Die Kaputten

Wißt Ihr, wer Jennifer Weist ist? Nein? Glück gehabt. Erhaltet Euch unbedingt dieses wunderbare Nichtwissen und verschmutzt nicht Euer Gehirn damit. Überhaupt definiert sich ja Bildung immer mehr nicht über die Dinge, die man weiß und kennt, sondern über das, was man ignorieren kann. Am besten, Ihr überspringt einfach den nächsten Absatz. Oder am besten setzt Euch überhaupt hin und lest lieber ein gutes Buch.



Alle anderen wissen: es handelt sich um die … äh … Frontfrau der Band Jennifer Rostock. Jenes Gespenst mit dem Charme und Aussehen einer vollgeschmierten Klotür in einer Friedrichshainer Studentenkneipe, das sich derart ins Monströse selbstverunstaltet hat, so daß man sich ein Musikvideo von ihr anschaut und sich fragt: ist das jetzt ein Musikvideo (nein, lieber nicht anklicken!) oder die Vorschau zu einer Alien-Fortsetzung?

Kennt Ihr Stefanie Sprengnagel? Nein? Dann bitte auch diesen Absatz überspringen. Das Phänomen, auf das ich zu sprechen kommen will, erschließt sich auch so, denn es springt einen an jeder Straßenecke an. Stefanie Sprengnagel, die sich selbst auch Stefanie Sargnagel nennt, ist – so wird sie jedenfalls vorgestellt – Facebook-Literatin, die mangels anderweitigem Wiedererkennungswerk stets mit einer knallroten Baskenmütze rumläuft. Und es ist eine seltsame Literatin, die offenkundig die Schönheit der deutschen Sprache haßt und sich deswegen möglichst unter Vermeidung von Stil und Rechtschreibung äußert. Zum Beispiel so: »In meinem ü ei war 1 füchslein«. Sprengnagel ist eine verkrachte Existenz, wie sie im Buche steht: nichts Richtiges gelernt, abgebrochenes Kunststudium, dann Jobben im Call-Center, bis sie merkte, daß es da draußen genug Irre gibt, denen gefällt, wenn sie im Gesichtsbuch reinstellt, was ihr morgens beim Defäkieren durch den Kopf gibt, nachdem sie sich am Vorabend vermutlich bis hart an die Besinnungslosigkeit betrunken hat. Viel ist es meist nicht, eher so eine Art Gehirnfurz: »Vorgestern hab ich geträumt, ich bin mit 1 refugee zam, heut hab ich geträumt, dass mich 1 burschenschafter fingerlt«. Ja, sowas wollen die Kaputten anscheinend wissen. Neuerdings darf sie auch für das Leib- und Magenblatt der linksliberalen Deutschlehrer, die Zeit, schreiben – da drückt sie sich direkt gewählt, ja, ich muß zugeben, gar nicht ganz unwitzig aus – aber natürlich muß auch da in destruktiver Grundhaltung niedergeschrieben werden, was anderen groß und erhaben erscheint. In Bayreuth über die Besucher der dortigen Festspiele lästern – ist das nicht furchtbar billig?

Sprengnagel kann auch nicht für zehn Pfennig zeichnen, weswegen sie es trotzdem tut. Es läßt sich einfach nicht übersehen: da rächt sich ein nicht sonderlich attraktives, mopsgesichtiges, nur mit eher limitierten Geistesgaben beschenktes Mädchen an der Schönheit der Welt, an der es keinen Anteil hat. Letzteres mag man bitter finden, aber es ist dennoch kein Grund, alle an seinem Elend zu beteiligen.

