Mutig sein

Was bewegt Menschen wie David dazu, gegen Goliath zu kämpfen? Was lässt uns glauben, dass wir gegen eine Übermacht den Sieg davon tragen können? 1444 stellten sich christliche Ritter der osmanischen Übermacht bei Warna. Hofften sie auf den Sieg oder kämpften sie mit dem Mut der Verzweiflung? An was glaubten die Männer der Löwelbastei, als sie den türkischen Heerscharen Widerstand leisteten und Wien bis zum letzten Blutstropfen verteidigten? Polnische Zivilisten kämpften bis zur Auslöschung Warschaus einen hoffnunglosen Kampf gegen die Nazis. Tagtäglich gehen Sozialarbeiter und Polizisten in die zerrütteten Viertel Amerikas, wo Drogen und Gewalt regieren und versuchen zu helfen und zu retten. Feuerwehrmänner und Ärzte riskieren viel für Menschen, die sie gar nicht kennen. All dies ist und war mutig.

Was heißt es eigentlich tapfer zu sein? Was ist Mut? Gibt es mutiges Verhalten in unserer entheroisierten Gesellschaft überhaut noch?

Mut, sich herleitend aus dem althochdeutschen “mout” (Seele, Geist), ist ein Wort, dass viel an seiner ursprünglichen Bedeutung eingebüßt hat. “Hohen Mutes” oder “hôher mout” zu sein, bedeutete  in der mittelalterlichen Kultur vor allem, dass man ein durchweg edles Gemüt hat. Einen guten Charakter also, welcher sich durch Tugendhaftigkeit und Edelmut auszeichnet. Wer viel Mut hat oder mutig ist, war also ein Mensch, welcher sich einem wahrhaftig christlichem Leben verschrieben hatte. Verkörpert wird das Ideal des mutigen Mannes vielleicht am besten durch die edlen Ritter der Mythen und Legenden, die stets edlen Gemüts waren und wie Parzival ihr Leben der Rechtschaffenheit verschrieben hatten. Mutig sein hieß also mitnichten, sich gefährlichen Herausforderungen zu stellen, sondern vor allem einen rechtschaffenen Lebensweg einzuschlagen. “Mut haben” hieße also, sich als Ritter zum Wohle der Gemeinschaft und ohne Eigennutz einzusetzen. Man diente dem Lehnsherren, dem Reich und damit auch dem Volke. Mutige Taten zu vollbringen meinte im Grunde, dass man in allen Handlungen eine Tugendhaftigkeit an den Tag zu legen hatte. Die Aufopferung des Einzelnen für die Gemeinschaft.

In dieser Tradition möchte ich das Wort “Mut” auch heute wieder begreifen. Mutig sein sollte heutzutage nicht bedeuten, sich auf hohe Wolkenkratzer zu begeben und sich von dort mit einem federnden Seil herunter zu stürzen. Es ist auch keine “Mutprobe”, wenn Männer sich mit schnellen Autos heiße Wettrennen liefern oder andere Wagnisse eingehen, die keinen Nutzen außer die Befriedigung des eigenen Egos haben. Damit möchte ich derlei Aktivität nicht schlecht machen. Keinesfalls. Sie gehören zum aktiven Erleben des Lebens dazu. Aber sie sind nicht “mutig” im Sinne des alten Wortes, sondern wohl eher waghalsig.

Mutig in unserer heutigen Welt und durch alle Zeiten hinweg sind jene Menschen, die gegen den Widerstand der äußeren Umwelt versuchen rechtschaffen zu leben und zu handeln. Dies kann heißen, dass ein Mensch mutig ist, wenn er sich in der Berliner-Ubahn einer Gruppe Schlägern entgegen stellt, welche eine unschuldige Person bedrohen, wie derlei schon häufig passiert ist. Dies wäre couragiert, ja mutig und ein Dienst der über die eigene Person, also das ICH, hinaus geht. Ich opfere mich und setze mich für einen Anderen ein. Diese andere Person ist Teil meiner Gemeinschaft und da ich auch Teil dieser Gemeinschaft bin, beschütze ich ihn. Ohne Hintergedanken.

Mutig kann auch sein, wenn eine Mutter in einem sozial schwachen Stadtviertel ihre Kinder alleine großziehen muss und gegen den heftigen Widerstand einer zerrütteten Gesellschaft diesen Kindern versucht ein gutes Leben zu ermöglichen. Wenn sie sich bemüht sie gut zu erziehen und selbst der Verantwortung nicht scheut. Mutig ist, wenn dies ein Vater oder ein Bruder oder eine Schwester für Mitglieder der Familie tut. Mutige Menschen kämpfen gegen Widerstände in der Gesellschaft. Sie sind nicht immer Krieger, Soldaten und dergleichen, die natürlich sehr viel Mut im Einsatz für die Gemeinschaft erbringen müssen, aber nicht die einzigen Gruppen und Individuen sind, welche mutig sein können. Mut ist nicht per se etwas, was man nur im Kampf beweisen kann.

“Mout haben”  – das kann jeder, der sich wissentlich in ein Risiko begibt und dies nicht für sich selbst, sondern für Andere tut. Umso größerer dieses Risiko und umso stärker der entgegenschwemmende Widerstand für den Betroffenen, desto größer ist auch der erforderliche Mut.

In unserer postheroischen und individuellen Gesellschaft ist meiner Ansicht nach Mut eine Tugend, die von allen Menschen besessen wird, die ihr eigenes Ich zurückstellen können. Nicht immer und nicht in jeder Situation. Doch aber dann, wenn es notwendig wird. Mutig sind sie, wenn sie in schwierigen Momenten den Kurs halten, Charakterstärke und Loyalität zur Gemeinschaft beweisen. Mut haben ist so viel mehr als nur ein Risiko eingehen. Mut haben bedeutet auch bestimmte Tugenden hochzuhalten.

Charakter macht den Menschen und dieser Mensch kann sein eigenes Schicksal schmieden und selbst entscheiden wie er handelt. Es ist dieses handeln, das ihn erst ehrbar und gut oder eben schlecht und missraten macht.

“Seid ohne Furcht im Angesicht eurer Feinde, seid tapfer und aufrecht auf das Gott euch lieben möge, sprecht stets die Wahrheit, auch wenn dies den eigenen Tod bedeutet. Beschützt die Wehrlosen”

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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