Sie wollen den Austausch! – Teil 6

Es wird ja gerne als ein Hirngespinst hingestellt, daß es die Absicht gibt, das Volk auszutauschen; etwas, das nur in den Köpfen rechter Verschwörungstheo­reti­ker existiert. Doch es gibt immer wieder Beispiele, in denen dieses Ansin­nen unumwunden propagiert wird. In loser Folge wird diese Reihe solche Bei­spiele vor­stellen und kommen­tieren.

Teil 6: Ahnungslose »Experten«

Was genau den bisher nicht übermäßig bekannten Grünen-Politiker Kurt Edler als »Islamismus-Experten« ausweist, ist nicht bekannt, und auch sein Eintrag auf Wikipedia gibt darüber keinen genauen Aufschluß. Das hindert die »Welt am Sonntag« indessen nicht daran, ihn als solchen um seine Meinung zu fragen, und die offenbart »erstaunlich einfache Ideen«, wie zum Beispiel diese hier: »Warum nicht Neu-Aleppo in Vorpommern gründen?«

Der Herr Edler schlägt hier also nicht weniger vor, als Deutschland offiziell zur Kolonie zu erklären, in der in Vorpommern ein »Neu-Aleppo« gegründet wird wie einst ein Nieuw Amsterdam auf der den Ureinwohnern abgeluchsten Halbinsel Manhattan. Wir alle wissen, wie dieses Projekt sich im Fortgang und zu wessen Nachteil entwickelt hat. Nun soll an dieser Stelle hat nicht darüber spekuliert werden, was bei jemandem im Kopf vorgeht, der die Kolonisation des eigenen Landes für wünschenswert erachtet, dafür gibt es entsprechend spezialisierte Mediziner. Vielmehr ist es seine vor Denkfehlern, Widersprüchen und Fehlschlüssen strotzende Argumentation, die hier einer näheren Betrachtung unterzogen werden soll.

Immerhin, das muß man anerkennen, ist der so titulierte »Ex-Realo« – was wohl so zu deuten ist, daß er sich nicht mehr um die Realität schert – so ehrlich zuzugeben, daß es ihm um die Ansiedlung ethnischer Enklaven geht. Die Frage einer wie auch immer gearteten Integration stellt sich für ihn nicht, denn aus seiner Sicht gibt es nichts, worin sich die Kolonisten integrieren könnten. Damit hat der Mann zwar nicht ganz unrecht, aber aus anderen Gründen, denn als Kritik an der eigenen Identitäts­vergessenheit der Deutschen will er das wohl nicht verstanden wissen. »Integration ist aus Sicht der deutschen Lebenswelt kein elementares Bedürfnis, weil sich die Stammbevölkerung selber völlig desintegriert hat. Das gemeine Wort heißt Leitkultur. Die gibt es nicht. Es gibt Lebensstilmilieus.« In der Tat, die gibt es. Unsinn ist jedoch, daß diese eine Leitkultur ersetzt hätten. Lebensstilmilieus gab es immer, und zu früheren Zeiten eines noch ausgeprägteren Standes- und Klassen­bewußtseins sicherlich noch weit wirkmächtiger als heute, auch wenn Soziologen sie mit Begriffen wie »Individualisierung« und »Pluralisierung« zu etwas gänzlich Neuem umschwätzen, nur weil die Durchlässigkeit größer und die Wahlmöglichkeiten zahlreicher geworden sind.

Zu Zeiten des deutschen Kaiserreichs dürfte das Milieu des Adels sich hinsichtlich Mentalität, Konsumstil und Lebenswirklichkeit grundlegender vom dem der Industriearbeiterschaft unterschieden haben als heute die entgegengesetzten Enden der »Sinus-Milieus« es tun, zumal heute jene Milieus stärker selbstgewählt und wechselbarer sind – und dennoch geschah seinerzeit, was gemäß marxistischer Theorien nicht hätte passieren dürfen, daß nämlich der Proletarier lieber Seit′ an Seit′ mit dem Bourgeois für Kaiser, Volk und Vaterland stritt, als zusammen mit seinen Klassengenossen jenseits der Grenze eine Revolution zu veranstalten. Der von Kurt Edler unterstellte Gegensatz zwischen Leitkultur und Milieu existiert nicht in dieser Form, beides existierte vielmehr stets gleichzeitig und überlagerte einander. Zu keiner Zeit ist jemand nur Deutscher gewesen und sonst gar nichts. Zu keiner Zeit ist jemand nur Hedonist gewesen und sonst gar nichts. Nur weil die Wahl­möglichkeiten größer sind, heißt das noch lange nicht, daß Lebens- oder zutreffender Konsumstilmilieus eine grundlegende gemeinsame Kultur ersetzt hätten oder überhaupt dazu in der Lage gewesen wären.