Natürlich stehen Leute wie Weist und Sprengnagel politisch links. Das hat für sie gleich mehrere Vorteile. Erstens steht der ganze Rest der heutigen Möchtegern-Kunst-und-Kultur-Schickeria ebenfalls links. Das ist gut und angenehm, denn so ist man in einer Niedrigkosten-Situation, das heißt, man muß nichts erklären und sich nicht nach der Decke strecken, um von anderen gemocht und anerkannt zu werden. Man schwimmt wie der Fisch im Wasser. Daraus folgt zweitens, daß Können ohne weiteres – zumindest teilweise – durch das Bekunden der angesagten Gesinnung ersetzt werden kann. Was wären schon die Flittchen von Pussy Riot, wenn sie nicht über Putin herzögen? Ihre Popularität als Musikerinnen – ja, so wurden sie in der deutschen Wahrheitspresse tatsächlich tituliert – dürfte sich wohl anderenfalls in sehr überschauberen Grenzen halten. Drittens ist man als Künstler ohnehin darauf angewiesen, von der Anerkenung anderer zu leben. Eine eigene, selbst durchdachte Meinung würde das alles nur allzusehr verkomplizieren. Viel besser ist es, zu bekunden, wofür einem ohnehin der Beifall der Mehrheit sicher ist und man sich zudem noch für dieses vollkommen risikolose Engagement als besonders couragiert abfeiern lassen kann – wie etwa, wenn besagte Frau Weist gegen die AfD agitiert. Viertens ist man auf Seiten der Linken eh der Meinung, daß jeder ein Recht darauf habe, an allem ohne Voraussetzungen teilhaben zu können. Für einen Künstler, der nichts kann, ist dies das ideale Soziotop.

Damit kommen wir zum wesentlichen Punkt: der Affinität des linken Kunst- und Kulturverständnisses zum Kaputten, Häßlichen, Derangierten, Kranken – bei gleichzeitigem Haß auf alles Schöne, Große, Erhabene, Gesunde. Man muß sich beispielsweise nur etwas ansehen, was in der Regel als linkes Kulturzentrum oder Wohnprojekt euphemisiert wird – es muß jeden halbwegs zivilisierten Menschen immer wieder in gruseliges Erstaunen versetzten, wie pudelwohl sich Menschen inmitten von Dreck und Müll fühlen können, so daß sie auch die schönste Immobilie innerhalb kürzester Zeit in einen versifften Slum verwandeln, der, befände er sich am Rande von Rio de Janeiro oder Kalkutta, mindestens ein halbes Dutzend sogenannter Nichtregierungsorganisationen auf den Plan rufen würde.

Man muß sich nur ansehen, was gemeinhin als Subkultur gilt und von reiner Zerstörungswut nicht zu unterscheiden ist, wenn sie sich in Form vollgeschmierter Wände bahn bricht – was, wie Hans Magnus Enzensberger sich ausdrückte, »an ein Ich gemahnt, das längst nicht mehr vorhanden ist« (Frau Sprengnagel allerdings ist regelrecht erleichert, dergleichen in Bayreuth zu finden). Wo sie ihre Zeugnisse ihres Austismus’ anbringen, ob denkmalgeschütztes Jugendstilhaus oder Betonwand, ist ihnen einerlei. Ihre Verachtung und Ignoranz gegenüber der Arbeit anderer Menschen, gepaart mit ihrer grenzenlosen Selbstüberschätzung und Egozentrik, läßt ja keine Differenzierung zu. Ihr Ziel ist, auch noch den letzten unversehrten Winkel mit ihrer Ferkelei zu beschmutzen. Man kennt den Anblick: da hat einer mit viel Mühe ein historisches Gemäuer restauriert, und es dauert keine zwei Wochen, da hat so ein Sonderbegabter die Wand mit seinen sinnlosen Gekrickel beschmiert. Es ist nicht im entferntesten ein künstlerischer Schaffensdrang, der sich da zum Vorschein dringt, sondern allein der Drang zum Kaputtmachen und die vollumfängliche Abwesenheit jeglichen Respekts für seine Mitmenschen.

