Rappen gegen die Flucht nach Europa: Senegal, dein Vaterland, braucht dich!

Der Senegal ist eine ehemalige französische Kolonie. Demnach ist die französische Sprache dort fest verankert und es ist nicht verwunderlich, dass die meisten jungen Männer in Richtung Frankreich auswandern wollen, wenn sie keine Zukunft für sich in der eigenen Heimat sehen. Sie bieten ihre Körper den Schleppern an der nordafrikanischen Küste an, nachdem sie zu Fuß oder mit dem Toyota nach Norden gekommen sind. Ihre Familien stecken oftmals viel Geld in die zweiten und dritten Söhne, die keine andere Chance sehen, als sich in überfüllte Nussschalen zu begeben und die Überfahrt ins gelobte Land, nach Europa, zu wagen. Die Realität, dass jedes Jahr etliche ertrinken oder auf dem Weg zur Überfahrt misshandelt und betrogen werden, geht uns an. Oder anders gewendet, es ist mir nicht egal. Nur ein Teil dieser afrikanischen Migranten schafft es bis nach Frankreich oder Resteuropa.

Sie verkaufen ihre Arbeitskraft dann meist deutlich unter dem Marktwert, arbeiten illegal oder handeln mit Drogen. Sie werden nicht selten zur Belastung für die europäischen Gemeinden und einige werden auch richtig üble Kriminelle. Ich habe als Student lange genug in der Gastronomie gearbeitet, um diese Spüler zu kennen, die meist aus Schwarzafrika kommen. Keine üblen Jungs und doch Leute, die manchmal inoffiziell dort in den Restaurants gearbeitet haben und dann auch noch für einen verhältnismäßig niedrigen Lohn. Das meiste Geld geht zur Lebenserhaltung drauf, während der Rest dann nach Hause geschickt wird, um die Großfamilie zu ernähren. Mama, Papa, Geschwister, Onkels, Tanten und so weiter. Nun ist der Ansatz der linksliberalen Willkommenspolitik in Europa nichts anderes als das offene Absaugen der afrikanischen bzw. kleinasiatischen arbeitsfähigen Jugend. Ein alternder Kontinent sucht nach Lösungen für sein Sterben und glaubt dadurch, dass er armen Ländern wie dem Senegal die demographische Zukunft klaut, etwas Gutes zu tun. Schließlich werben ja die Parteien Europas, sowohl die neoliberalen als auch die konservativen und sozialistischen, oft mit Slogans wie »Wir brauchen qualifizierte Migranten« und »Einwanderung von Fachkräften«.

Dabei handelt es sich, wenn man es genau nimmt, um eine ziemlich egoistische und rücksichtslose Art der Abwerbung. Europas Finanzeliten und Medien locken die jungen Männer im Senegal und anderswo mit dem Versprechen, dass es hier Arbeit für sie gäbe, sie die Staatsbürgerschaft bekommen und auf Staatskosten ihre Familien versorgen könnten. Man suche händeringend nach Fachkräften, also den besser ausgebildeten und geschulten Männern und Frauen, die einen positiven Effekt auf die Wirtschaft haben könnten. Der Senegal gehört zu den fünfthäufigsten Herkunftsländern afrikanischer Migration nach Europa, und es ist nicht so, dass dies alles Herumtreiber und Faulenzer wären. Ich habe schon einen gelernten Elektriker kennengelernt, der aus Afrika stammte, aber in seiner Heimat einfach keine Anstellung fand, mit der er sich über Wasser hätte halten können. Er sah keine Zukunft für sich und verließ sein Vaterland in Richtung Europa. Übrigens mit schwerem Herzen. Das Problem daran ist, dass sein afrikanisches Herkunftsland viel Geld in seine staatliche Schulung und Ausbildung investiert hat. Geld, das sie nun nicht mehr wiedersehen werden bzw. nur indirekt zurückgezahlt bekommen. Diese Fachkraft, die in Europa höchstens mittelmäßig ist, ist für das Entwicklungsland dauerhaft verloren und es hat dadurch ein Verlustgeschäft gemacht. Und so ist es oft so, dass viele junge Talente die Länder verlassen, die ihr Bleiben eigentlich am nötigsten hätten. So argumentiert auch der Rapper Matador aus dem Senegal, der sich in seiner Heimat durch Kunst und Musik dafür einsetzt, dass die jungen Männer bleiben und beim Aufbau ihrer Heimat helfen sollen. »Du bist die Zukunft Afrikas«, heißt es in seinen Liedern, die von Heimat und Hoffnung handeln und den Weg in eine bessere Zukunft weisen sollen. Matador ist berühmt, wenn auch nicht reich. Er setzt sich stark in seiner Heimatkommune ein, kämpft gegen Drogenmissbrauch und rappt für Werte wie Familie, Heimat und ehrliche Arbeit. Diese Dinge seien es, die den Senegal voranbringen würden.

In der Armutsflucht nach Europa entstehe am Ende eine Brachlandschaft in Afrika, in der nur die Schwächsten zurückbleiben, die alleine ihre geschundenen Länder niemals wieder auf die Beine bringen würden. Und so bleibt die ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung des Senegals auf der Strecke, wenn alle einfach nur das Land verlassen wollen. Sein Appell ist auch eine Botschaft der Remigration an die Senegalesen im Ausland. Denn der Senegal sei das angestammte Vaterland, welches die Kraft und die Kreativität seiner Söhne braucht. Heute mehr denn je. Der europäische »Brain-Drain« existiert nämlich wirklich, auch wenn dies von vielen Europäern nicht so wahrgenommen wird. Was für uns eher mäßig qualifizierte Arbeiter sind, können in schwach entwickelten Wirtschaften völlig andere Potenziale entwickeln. Die Industrialisierung des Senegals steht nämlich noch bevor, während sie hier längst abgeschlossen ist. Europa sucht Dienstleistungskräfte mit hoher Bildung, während es im Senegal in allen drei Sektoren mangelt. Fast 80% der Menschen sind noch immer in der ineffizienten Landwirtschaft tätig. Das sind mittelalterliche Verhältnisse, die sich niemals ändern können, wenn alle halbwegs gebildeten jungen Menschen nach Nordamerika, Europa oder in die Golfstaaten auswandern möchten. Eine Grenzsicherung Europas alleine reicht nicht, wenn wir dann zusehen müssen, wie die verhungernden und verzweifelten Menschenmassen vor den Toren unseres Kontinents lieber sterben, als in die Hoffnungslosigkeit ihrer Heimatländer zurückzukehren.

Die Botschaft Matadors ist also klar: Der Senegal, dein Vaterland, braucht dich! Du bist die Zukunft Afrikas!

 

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

4 thoughts on “Rappen gegen die Flucht nach Europa: Senegal, dein Vaterland, braucht dich!

  1. Interessanter Aspekt, wobei für mich das Bevölkerungswachstum in Afrika (Senegal 1960: 3,187 Mio.; 2013: 14,13 Mio.) das hauptsächliche Problem ist.
    Die Verbesserung der Lebensituation der Menschen in Afrika kann nur gelingen, wenn dieses Wachstum gestoppt und die Bürger ihr “Schicksal” selbst in die Hand nehmen.
    Die Möglichkeit der Migration kann es praktisch nur für sehr, sehr wenige Menschen geben.
    China und Korea sind Beispiele, wie solch eine Entwicklung in wenigen Generationen klappen kann.

  2. Danke Manfred. Da hast du Recht. Wir rechnen ja mit 3 Milliarden innerhalb des nächsten Vierteljahrhunderts. Das könnte sich dann nochmals potenzieren

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