Mit Brad Pitt auf Deutschenjagd

Was die meisten Menschen über Geschichte wissen oder zu wissen glauben, stammt zu einem erheblichen Anteil nicht aus Geschichtsbüchern, sondern aus fiktionalen Werken. Insbesondere Filmchen aus US-amerika­nischer Produktion liefern das Wissen, über das der Deutsche verfügen soll: daß die Deutschen natürlich die Bösen und die Alliierten die Befreier sind.

In der Stadtbücherei fand ich ein besonders übeles Machwerk und nahm es mit nach Hause. Es gibt diese Tage, da meint man, sowas anschauen zu wollen: »Herz aus Stahl«, ein blutiger Weltkriegsschinken mit Frauen­schwarm – warum eigentlich? – Brad Pitt in der Hauptrolle.



Ohne auf die überschaubare Handlung im einzelnen eingehen zu wollen, – die kann man hier nachlesen – es geht um die Besatzung eines Sherman-Panzers, von der Besatzung launig »Fury« getauft, mit besagtem Brad Pitt als Kommandanten. Diese Panzerbesatzung, eine kampferprobte und verschworene Gemeinschaft, gleicht freilich kaum einem militärischen Verband, sondern eher einer Gruppe Freischärler aus dem Dreißigjährigen Krieg – sie sieht nicht nur so aus, sie benimmt sich auch so. Leichenfledderei an Gefallenen, willkürliche Ermordung von Gefangenen, unter anderem um das neue und unbedarfte Besatzungsmitglied abzuhärten, dazu eine Sprache, die mit Landsknechtjargon noch höchst beschönigend umschrieben ist, werden doch gegnerische Soldaten stets nur als Krauts, Wichser, Nazi-Wichser, Schwanzlutscher und so weiter tituliert, und zwischendurch werden Bibelverse zitiert. Überhaupt, so etwas wie militärische Disziplin scheint es in der US-Armee nicht gegeben zu haben, wenn man der Darstellung des Streifens Glauben schenken will.

Wenn das die »Helden« sind, dann läßt das für die Darstellung des Gegners nichts Gutes erwarten.

Grotesk ist schon der Anfang: ein deutscher Offizier reitet in aller Seelenruhe – wer hätte das im Frühjahr 45 noch gebracht? – auf einem weißen Gaul über das qualmende Schlachtfeld, als Unteroffizier Brad Pitt von seinem Panzer sich auf ihn stürzt und ihn mit dem Messer abschlachtet. Wieder im Sherman meint er zu seinen Kameraden: »Der sitzt nicht mehr auf dem hohen Roß«. Wer an dieser Stelle noch nicht gekotzt hat und weiterguckt, auf den warten noch weitere Zumutungen ähnlicher Art.

Und doch hat der Film einige Stärken, die Darstellungen sind schonungslos realistisch, besonders das Duell zwischen der Gruppe Shermans und einem deutschen Tiger, bei dem »Fury« als einiger übrigbleibt, sind beachtlich. Besonders eine Szene, in der der aus dem Turmluk ragende Oberkörper eines Panzer­kommandanten einfach verschwindet, hat es in sich. Gleichwohl bleibt der schale Beigeschmack einer Gewalt­darstellung um ihrer selbst willen. Welche Erkenntnis läßt sich aus dem Ganzen ziehen? Daß der Krieg die Menschen verroht, ist hinlänglich bekannt und somit eine höchst triviale Feststellung.

Nicht vorteilhaft, das war zu erwarten, ist die Darstellung der deutschen Soldaten, insbesondere Angehörige von Waffen-SS-Verbänden werden als Untermenschen und Verkörperung des Bösen hingestellt, und der Film läßt keinen Zweifel daran, daß es legitim ist, sie einfach abzuknallen. Mehrmals wird ihr Auftauschen noch mit einer gruseligen Musik hinterlegt, und den Schauder zu betonen. Einen einzigen versöhnlichen Lichtblick bietet eine Szene am Schluß des Film, wo der letzte Überlebende der Panzerbesatzung, der junge Bord-MG-Schütze, von einem SS-Soldaten entdeckt, aber laufen gelassen wird.

Aber davon abgesehen sind die Deutschen nicht nur Unmenschen, sondern auch militärisch völlig unfähig. Sie rennen wie ein Hühnerhaufen kopflos um den Panzer herum, stürmen sinnloserweise mit dem MG auf ihn los und wenn sie letztlich auf die Idee kommen, ihn mit der Panzerfaust zu beschießen, verfehlen sie ihn auf 10 Metern. So kann unter ihnen der Sensenmann zur Freude des gehirngewaschehen Publikums eine reiche Ernte einfahren, bis endlich der amerikanische Panzer Stunden später niedergekämpft ist.

Fazit: der Film ist Dreck. Eine Mischung aus Gewaltporno und Feindpropaganda ohne jede reflexive Tiefe.

“Weserlotse” lebt als Niedersachse mit niederschlesischem Migrationshintergrund in Thüringen und ist alt genug, um noch zu wissen, wie das Leben ohne Internet funktioniert, ist trotzdem so etwas wie das, was heute “Netzaktivist” heißt, würde sich selbst aber nie so nennen.

One thought on “Mit Brad Pitt auf Deutschenjagd

  1. Im übrigen möchte ich klarstellen, daß es hier nicht um eine Relativierung oder gar Verherrlichung der Taten von SS-Verbänden geht. Die Erwähnung erfolgt ausschließlich deswegen, weil solche in dem Film dargestellt wurden.

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