Man muß sich die Hervorbringungen moderner Architekten und progressiver Theaterregisseure (zum Beispiel diese) ansehen, die keine Gelegenheit ungenutzt lassen, um das ästhetische Empfinden ihre Publikums mit Vorsatz zu verletzen und sein Bedürfnis nach Schönheit zu verhöhnen. Die Sehgewohnheiten durchbrechen, einen Bruch mit dem Hergebrachten will man und sagt es auch ganz offen, und bereits in der Beschreibung offenbart sich der destruktive und anmaßende Charakter ihres Anliegens. »Wir nennen ein Werk der Architektur gemein, wenn es uns keine andere als physische Zwecke zeigt, wir nennen es edel, wenn es, unabhängig von allen physischen Zwecken, zugleich Darstellung von Ideen ist«, wußte Friedrich Schiller. Heutige Architekten wissen es nicht mehr und kreieren Bauten, deren ideele Armseligkeit jeder Beschreibung spottet und, so sie überhaupt vorhanden ist, sich auf die Verneinung des Hergebrachten beschränkt.

Wer Gleichheit will, der muß alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzieren. Deswegen haßt die Linke alles Große, Erhabene, und muß es in die Gosse des eigenen Schmutzes herabziehen, denn nichts gibt die Idee der Gleichheit augenfälliger der Lächerlichkeit preis als Schönheit und Größe, die einen selbst an das eigene Unvermögen, Ähnliches zu schaffen, erinnert. Viel besser für das eigenen Ego ist da eben, wenn man sich sagen kann: »Das kann ich auch!«, und zwar ohne dafür Lebenszeit an die Ausbildung handwerklicher Fähigkeiten verschwenden zu müssen. Und einen Haufen Gerümpel auftürmen und das Ganze als Installation bezeichnen, das kann eben buchstäblich jeder. Die meisten tun es nur nicht, weil es ihnen zu doof ist – so ist die Selbstwahrnehmung als Künstler billig zu haben. Natürlich kann ein solches Kunstverständnis nicht wertmäßig differenzieren, da es sich damit sofort seine Grundlage entzöge. Dabei ist es selbstverständlich Voraussetzung für jedes künstlerische und ästhetische Empfinden, diese Unterscheidung vornehmen zu können. Es ist eben nicht das Gleiche, wenn ein Michelangelo einen David erschafft oder wenn jemand seine Scheiße in Dosen einlötet. Es ist nicht das gleiche, wenn Caspar David Friedrich einen Wanderer über dem Nebelmeer malt oder wenn jemand seinen Pimmel in Farbe tunkt und damit die Leinwand bekleckert. Es ist eben nicht das gleiche, wenn Dietrich Fischer-Dieskau die Winterreise singt oder wenn Jennifer Weist ihren verunstalteten Körper in obszöner Weise in die Kamera hält.

Richtige Kunst muß nicht erklärt werden. Ihr künstlerischer Wert teilt sich auch dem allergrößten Banausen unmittelbar mit. Sie bewegt, sie berührt, sie fesselt – auch den, der sie nicht sofort restlos intellektuell zu durchdringen vermag. Niemals läuft sie Gefahr, von der Putzfrau abgeräumt zu werden, weil sie als angebliche Kunst gar nicht erkannt wird – die spöttische Frage: »Ist das Kunst oder kann das weg?« beschreibt das Elend treffend und umfassend. Aber ebenso wird niemals der Rezipient wahrer Kunst auf einen Scherzkeks hereinfallen, der in der Galerie seine Brille auf den Boden legt und die Besucher dies für ein Kunstobjekt halten. Womit wir es hier zu tun haben, ist eine Erscheinungsform des kulturmarxistischen Zerstörungswerks: »Entästhetisierung der Kunst« nannte es Jürgen Habermas und hielt das für ein Verdienst der 68er – unter anderem neben der »Entpathologisierung der Krankheit« und der »Entkriminalisierung des Verbrechens«. Da fügt sich also eins zum anderen.

