Blut und Boden auf türkisch

In Albanien, also auf dem europäischen Balkan, finanziert die Türkei den Bau einer gigantischen Supermoschee, die alle anderen Bauwerke dort in den Schatten stellen soll. Der Prachtbau soll neues Zentrum erwachender islamischer Religiösität auf dem Balkan sein, wo sunnitische Prediger aus der Türkei und der arabischen Welt ihr Weltbild predigen werden. Bei dieser einen Moschee bleibt es ja nicht. Es ist ja kein Geheimnis, dass die Türkei und die arabischen bzw. sunnitschen Länder im Orient den Bau von Moscheen in Europa finanzieren. Und nicht nur in Europa. Was uns jahrelang entgangen ist, dass sie die Reislamisierung ihrer eigenen orientalischen Nachbarländer zuerst vorangetrieben haben. Aber damit ist Europa nicht vergessen. Es ist seltsam, dass die Presse erst jetzt durch die offensichtlichen Expansionsgelüste von Präsident Erdogan wach gerüttelt wird. Nun, wo türkische Truppen in Syrien stehen und weite Teile des Landes besetzt haben und die Regierung andeutet, dass man sich von den gewonnenen Gebieten nicht mehr trennen will, spricht man wieder von Neo-Osmanismus, als wäre das eine Neuigkeit. Für die Türken und ihren Narrativ einer osmanischen Wiedergeburt ist die Einnahme syrischer und balkanischer Landteile ein Etappensieg auf ihrem Weg zu alter osmanischer Größe. Es ist schon wieder fast vergessen worden, dass die Sprechorgane der türkischen Regierung schon vor Jahren verkündeten, dass die Türkei Richtung Europa expandieren will, weil sie dort einst als Imperium über die Balkanhalbinsel herrschte. Erdogan selbst nannte die Einflussnahme auf den südosteuropäischen Teil des Kontinents als ein großes Ziel türkischer Außenpolitik.

Nun kursiert im Netz ein Video, dass den NATO Partner Türkei bei der Exekution von vermeintlichen kurdischen Kämpfern in Syrien zeigt. Die zwei Frauen werden von G3 führenden Soldaten in türkischen Uniformen massakriert. Das Video dürfte authentisch sein. Ein Link findet sich unten in den Quellen. Aber ist das wirklich so schockierend? Die amerikanische Journalistin Serena Shim deckte vor einigen Jahren im Live-Fernsehen auf, wie die Türkei den IS in Syrien unterstützte. Nur zwei Tage später starb sie bei einem Autounfall, während die US-Regierung jede Untersuchung in die Umstände ihres Todes oder die Indizien auf eine türkische Involvierung beim IS abgelehnt hat. Die Türkei betreibt eine klassische Expansionspolitik, basierend auf der Idee, dass sie ein Anrecht auf Territorium Aufgrund von Historie, Blut und Religion hat. Die ethnischen Verbindungen zu den syrischen Minderheiten im Norden, die den Turkvölkern zugerechnet werden, deren Schutz sich die Türkei auf den Schild geschrieben hat, ist die gleiche Formel, die auch von den Nazis im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges benutzt wurde. Zu den islamischen Balkanvölkern in Bosnien und Albanien wird eine muslimische Brüderlichkeit hergestellt, während den Türken in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern gesagt wird, sie müssen ihre türkische Identität unbedingt bewahren und dürfen sich nicht anpassen. Sie sollen unbedingt Türken bleiben. Dabei gilt dann die AKP Vorstellung von dem, was ein Türkei zu sein hat und wie ein Türke zu sein hat. Erdogan forderte nicht grundlos einen Abstammungstest für einen deutschen Abgeordneten mit türkischen Wurzeln, weil dieser den Völkermord an den Armeniern nicht leugnen wollte. Die Aussage von Erdogan ist hier – So jemand kann ja kein Türke sein!  Mit seinem Blut ist was nicht in Ordnung. Der ist womöglich nicht reiner türkischer Abstammung! Klingelt es? Kennen wir solche Töne nicht nur zu gut?

