Sinnestäter und Gedankenverbrecher – Equilibrium

Wissen Sie, was ein Gedankenverbrechen ist? Oder eine Sinnestat? Vermutlich sind Sie selber so ein Sinnestäter oder Gedankenverbrecher, ohne es zu wissen. Futuristische Filme wie Minority Report und Equilibrium oder Romane wie Orwells 1984 thematisieren genau diese letzte freie Sphäre der menschlichen Geisteswelt. Alles, was wir heute tun und sagen, wird wahrscheinlich in irgendeiner Form zur Kenntnis genommen. Sie surfen im Internet nach Küchengeräten und genoppten Kondomen? Jemand kann das herausfinden, wenn er möchte. Sie haben Spuren hinterlassen. Sie kaufen mit der EC-Karte im Supermarkt eine Flasche Rotwein? Ihr SMS und Whatsapp Chatverlauf verrät, dass Sie sich heute auf einen romantischen Abend einstellen. Wohin Sie auch gehen und ihr Handy Sie dabei begleitet – man weiß wo Sie sind oder kann es leicht erfahren.

Der neue Bürger der Post-Moderne ist ein gläserner Bürger. Abgesehen davon, dass nur noch das Bargeld die absolute Durchsichtigkeit des Menschen verhindert, gibt es aber auch noch eine andere Welt, auf welche die herrschende Klasse bisher keinen Zugriff hatte. Unsere Gedanken. Sie sind, wie in dem bekannten Studentenlied, frei, und niemand kann sie erraten. Doch dies bedeutet nicht, dass sie auch niemand kontrollieren möchte. Noch mag es nicht soweit sein, dass Computer oder genetisch modifizierte Kleriker ihre Gedanken ausspähen können. Aber wir haben es längst soweit gebracht, dass der lange Arm der Kontrollfreaks auch in unser Gehirn reicht. Nämlich über die Kontrolle der Sprache und über die Kontrolle der diskutierten Themen.

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Es wäre wohl naiv anzunehmen, dass der Traum totalen Kontrolle reine Fiktion ist. Die Geschichte ist voller Beispiele für den immerwährenden Drang der Machthaber und der künftigen Machthaber, die Geisteswelt der eigenen Untertanen zu manipulieren und in letzter Konsequenz zu beherrschen. Dabei sind sogar meist lautere Motive im Vordergrund. Schließlich gehe es darum, den Menschen besser zu machen und ihn zu erziehen. Ja er müsse in einem besonderem Menschenbilde und einer Ideologie aufgezogen und behütet werden, damit er ja nicht außerhalb der gegebenen Bahnen denkt.

Den Gedankengang verfolgt der Film “Equilibrium” auf sehr interessante Weise. Ein Dritter Weltkrieg führt im Vorfeld des Films zur drastischen Veränderungen der Post-apokalyptischen Zivilisation. Die Überlebenden des nuklearen Krieges unterwerfen sich freiwillig(?) einer Diktatur, welche die Emotion, die menschliche Fähigkeit zu fühlen, als Hauptursache aller Probleme der Welt identifiziert. Emotionen werden wie eine Krankheit behandelt, welche mit Medizin vorbeugend ausgeschaltet werden müssen. Wer sich nicht an diese selbstgewählte emotionale Verstümmelung hält, muss damit rechnen von den “Grammaton Klerikern” gejagt zu werden.

Equilibrium” spinnt den Gedanken der sich selbst zensierenden und beschränkenden Kontrollgesellschaft weiter und macht ihn zur Unterhaltung. Eine Diktatur, die sich nicht darauf beschränkt, zu wissen, was die Menschen denken, sondern was sie fühlen. Eine Diktatur, welche die eine Triebfeder menschlicher Natur, seine Emotionen, ausschaltet und dadurch Kontrolle über sie erlangt. Immer mit dem Vorwand und der ausgesprochen Absicht nur das “Beste” für die Menschen zu wollen.

Ich meine, dass diese Absichten keinesfalls das Hirngespinst imaginärer Filmdiktaturen sind, sondern reale Beispiele in unserer Vergangenheit und Gegenwart haben.

Equilibrium kriegt eine Filmempfehlung von mir! Diskussionen zu dem Thema sind gern gesehen:

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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