El Cid rief zur Reconquista

El Cid, eigentlich Rodrigo Diaz de Vivar, war vielleicht der spanische Nationalheld der Reconquista, jener langen Epoche der Rückeroberung der spanischen Halbinsel im Zeichen des Kreuzes. Nach der Unterwerfung unter die muslimischen Mauren und deren Folgekönigreiche, die das Land unter sich aufteilten, fristeten die verbliebenen christlichen Reiche Aragón, Kastilien und Navarra ein Schattendasein. Während sich die europäischen Staaten teils gegenseitig bekämpften, wuchs der Einfluss der Muslime weiter. Umschlagposten des Sklavenhandels, Kasernenstädte und auch kulturelle Blütezentren für jene, die dem Halbmond folgten.

Moderne Historiker versuchen El Cid häufig das Bild eines Vagabunden zu geben, eines Herumtreibers, der gut mit den Muslimen zurechtkam und sich gerne in den Dienst mancher maurischer Fürsten stellte. Doch die Zeiten als Söldner und fahrender Ritter waren nicht dauerhaft bei ihm, und man kann sich auch anderer Sichtweisen auf diesen spanischen Krieger bedienen. Ein zutiefst christlicher Mann, der seinen eigenen König demütigte, indem er ihn vor Gott schwören ließ, dass dieser keine Hand beim Tod seines Bruder Sancho II. im Spiel gehabt hatte. Und als die Reconquista über Toledo kam, mussten die Mauren diese den Westgoten geraubte Stadt wieder abgeben. Nach 300 Jahren muslimischer Herrschaft erinnerten nur noch die wenigen verbliebenen Christen und alten Bauten der Antike an die vorislamische Geschichte der Stadt. Die Rückeroberung der bedeutenden Metropole war ein europaweit gehörtes Signal, dass man auch in Rom vernahm.

Ganz im Gegensatz zum Mythos des friedlichen und blühenden muslimischen Spaniens sah die Realität doch ein wenig anders aus. 1066 massakrierten die Muslime fast ihre gesamte jüdische Bevölkerung in Granada. Tausende starben und wurden von wütenden Mobs zur Jagd durch die Straßen freigegeben. Diese Progrome waren keine Einzelfälle, beschränkten sich jedoch nicht nur auf Juden. Auch die Christen unterlagen der Convivencia, einem brüchigen innerstaatlichem Frieden in den muslimischen Staaten Spaniens, der darauf basierte, dass die Christen und Juden Bürger zweiter Klasse blieben. Moderne Historiker möchten gerne diese Phase als Epoche religiöser Toleranz deuten, da die Mauren die Christen und Juden zumindest teilweise duldeten, statt sie einfach abzuschlachten. Letzteres geschah aber trotzdem hin und wieder. Und im Grunde haben wir heute noch die gleiche Situation im Nahen Osten und in Nordafrika, wo die wenigen Christen eher geduldet werden und jeder kleinste Anlass genügt, um Pogrome zu beginnen. Man werfe da nur einen Blick auf den Irak, Ägypten oder Syrien. Es ist nicht weit her mit der viel gepredigten Toleranz der Mauren gewesen. Die später folgenden Herrschergeschlechte der Almoraviden waren sogar noch unbarmherziger in ihrer Auslegung des Islam und führten einen heiligen Krieg zur Eroberung der ganzen Halbinsel. Nach Toledo wollte man mit den aufrührerischen Christen härter ins Gericht gehen.

Kommen wir zurück zu El Cid. Nach der Reconquista von Toledo waren die Almoraviden mit für die damalige Zeit gigantischen Armeen von Tausenden Soldaten aus Nordafrika angelandet. Sie besiegten die christlichen Heere bei Sagrajas. Auf dem Schlachtfeld nördlich der Stadt Badajoz hatten sich jüdische und christliche Kämpfer zusammengefunden, um sich den Muslimen entgegenzustellen. Der muslimische Heerführer soll den Ungläubigen drei Optionen gegeben haben, bevor es zum Kampf kam.

»Unterwerft euch dem Islam (konvertiert), zahlt Kopfsteuer …oder sterbt.« Ein Schelm, wer hier Ähnlichkeiten zum Verhalten des IS in Syrien sieht und versteht, woher die Legitimation für dessen Handlungen genommen wird. Die Antwort der Christen und Juden war eindeutig. Man wollte lieber sterben, als sklavisch zu leben oder den eigenen Glauben zu verleugnen. Sagrajas wurde zum Debakel für die europäischen Ritter und bis auf wenige Hundert wurden alle getötet, sodass sich die siegreichen Muslime ohne Widerstand durch das Umland bewegen konnten. Es war diese Zeit großer Angst und Unsicherheit, in der man El Cid wieder zu Gesicht bekam. Der Ritter war kein Unbekannter und vermochte es binnen kürzester Zeit, ein eigenes Ritterheer auf die Beine zu stellen, das aus vielen Nationen bestand und dem viele verschiedene Persönlichkeiten angehörten. Eine kleine Truppe von Kriegern wurde gebildet, die eine unheimliche religiöse Sogwirkung ausüben konnte. El Cid nahm es auf sich, Kastilien, seine Heimat, zu retten. Eigenhändig.

Hier entsteht der Mythos vom unbesiegbaren El Cid, der das spanische Vaterland gegen die Übermacht verteidigte, als es kein anderer vermochte. Er verließ sich auf kleinere Einheiten und rekrutierte seine Männer überall. Ob Taverne, Burg, Kloster oder Bauernhof. El Cid rief zur Reconquista und viele hörten seinen Ruf. Kein Mann, den man mied, sondern einer, dem man folgen wollte.

Nach fast 8 Jahren Krieg belagerte er endlich Valencia, die mediterane Großstadt, welche zuvor von den Muslimen erobert worden war.  Auch hier siegte seine Armee und heute noch findet man Hotels, Bars und Straßen, die nach ihm benannt sind. El Cid! Campeador! Herrscher, Kämpfer! Aber vor allem ein Mann, der den zurückgedrängten Spaniern Mut und Kraft schenkte. Glaube, Mut und Kraft waren der Motor dieser Reconquista, die fast ohne das Wirken des kastilianischen Königs funktionierte.

 

 

 

Für besonders Interessierte: Es gibt eine spanische Zeichentrickverfilmung von El Cid, die ich Kindern und Heranwachsenden gerne empfehlen möchte. Wenn die Kinder Spanisch lernen, kann man das doch auch bei einem guten Kinderfilm machen. Den Film gibt es jedoch auch auf Deutsch auf Youtube.  Am Besten in Begleitung eines Erwachsenen, der ein wenig kommentiert, da hier doch klassisches Gut/Böse Schema angewandt wird.

[ https://www.youtube.com/watch?v=d4el7B4h0XY ] – deutsche Fassung

[ https://www.youtube.com/watch?v=-vFlfOlxe8M ] Trailera uf Spanisch

 

 

 


 

Quellen:

The World of El Cid: Chronicles of the Spanish Reconquest

https://www.welt.de/kultur/history/article1069252/El-Cid-konnte-mit-einem-Hieb-Koepfe-spalten.html

Foto 1: Gilberto Gomes

Foto 2: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:001_Alcantara_-_the_roman_bridge.jpg

Foto 2: https://www.flickr.com/photos/pcid77/23165252691

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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