Gegen die Vorstellung einer Verdrängung und Ersetzung nationaler kultureller Identität durch Lebensstilmilieus spricht auch: letztere tragen nicht, wenn es um die Wurst geht. Sie sind konsumabhängige Schönwetter­identitäten, die naturgemäß aufhören zur Distinktion zu taugen, wenn die Konsum­möglichkeiten, auf denen sie fußen, nicht mehr zur Verfügung stehen. Spätestens dann wird man sich jener Zugehörigkeiten erinnern, die man sich nicht ausgesucht hat, die ohne eigenes Zutun bestehen. Edler sieht das aber ganz anders:

Die neuen Konfliktlinien werden aber weder entlang der nationalen Herkunft noch entlang der Religionszugehörigkeit laufen, sondern entlang eines viel mächtigeren Musters, und das ist der Lebensstil. Der Lebensstil tangiert den Kern der menschlichen Freiheit und Selbstbestimmung. Die Zugehörigkeit zu einer Lebensstilgruppe wird den Ausschlag geben.

Das ist nun ausgemachter Blödsinn. Daß die Konfliktlinien eher entlang von Lebensstilen als entlang von Ethnien und Religionen verlaufen wären, hat es meines Wissens in der ganzen Weltgeschichte noch nicht gegeben. Um sich der Absurdität dieser Behauptung bewußt zu werden: Edler behauptet in der Konsequenz, daß eine gewalttätige Ausein­ander­setzung zwischen weintrinkenden, »Zeit«-lesenden, studier­ten Lehrern und bier­trinkenden, »Bild«-lesenden Bauarbeitern mit Haupt­schulabschluß wahrschein­­licher sei als eine zwischen Christen und Moslems. Der Blick auf das weltweite Konfliktgeschehen dürfte diesen Gedanken der Lächerlichkeit preisgeben.

Edler wäre kein Grüner, wenn er nicht das dümmste Argument bemühen würde, wonach Vorbehalte gegen Fremde nur daher rühren können, daß die Menschen noch nicht genug Kontakt mit Fremden gehabt haben: »Das Aufbäumen gegenüber Fremdheit muss ich deuten, denn die meisten Deutschen haben noch keinen einzigen Syrer gesehen.« Nun, ich möchte wetten, die meisten Deutschen haben inzwischen mehr Syrer, Afghanen, Somalier, Marokkaner, Tunesier, Iraker, Pakistaner usw. gesehen, als sie das jemals, wenn überhaupt, gewünscht hatten; das dürfte wohl insbesondere für die vielfach sexuell belästigten Frauen gelten. Daß es gerade dieser Kontakt ist, der manchen zuvor aufgeschlossenen Zeitgenossen eine gewisse Reserviertheit hat einnehmen lassen, scheint für Herrn Edler nicht denkbar zu sein; eine Idealisierung des Fremden unterstellt, daß ein näherer Kontakt zu ihm nur zu positiven Erfahrungen führen könne. Fest glaubt er weiterhin an das Völker­verständigungsmärchen, daß Spannungen umso mehr abnähmen, je dichter man aufeinanderhockt, was nun jeder Alltagserfahrung widerspricht.  Und ob ein angeblicher Syrer, wie ihn sich das Blatt des Millionärs-Sozialisten Jakob Augstein hält, – der darin Deutsche auffordert, das Land zu verlassen, weil seinereiner hier nicht mit ihnen zusammenleben will – geeignet ist, die Sympathien für die Neu-Kolonialisten durch die Decke schießen zu lassen, sei mal bezweifelt.

