Am Grab Theodor Körners

Am 26. August 1813 fiel der patriotische Schriftsteller und Dichter Carl Theodor Körner als Leutnant des Lützowschen Freikorps nahe der mecklenburgischen Stadt Gadebusch im Gefecht mit einem napoleonischen Nachschubverband. Auf dem Friedhof des Dorfes Wöbbelin bei Ludwigslust fand er seine letzte Ruhestätte.

Es sollen hier einige Eindrücke wiedergegeben werden, die sich bei einem Besuch der Grabstätte Theodor Körners auf dem Friedhof in Wöbbelin ergaben. Unter anderem den, daß die Konzeption der Gedenkstätte symptomatisch ist für unseren Umgang mit der eigenen Geschichte, der negative Seiten überbetont und aufbläht, die guten daneben zum Verblassen und Verschwinden bringt. Es drängt sich auch hier die Vermutung auf, daß genau das so gewollt ist.

DSC_3551Das Gelände des Friedhofs Wöbbelin ist in zwei Teil gegliedert: zum einen der übliche Dorffriedhof, zum anderen ein weitläufiges, parkähnliches Areal, auf dem sich die Grabstellen Theodor Körners sowie die seiner Eltern und seiner Schwester Emma und einer Tante befinden.

Dieser Bereich kann durch eine gesonderte Eingangspforte betreten werden, neben der ein lebensgroßes Standbild des Freiheitskämpfers und Dichters aufgestellt ist. Hier fällt allerdings schon auf, daß Tafeln mit Erklärungen der historischen Ereignisse sowie zur Person Körners Magelware sind; der Besucher erfährt hier darüber kaum etwas. Bei der ersten Tafel, die man nach dem Eintreten antrifft, offenbart sich sogleich auch, in welchem Geiste die Anlage hier gestaltet ist.

Einem einzelnen Satz, daß der Dichter bei einem »Überfall« auf Franzosen gefallen sei, folgt die Geschichte eines KZ-Außenlagers, dessen Opfer auf dem Gelände bestattet sind.

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Nun ist es selbstverständlich angemessen, wenn für die Toten der NS-Gewaltherrschaft eine würdige Gedenkstätte geschaffen wird, und stände sie für sich allein, wäre wenig daran auszusetzen. Nicht angemessen ist es hingegen, wenn wenn dies mit dem Gedenken an einen deutschen Freiheitskämpfer und Nationalhelden verquickt und somit zwischen beidem ein unzulässiger Zusammenhang hergestellt wird. Es hat den Anschein, daß die Besucher die deutsche Geschichte vornehmlich als KZ-Geschichte erfahren sollen, die alles Vorangegangene überlagert und vor allem kein Platz für Heroismus mehr läßt.

Die NS-bezogene Gedenkstätte nimmt dann auch den größten Teil des Geländes ein, die Körner-Grabstätte selbst befindet sich in einem hinteren, abgelegenen Teil, unter einer großen Eiche.

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Diese Grabstätte macht an sich einen gepflegten, würdigen Eindruck. Hier wurde eine Tafel aufgestellt, die eine äußerst knappe Erläuterung nebst Wiedergabe der Grabsteininschriften enthält. Zu den historischen Ereignissen erfährt man nichts, und das Wort Befreiungskriege ist sicherlich nicht ohne Hintergedanken in Anführungszeichen gesetzt. Auch die Internetseite der »Mahn- und Gedenkstätte Wöbbelin« gibt hierzu nicht mehr her. Doch wäre gerade gerade nötig, den geschichtlichen Hintergrund zu beleuchten, denn seine Kenntnis kann heute leider nicht mehr vorausgesetzt werden. Vergleicht man dort, wieviel mehr volkspädagogische Mühen an den Themenkomplex des Konzentrationslagers verwendet wurde, so wird der Eindruck bestätigt, daß hier eine thematische Umwidmung vorgenommen wurde und Theodor Körner nurmehr ein Anhängsel einer schuldfixierten Gedenkkultur darstellt.

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Nun ist der Dichter bereits unzulässigerweise durch die Nationalsozialisten vereinnahmt und mißbraucht worden, und niemand wünscht sich heute mehr eine unreflektierte Heldenverehrung. Doch dies sollte kein Grund sein, das Andenken von Menschen, die voll Opfermut und Idealismus ihr Leben für ihr Vaterland hingaben, nicht in angemessener Weise zu wahren und der Gegenwart zu vermitteln.



Dem Anliegen, den Nachgeborenen ein gesundes Geschichtsbewußtsein zu vermitteln, das nicht nur von Mahnmalen beherrscht ist, sondern Raum zur Identifikation läßt, wird die Gedenkstätte nicht gerecht.

 

 


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“Weserlotse” lebt als Niedersachse mit niederschlesischem Migrationshintergrund in Thüringen und ist alt genug, um noch zu wissen, wie das Leben ohne Internet funktioniert, ist trotzdem so etwas wie das, was heute “Netzaktivist” heißt, würde sich selbst aber nie so nennen.

2 thoughts on “Am Grab Theodor Körners

  1. Ja, so geht das mit der Geschichte. Alles vor 1933 muss in einen “Prä-Nazi”-Kontext eingebunden werden. Ein würdiges Gedenken der Opfer der NS-Herrschaft ist damit ebensowenig möglich, wie ein sachliches Gedenken der Frauen und Männer, die für Deutschland gekämpft haben und in irgendeiner Art und Weise Bedeutung erlangten.
    Das Grab des “anderen” Freikorps-Kommandanten, Freiherr von Lützow, in Berlin ist nichtmal in so sonderlich gutem Zustand, wovon ich mich vor einigen Monaten selbst überzeugen musste. Wer nicht weiß, wo es liegt, findet es kaum noch. Bezeichnend. Wer gegen “Frankreich” für deutsche Einheit und Freiheit eintrat, ist im Weltbild heutiger “Eliten” wohl ein “Fortschrittsbehinderer” oder gar “Proto – Nazi”. Absurd.

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