlosigkeit und des Globalismus, gesiegt haben. Aber ihr Sieg wird im Umkehrschluss und als Folge nur noch extremere Antworten von Rechts provozieren, wenn die Diskussion und Lösungsfindung zur Unmöglichkeit erklärt wird.



Oder um es mit den Worten von Stefan Molyneux zu sagen: «Wer die Diskussion unmöglich macht, macht die Eskalation unvermeidlich».

Und gerade diese totale Entgleisung, diese Eskalation und den Rückfall in die Barbarei, wie wir sie jetzt außerhalb Europas wieder sehen, möchte ich eigentlich verhindern. Ich vermute, dass es vielen so geht wie mir, die mit einer Mischung aus Genugtuung und Traurigkeit auf die nächsten Jahre blicken. Einerseits behalten wir nach den ganzen Jahren recht und andererseits tritt dann ja alles ein, was wir eigentlich verhindern wollten.   Sehr viele meiner Freunde wird es wohl treffen wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel, wenn die Vorhänge fallen und der Schleier des schönen Scheins nicht länger aufrecht gehalten werden kann. Ich kenn ja zu viele Menschen, die einfach so in den Tag hineinleben, ihre Nachrichten allein aus der Abendschau beziehen und dann sehr erschrocken sein werden, wenn nebenan im Nachbarhaus Spezialkräfte der Polizei einrücken, um einen Terrorverdächtigen zu verhaften. Für die Jungs ist das dann der dritte Einsatz in einer Woche und für die Schlafwandler ist es dann vielleicht so, als würden sie zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich sehen.

Ich traf mich ja kürzlich mit einem treuen Leser unseres Blogs, und uns beiden fielen sofort die Worte des Erzbischofs von Mossul(Irak) ein:

«Unser Leiden ist ein Vorgeschmack darauf, was ihr erleiden werdet»

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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