Aber auch in andere Hinsicht ist das Argument, es könne sozusagen nicht mitreden, wer nicht täglich über die Invasoren stolpert, Quatsch. Denn selbstverständlich kann eine Sache nicht nur auf der Grundlage eigener persönlicher Erfahrung beurteilt werden. Sonst könnte in diesem Land auch niemand etwas gegen Atomkraft haben, schließlich hat in Deutschland selbst noch nie jemand schlechte Erfahrungen mit einem Atomkraftwerk gemacht. Von rein theoretischen Ereignissen wie einer »Klimakatastrophe« wollen wir da gar nicht erst anfangen.

Edler: Warum richten wir nicht in Vorpommern ein Neu-Aleppo ein? Mit vielen fähigen Leuten aus unserem Land und aus Syrien. Dann zeigen wir, dass das, was die britischen und irischen Auswanderer im Nordosten der USA geschafft haben, auch bei uns möglich ist. Die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher hat einen klugen Satz gesagt: „There is no society.“ In der Tat.

Lustig, wie geschmeidig der Grüne darüber hinweggeht, was im Nordosten der USA mit autoch­thonen Bevölkerung passiert ist – hat man ihr am Ende nur nicht richtig vermittelt, welche Chancen das Projekt der Landnahme von Briten und Iren mit sich brachte? Lustig, daß ausgerechnet ein Grüner sich auf Maggie Thatcher beruft, daß es so etwas wie eine Gesellschaft, also etwas, das über eine zusammenhanglose Ansammlung von Individuen hinausgeht, nicht gäbe. So stellt Edler fest, es gebe eine weit fortgeschrittene Form der »Nichtgesellung« und Vereinsamung, was die Menschen, so gibt er zu, unglücklich macht und sie sich nach einer Vertrautheit sehnen ließen – daß er und seine 68er-Spießgesellen Wesentliches zur Herbei­führung dieses Zustands beigesteuert haben, übersieht er freilich. Daraus zieht er jedoch den originellen Schluß, daß der Wunsch nach Heimat eine »Pseudo-Utopie« sei – gänzlich irrational und »albern« im Gegensatz zu der richtigen Utopie einer mulitkulturell-multiethnischen Gesellschaft. Wie paßt das zusammen? Gar nicht natürlich, paßt aber wohl zu dem, was Herr Edler sonst noch an Erkenntnissen auf Lager hat. Wie zum Beispiel, Jugendliche mit neuen pädagogischen Konzepten von der Radikalisierung abzuhalten. Oder die Feststellung, daß den meisten Moslems ihre Religion weitgehend bedeutungslos ist. Oder daß eine Radikalisierung durch die Einwanderungs­situation erklärbar ist – gerade so, als ob es sowas in den Herkunftsländern nicht gäbe. Kurzum, was der »Ex-Realo« als Expertise vorträgt, ist eine bizarre Pippi-Langstrumpf-Welt aus Wunschdenken und Weltfremdheit.

 

 

 

 

 

 

 

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Foto : fabio venni

“Weserlotse” lebt als Niedersachse mit niederschlesischem Migrationshintergrund in Thüringen und ist alt genug, um noch zu wissen, wie das Leben ohne Internet funktioniert, ist trotzdem so etwas wie das, was heute “Netzaktivist” heißt, würde sich selbst aber nie so nennen.

2 thoughts on “Sie wollen den Austausch! – Teil 6

  1. Ich bin ein 71 jähriger noch fiter Rentner, aber eines ist sicher, der Islam ist keine friedliche Religion, man muß nur einmal
    einige Suren lesen, und das mit dem Austausch der Bevölkerung durch Islamisten, ist nicht von der Hand zu weisen, den
    in Deutschland ist die Bevölkerung überaltert, und wenn in den nächsten Jahren immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland
    kommen, und das in der Hauptsache Mohammedaner, dann ist das mit dem Austausch keine Verschwörungs-Theorie mehr,
    dann haben die Islamisten freie Hand und die Scharia ist nicht mehr fern und Frauen und Mädchen haben keine Rechte
    mehr, und Abends können sich dann unverschleierte Frauen und Mädchen nicht mehr auf die Straße getrauen.
    das müssen wir alle verhindern.

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