Wer hat den Schuss nicht gehört? Die Türkei expandiert wieder und ist auf der Mission zur Wiederherstellung des osmanischen Reiches. Sowohl mit Soft-Power als auch mit Hard-Power. Durch Finanzierung der islamischen Glaubensgemeinden in Europa und Asien, als auch durch militärische Aktionen gegen Kurden, syrische Regierungstruppen und die Schiiten. Es gibt leider nicht wenige Türken, welche mit dieser Expansionspolitik zufrieden sind. Da reicht ein Blick in die wütenden Kommentare von Erdogan Anhängern im Netz oder die Tatsache, dass über 25.000 seiner Fans in Köln zusammenkommen können. Selbst der grüne Cem hat erkannt, dass sich hier eine Art fünfte Kolonne, eine türkische “Pegida” bildet. Der Vergleich hinkt zwar, verdeutlich jedoch, dass es selbst liberalen Linken dämmert, dass sich hier etwas zusammenbraut. Die türkische Politik der Regierung in Ankara ist nicht die eines NATO-Partners, nicht die eines EU-Kandidaten und ganz sicher nicht die eines Verbündeten. Erdogan erzählt seinem Volk nicht, wie es in Brüderlichkeit mit den anderen Völkern von Asien und Europa zusammenleben soll, sondern wie es aus eigener Kraft zu altem Glanz zurückkehren kann. Alleine. Und aus dieser Leistung soll das Recht entstehen wieder über die Völker westlich und östlich des Bosporus zu herrschen. Die Hälfte Zyperns verbleibt in den Händen der Türkei. Das ist ein weiterer eingefrorener Konflikt, den man viele Jahre gerne ausgeblendet hat und noch immer tut. Erdogans AKP hat jetzt die Gleichschaltung der türkischen Gesellschaft fast abgeschlossen. Nach dem “Putsch” und dem Gegenputsch der Regierung bleibt den Anhängern einer säkularen und nach Westen orientierten Türkei keine wirkliche Machtbasis mehr. Tausende Journalisten schmachten in Gefängnissen, wo sie zusammen mit Lehrern, Militärs und Politikern als Staatsfeinde geführt werden.

Die Türkei zeigt totalitäre Tendenzen, die einfach nicht mehr zu leugnen sind. Wenn hier im Lande einige Politiker fordern, man solle die Beitrittsgespräche mit der Türkei abbrechen, weil sie nicht zur EU passe, stimmt dies. Aber es geht einfach nicht weit genug. Vor Jahrzehnten warnten schon führende Kritiker des Islamismus, dass die Augen Ankaras sich auf Europa richteten. Nicht in Freundschaft, sondern in Neid und Gier. Die Schmach von Wien, wo den Osmanen die Eroberung ihres Goldenen Apfels verwehrt wurde, blieb unvergessen in Istanbul.

Neville Chamberlain war Premier von Großbritannien und war derjenige, der mit Hitler einen Pakt schloss, als dieser das Sudetenland gewaltsam an das deutsche Reich anschloss. Chamberlain kehrte nach London zurück, wo er stolz verkündete, dass der unterzeichnete Vertrag “Frieden für unsere Zeit” bedeuten würde. Hitler hätte ihm versprochen, dass seine Gebietsansprüche mit dem Sudetenland gesättigt seien. Chamberlain gab nach, zeigte Verständnis und einige Monate später war Polen erobert und sein Friedenspapier wertloser Dreck. Er gilt als einer der größten Volltrottel der britischen Kriegsgeschichte, weil er nicht verstehen wollte, dass Deutschland ein Feindstaat war und sich feindlich verhielt.

Und die türkische Regierung verhält sich feindlich. Sie kann nicht Mitglied der NATO sein oder Deutschland und die anderen europäischen Nationen können nicht Mitglieder der NATO sein.

 

 

 

 

https://www.theguardian.com/world/2013/apr/02/bosnia-turkey-ottoman-influence-balkans-sarajevo

http://www.economist.com/news/europe/21688926-turkey-sponsoring-islam-abroad-extend-its-prestige-and-power-mosqued-objectives

http://www.focus.de/politik/ausland/nach-putsch-in-der-tuerkei-erdogan-laesst-chefredakteur-der-wichtigsten-oppositions-zeitung-festnehmen_id_6136926.html

https://www.welt.de/politik/ausland/article155987049/Erdogan-fordert-jetzt-Bluttests-fuer-deutsche-Abgeordnete.html

http://www.focus.de/politik/videos/tuerkischer-staatspraesident-kuendigt-an-haben-dort-moscheen-und-geschichte-erdogan-will-tuerkei-erweitern_id_6137014.html

https://www.heise.de/tp/news/Tuerkei-Journalistin-unter-mysterioesen-Umstaenden-gestorben-2430533.html

https://www.facebook.com/tobias.huch/videos/vb.371028716141/10154526787856142/?type=3&theater

Foto: https://tr.wikipedia.org/wiki/Dosya:KoreSava%C5%9F%C4%B1T%C3%BCrkAskerleri.JPG

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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

3 thoughts on “Blut und Boden auf türkisch

  1. Sehr interessant.
    Wer Seid Ihr als Organisation?
    Warum wendet Ihr Euch nicht an europäische Politiker und oder Organisationen, die politisch Einfluss auf diese Entscheidungen nehmen können?

    1. Hallo Otto,
      wir sind keine Organisation, sondern nur eine Hand voll freier Köpfe die schreiben und tun. Beeinflussen tun wir Niemanden. Höchstens die Gedanken einiger Leser 🙂
      yg

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