Warum ist das so? Für den nicht von linken Utopien der Gleichheit Befallenen war immer klar: äußere Form und Inhalt, Gestalt und Gehalt existieren nicht für sich, sondern es ist das eine Ausdruck des anderen. Beides kann nur als Einheit gedacht werden. Das sieht der Linke nicht so. Der Architekt und Kulturhistoriker Norbert Borrmann beschreibt es folgendermaßen:

»Während der Rechte nach der Form, der gestalteten Form strebt und schon rein instinktiv das Schöne mit dem Guten und Wahren in Verbindung setzt, verhält es sich beim Linken umgekehrt: Die Schönheit steht für ihn unter Verdacht. Sie ist das eigentlich Schlechte, weil sie seiner Ansicht nach nur auf Täuschung beruht. Wahr ist für ihn nur das Häßliche, das Karikierende, das Formverletzende. Die heile Welt ist die böse Welt — und das, obgleich die Linke angetreten ist, das Paradies auf Erden zu errichten!«

Nun sind stille Wasser zuweilen tief und selbstverständlich kann sich ein rühriger, origineller, kreativer Geist hinter einem unscheinbaren Äußeren verbergen. Doch wohl selten wird sich ein aufgeräumtes Wesen in einem gewollt verlotterten und verkommenen Äußeren verstecken; wohl niemals zeigt sich eine innere Schönheit in einer absichtlich verhäßlichten und verunstalteten Form. Dagegen liegt die Vermutung nahe, daß man es bei einem Menschen, der sich selbst zu einem Kinderschreck umgestaltet, um einen hochgradig gestörten handelt. Wer selbst kaputt ist, strebt natürlicherweise zum Kaputten, da der Kaputte in einer kaputten Umgebung seine eigene Kaputtheit weniger als Mangel empfindet, sondern vielmehr als Ausweis der eigenen Individualität. Natürlich gibt es kaum etwas Wohlfeileres, als sein eigenes diffuses Unbehagen an der Welt dadurch auszuleben, daß man anderer Menschen Vorstellung von Schönheit und Ordnung angreift und verletzt, und sei es nur, indem sie versuchen, anderen ein harmloses Tanzvergnügen zu verderben.

Trotz ihrer allgemeinen Destruktivität ist der Bereich der Kunst und Kultur, insbesondere in ihrer populären Form, immer noch eine Domäne, in der die Linke eine umfassene Hegemonie ausübt. Diese gilt es ihr zu entreißen. Es ist eine Aufgabe der Rechten, deren Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann: eine echte, gesunde Alternative zu all dem Schrott der Kaputten anzubieten.

Hier ist schon mal ein kleiner, ganz bescheidener Anfang. Aber vergleicht das mal mit Jennifer Weist!

 

 


 

Hat dir der Beitrag gefallen? Wir auf YOUNG GERMAN stecken viel Arbeit und Herzblut in unsere Artikel und wollen uns dauerhaft als alternatives Medium etablieren. Du kannst dich bei uns bedanken, indem du auf Facebook oder Minds.com dein “Like” hinterlässt, uns einen Kaffee spendierst oder ein monatlicher Unterstützer auf Patreon wirst. Mit deiner Hilfe wollen wir wachsen und ein unabhängiges alternatives Medium zu den Massenmedien anbieten!


Buy Me A Coffee at Ko-Fi.com

https://www.patreon.com/Younggerman

https://www.facebook.com/TheYoungGerman

https://www.minds.com/Younggerman



“Weserlotse” lebt als Niedersachse mit niederschlesischem Migrationshintergrund in Thüringen und ist alt genug, um noch zu wissen, wie das Leben ohne Internet funktioniert, ist trotzdem so etwas wie das, was heute “Netzaktivist” heißt, würde sich selbst aber nie so nennen.

One thought on “Die Kaputten

Schreibe einen Kommentar

Kommentareingaben werden zwecks Anti-Spam-Prüfung an den Dienst Akismet gesendet. Gespeicherte IP-Adressen werden nach 7 Tagen gelöscht. Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Angaben und Hinweise zum Widerrufsrecht finden sich in der Datenschutzerklärung.