“Peacekeepers” auf der Leinwand – Über den Balkan bis nach Haiti

Wer weiß wie viel die USA den Vereinten Nationen an Personal für ihre “Peacekeeping”(Friedenswächter)-Missionen gibt? Na? Es handelt sich hier schließlich um das amerikanische Militär, welches Millionen von Soldaten unterhält. Es sind in der Bestandsaufnahme der UN im Juli 2016 genau 68 Soldaten, Polizisten und Berater, welche für die Blauhelmmissionen bereit gestellt werden. Zum Vergleich :

Ruanda gab 6163 Soldaten, Polizisten und Berater.  Der Senegal 3731 und Bangladesh 6872. Damit sind wir noch nicht an der Spitze der Geberländer. Es gibt noch weit mehr Staaten, die wesentlich mehr Interesse an den Friedensmissionen der Vereinten Nationen hegen. Die Disproportion der Kontribution ist hier auffällig. Für kleinere und wirtschaftlich schwache Länder ist die Involvierung in die Friedensmissionen in zweierlei Hinsicht ein gutes Geschäft. Zunächst erhalten die Geberländer einen Unkostenbetrag von der UN ausgezahlt, der sich nur rentiert, wenn die Unterhaltskosten der Truppen niedriger sind, als die eingenommenen Gelder durch die Vereinten Nationen. Ein US-Amerikanischer oder kanadischer Soldat kostet einfach deutlich mehr im Monat, als sein pakistanischer Kollege. Der Betrag ist fix und wird nicht an den BIP der Mitgliedsländer angepasst. So ist der monatliche Unkostenbetrag von ca 1200 Dollar pro Soldat für ein Land wie beispielsweise den Senegal etwas ganz anderes, als wie für eine Industrienation wie Großbritannien.

Der zweite Vorteil der aus der Mitarbeit bei den Friedensmissionen gezogen wird ist die Erprobung und Verbesserung der Ausbildung der eingesetzten Soldaten. Was in der Zusammenarbeit mit anderen Nationen im Einsatzland gelernt wird, intensiviert nicht nur die diplomatischen Beziehungen, sondern erhöht auch den Fähigkeitslevel der oftmals eher mäßig ausgebildeten Soldaten aus Entwicklungsländern. Es darf nicht überraschen, wenn gerade diese Kontingente oft in der Kritik stehen. Beispielsweise im Kongo, wo Friedenswächter aus verschiedensten Nationen unterwegs sind und heillos überfordert in diesem zerfallenden Staat für etwas Ordnung sorgen sollen.

Die als Dokumentation aufgezogene Produktion “A Journey of a thousand miles: Peacekeepers” folgt einer muslimischen Friedenswächterin aus Bangladesch. Es ist eine erstaunliche und interessante Perspektive auf die Rolle einer CRC (Crowd and Riot Control) Polizistin, die in ihrem Einsatzland Haiti mit einer völlig fremden Kultur konfrontiert wird. Überhaupt beginnt der zivilisatorische Konflikt bereits Zuhause, da sie als muslimische Frau und Soldatin nicht unbedingt den vollsten Rückhalt ihrer Gesellschaft genießt. Skepsis und Verachtung sind alltägliche Probleme für solche Frauen, die sich außerhalb der konservativen Ordnung bewegen möchten. “Ich will meinem Land dienen, Bangalesch zur Ehre” –  Warum nicht in Uniform?

 

Die Kurzserie “Warriors” von BBC geht einen etwas anderen Weg. Es ist die fiktive Erzählung von britischen Soldaten, die für das UNO-Kontingent  in den Balkankrieg geschickt werden. Aus der verschlafenen englischen Kleinstadt geht es aus dem Frieden in einen ethnischen Bürgerkrieg. Es geht um posttraumtische Belastungsstörungen der Soldaten, verrückte Bürokratie, dumme Einsatzregeln und den Horror eines genozidalen Konfliktes. Der englische Soldat kann sich das gar nicht vorstellen, wie sich Nachbarn bis aufs Blut bekämpfen und einander “säubern” können. Darauf sind die Jungs nicht vorbereitet. Auf die Verrohung der Menschen dort und die Brutalisierung der Kämpfer, die keine Ehre und kein Mitleid kennen. Albaner, Kroaten, Serben und die Briten mittendrin. Die Balkankriege sind heute schon wieder fast ein Vierteljahrhundert her und fast vergessen. Die Männer die damals dort unten gedient und gekämpft haben, gehen heute auf die Rente zu. Erschreckend ist, dass das Szenario des ethnischen Konfliktes nicht gebannt ist. Es ist aktueller denn je. Nicht nur auf dem Balkan. Überall auf der Welt flammen die Brandherde wieder auf und Huntingtons düstere Vision der blutigen Zusammenstöße der Zivilisationen und Kulturen erweist sich wieder einmal als sehr nah an der Realität.

 

 

 

 

 

 

http://www.un.org/en/peacekeeping/contributors/2016/jul16_1.pdf

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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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