Unter dem Sand: deutsche Kinder in Kriegsgefangenschaft

(Nur kleine Spoiler in dieser Rezension)

 

Ein dänischer Offizier prügelt auf die Kindersoldaten ein. Später urinieren ein paar britische Soldaten auf die kleine, zusammengeschrumpfte Gruppe von ehemaligen Volkssturmkindern. Der Film Under Sandet oder Unter dem Sand ist ein dänisches Filmdrama, welches kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spielt. Die Allierten haben gewonnen und Dänemark ist von der Herrschaft der Deutschen befreit. Obwohl die Okkupation Dänemarks verhältnismäßig unblutig war, wenn wir das mit anderen besetzten Ländern vergleichen, ist die Rachsucht einiger Dänen gegenüber den deutschen Kriegsgefangenen ungebrochen stark. Es trifft ausgerechend ehemalige Kindersoldaten aus dem Volkssturm, denen man in den letzten Wochen des Nazi-Regimes noch erzählt hatte, ihr Einsatz würde den Krieg wenden und das Vaterland retten. Am Ende landen sie an Dänemarks Küste, wo sie nun Minen räumen sollen, die dort während der Besatzung von den Deutschen vergraben wurden. Unter dem Sand ist ein Drama, welches mit einem inoffiziellen Tabu in der Filmindustrie bricht. Nämlich: deutsche Menschen können auch Opfer sein und die Allierten haben sich nicht immer ehrenhaft verhalten. Die Deutschen sind Menschen, keine gesichtslosen Uniformträger, die nur dazu dienen von den Protagonisten weggeballert zu werden.

Ausgeglichene Beleuchtung der Geschichte! Das funktioniert in den Film so gut, ohne dass man fürchten muss, dass der dänische Nationalstolz beschmiert wird. Es ist eine Sache, wenn man sich kritisch mit der eigenen Geschichte auseinandersetzt. Es ist eine andere, wenn man wie manche hier im Lande gar nicht aufhören kann auf das Eigene zu spucken und es zu verachten. Selbstreflektion ohne Selbsthass.

Regie und Drehbuch kommen von Martin Zandvliet, der sich viel Mühe gibt dieses kaum beleuchtete Kapitel der Nachkriegsgeschichte zu erzählen. Zehntausende deutscher Kriegsgefangener, darunter eben sehr viele Minderjährige, räumten nach dem Krieg Minen und etliche fanden dabei den Tod. Entschädigungen, Entschuldigungen und Sühne gab es von dänischer Seite nicht. Es ist mittlerweile auch zu spät dafür, da die Elterngeneration jener Zeit sich ihrem biologischem Ende nähert und die heutigen Dänen auch nichts mehr mit den Taten von damals zu tun haben. Daher ist es gut, dass wir diese Ereignisse mit dem nötigem Abstand betrachten. Unter dem Sand treibt mir an einigen Stellen trotzdem die Tränen in die Augen und ich weiß, dass diese schrecklichen Einzelschicksale eben keine Einzelfälle waren, sondern überall in Europa existierten. In der Schule hörten wir viel über die Kriegsverbrechen der Nazis und damit auch der damaligen Deutschen und wir müssen uns auch heute noch, durchaus mit Berechtigung, mit dieser dunklen Zeit auseinandersetzen. Von den deutschen Kindersoldaten, die in Kriegsgefangenschaft Minen räumten , habe ich in der Schule nichts erfahren.

Da ist es sinnvoll, wenn ein Film wie Unter dem Sand den Opferkult, der sich auf bestimmte Gruppen fixiert, aufbricht und den Weg frei macht für eine Erinnerungskultur, die alle Seiten beleuchtet. Es war eine furchtbare Zeit. Nicht nur für manche, sondern für alle.

Menschlichkeit und menschliches Leid sind keine Eigenschaften, die nur von der einen oder der anderen Menschengruppe besessen werden. Sie sind universell.

 

 

 

 

 

 


 

 

 

Foto: https://www.facebook.com/undersandet

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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