Die Heilige Liga: Europas Söhne in der Seeschlacht von Lepanto

Grelles Sonnenlicht drang durch die weiße Wolkendecke am Morgen des 7. Oktobers, Anno 1571.  Wir, die Matrosen der glorreichen Armada der Heiligen Liga, standen wie gebannt auf dem Deck der Real, dem unbesiegten Flaggschiff unserer christlichen Flotte. Selbst wir, die wir nur einfache Seemänner und Soldaten waren, spürten etwas von der gigantischen Tragweite unseres Seins im Jetzt und Hier. Unser Priester, Lorenzo De Luca, sprach von der bedeutungsschweren Schlacht, zu der wir uns hier in der Meerenge von Lepanto eingefunden hatten. Hier im Ionischen Meer, zwischen Europa und Asien, hatten sich einst die Griechen der persischen Invasion aus Kleinasien in den Weg gestellt und gesiegt. Es hatte die vereinte Kraft aller griechischen Stadtstadten gebraucht, um die Armada von Xerxes über den Bosporus zu jagen. Und so standen wir nun, stillschweigend und lauschten dem Gottesdienst des römischen Priesters.

Ich sah Männer von überall. Venetianer, Spanier, Deutsche aus den katholischen Landen und Ritter der Malteser. Nur Dank der strengen Führung von Papst Pius V. war es uns gelungen eine Heilige Liga aus einem halben Dutzend kleiner Nationen zu schmieden, die der gigantischen Übermacht osmanischer Armeen ansonsten nicht gewachsen gewesen wären. De Luca erinnerte uns daran, dass es gerade die kleinen Völker gewesen waren, die auf dem Balkan der Invasion des Muslime standgehalten hatten. Wenn nicht der Widerstand der Serben und Ungarn so zäh gewesen wäre, würden die Osmanen heute vor Rom stehen. Wir waren erfüllt von einem Gefühl nahenden Weltunterganges, spürten wir doch, dass wir in Zeiten schrecklicher Umwälzungen lebten. Von Nordafrika bis Byzanz hatten die Türken das alte Christenreich des Mittelmeeres erobert und unterjocht. Und ich erinnere mich noch, als wir mit unseren Schiffen auf der Insel Korfu anlandeten, nur um zu sehen, dass wir zu spät waren und die Türken alle Kirchen zerstört, die Christenbilder geschändet und die wehrfähigen Männer in Bevölkerungen getötet hatten. Wer konnte noch glauben und sich naiv der Illusion hingeben, dass dieser Sturm an Rom, Madrid, Valencia oder Venedig vorbeiziehen würde? Unter Aufbringung aller Kräfte und in einer gemeinsamen Kraftanstrengung war es uns gelungen eine Flotte aufzustellen, die dem Invasionsdrang der Osmanen in dieser Meerenge Einhalt gebieten sollte. Ich blickte hinauf zu Don Juan de Austria, der in der dunklen Rüstung über uns stand und seinen ernsten Blick zum Feind gerichtet hatte. Die Türken waren uns zahlenmäßig erneut leicht überlegen. Sie besaßen mehr Schiffe, mehr Kanonen, mehr Soldaten und bedienten sich einer Vielzahl von versklavten Völkern und Verräterstaaten, die unsere christliche Sache schändlich verraten hatten.

»Sklaverei oder Tod! Und im Tod gehen wir hinauf in die Ewigkeit des Himmels« sprach De Luca und wir führten das Zeichen des Kreuzes aus, ehe wir unsere Schwerter zogen und mit dem Wind im Rücken dem Feind entgegenfuhren. Unter der Fanfahre heller Trompeten, dem dumpfen Schlag der Kriegstrommeln und dem Kriegsgeheul begann die größte Seeschlacht unserer Zeit. Kanonendonnern eröffnete den Kampf. Venetianische Geschütze krachten los, Ruderer ächzten und ich spürte, wie unser Schlachtschiff volle Fahrt aufnahm, erpicht darauf des Sultans Kriegschiff zu kreuzen. De Luca nahm das hölzerne Kreuz Christi von seinem Hals und hielt es gegen die Sonne und in den Pulverdampf der Schlacht. Hier, bei Lepanto, wollten wir gemeinsam todesverachtend kämpfen und beieinander sterben. Nicht der Ehre willen. Sondern um unseren Familien in Europa mit unserem Blut eine Zukunft in Freiheit zu erkaufen.

 

Ein fiktive Nacherzählung der Seeschlacht von Lepanto. Im Gedenken an die vielen Helden, die im Blutwasser  zu Tausenden starben. Sie ertranken, wurden von einander rammenden Schiffen zerquetscht, von Kugeln zermalmt und Säbeln der Osmanen geschlachtet. Es hieß die Toten schwammen wie Treibgut im Wasser, und man konnte über die brennenden Trümmer und Körper steigen, als wären sie Brücken. Es stand die Heilige Liga Europas vor der Schicksalsfrage. Unterwerfung oder Souveränität.

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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